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Marbach: Ein Blick hinter die Kulissen

Buschreiter im Interview mit Pressesprecher Alex Singer

Die Internationale Marbacher Vielseitigkeit ist gleich zu Beginn der neuen Saison das Sichtungsturnier für weitere entscheidende Meisterschaften im Laufe des Jahres und aus dem Terminkalender der Buschreiter nicht mehr wegzudenken. „Marbach ist ein freundlicher Saisonauftakt, der Pferd und Reiter nach der Winterpause auf den Prüfstand stellt und den Leistungs- und Konditionsstand abfragt“ erklärt Alex Singer.

In Marbach kommen die Pferde motiviert aus dem Gelände zurück und sind bereit für weitere Aufgaben. In Badminton, das gleichzeitig mit Marbach stattfinden wird, haben im letzten Jahr nur rund 30 Prozent der Starter das Ziel erreicht. Badminton musste schon etliche Male wegen schlechter Wetterlage verkürzt oder abgesagt werden. Das internationale Vielseitigkeitsturnier in Marbach, das vom 7. – 10. Mai 2015 stattfindet, bietet dagegen aufgrund des Karstbodens eine nahezu bei jeder Wetterlage zu reitende Strecke.

Auch 2015 wird es in Marbach maximal 230 Starter geben, die am Geländetag maximal zu bewältigen sind. In jedem Jahr gibt es daher eine lange Nachrückerliste.

29.  internationale Vielseitigkeit / 501 Jahre Landesgestüt Marbach

Anfang der 80er Jahre fand ein Aufschwung in der Vielseitigkeitsszene in Baden-Württemberg statt und der Wunsch nach einem eigenen Turnier wurde immer lauter. Den Impuls und Grundstein dazu legten die beiden Vielseitigkeitslegenden Gerd Gaul und Fritz Pape. Mit Erfolg, mittlerweile blickt das baden-württembergische Haupt- und Landgestüt Marbach auf ein über halbes Jahrhundert Turniergeschichte zurück. Seit rund 30 Jahren trifft sich auf der Alb auch die internationale Vielseitigkeitselite. Gaul und Pape hatten als Vielseitigkeitsprofis das richtige Gefühl und Händchen für die Bedürfnisse der Szene.

Der besondere Charme des Turniers

Das rund 1000 Hektar große Gelände liegt im Herzen des UNESCO-Biosphärengebiets und bildet die Grundlage für den Gestütsbetrieb und eine Vielzahl von Events.
In Marbach finden an einem Wochenende gleich mehrere Sterneprüfungen statt. Beim CIC3*, CIC1*, oder CCIP2* haben die Buschreiter die Gelegenheit, gleich mit mehreren Pferden an den Start zu gehen. „Dies ist nur bei wenigen Turnieren beziehungsweise Geländestrecken möglich. Gerade junge Pferde können bei der Ein-Sterne-Prüfung erste Erfahrungen in diesem Bereich sammeln.“, betont Alex Singer.
Zudem treffen beim ersten Drei-Sterne-Turnier der Saison viele Topreiter nach der Winterpause erstmals wieder aufeinander. Sie können sich austauschen, das große Rahmen-Programm nutzen und auf der legendären Party am Samstagabend abfeiern. Reitplatz, Gelände sowie weitere Hotspots liegen nah beieinander.

Marbach ist nicht nur Treffpunkt für die Reiterszene, das Turnier lockt jedes Jahr auch viele Zuschauer an. „Es ist natürlich auch immer wetterabhängig, aber Marbach ist ein schöner Ausflugsort für die ganze Familie. Am Geländetag zählen wir rund bis zu 10.000 Besucher“, freut sich Singer.

Hügeliges Gelände und lange Galoppstrecken

Die Prüfungen werden auf drei Geländestrecken ausgetragen. Jede Strecke hat rund 20 feste Hindernisse.
Auf dem Weg zu den Europameisterschaften können die Pferde bei der CIC*** auf dem hügeligen Gelände ihre Kondition unter Beweis stellen. Parcours-Designer Gerd Haiber steht für die Kursgestaltung in ständiger Abstimmung mit Bundestrainer Hans Melzer. Die Streckenführung wird immerzu optimiert, die Anforderungen wechseln. „Gerd Haiber gestaltet den Kurs zu Beginn der Saison immer eher freundlich, aber anspruchsvoll genug, dass die Strecke ausreichend selektiv bleibt“, sagt Alex Singer.
Das Gelände in Marbach ist ähnlich dem der Normandie. „Es geht auf und ab. Zudem müssen sich die Pferde nicht nur auf die Hügel einstellen, sondern auch auf längere Galopp Strecken und zwei große Wasserkomplexe“, erzählt Singer, der fester Bestandteil der Organisationsteam ist.

