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Trainerpersönlichkeiten prägen den Erfolg. Zugleich eine späte Laudatio für Jack Le Goff

Sonderbeitrag zu www.buschreiter.de/medaillen-gewinner- unter -der-lupe-eventing

von Dr. Hans G. Stürmann

Die kanadische Internetseite Eventing Connect resümiert die Vorteile von Auffarth, Jung und Co gegenüber den nordamerikanischen Vielseitigkeitsreitern.

Außer acht gelassen wird dabei indessen ein wesentlicher Faktor, der die Erfolge in der Vielseitigkeit entscheidend prägt und den Deutschland seit mehr als zehn Jahren aufzubieten hat: Ein überragendes Trainerteam! Hans Melzer und Chris Bartle brachten mit ihren menschlichen und fachlichen Qualitäten eine hohe Motivation und einen vertrauensvollen Zusammenhalt in ihre Aufgebote, was wesentlich zu einer bisher unerreichten Leistungsbilanz führte.

Eine ähnlich erfolgreiche Ära gab es auch in den USA schon einmal: In den 14 Jahren zwischen 1970 und 1984 formte der inzwischen legendäre Franzose Jack Le Goff die US-Vielseitigkeitselite als Lehrer, Mentor und Pferdetrainer zu Horsemen, deren Erfolge bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften damals begeisterten.

Aus dem Cadre Noir hervorgegangen, trug er selber bei der verlustreichen olympischen Military in Rom 1960 mit einem sechsten Rang in der Einzelwertung entscheidend zu der Bronzemedaille des französischen Teams bei.

Später führte er als Trainer und Chef d’Equipe die US-Aufgebote kraft seiner starken Persönlichkeit, die Strenge und Disziplin sowie Überzeugungskraft und menschliches Verständnis fruchtbar miteinander verband, zu einer unerwarteten Siegesserie.  Grundlage dazu war ein ebenso innovatives wie intensives Training.

Doppelgold sowie zudem Einzelsilber gab es bei der WM 1974 und den Olympischen Spielen 1976, Einzelgold und Teamsilber bei der WM 1978, Einzel- und Mannschaftsbronze bei der WM 1982, nachdem die USA sowie viele westliche Nationen die Olympischen Spiele 1980 in Moskau boykottiert hatten, sowie Mannschaftsgold und Einzelsilber bei den Olympischen Spielen 1984.

Bei den acht Championaten zwischen 1970 und 1984 gewannen die US-Aufgebote in der Vielseitigkeit mit Jack Le Goff  insgesamt 14 Medaillen (sechsmal Gold, je viermal Silber und Bronze); das sind ebensoviele, wie US-Aufgebote in den 21 weiteren Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften zwischen 1952 und 1968 sowie 1986 und 2014 gewinnen konnten.

Wichtig war für Jack Le Goff, der 2009 im Alter von 84 Jahren in Frankreich starb, nicht nur die Harmonie seiner Reiter untereinander („Ehe man sich gegenseitig den Erfolg streitig macht, gilt es zunächst gegen den Querfeldeinkurs zu reiten“), sondern auch deren Horsemanship zu den Pferden: „Wir tragen eine besondere Verantwortung gegenüber unseren Freunden, den Pferden. Wir dürfen sie nicht missbrauchen, indem wir sie überfordern und ihren guten Willen ausnutzen“.