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Was macht eigentlich ein FEI-Steward?

Nathaly Fulda gibt Einblicke in ihren spannenden Arbeitsalltag  als Steward

Help, prevent, intervene – Diese drei Verben beschreiben am besten die vielfältigen Aufgaben eines Stewards. Oberstes Gebot ist das Wohlbefinden des Sportpartners Pferd sicherzustellen.
Erfahrungen im Umgang mit Pferden und in der Reitlehre sind wichtig, sowohl in der Arbeit mit den Pferden ohne direkte Wettkampfvorbereitung als auch in der direkten Vorbereitung und im Turnier selbst. Als Steward ist man das Bindeglied zwischen Veranstalter, Richtergruppe, Technischen Beauftragten und Athleten und muss nach den FEI-Regeln diese Phasen in Hinblick auf das Wohlergehen aller Akteure beurteilen können und die korrekte Ausrüstung, Trainingsmethoden, Hufpflege und Transport einzuschätzen wissen.

Begleitung und Information
Der Steward hat sicherzustellen, dass für jeden Reiter der sportliche Ablauf und die Bedingungen während des gesamten Turniers gleich bleiben. Darunter fällt auch, die regelmäßige Bodenpflege auf den Abreiteplätzen zu gewährleisten und die Aktiven in Ihrer Vorbereitungsphase konstant zu begleiten. Turnierstarter werden vom Steward in regelmäßigen Abständen über den aktuellen zeitlichen Ablauf informiert. Beispielsweise bekommt jeder Reiter die Möglichkeit vorab noch einmal ums Viereck zu reiten oder einen letzten Sprung zu machen.

Medizinische Versorgung
Während der gesamten Veranstaltung sind Stewards auch für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung auf den Abreiteplätzen zuständig. Ebenso sind sie die direkte Verbindung zu den Veterinären, wenn es zu Auffälligkeiten bei Pferden kommt. Zudem begleiten Stewards Pferde zu Dopingproben.

Presse
Bei großen Prüfungen mit Live-TV-Übertragung stellt der Steward sicher, dass die besprochenen Übertragungen pünktlich eingehalten werden.

Vorbeugen und handeln
Zu den Aufgaben des Stewards gehört es auch, bei unzulässiger Ausrüstung frühzeitig zu reagieren, um dem Reiter die Möglichkeit zu geben, den Fehler zu korrigieren, ohne die direkte Vorbereitungsphase grob zu unterbrechen. „Unsere Aufgabe ist es jedoch nicht, nach Fehlern zu suchen und den Sport zu verhindern, sondern in Zusammenarbeit und Austausch mit den Aktiven, den Pflegern, den Chef d´Equipes und Trainern einen sauberen Sport zu gewährleisten“, betont Nathaly Fulda. Stewards sind der verlängerte Arm der Richtergruppe und des TD außerhalb des Prüfungsgeländes. Das beinhaltet einen regelmäßigen Austausch via Funk oder Handy, wenn es zu Auffälligkeiten kommt. Die Richtergruppe wird während der Dressur jedoch nur in Ausnahmefällen kontaktiert.

Sportliche Grundsätze
Der Grundgedanke des Sports kommt leider nicht bei allen Athleten an. „Bei groben Regelverstößen haben wir die Aufgabe den TD und die Richtergruppe neutral zu informieren, damit sie gegebenenfalls eine unabhängige Endscheidung – beispielsweise die Disqualifikation – aussprechen können“, sagt die Pferdebegeisterte und ergänzt: „Als Steward hat man lediglich die Möglichkeit Konsequenzen bei unkorrekten Verhalten in Form einer „verbalen Warnung“ auszusprechen oder in Rücksprache mit dem TD oder Richtergruppe eine gelbe Karte zu vergeben“.

Kleine und große Unterschiede
„In kleinen Prüfungen erklären wir aufgrund von Unwissenheit vieler Starter oftmals vor allem die Grundregeln. Bei großen Prüfungen ab Dreisterne-Niveau steht eher die Prävention und Intervention im Fokus. Das mögliche Ausreizen der Regeln erfordert hier viel Erfahrung. Ich begrüße daher auch das Bestreben der FEI und der FN junge Stewards über das Ausbildungsprogramm mit erfahrenen Stewards lernen zu lassen, denn man lernt nie aus“, beschreibt Nathaly Fulda ihre Arbeit. Abgestumpftheit ist für Stewards ein Fremdwort.

Aber wie wird man eigentlich Steward?
Die offizielle Variante ist eine Richterlaufbahn einzuschlagen und sich dann über die Fédération Equestre Nationale an Förder- und Ausbildungsprogrammen für FEI-Stewards zu beteiligen.

Bei Nathaly Fulda war es anders. Selbst in kleineren Klassen im Vielseitigkeitssport aktiv, ist Nathaly per Zufall in der Meldestelle gelandet. Die nächste Station, das Controlling im Gelände, ließ nicht lange auf sich warten. „ Ich durfte von den Besten lernen, sowohl von erfahrenen Meldestellen, Richtern als auch von FEI-Officals“, freut sich Nathaly Fulda. Die Vielseitigkeit hatte in Bezug auf Richter und Offizielle vor rund zehn Jahren ziemliche Nachwuchssorgen. „Irgendwann habe ich mich mit Philine Ganders-Meyer über das Stewarding unterhalten und dass ich die Aufgabe sehr interessant finde. Und so hat mich die FN auf die FEI-Liste gesetzt“, strahlt sie. Vor allem von Jürgen Petershagen, Level Drei Steward und zweimaliger Chiefsteward bei den Olympischen Spielen, konnte Nathaly Fulda viel über die Aufgabe, die Teamarbeit und die Handhabung lernen.

„So bin ich dann ins Team für die Championate in Deutschland gekommen. Von da aus ging es weiter, man knüpft Kontakte, fragt andere Veranstalter im Ausland und kommt ins Ausbildungsprogramm der FEI, was die Möglichkeit eröffnet, auch auf internationalen Championaten als Steward berücksichtigt zu werden“ erklärt Nathaly Fulda. Voraussetzung für die Tätigkeit als Steward ist eine hohe Konzentrationsfähigkeit. Ein Steward sollte in jeder Situation einen klaren Kopf behalten und dienstleistungsorientiert sein.

Es steht und fällt mit der persönlichen Motivation
„Meine persönliche Motivation war natürlich die Freude an diesem wunderbaren Sport, die Möglichkeit auch hinter den Kulissen eines Turniers dabei sein zu dürfen und der Wunsch den Sport ein Stück weit sicherer zu machen“, sagt Nathaly Fulda abschließend.

Stewards bei der Arbeit (Fotos: Julia Rau)