Auch 2015 wird es den einen oder anderen neuen Sprung geben. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter befinden sich beim Bau der Sprünge gerade in der heißen Phase. „Bei der Alten Hütte, die zentraler Punkt des Geländes ist und wo sich die Strecke in zwei Richtungen trifft, wird es beispielsweise eine Neuerung geben“, erzählt Singer.

Sicherheit ist das A und O

Die Sicherheit für Reiter und Pferd spielt in Marbach eine zentrale Rolle. Jedes Jahr macht sich das komplette Organisationsteam zusammen mit Gelände Parcourschef Haiber einen Masterplan, wie Unfälle vermieden werden können. Bereits bevor die LPO den TD einführte gab es in Baden-Württemberg einen Sicherheitsbeauftragten, der von der Landeskommission bestellt wurde und die Strecke bereits im Vorfeld genau unter dem Sicherheitsaspekt geprüft hat.

„Leider können wir Unfälle nie ganz vermeiden. Im Falle eines Notfalls sind wir jedoch sehr gut vorbereitet. Wir stehen in permanentem Austausch mit den Notärzten und Sanitätern. Sind sie gut und jederzeit über Funk erreichbar, finden sie den schnellsten und kürzesten Weg zum Unfallort. Diese und weitere Detailfragen werden vorab durchgesprochen, das Gelände wird gemeinsam abgegangen“, erklärt Alex Singer, der selbst begeisterter Vielseitigkeitsreiter ist.

Fleißige Helfer und Sponsoren

Das Turnier lebt von seinen freiwilligen Helfern. Bis zu 200 Personen packen an dem Mai-Wochenende mit an. Das Basis-Organisationsteam besteht aus 15 bis 20 Menschen, die sich das ganze Jahr über treffen. Direkt nach dem Turnier wird besprochen, was gut oder schlecht gelaufen ist und was man verbessern kann.

Bereits im Juli fangen die ersten Werbemaßnahmen an. Jedes Jahr wird ein neuer Reiter für das Key-Visual gesucht. Beim Schleyer-Hallen-Turnier im November, zu dem allein am Mittwoch, an dem das Indoor-Derby stattfindet, rund 8.000 Pferdebegeisterte kommen und über das ganze Turnier über 60.000 Besucher, hängen bereits die ersten Plakate und werden die Flyer verteilt.

Die Turnierleitung liegt unverändert bei Wolfgang Leiss und Gerd Haiber. Eine große Lücke hinterlässt allerdings Alexander Dehio, der im letzten Jahr verstorben ist. „Er war zugleich Parcourschef Springen, Sprecher, Finanzchef und auch die gute Seele des Turniers. Es wird sehr schwer sein, ihn zu ersetzen“, betont Alex Singer.

Sponsoring ist und bleibt ein Thema: Die Marbach-Macher arbeiten permanent daran, neue Sponsoren zu gewinnen und die bereits vorhandenen Mäzene zu halten. „Auch wenn wir mit Marbach eine gute Plattform für Sponsoren bieten, ist es schwer sportbegeisterte Menschen zu finden, die nur aus Liebe zum Pferd einfach Geld in die Hand nehmen. Da muss auch für die Sponsoren eine messbare Gegenleistung vorhanden sein, was Marbach mit zahlreichen Plattformen für die Sponsoren auch bietet.“, sagt Singer.

Nikolaus Prinz von Croy hat im letzten Jahr und für die Jahre 2015 und 2016 den Geldpreis in der CIC*** Prüfung in Marbach deutlich aufgestockt. „Die Intension bei der Erhöhung der Preisgelder liegt darin, die Attraktivität des Sports zu steigern und einen weiteren Anreiz für Reiter zu schaffen. Sie sollen für ihre Bemühungen und ihre Leistung interessante Preisgelder vorfinden“, erklärt Prinz von Croy.

Das buschreiter-Team drückt den Marbach-Organisatoren alle Daumen bei der weiteren Sponsoren-Suche und wünscht viel Erfolg für das Turnier.
Von Sonja Slezacek

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Legten im vergangenen Jahr in Marbach den Grundstock für weitere Erfolge in der Saison: Ingrid Klimke und Escada FRH (Foto: Julia Rau)