Sonntag, 27. Mai, 2018
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Pferdefreundliches Reiten rückt immer mehr in den Fokus

Zuletzt kochten die Gemüter nach dem Geländekurs in Badminton. Oliver Townend hatte –mit dem Grand Slam im Fokus- seine Pferde mit deutlichem Gerteneinsatz dazu bewegt, mit möglichst wenigen Minuspunkten ins Ziel zu galoppieren.

Doch schon zuvor gab es eine große Diskussion. Dabei im Mittelpunkt die US-Amerikanerin Marilyn Little, die schon öfter durch unschöne Bilder und vor allem scharfe Zäumungen aufgefallen war: bei der Stute der Drittplatzierten der CCI4* Prüfung in Kentucky wurde wieder einmal Blut im Maul ihres Pferdes während des Geländerittes gesehen. RF Scandalous hatte bereits bei der CCI3* in Fair Hill 2016 Blut im Maul, diverse weitere Male war dies auch bei anderen ihrer Pferde der Fall.

In den sozialen Medien herrscht Einigkeit. Das ist nicht unser Sport, die Achtung vor der Kreatur Pferd sollte an erster Stelle stehen. Laut Horse & Hound (http://www.horseandhound.co.uk/news/marilyn-little-statement-blood-in-the-mouth-scandalous-kentucky-651282) äußerte sich Little so dazu, dass RF Scandalous bereits vor dem Start und auch nach dem Zieldurchritt mehrfach kontrolliert wurde. Beim Abreiten habe sie den zuständigen FEI Tierarzt Duncan Peters informiert, er hatte festgestellt, dass die Stute sich eine kleine Wunde in die Lippe gebissen habe. Die Blutung hörte auf, sodass sie starten durfte.

Nun hat das wiederholte Auftreten einer solchen Geschichte Folgen für die 36 jährige, die neben RF Scandalous (vormals Caynoa) auch die Pferde Tabasco (Ingrid Klimke) und Chuppa Chups (Julia Krajewski) aus Deutschland gekauft hat, deutliche Folgen. Zwei ihrer Sponsoren beendeten die Zusammenarbeit: Enviro Equine & Pet gab am 1. Mai auf seiner Facebook Seite bekannt, dass sie für das Wohlergehen von Pferden stehen und im Einvernehmen den Vertrag mit Marilyn Little auflösten. https://www.facebook.com/enviroequine/ Auch Reitausstatter MDC Stirrups gab das Ende der Partnerschaft bekannt.

Dem Weltranglisten-Ersten Oliver Townend erging es ähnlich. Nach seinem übermäßigen Gerteneinsatz wurde der Brite, dem nach den Siegen in Burghley und Kentucky der Sieg in Badminton zum Greifen nah erschien, womit er auch den mit 350.000 $ dotierten Grand Slam gewonnen hätte, offiziell verwarnt. Seine beiden Pferde Cooley SRS und Ballaghmor Class wurden in der abschließenden Verfassungsprüfung noch intensiver begutachtet. Doch beide durften zum Springen antreten, mit Cooley SRS wurde er Zweiter, mit Burghley Sieger nach zwei Abwürfen Fünfter.

Oliver Townend ist derjenige, der es nach 3 Jahren schaffte, Michael Jung an der Spitze der Weltrangliste abzulösen. Dennoch oder gerade deshalb wird solches Reiten von der Reiterwelt nicht geschätzt. Nach dem Ritt wurde Oliver Townend interviewt und gab folgendes Statement ab:

Im Nachhinein entschuldigte er sich für seine Ritte auf seiner Facebook-Seite mit folgendem Text: „Having watched my Badminton cross-country rounds for the first time when I got home last night, I’m so disappointed and upset about the way I rode. It didn’t look good and I don’t want to look like that. I fully accept the warning I received from the ground jury. My competitive instincts got the better of me and I will work hard to improve in this area. I try really hard to give my horses the best ride possible – I try to be as fit as possible, to be as light as I can be, to sit as still as I can, to get them on the best strides and take-off points to minimise the energy they have to waste. I care enormously about their wellbeing and their welfare. I feel I have let my amazing team down. I am aware of my position in the sport and of my responsibility to be a suitable role model to younger people, and I apologise to them. I love my horses – I live for them. I am extremely proud of all four horses – Ballaghmor Class and Cooley SRS, and the two who went so brilliantly at Kentucky, Cooley Master Class and MHS King Joules – and of every horse on my yard.”

