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Windfall aus dem Sport verabschiedet

Im Rahmen des Rolex Kentucky CCI**** wurde in diesem Jahr der 23j. Windfall aus dem Sport verabschiedet.

1992 erblicke der Trakehner Windfall als recht unscheinbares schwarzes Hengstfohlen im Allgäu das Licht der Welt. Dieser Sohn des unter Martin Plewa international in der Vielseitigkeit erfolgreichen Habicht aus der Elitestute Wundermädel xx v. Maduzzo xx stammte aus der Zucht von Heinz Lemke in Kaufbeuren. In der direkten Nachbarschaft, bei Familie Hörmiller, hatte diese Stute nach einer Rennkarriere den Weg in den Sport gefunden (VM) und Hörmillers züchten auch bis heute ausgesprochen erfolgreiche Buschpferde aus diesem Stamm. Windfall ging als Absetzer an das Gestüt Hörstein bei Aschaffenburg, wo er zur Körung vorbereitet wurde.

1994 wurde Windfall in Neumünster im Prämienlot rangiert. Nach seinem (eher bescheidenen) 100 Tage Test ging er zu Ingrid Klimke, wo er in Meisterhänden behutsam aufgebaut wurde. Es ist sicherlich auch ein Verdienst seiner soliden Ausbildung, dass er bis heute als 23jähriger fit und gesund jeden Tag gearbeitet werden kann. Windfalls Sportbilanz als Nachwuchstalent konnte sich sehen lassen: 1997 gelang es Ingrid Klimke, den Hengst nicht nur für das Bundeschampionat der Geländepferde, sondern auch der Dressurpferde zu qualifizieren. Die Mühen wurden mit dem Vizetitel 1997 im Busch belohnt und nur ein Jahr später wurde Windfall Bundeschampion der 6jährigen Geländepferde. 1999 gewann der gerade einmal 7jährige alle CIC*, ** und *** Prüfungen, in denen er an den Start ging und sicherte Ingrid Klimke das Berufsreiterchampionat. 1999 wurde Windfall das erste Mal als „Trakehner des Jahres“ ausgezeichnet – ein Titel, der ihm 2004 noch einmal verliehen wurde. 2000 wählten die Leser der Reiter Revue Windfall zum „Pferd des Jahres“. Das Jahr stand außerdem im Zeichen der Olympischen Spiele in Sydney und Windfall war auf der Longlist. Ende 2000 erfolgte dann sein Verkauf in die USA. Dr. Timothy Holekamp, ein passionierter Züchter aus Missouri, hatte sich mit seiner Frau Cheryl eine erfolgreiche Trakehner Zucht aufgebaut und war schon länger auf der Suche nach einen geeigneten Nachfolger für den im Gestüt beheimateten Amethyst II (u.a. Sieger in Bromont).

Windfall ging seine erste internationale Prüfung auf amerikanischem Boden im April 2001 beim CIC** in Chatsworth unter Darren Chiacchia, wo das Paar auf Anhieb 4. wurde. In der Saison 2001/02 reihten sich Siege und Platzierungen bis CIC*** aneinander und 2003 kamen auch die US Team Selektoren nicht mehr umhin, dem Rappen eine Chance zu geben. Windfall lief sein erstes großes internationales Championat bei den PanAm Games, einem CCI*** in Fairhill. Allen auch aus Deutschland immer zu vernehmenden Unkenrufen zum Trotz, der Hengst wäre einfach nicht schnell genug und würde Einstellung vermissen lassen, gewann der nach einer schnellen Runde in einem sehr anspruchsvollen Kurs Einzel- und Teamgold.

