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Nachgefragt: Schade Schenefeld!

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Jessica Kaup sprach exklusiv für buschreiter.de mit Hinrich Groth zu den näheren Umständen der Turnierabsage der Schenefelder Vielseitigkeit.

Seit wann gibt es die VS in Schenefeld?
Hinrich Groth: „Seit 1971 wurde die Vielseitigkeit mit viel Herzblut vom Verein unter der Leitung von meiner Familie ausgerichtet. Schenefeld war immer wieder beliebter Standort für große nationale und internationale Wettbewerbe und Sichtungstermine. Bisher mussten wir nur zwei Mal absagen, konnten die Veranstaltung aber insgesamt schon 40-mal ausgetragen!“

Wie oft wurden da die nationalen Championate bisher ausgetragen?
Hinrich Groth: „Wir waren sechsmal Ausrichter der Deutschen Meisterschaften, waren siebenmal eine Weltcupstation und hatten 2009 sogar das Weltcup-Finale bei uns. Außerdem war unser Turnier viele Jahre Finale für Sonderwertung Derby Dynamic Cup & U25 Förderpreis.“

Bilanzieren Sie bitte die Stärken und das Charakteristische der bisherigen Schenefelder Herbstvielseitigkeiten.
Hinrich Groth: „Jahrelang galt Schenefeld als eine der anspruchsvollsten Geländestrecken in Deutschland, jedoch wurde auch immer der faire und sichere Aufbau gelobt. Das Turnier war Standort für große Wettbewerbe und hat dabei immer seinen familiären Charakter bewahrt. Dieses Kriterium war auch bei der Gewinnung der Sponsoren entscheidend. In Schenefeld sind die Reiter mittendrin und die Zuschauer konnten Ihren Kaffee neben Olympiasiegern und Weltmeistern genießen.

Sie haben das Turnier erst 2012 neu ausgerichtet. Was war der Ansatz?
Hinrich Groth: „Nach der Absage in 2011, wurden die Prüfungen (CCI 2* und CIC 3*) in 2012 neu konzeptioniert, um das Turnier besser in den internationalen Eventerkalender zu integrieren, was durch die vielen 3* Turniere und Championate im Herbst schwierig geworden war. Die CIC3* wurde etwas entschärft und motivierender gestaltet und somit für Nachwuchspferde und die Reiter ausgelegt, die sich auf 3* Niveau etablieren wollen. Auch die CCI2*sollte nun auch mehr für die Nachwuchsreiter geeignet sein. Ich habe dies mit den Reitern, Bundestrainern und Funktionären abgestimmt und die Idee ist sehr gut aufgegangen.
Der Termin im Herbst war aus sportlicher Sicht sehr gut, denn so konnten Nachwuchspferde und –Reiter zum Saisonende den Sprung in die nächst höhere Klasse wagen, oder bereits erprobte Pferde auf dem entsprechenden Niveau gefestigt werden.“

Was hat ganz konkret zur Absage in 2014 geführt?
Hinrich Groth: „Die Nennungszahlen in 2013 waren nicht ausreichend und es konnten nicht genügend Sponsoren gefunden werden, die zu einem mittel- und langfristigen Engagement bereit sind.  Von der Vergabe beziehungsweise von der Suche nach Sponsoren über Sponsoring-Agenturen wurde bewusst abgesehen, um den Charakter der Veranstaltung nicht verändern zu müssen.“

Kam das Aus für Sie überraschend?
Hinrich Groth: „Nein, ein Rückgang der Sponsorenbereitschaft hat sich bereits in den letzten Jahren abgezeichnet – trotz großer Bemühungen, dem entgegen zu wirken. Mit diesem Problem haben viele Veranstalter zu kämpfen, aktuell Lingen und Bremen. Ein Turnier, das sportlich sowohl national als auch international aufgestellt ist, aber aus Veranstaltungssicht eher kleiner ist, ist schwer zu finanzieren. Es war aber nie unser Wunsch, aus Schenefeld ein zweites Luhmühlen zu machen. Der familiäre Schenefelder Charakter soll bewahrt werden!“

Hat man  so früh im Jahr denn  eigentlich schon Vorbereitungen getroffen, also hat man gewissermaßen schon Arbeit/Geld „umsonst“ investiert?
Hinrich Groth: „Sprünge und Aufbauten müssen natürlich überwintert werden, und kosten somit auch Geld. Die wirkliche Arbeit für 2014 hatte jedoch noch nicht begonnen. Aber das gesamte Organisationsteam, von den Hindernisrichtern bis zum Aufbauteam ist natürlich geplant und muss nun abgesagt werden. Hinzu kommt, dass hohe Investitionen in die allgemeine Streckeninfrastruktur getätigt wurden, also in die Verbesserung des Bodens durch Austausch und Bearbeitung der Trasse. Dies muss gemacht werden, um widrigen Wetterverhältnissen besser gewachsen zu sein.“

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wie soll´s jetzt weitergehen…
Hinrich Groth: „Da gibt es jetzt noch keine genauen Pläne. Alles Weitere werden die Gespräche in diesem Jahr zeigen.“

Wenn eine Veranstaltung ein Jahr nicht stattfindet – gibt es dann negative Folgen wie weniger Nennungen im  kommend en Jahr?
Hinrich Groth: „Diese Erfahrung, dass weniger Nennungen reinkommen,  konnten wir im Jahr 2012 nicht machen. Die Reiter wägen ja jede Saison von neuem ab, welche Turniere in ihren Kalender passen. Dies hängt ja auch immer davon ab, welche Pferde zur Verfügung stehen welche Prüfungen sie gehen sollen. Das wiederum ist davon abhängig, welche Reiter im Kader sind und welche Championate anstehen, also welche Turniere als Vorbereitung oder Sichtungen gelten. Und abgesehen von den Kaderreitern, hängt ein Start einfach vom Trainingsstand und der terminlichen Machbarkeit ab. Schenefeld konnte sich viele Jahre über ein konstantes und sehr dankbares Teilnehmerfeld freuen.“

buschreiter.de wünscht dem Team um Hinrich Groth finanzstarke und hochmotivierte Sponsoren und dass es 2015 weitergeht!