(Übersetzung: “Nachdem ich meine Badminton-Geländeritte zum ersten Mal gesehen habe, als ich gestern Nacht nach Hause kam, bin ich sehr enttäuscht und aufgebracht über die Art, wie ich geritten bin. Es sah nicht gut aus und ich möchte auch nicht, dass es so aussieht.

Die Verwarnung, die ich von der Ground Jury erhalten habe, war völlig gerechtfertigt. Mein Ehrgeiz ist mit mir durchgegangen und ich werde hart daran arbeiten, um mich in diesem Bereich zu verbessern.

Ich bemühe mich sehr, um das Beste für meine Pferde zu geben: Ich versuche, so fit wie möglich zu sein, so leicht wie möglich zu sein, so ruhig wie möglich zu sitzen, sie perfekt an den Sprung zu reiten, um die Energie zu minimieren, die sie aufbringen müssen. Ich sorge mich sehr um ihr Wohlbefinden und ihr Wohlergehen.

Ich habe das Gefühl, dass ich mein überragendes Team enttäuscht habe. Ich bin mir meiner Position im Sport und meiner Verantwortung bewusst, ein Vorbild für jüngere Reiter zu sein und entschuldige mich bei ihnen.

Ich liebe meine Pferde – ich lebe für sie. Ich bin sehr stolz auf alle vier Pferde – Ballaghmor Class und Cooley SRS, und die beiden, die in Kentucky so brillant waren, Cooley Master Class und MHS King Joules – und auf jedes andere Pferd in meinem Stall.”)

 

Die Unternehmen Sprung 4 Joy und Lincoln Equestrian lösten die Sponsoring-Partnerschaft mit Oliver Townend auf.

Warum dies nun so ein Thema ist? Die Nennungslisten für das Wiesbadener Pfingstturnier wurden veröffentlicht, dadurch, dass Wiesbaden seit letztem Jahr auch eine Prüfung der ERM Serie anbietet, planen auch einige Reiter aus dem Ausland einen Start. Oliver Townend ist einer dieser Reiter.

Aufgrund der unschönen Bilder in Badminton sprachen sich einige Reiter/innen dafür aus, einen Start von Townend in Wiesbaden nicht zuzulassen. Sportrechtlich gibt es dafür keine Veranlassung und keine Grundlage, er wurde für sein Verhalten offiziell ermahnt, womit dieser Vorgang seine Konsequenzen hatte und somit abgeschlossen ist.

Dennoch würde sich wohl der gesamte Sport über schöne Bilder im Wiesbadener Schlosspark freuen.

Aus deutscher Sicht werden einige Reiter an den Start gehen. Erstmalig wird es in diesem Jahr eine CIC3* Prüfung zusätzlich zur ERM Prüfung geben. In der ERM Prüfung werden die Sieger von 2015, Julia Krajewski und Samourai du Thot an den Start gehen- Julia kam gerade letztes Wochenende mit einem Sieg der CIC3* aus Marbach mit ihrem Chipmunk FRH heim. Zudem werden in der ERM Prüfung starten:

Ingrid Klimke- SAP Hale Bob OLD, Niklas Bschorer- Tom Tom Go, Michael Jung- Corazon, Jörg Kurbel- Brookfield de Bouncer, Andreas Ostholt- Pennsylvania, Kai-Steffen Meier- Cascaria V.

ERM-Nennungen

CIC3* Nennungen