Start / Allgemein / Teil 4 der buschreiter-Serie: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Aktion, Spaß und Adrenalin – Claas Romeike gibt Vollgas

Teil 4 der buschreiter-Serie: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Aktion, Spaß und Adrenalin – Claas Romeike gibt Vollgas

buschreiter im Interview mit Claas-Hermann Romeike

Wer kennt ihn nicht, den reitenden Zahnarzt aus Nübbel. Bei den Olympischen Spielen in Peking gewann Hinrich Romeike gleich zwei Goldmedaillen. Als Olympiasieger im Einzel und mit der Mannschaft. Zuvor wurde der heute 51-jährige Weltmeister in Aachen. Und bei den Olympischen Spielen in Athen platzierte Romeike sich auf dem fünften Platz in der Einzel- und auf dem vierten Platz in der Mannschaftswertung. Zudem wurde er 2005 mit der Sportplakette des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet.
Das muss dem Familienvater erst einmal jemand nachmachen. Da kann schnell die Vermutung aufkommen, dass der Nachwuchs in Zugzwang gerät. Nicht so bei den Romeikes. Sohn Claas war bis zu seinem 13. Lebensjahr durch und durch Fußballer. Zwar saß er schon ab und an im Sattel, aber Feuer fasste er nicht. „Ich habe mich mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen für das Reiten entschieden und dann gleich Vollgas gegeben“, lacht Claas. Seitdem geht es für 21-jährigen stetig bergauf.
Die volle Unterstützung seitens der Familie hatte Claas von Anfang an sicher. „Mein Vater hat sich natürlich sehr gefreut, dass ich doch noch meine Leidenschaft für das Reiten entdeckt habe und in seine Fußstapfen trete“, sagt der in Moholz lebende Romeike Junior.

Start in die Turnierkarriere:
Großvater Lorenz Peter Romeike hat New Forrest Ponys gezüchtet und so lag es auf der Hand, dass Claas die ersten Vielseitigkeitsturniere bis Klasse A auf den selbst gezüchteten Vierbeinern bestritt. „Allerdings habe ich relativ schnell angefangen auf großen Pferden zu trainieren und Prüfung zu reiten“, erzählt der erfolgreiche Vielseitigkeitsreiter. Sein erstes großes Turnierpferd hieß Chutney, ein Holsteiner von Carolus. „Mit ihm bin ich jedoch ausschließlich gesprungen. Das war ein riesen Schiff“, lacht Claas.

Der Sprung in die Vielseitigkeit:
Claas wurde 2013 vom Ausschuss Vielseitigkeit des Deutschen Olympischen Komitees (DOKR) mit seinem Holsteiner Cato in den B-Kader berufen. „Die Vielseitigkeit hat mich einfach gereizt. Es ist mehr Aktion und Schnelligkeit im Spiel und das Gelände ist super abwechslungsreich“, erklärt Claas seine Faszination. Wie viele Vielseitigkeitsprüfungen der Youngster geritten ist, kann er schon gar nicht mehr zählen. „Seit meinem vierzehnten Lebensjahr reite ich jede Saison so viele Prüfungen wie möglich“.
Und das auch mit internationalem Erfolg: Beim CCI3* in Boekelo (NL) platzierte sich Claas mit dem 10-jährigen Holsteiner Cato in den Top 20. „Das war schon toll. Ich bin das erste Mal den Nationenpreis mitgeritten und habe mich gleich platziert“, strahlt der talentierte Reiter.
Beim CICO3* im britischen Houghton Hall blieb Claas im Parcoursspringen als einziger deutscher Nationenpreisreiter fehlerfrei. Im Gesamtklassement sicherte er sich den 5. Platz. In Malmö ritt Claas mit Cato in der Gesamtwertung auf Platz 6.

Immer einen Plan:
Der stolze Vater lässt sich Claas Turnierstarts nicht entgehen und fiebert als Beobachter immer am Turnierplatz mit. Ein Ritual haben Hinrich und Claas nicht. Standard ist es allerdings, dass sie zusammen den Springparcours als auch das Gelände abgehen und alle Herausforderungen vorab besprechen. „Von der Startbox bis zur Zielgeraden, wir haben für jeden einzelnen Sprung einen Plan“, schmunzelt Claas.

Angst hat der Student nicht. Vielmehr ist er voller Adrenalin und Vorfreude. „Die Vielseitigkeit macht mir unwahrscheinlich viel Spaß und ich freue mich, wenn alles gut klappt. Und wenn mein Pferd und ich mal keinen guten Tag hatten und etwas schief gelaufen ist, dann blicke ich einfach nach vorne und bereite mich bestmöglich auf das nächste Turnier vor“, sagt Claas.


Training und Studium:
Claas trainiert rund fünf Stunden täglich mit Cato oder seiner achtjährigen Holsteiner Stute Courtney auf der 17 Hektar großen Anlage in Moholz – mit Vater Hinrich vorzugsweise im Gelände. Aber auch sonst gibt der Olympia Reiter wichtige Tipps, korrigiert oder geht mit seinem Sohn Aufgaben durch. Das Dressurtraining übernimmt der Belgier Jan Lens und für das Springen ist Jörg Naeve zuständig.
Das Training nimmt viel Zeit in Anspruch. Ohne den Rückhalt der ganzen Familie, wäre für Claas, der sein Abi im Sommer 2014 erfolgreich bestanden hat und jetzt Landwirtschaft in Kiel studiert, der Spagat zwischen dem Reiten und dem Studium noch viel schwieriger. „Meine Eltern, meine Geschwister und Großeltern – alle unterstützen mich so gut es geht. Sie freuen sich für mich und sich mächtig stolz“, strahlt der Kader-Reiter.
Das Lernen während der grünen Saison muss perfekt organisiert werden, immerhin startet Claas mittwochs bis sonntags europaweit auf Turnierplätzen. „In den Wintermonaten ist das schon einfacher, da lege ich mir die Seminare so, dass es passt“, sagt Claas. Zudem unterstützt die Uni die sportlichen Ambitionen seiner Studenten mit Leistungsspitzensportler Pools und Zeitmanagement-Seminaren.

Das neue Jahr:
Erst in den nächsten Tagen beziehungsweise Wochen wird sich herauskristallisieren, welche
VS-Prüfungen Claas reiten wird. „Das werden wir individuell von Pferd zu Pferd entscheiden“, erklärt der junge Spitzensportler. Fest steht, dass Class wieder bei so vielen Turnieren wie möglich an den Start geht.

Doch nicht nur die Leistung zählt. Claas ist es wichtig, dass ihn seine Vierbeiner auch als Kumpel annehmen. „Gerade im Gelände, in kritischen Situationen, ist es notwendig, dass mir die Pferde vertrauen und wir eine freundschaftliche Basis haben“, sagt Claas abschließend.

Das buschreiter-Team wünscht Claas und seiner Familie eine frohe Weihnachtszeit und ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr.

von Sonja Slezacek

Luhmuehlen_jr_130614_0090

Immer als Team anzutreffen: Claas und Hinrich Romeike (Foto: Julia Rau)