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Rolex Kentucky Geländetag

Bestes Wetter erwartete die Pferde und Reiter am Samstag im Horse Park in Kentucky.

Der Kurs von Designer Derek di Grazia war mit 47 Sprüngen auf 27 Komplexe verteilt mehr als Viersterne-gerecht, und wer Kentucky schon einmal erlebt hat weiß auch, dass hier höchste Anforderungen an Kondition, Galoppiervermögen und Härte der Pferde gestellt wird. Um es vorweg zu nehmen – am Ende des Tages sitzen die Top 8 Paare keine 2 Springfehler auseinander, was das abschließende Springen mehr als spannend gestalten dürfte.

48% der Paare kamen ohne Hindernisfehler ins Ziel (19 Paare hier auch ohne Zeitfehler), 17% hatten mind. eine Verweigerung, 17% wurden im Gelände eliminiert, 10% gaben im Gelände auf und 8% hatten vor dem Start schon verzichtet – in der letzten Gruppe übrigens auch Mark Todd, der nach einer katastrophalen Dressur auf einem völlig von der Rolle erscheinenden Oloa die Zeichen wohl richtig deutete und auf einen Start im cross verzichtete.

Die meisten Reiter zeigten sich mit der „Reitbarkeit“ des Kurses sehr zufrieden. Der aktuell Führende William Fox-Pitt sagte bei der Pressekonferenz: „Der Kurs war sehr transparent und unheimlich gut vorwärts zu reiten. Bay my Hero z.B. kennt nur flache Events wie Tattersalls oder Pau und ging hier seinen ersten richtig hügeligen Cross. Obwohl er am Head of the Lake kurz staunen musste war es kein Problem, ihn in der Zeit ins Ziel zu reiten.“ Das zweite Pferd von William Fox-Pitt, der deutsche Trakehner Seacookie TSF, war ebenfalls fehlerfrei, kassierte aber nach einer Alternative 7,6 Zeitstrafpunkte was ihn einige Plätze nach hinten warf (16.).

Besonders beeindruckte die Runde von Lauren Kieffer mit der KWPN Stute Veronika (v. Pazifik – Ferro – Belisar). Die beiden waren bestens unterwegs als sie kurz vor dem Head of the Lake angehalten wurden. Nach einer Pause von mehreren Minuten ging das Paar wieder ins Rennen und musste gleich diese schwere Klippe meistern, was auch mit Ach und Krach gelang. Danach war der Rhythmus schnell wieder da und die beiden kamen ohne Fehler in der Zeit an. Der Lohn der Mühe? Platz 2 im Gesamtklassement vor dem Springen.

Dritter nach dem Cross ist Phillip Dutton mit seinem „Vertretungspferd“ von Boyd Martin, Mr. Medicott, den er in der Zeit und ohne Fehler nach Hause steuerte. Eine echte Meisterleistung wenn man bedenkt, dass diese beiden erst vor knapp 4 Wochen ein Paar wurden. Phillip Dutton ritt auch noch das andere Pferd von Boyd Martin, Trading Aces, in Bestzeit ins Ziel. Damit kann sich dieser Vollblüter damit rühmen, in 2014 bereits das 2. Auto gewonnen zu haben – mit Boyd Martin im Sattel gab es nach dem Sieg beim Red Hills CIC*** einen Mercedes und nun für die Bestzeitrunde in Kentucky einen Range Rover.

Sharon White und die Stute Wundermaske vollbrachten den größten Sprung nach oben, von Platz 58 nach der Dressur auf Platz 27 nach einer schnellen, sicheren Runde im Cross. Wundermaske ist zu 50% Deutsch gezogen. Sie stammt ab von Weltbekannt, einem Hannoveraner von Weltmeyer – Imperator – Werther aus einer amerikanischen Vollblutstute von Deerhound xx. Überhaupt hinterließen die wenigen Stuten im Feld einen hervorragenden Eindruck: 4 der ursprünglich 9 Stuten blieben fehlerfrei und in der Zeit. Dazu zählt auch RF Demeter, die Oldenburger Rubin Royal – Kanudus xx Tochter unter Marylin Little.

Erfreulicherweise gab es so gut wie keine Stürze (2 Stück ohne Verletzungen für Pferd oder Reiter). Dennoch muss ein Hufbeinbruch beklagt werden, den sich Kaitlin Spurlock’s Expedience am Head of the Lake zuzog. Das Pferd wurde zur weiteren Diagnose und Behandlung per Ambulanz in eine Tierklinik gebracht.

Die Zeit war ein ungewöhnlich wichtiger Faktor in diesem Jahr. Zum einen kamen sehr viele Reiter ohne Zeitfehler ins Ziel, zum anderen konnten ein paar Strafpunkte schon einen erheblichen Schaden anrichten. So z.B. reichten 3,2 Punkte Zeitfehler bei Jan Byyny aus, um ihn vom 4. Platz auf Platz 11 zu verbannen.

Eine wahre Meisterleistung in Sachen Konsistenz und gute Vorbereitung lieferte Hawley Bennett mit ihrer Vollblutstute Gin & Juice: die beiden waren in ihrem 8. gemeinsamen CCI**** am Start und das fehlerfrei.

Dass es Reiter gibt, für die die Gesetze der Schwerkraft nicht gelten, bewies einmal mehr eindrucksvoll Andrew Nicholson. Sein Avebury legte gleich am Anfang des Cross einen echten Stunt hin, der den Reiter komplett aus dem Sattel beförderte und während der Rest der Welt sich vom Pferd verabschiedet hätte, kam Andrew Nicholson wieder in den Sattel, um seinen Ritt unbeeindruckt fortzusetzen. Und wer immer noch nicht glaubt, dass dieser Meister seines Fachs wohl der beste Buschreiter unserer Zeit ist, dem sei das Video des Rittes empfohlen – man kann beobachten, wie Herr Nicholson dann nach dem fast-Unfall seine Steigbügel korrigiert – im fliegenden Galopp!

Der Stand nach dem Cross, Top 10:
1. William Fox-Pitt mit Bay my Hero (44)
2. Lauren Kieffer mit Veronika (46,7)
3. Phillip Dutton mit Mr. Medicott (49,5)
4. Marylin Little mit RF Demeter (51,3)
5. Michael Pollard mit Mensa G (51,5)
6. Ballynoe Castle RM mit Bruce (Buck) Davidson Jr. (51,7)
7. Avebury mit Andrew Nicholson (51,7)
8. Sinead Halpin mit Manoir de Carneville (51,7)
9. Phillip Dutton mit Trading Aces (52,5)
10. Marylin Little mit RF Smoke on the Water (52,5)

Bericht: Maren Engelhardt

Hier noch ein paar Videos der Top-Drei zum genießen:

William Fox-Pitt mit Bay my Hero

Lauren Kieffer und Veronika

Phillip Dutton und Mr. Medicott