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Sterne-Zuwachs im Stall Garrido Illing: Scavi startet durch

(sls) Alles dreht sich gerade um den Ball in Brasilien, doch richtig spannend wird es dort erst 2016. Zumindest für Kerstin Illing und Ehemann Anibal Garrido. „Jetzt kann ich mir die Fußballspiele relativ entspannt vom Sofa aus anschauen. Bei den Olympischen Spielen 2016 würde ich meinen Mann gerne live anfeuern“, lacht Kerstin, die zusammen mit Anibal seit 2006 in Oberursel einen Exporthandel für deutsche Sportpferde betreibt.

Zu verdanken hat die 42-jährige Pferdenärrin die Vorfreude ihrem braunen Hannoveraner Wallach Scavi, der sein Sterne-Niveau schon unter Beweis gestellt hat. Und natürlich auch Anibal. Der Berufsreiter und gebürtige Mexikaner ist der beste Vielseitigkeitsreiter seines Landes und hat zusammen mit dem 10-jährigen Scavi zuletzt das CIC3* in Wiesbaden gut gemeistert. Bleiben Reiter und Pferd gesund, ist alles möglich, auch Daumendrücken in Rio de Janeiro.

Talent entdeckt und gefördert

Scavi, der ursprünglich zum Hunter ausgebildet werden sollte, kam im April 2009 in Kerstins Ausbildungs- und Verkaufsstall. Sein Vater Salieri ging mit Holger Wulschner schon große Preise im Springen. Nachkomme Salinero ist eines der besten Dressurpferde der Welt. „Als Anibal mich fragte, wie Scavi mütterlicherseits abstammt, ging ich erst einmal kurz ins Bad, in der Hoffnung, er würde seine Frage wieder vergessen. Scavis Mutter ist eine Tycoon – Nerv Stute und Trakehner mochte Anibal nicht so gerne“, erinnert sich die studierte internationale Betriebswirtin. Erst als sich die beiden bei ihrem ersten Turnier gleich platzierten, traute sich Kerstin die Abstammung des Wallachs zu verraten. Scavi erwies sich als leichtrittig, gelehrig und nervenstark.

Im Herbst desselben Jahres besuchte Kerstin einen Lehrgang in der WRFS in Münster bei Martin Plewa. Der ehemals leitende Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter im Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei war auf der Suche nach „willigen Buschis“. Nach den Dressur- und Springübungen, bei denen Plewa kaum etwas sagte und wenig korrigierte, folgte am dritten Tag der Geländeritt. Der Goldmedaillengewinner bei den Olympischen Spielen fragte Kerstin, was Scavi denn schon im Gelände gesehen hätte. „Nichts. In Bommersheim haben wir keine festen Hindernisse“, sagte Kerstin wahrheitsgemäß. Das schreckte Scavi allerdings nicht ab, er nahm Baumstämme, Hecken, Wassergräben, Treppensprünge – einfach alles was sich ihm bot, ohne mit der Wimper zu zucken.

Am Ende der Stunde fragte der Reitmeister, ob Scavi zu verkaufen sei. „Ich lachte und eine Freundin sagte:“ bei Kerstin ist alles zu verkaufen“ sagt die Geschäftsfrau, die mit der HORSETALENTS GmbH Kunden in 15 Ländern bedient. Sechs Wochen später rief Martin Plewa an, um sich nach Scavi zu erkundigen. Er schickte sogar einen A-Kader Reiter des deutschen Nationalteams, der den 1,71 m großen Braunen ausprobierte.

Letztendlich kam es dann doch nicht zum Verkauf und so beschloss Kerstin, Scavi für sich als Weihnachtsgeschenk zu kaufen – zum Glück, wie sich herausstellte. Anibal sollte das Pferd für Mexiko im Gelände soweit wie möglich fördern. „Der Plan war gut, allerdings gab es in Bommersheim immer noch keine festen Hindernisse. Also konzentrierten wir uns erst einmal auf die Dressur. Alle vier Wochen reiste unser Trainer Jochen Rothleiter aus Wien an, um uns dabei zu unterstützen“, erzählt Kerstin.

Nach den Sternen greifen

Über Zusatzplatzierungen für Vielseitigkeitspferde, ging es dann in 2011 mit den ersten CIC1* los. Zum Üben fuhr Anibal, der früher im Generalstab des mexikanischen Präsidenten geritten ist, mit Scavi nach Offenbach, Neu-Isenburg, Neu-Ansbach, Warendorf, Münster und Luhmühlen. In 2012 und 2013 meisterte das Paar seine ersten CIC2* und wurde für den Test-Event der WEG in Haras-Du-Pin in der Normandie zugelassen.

Da war die Freude natürlich groß. Allerdings bestand „unsere Nationalmannschaft“, wie Kerstin ihre Familie gerne nennt, aus der damals hochschwangeren Pferdeliebhaberin, mit Job als Trainerin, Coach, Pferdebesitzerin und Koordinatorin in einer Person, dem elf Jahre alten Daniel Garrido Illing, der als Pfleger fungierte und Reiter Anibal. Sohn Leif ließen sie Zuhause, ihm war Frankreich zu weit.

„Die meisten Starter brachten ihre Drei- und Viersterne-Pferde mit. Wir hatten Scavi. Die Dressur verlief gut, wenn auch nicht perfekt. Das Gelände war schwer und wegen eines Reitfehlers meines Mannes, lief Scavi an einem Sprung vorbei. Für das Springen mussten wir am dritten Tag im Konvoi nach Caen fahren, um zu testen, wie das bei den WEG 2014 funktionieren würde“, erzählt Kerstin. Scavi wurde jedoch reisekrank und die „kleine Nationalmannschaft“ fuhr traurig wieder nach Hause. „Zum Glück war Scavi nach wenigen Tagen wieder fit war“, sagt Kerstin erleichtert.

Jetzt und in Zukunft

Die Saison 2014 begann mit Luhmühlen Anfang April, nur 0.7 Punkte an der Platzierung vorbei. Im Mai folgte Everswinkel und dann das CIC3* in Wiesbaden. Kerstin freut sich: „Herr Plewa sollte Recht behalten, Scavi hat Championatsqualität“.

Die Teilnahme mit Scavi an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro sind Anibals und Kerstins größter Herzenswunsch. „Mexiko kann keine Mannschaft in der Vielseitigkeit stellen und einen besseren Einzelreiter als Anibal hat das Land nicht. Vielleicht finden wir ja einen Sponsor, der mein Männer-Dream-Team unterstützt“, schmunzelt Kerstin.

Das buschreiter-Team drückt jetzt schon die Daumen!

Anibal und Scavi im Schlosspark zu Biebrich (Fotos: Julia Rau)