2004 war Olympiajahr. Als wichtigste Sichtungsprüfung stand im April der Viersterne Klassiker in Kentucky als modifizierter CCI**** auf dem Plan, den Windfall gewann. Der Traum von der Olympiateilnahme wurde dann auch wahr. Bekanntlich lief in Athen alles anders, was aber nichts am 12. Platz in der Einzelwertung und Team Bronze für Windfall ändern sollte. Nach Athen gab es für Windfall eine Pause und 2005 war er wieder hoch platziert bis CIC***. 2006 hatte sich Windfall für das Weltcup Finale in Malmö qualifiziert, welches er auf einem überzeugenden 5. Platz abschloss. 2007 war Windfall 15 Jahre alt und es stellte sich die Frage, was man denn noch beweisen musste. Nach wie vor strotzte der Hengst vor Leistungsbereitschaft und fühlte sich bei einem gut gemeinten Weideurlaub völlig fehl am Platze. Es ging zurück in den Sport, auch 2007 standen wieder Erfolge bis CIC*** zu Buche. Einen Ausflug ins Dressurviereck verwandelte Windfall in hohe Platzierungen und einen Sieg in Kl. S. 2008 wurde dann unfreiwillig zu einem ruhigen Jahr, da Darren Chiacchia nach einem schweren Sturz viele Monate im Krankenhaus verbrachte. Das halbe Jahr „Warten“ verbrachte Windfall bei US Dressurreiter Robert Dover, der den Hengst auf Grand Prix Niveau förderte und ihn auch gerne noch länger geritten hätte. Am Ende wurde er Therapiepferd und trug Darren 2009 durch seine erste Vielseitigkeit knapp ein Jahr nach dem Unfall.

Seit 2010 ging Windfall keine Buschprüfungen mehr, sondern fand im Dressursport und unter Cheryl Holekamp eine neue Aufgabe bis Grand Prix!

Sein Fazit im Sport: Er ist das dritterfolgreichste US Buschpferd aller Zeiten (Stand 2015), gemessen an den Punkten, die er im Laufe seiner Karriere gesammelt hat. Die WBFSH listete ihn 2 Jahre als erfolgreichsten Hengst im internationalen Vielseitigkeitsport. Nach wie vor wird Windfall jeden Tag normal gearbeitet, er ist kerngesund, ist auf den Beinen fit wie eh und je und hält „seine“ Menschen auf Trab. Als Vererber steht ihm jetzt eine neue Herausforderung ins Haus, denn durch den sehr kurzen Deckeinsatz in Deutschland sind nicht nur vergleichsweise wenige Fohlen geboren, sondern sie sind nun auch schon eines älteren Semesters. Seine Nachkommen verzeichnen Erfolge im Dressursport bis Kl. S und in der Vielseitigkeit bis CIC***/CCI**. In den USA, wo Bedeckungszahlen ohnehin deutlich unter dem Niveau Europas liegen, gehört Windfall zu den beständigsten Vererbern vielseitig veranlagter Reitpferde. Zum wiederholten Male gewannen seine Nachkommen die Young Event Horse Championships, eine nach dem Vorbild des Bundeschampionats konzipierte Prüfung. 2011 stand sein Sohn Project Runway, gerade einmal 7jährig bereits CIC*** erprobt, mit seiner 17jährigen Reiterin Maxance McManamy im US Team für die PanAm Games in Mexico, trat aber dann auch aufgrund seines Alters nicht an. Mit Vandiver startete in diesem Jahr der erste Windfall Nachkomme auf 4* Niveau, womit im übrigen eine in der Sportpferdezucht wohl einmalige Serie ihre Fortsetzung findet – schon der Urgroßvater Burnus AAH ging Vielseitigkeit bis Kl. S; Vorgaben, denen sowohl der Sohn Habicht wie auch der Enkel Windfall und seine Nachzucht folgen konnten. Bedenkt man, dass der Begründer dieser Dynastie, der Shagya Araber Lapis ShA seinen Reiter Walter Schmidt-Salzmann aus dem Russlandfeldzug über 5000km nach Hause brachte, ist nun also die 4. Generation in Folge im Hochleistungssport aktiv.

Wer Windfall heute erlebt kann das Alter dieses Pferdes nicht wirklich fassen. Lediglich ein paar graue Haare an der Schläfe sind mittlerweile aufgetaucht. Ansonsten ist Windfall nach wie vor kerngesund, leistungsbereit wie eh und je und der Mittelpunkt seiner Familie Holekamp in Missouri. Er zieht jeden Oktober mit den anderen Turnierpferden der Farm in den warmen Süden nach Florida und wartet morgens ungeduldig am Zaun. Geduldiges Warten war noch nie seine Stärke, so wie es sich für ein Buschpferd eben gehört.

Windfall steht den Züchtern in Deutschland zum ersten mal seit Jahren wieder per TG zur Verfügung. Ein gezielter Einsatz dieser wertvollen und bewiesenen Genetik wäre sicherlich wünschenswert.

Maren Engelhardt

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Windfall bei seiner Verabschiedung in Kentucky (Foto: Privat)