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So is et – Kleiner Kämpfer

Mit einem sensationellen 10. Platz in der WM-Einzelwertung empfiehlt sich Soey auch für‘s deutsche Team

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Was für ein Erfolg! So is et kam unter seinem Vielseitigkeitsreiter Andreas Ostholt mit dem zehnten Platz in der WM- Einzelwertung wieder nach Hause. Die beiden hatte eigentlich kaum jemand auf der Besten-Liste gehabt, für das deutsche Team waren sie nicht nominiert gewesen, starteten in der französischen Normandie als Einzelreiter. Und plötzlich steht ihr Name im Ranking unter den besten der Besten, noch vor den mit Gold dekorierten Mannschaftsreitern Ingrid Klimke und Dirk Schrade. „Wir haben bei der WM im Gelän- de unsere persönliche Traumrunde hinge- legt“, schwärmt Andreas Ostholt noch im Nachhinein. „Im letzten Jahr konnten wir vier Mal ein Drei-Sterne-Turnier gewinnen, in Luhmühlen in diesem Jahr, bei unserem 4*-Debüt waren wir Sechste und in Hough-

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ton Hall, in England beim Nationenpreis, waren wir Dritte. In Luhmühlen waren wir im Gelände sogar die Schnellsten und hat- ten eine echt tolle Runde. Die Normandie war dann aber das i-Tüpfelchen, denn dort sind wir schnell und auch noch schön gerit- ten!“

Dabei hatte der Westfalen-Wallach, der vierjährig auf die DOKR-Anlage nach Warendorf und in den Beritt von Andreas Ostholt kam, keine klassische Jungpferde- Karriere hinter sich. „Fünfjährig hat Soey, wie wir ihn nennen, beim Bundescham- pionat teilgenommen, da mochte man dieses kleine, vermeindlich unscheinbare Pferd noch gar nicht ‚leiden‘ und ließ ihn recht schlecht wegkommen“, erinnert sich Ostholt, der Hauptfeldwebel und Leiter des Bereiches Reitsport an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf ist. „Er war aber auch mit 1,63 Zentimetern Stockmaß sehr klein und unfassbar schmächtig und ist bis heute grade mal 485 Kilo schwer. Mir wurde geraten, ihn weg zu geben. Mich aber hat das Pferd immer begeistert, er war schon damals sehr leistungswillig und

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auf den Punkt abrufbar, aber die Kritik ging
mir nicht aus dem Kopf. Darauf haben wir,
der Züchter und ich, uns natürlich unsere
Gedanken gemacht, haben aber einstim-
mig beschlossen, weiter an Soey und den gemeinsamen Weg zu glauben.“ Auch Sechsjährig stellte sich der Dunkelbraune von Sunlight xx aus einer Rotarier-Mutter der Bundeschampionatsjury. Auch hier beurteilte man Soey als nicht „spektakulär“ genug. Diesmal hatte er es aber auch nur ins kleine Finale geschafft. Siebenjährig stellte ihn Ostholt bei der WM der jungen Vielseitigkeitspferde in Le Lion d’Angers vor, hier das Ergebnis deutlich positiver, Platz elf! „Wir waren in der Geländeprüfung sogar in der Zeit geblieben. Man macht sich ja so seine Gedanken, wenn jeder einen kri- tisiert, aber ich hatte immer dieses Gefühl, dass in Soey viel mehr steckt.“
Heute befindet sich der elfjährige Wallach auf Platz zwei der aktuellen Pferde- Weltrangliste des WBFSH. Die Kritiker sind verstummt. „So is et hat seinem Namen alle Ehre gemacht“, freut sich der Deutsche Meister von 2011, der auch mal einen Vollbruder zu seinem Championatspferd im Stall stehen hatte. „Der stammte vom selben holländischen Züchter, Mat Padmos, der seinen Pferden immer lustige und kreative Namen aus dem Plattdeutschen gibt.“ Ein Kasper sei sein Soey aber trotz des Namens nie gewesen, er sei sogar ein ausgesprochen starker Charakter. Seine wohl ausgeprägteste Marotte sei die Tatsache, dass sich Soey nur in Gesellschaft wohl fühle. Alleinfahrten im Lkw? Ausgeschlossen. In der Not ist Soey auch nicht anspruchsvoll, welches Pferd ihn begleitet, ist ihm relativ wurscht, „der schließt mit jedem Freundschaft“, hauptsache Gesellschaft, und wenn’s nur ein Zweibeiner ist. „Deshalb gibt es auch im Gelände kein Problem. Dort ist es okay, dass ihn kein anderes Pferd begleitet, denn meine Gesellschaft tut’s auch“,

[/third_paragraph][third_paragraph] schmunzelt Ostholt. Im Training steht häufig Springen auf dem Programm, denn der kleine aber kampflustige Westfale muss sich im Parcours schon anstrengen um fehlerfrei über die Stangen zu fliegen. „Wo andere Pferde wie Escada oder Wolle noch Platz haben, steht Soey dann die fehlende körperliche Größe entgegen und es muss schon alles passen‘‘. Bei der WM in Frankreich kassierten die beiden nach ihrer hervorragenden Geländeprüfung allerdings zwei Abwürfe im Springparcours. „Das war aber auch eine unglaubliche Belastung. Als wir im Stadion waren und der Franzose Maxime Livio Null ritt, machte soiset5

das Publikum extrem Stimmung. Die sind ‚abgegangen‘ wie ‚sonstwas‘! Mein ‚Kleiner‘ wurde immer kleiner, bewegte sich nicht mehr und fing dann an zu zittern. Wie Es- penlaub am ganzen Körper. Ich habe auf ihn eingeredet, was aber schwierig war. Ich meine, wir sind echt ein gutes Team, aber die beiden Springfehler, die dann folgten, gingen voll auf meine Kappe. Ich bin nicht schnell genug zurückgekommen, kam vorm Sprung nicht mehr zum Loslassen und so sprang Soey wie ein ‚Dackel ins Körbchen‘. Das waren zwei echt misslungene Sprünge.“ Abgehakt. Der kleine So is et hat allen bewiesen, dass Großes in ihm steckt, dass man ihm trotz seines Championatsdebüts ruhig noch hätte mehr zutrauen können und dass er sich für die EM nächstes Jahr in Schottland bestens empfohlen hat. „Bei aller Freude für unser deutsches Gold-Team ist es natürlich für einen selbst auch ein bisschen traurig, wenn alle feiern und man selbst keine Medaille in der Hand hat. Aber nun habe ich unsere Karte auf den Tisch gelegt und wenn wir gesund und fit blei- ben, werden wir vielleicht bei der nächsten Chance im Team dabei sein.“ So ist es.

 

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Text: Kerstin Wachter mit freundlicher Genehmigung PferdeSport International

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