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Hochspannung bis zum Schluss – Michael Jung siegt mit Ricona FST bei der Dreisterne-Prüfung in Wiesbaden

Jung besiegelt seinen Sieg im Gelände / Favorit Lips scheidet an den schrägen Hecken aus

(sls) 30 Grad im Schatten – besser hätte das Wetter für diesen ereignisreichen Tag vor toller Kulisse nicht sein können. Trotzdem stellten diese Temperaturen sowohl für die rund 20.000 Zuschauer, die sich den diesjährigen Geländeritt der CIC3* im Schloßpark zu Biebrich ansahen, als auch für die 25 Reiter und ihre vierbeinigen Partner, eine Herausforderung dar. Die Licht- und
Schatten-Verhältnisse erschwerten die Sicht auf die 29 Hindernisse, die es in 5,55 Minuten zu überwinden galt.

Und es blieb spannend bis zum Schluss. Erst in den letzten fünf Minuten besiegelte Michael Jung seinen Sieg in der Dreisterne-Prüfung. Mit 0 Fehlern und einer rekordverdächtigen Zeit von 5,50 Minuten im Gelände, sowie einer Gesamtwertung von 36.6 Punkten, gewann er mit der erst siebenjährigen Ricona FST noch vor dem Australier Andrew Hoy und Nachwuchstalent Benjamin Winter das CIC3*. Hoy, der mit dem elfjährigen Wallach Rutherglen startete, erreichte eine Gesamtwertung von 37.2 Punkten und hatte zwei Fehler im Gelände. Der erst 25-jährige Benjamin Winter platzierte sich mit nur 0,4 Zeitfehlern im Gelände und gesamt 45.00 Punkten auf dem dritten Rang mit seinem Westfalen Ispo.

Michael Jung freute sich über seinen Sieg, vor allem weil die Entscheidung mit Ricona an der Dreisterne-Prüfung teilzunehmen kurzfristig war. „Sie war sehr konzentriert und schön zu reiten. Ich bin gar nicht nach Zeit, sondern nach Gefühl geritten“, lacht der amtierende Europameister, Weltmeister und Olympiasieger. Die Herausforderung in Wiesbaden sieht der erfolgreiche Buschreiter im anspruchsvollen Gelände. „Es gibt viele enge Wendungen und man muss oftmals das Tempo herausnehmen. Somit ist es um so wichtiger, dass das Pferd rittig am Sprung ist, um nicht unnötig Zeit zu verlieren“, sagte der gebürtige Wiesbadener, dessen Saisonziel die WM der jungen Vielseitigkeitspferde ist. Und auch Vater Joachim Jung ist stolz: „Ricona hat ein tolles Ergebnis geliefert. Natürlich hatten wir gewisse Erwartungen, aber man weiß nie was vorher passiert. Für Ricona gibt es jetzt erst einmal eine kleine Pause“.

Für den zweitplatzierten Andrew Hoy stellte das CIC3* eine gute Vorbereitung auf Luhmühlen dar. Der Australier lobte vor allem die einzigartige Kulisse und die sehr guten Bodenverhältnisse. „Die nicht lange, aber schnelle Geländestrecke ist eine optimale Konzentrationsübung für das Pferd“, sagte der dreimalige Mannschafts-Olympiasieger.

Youngster Benjamin Winter konnte sich mit Ispo, seinem EM Partner vom vergangenen Jahr, den dritten Platz sichern. Ursprünglich war er auch noch mit seinem bereits 16-jährigen Wild Thing Z angereist, mit dem er die Dressur als auch die Springprüfung absolvierte. Mit Wild Thing startete Winter jedoch nicht mehr im Gelände. „Beide Pferde sind nächste Woche in Luhmühlen gemeldet. Bei Wild Thing lag für mich der Schwerpunkt auf der Dressur und im Springen. Hier konnte ich mit ihm noch einmal gut üben“, sagte der gebürtige Dortmunder.

Viel Pech für die weiteren Favoriten: Der Holländer Tim Lips, der nach der Dressur und Springprüfung mit Bayro noch als Erstplatzierter ins Gelände startete, wurde aufgrund eines Fehlers bei Sprung 21a disqualifiziert. Bayro setzte zwar zum Sprung auf die erste schräge Hecke an, wich in der letzten Sekunde jedoch nach rechts aus. Und auch für Pia Münker ging der Geländeritt nicht glücklich aus. Sie stürzte bei Sprung 20 von Louis M und schied somit aus. Dabei war die 21-jährige aus Meerbusch nach der Dressur und Springen noch als Viertplatzierte in die Geländeprüfung geritten. Aus der Dressur am Vortag ging die Amazone mit nur 27.8 Fehlerpunkten sogar als Führende in die Springprüfung.

Rang vier belegte Franca Lüdeke mit Parlando und den fünften Platz konnte sich immerhin noch Freya Füllgraebe mit Oje Oje sichern.

Sponsor dieser Dreisterne-Prüfung ist Familie Prof. Dr. Heicke. Der Mäzen hat seine Unterstützung auch schon für das kommende Jahr zugesagt, wie Albert Schäfer vom Wiesbadener Reit- und Fahrclub bestätigt. Das CIC3* im Schlosspark ist zudem Station des Derby-Dynamic-Cups für die besten acht- und neunjährigen Nachwuchspferde. Der Stationssieg in Wiesbaden ging an den neunjährigen Lege Artis v. Larson unter Dr. Marc Dahlkamp. Der U25-Förderpreis Vielseitigkeit ist ebenfalls Teil des Wiesbadener Programms. Hier siegte die 23-jährige Franca Lüdeke auf Parlando.

Für Hans Melzer hat die Vielseitigkeitsprüfung in Wiesbaden eine ganz eigene, tolle Atmosphäre: „Die Nähe zum Publikum ist einzigartig. Die Pferde müssen sich erst einmal an solch eine Ablenkung gewöhnen. Eine hohe Konzentration von Reiter und Pferd sind hier unerlässlich. Die langen Galoppstrecken und engen Wendungen beim Geländeritt vergleiche ich auch immer gerne mit einem Formel-Eins-Kurs“, sagte der Bundestrainer schmunzelnd.

Melzer und sein Team freuen sich jetzt schon auf die WM in der Normandie: „Die Konkurrenz ist nicht zu unterschätzen. Die angelsächsischen Staaten sind sehr stark. Aber wir haben eine gute Aufstellung, Sam und Opgun Louvo sind wieder dabei und unsere Erwarten sind natürlich groß“, sagte Melzer abschließend.

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Michael Jung und Ricona FST auf dem Weg zum Sieg (Foto: Julia Rau)