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Wohin geht die Reise?


Fotos: Julia Rau

Für Sandra Auffarth steht am Anfang einer jeden Saison die Frage „Wohin geht die Reise?“.  Die Entwicklung der Pferde, das Zusammenwachsen, kleine- als auch große Fortschritte bei der Arbeit –  das macht für die erfolgreiche Vielseitigkeitsreiterin die Spannung am größten, fordert sowohl  ihr Pferd als auch sie.

Von Sonja Slezacek

 

Wohin ihre persönliche Reise geht, wusste die heute 27jährige hingegen schon ganz früh. Der ursprüngliche Landwirtschaftsbetrieb ihrer Eltern wich Schritt für Schritt der Aufzucht und Arbeit mit Pferden. So ist Sandra von klein auf mit Pferden aufgewachsen. Die Überlegung je in eine andere Richtung einzuschlagen kam nie auf. Ihre Leidenschaft galt immer den Pferden. So folgte Sandra nach dem Abitur dem Ruf des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei und wurde Teil der Perspektivgruppe. Dort absolvierte sie auch eine Ausbildung zur Pferdewirtin, die sie als Jahrgangsbeste mit der Stensbeck-Plakette abschloss. Mit dem Ziel, wieder in den elterlichen Betrieb heimzukehren und gemeinsam den Zucht- und Ausbildungsstall zu führen, beschloss die passionierte Reiterin eine weitere Ausbildung im kaufmännischen Bereich zu machen und so das Ganze abzurunden. Mit Erfolg: Bevor Sandra 2011 wieder nach Ganderkesee-Bergedorf zurückkehrte, ließ sie sich zur Sport- und Fitnesskauffrau bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ausbilden.

Die Zusammenarbeit läuft im Stall Auffarth sehr harmonisch ab. Vater, Mutter und Tochter kommen sich nicht in die Quere, da jeder einen eigenen Aufgabenbereich hat.  Vater Karl-Heinz ist für die Aufzucht zuständig, Mutter Bärbel ist in erster Linie für das Stallmanagement verantwortlich. Die Unterrichtserteilung teilen sich Mutter und Tochter. Sandras Schwerpunkt liegt bei der Aus- und Weiterbildung junger Pferde. Meinungsverschiedenheiten gibt es nicht, es wird Hand in Hand gearbeitet.

Welche Disziplin?

Sandras Interesse für das Vielseitigkeitsreiten wurde früh geweckt. Bereits als Ponyreiterin feierte sie erste nationale Erfolge. Im Jahr 2000 wurde sie Sechste bei der deutschen Meisterschaft der Pony-Vielseitigkeitsreiter. Der Umstieg auf Großpferde klappte problemlos, Sandra führte ihre Erfolgsgeschichte nahtlos fort. Eine Vorliebe für eine spezielle Disziplin hat Sandra dabei nicht. Das läge immer auch am jeweiligen Talent des Pferdes. Wenn sie ein tolles Dressurpferd hat, dann macht ihr auch die Dressur viel Spaß. Es ist vor allem die positive Entwicklung der Jungpferde, der gemeinsame Spaß an der Arbeit und die sichtbaren Fortschritte, die der Gewinnerin des silbernen Lorbeerblattes am Herzen liegen.

Nichtsdestotrotz bleibt die Olympiade in London ihr bisher schönstes Erlebnis. Als jüngstes Teammitglied startete sie mit Opgun Louvo, den Sandra zuvor selbst ausgebildet hatte. Ein Ereignis, das sich nicht so schnell toppen lässt, beschreibt die Gewinnerin der Bronzemedaille im Einzel.

Langeweile in der Winterpause? Nein!

Jetzt, in der Winterpause, lässt die Mannschaftsolympiasiegerin das Training mit ihren Vierbeinern ein bisschen ruhiger angehen. Einmal in der Woche steht Springen auf dem Plan, dazu kommt Springgymnastik – und wenn es das Wetter zulässt, geht Sandra so oft wie möglich ins Gelände. Die Abwechslung und Arbeit auf unterschiedlichen Böden sind eine gute Ergänzung des Trainings. Alles in allem ist die Winterpause mit ein bisschen mehr Spaß verbunden, laufenlassen und ausgiebige Weidengänge gehören für die Pferde einfach dazu.  Die Arbeit kommt dabei aber nicht zu kurz.

Wenn im Frühjahr die Hallenturniere und ersten Vielseitigkeitsprüfungen beginnen, können alle schon einmal Turnieratmosphäre schnuppern und sich so langsam auf die Saison vorbereiten. Dabei achtet die Pferdewirtin darauf, dass sowohl ihre ‚Youngster‘ als auch die etwas älteren ‚Profis‘ einen freien Tag in der Woche bekommen, auch während der heißen Turnierphase.

Was bringt 2014?

Sandra hat sich für 2014 wieder einiges vorgenommen. Opgun Louvo, der 2013 aufgrund einer leichten Zerrung eine Pause einlegen musste, ist wieder fit. Geplant mit ihm sind unter anderem Starts in Marbach oder Aachen. Mit dem Schimmel The Blue Frontier, der im Pedigree die Vollblutlegende Nothern Dancer hat, möchte Sandra auch in Marbach starten. Vielleicht Luhmülen, aber das wird sich zeigen. Sandra achtet bei der Wahl ihrer Pferde sowohl auf einen hohen Blutanteil, auf die Rittigkeit des Pferdes als auch auf die Technik am Sprung. Ein entsprechendes Exterieur und guter Gesundheitszustand sind Grundvoraussetzung. The Blue Frontier und Limited Edition hat sie  beispielsweise zusammen mit Nikolaus Prinz von Croy ausgesucht. Der Mäzen kommt eigentlich aus dem Galopp-Sport und engagiert sich nun auch im Vielseitigkeitssport.

Das hauseigene Vielseitigkeitsturnier an Ostern, bei dem u.a. wieder eine Geländepferdeprüfung und A und L Vielseitigkeit geplant sind, bieten eine passende Gelegenheit für die Jungpferde zu Hause das Gelände kennenzulernen.

Übrigens, einen Glücksbringer braucht Sandra auf Turnieren nicht, es geht auch ohne. Auch das hat die erfolgreiche Amazone mehrfach bewiesen. Das Buschreiter-Team wünscht ihr auf jeden Fall weiterhin viel Erfolg – mit oder ohne Glücksbringer. (sls)