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Gemeinsam den Blick nach vorn

Ein intensives halbes Jahr liegt hinter Julia Otto und ihrem Team. Zahlreiche Gespräche mit Sponsoren, Reitern und Funktionären halfen dabei, den Blick positiv nach vorn zu richten und sich auf zukünftige Aufgaben zu konzentrieren.

„Aus meiner Sicht ist es immer notwendig Vergangenes zu hinterfragen und zu versuchen, die Sicherheit und die Kommunikation im Sport weiter zu verbessern. Transparenz und gegenseitiger Austausch steigern das Verständnis für die Sicht der einzelnen Parteien und letztendlich auch die Sicherheit des Vielseitigkeitssports. Und daran haben wir das allergrößte Interesse“, erklärt Julia Otto, Geschäftsführerin der Turniergesellschaft Luhmühlen mbH.

Vier Jahre für Vier Sterne

Ein bestimmendes Thema der letzten Monate war sicherlich die Haltung einzelner Sponsoren. „Die Ausrichtung der Vier-Sterne-Prüfung ist nur mit der Unterstützung starker Konzerne realisierbar. DHL Paket wird für die nächsten vier Jahre unser Generalsponsor bleiben. Das Unternehmen hat sich als idealer und verlässlicher Partner an unserer Seite präsentiert und gibt uns die nötige Planungssicherheit, die Vier-Sterne weiter leuchten zu lassen“, so Otto.

Vier Jahre „Offizieller Zeitnehmer“

Longines, das in der Schweiz ansässige Weltunternehmen, verlängert seinen Vertrag als „Offizieller Zeitnehmer“ ebenfalls um vier weitere Jahre. Ab sofort ist somit der Longines Count Down auf der Luhmühlen Homepage wieder aktiviert. „Wir sind sehr stolz auf diese Partnerschaft und haben schon in diesem Jahr festgestellt, wie professionell sich Longines im Reitsport engagiert. Gemeinsam können wir viele Bereiche für den Sport noch weiter modernisieren“, resümiert die Geschäftsführerin der Turniergesellschaft.

Auch auf die Unterstützung der Ostfriesischen Teegesellschaft, welche mit ihrem Premiumprodukt Meßmer ein Herzstück der Geländestrecke präsentiert, kann Luhmühlen ebenso weiter zählen, wie auf die britischen Spezialisten der Helmindustrie, Charles Owen. Nicht zu vergessen sind zahlreiche Co-Sponsoren, die ebenfalls ihr Engagement fortsetzen.

Reiterstimmen

Zu unseren Gesprächspartnern aus dem Reiterlager zählten unter anderem die beiden derzeit erfolgreichsten deutschen Amazonen. Sandra Auffarth hat viel erreicht in den letzten Jahren, nun begleitet das Stichwort „Doppelgold!“ – mit Ausrufezeichen – die sympathische Reiterin aus Bergedorf bei Ganderkesee. Ingrid Klimke blickt ebenfalls auf ein überragendes sportliches Jahr zurück. Die Normandie verließ sie mit Mannschaftsgold und krönte ihre Saison zudem mit dem Sieg in der Vier-Sterne-Prüfung im französischen Pau. Während die vierbeinigen Cracks nun ihre wohlverdiente Winterpause genießen, ist das Ende des Jahres ein guter Zeitpunkt für unsere Erfolgsreiterinnen, Geschehenes zu reflektieren und den Blick nach vorn zu richten. Beiden Sportlerinnen ist ihre Passion für die Vielseitigkeit und die Verbundenheit zu ihren Pferden anzumerken und so vermögen sie es, in wenigen Worten zu vermitteln, was den Sport so besonders macht. Auf niemanden passt die Beschreibung „bodenständige Überfliegerin“ so akkurat wie auf Sandra Auffarth. Lobeshymnen kann man ihr nur im Hinblick auf ihren langjährigen Sportpartner entlocken: „Wolle und ich sind als Team zusammengewachsen und natürlich stärkt es das Selbstvertrauen, dass wir schon so viele Aufgaben zusammen gemeistert haben. Es bestärkt mich, mit meinem Pferd so zusammengewachsen zu sein, dass wir eine Einheit bilden.“

Auf die Bitte, Luhmühlen einmal aus Sicht ihrer Erfolgspferde zu beschreiben, gab Ingrid Klimke folgende bezeichnende Antwort: „Schon in der Dressur liegt Spannung in der Luft und sie wissen genau, dass hier kein reines Dressurturnier stattfindet. Die Atmosphäre ist prickelnd und man hört eine Stecknadel fallen. Das Gelände ist einmalig schön: Auf dem guten Heidesand kann man richtig frisch galoppieren und die Sprünge sind wuchtig, aber haben klare Linien. Die Zuschauer feuern uns an und beflügeln uns überall auf der Stecke. Das Abschlußspringen ist immer hoch und knackig. Da können wir unser ganzes Vermögen zeigen. Die Tribüne ist voll und die Stimmung einfach hinreißend.“ Sandra Auffarth beantwortete dieselbe Frage mit der ihr eigenen Sachlichkeit: „Luhmühlen ist eine tolle Veranstaltung, die sich ich in den letzten Jahren immer weiterentwickelt hat und unserem Sport nun optimale Bedingungen bietet. Die Böden für die Dressur und das Springen sind perfekt – davon sind die anderen Prüfungen, wie zum Beispiel Badminton, weit entfernt. Das Gelände ist toll zu reiten und auch hier sind die Bodenverhältnisse perfekt“.

Zum Einsatz von FEI zertifizierten Sicherheitssystemen

Der Sicherheitsaspekt nimmt im Vielseitigkeitssport seit langem eine zentrale Rolle ein. Die Geschehnisse der letzten Monate haben zu einer noch intensiveren Auseinandersetzung mit der Sicherheitsthematik beigetragen.
Course Designer Captain Mark Phillips schätzt deformierbare und flexible Elemente, sieht jedoch auch Grenzen für deren Einsatz: „Ich benutze sowohl die Frangible Pin als auch die MIM Systeme in Europa und Nordamerika. Beide sind in bestimmten Situationen nützliche Vorrichtungen. Wir arbeiten außerdem an der Entwicklung eines zerbrechlichen Systems mit bestimmten Arten von Hecken – obwohl Hecken an sich natürlich schon fehlerverzeihende Sprünge sind. Es ist leider nicht möglich, den Reitsport hundertprozentig sicher zu machen. Die Verwendung von oben genannten Systemen kann einen Beitrag dazu leisten, dass der Sport sicherer wird. Hinzu kommt, dass die Gestaltung der Hindernisse und die verwendeten Materialien möglichst pferdefreundlich sind. Der größte Sicherheitsaspekt ist jedoch meines Erachtens der Respekt, den die Reiter den Hindernissen entgegenbringen. Insofern versuchen wir immer, die Balance zwischen fehlerverzeihenden und gleichzeitig respekteinflößenden Aufgaben zu finden, die von den Reitern ernstgenommen werden.“

Während Ingrid Klimke sich im Hinblick auf dieses Thema eher zurückhält und generell anmerkt, dass „die Fachleute in Sachen Sicherheitstests“ dies besser beurteilen könnten als sie, das Thema Sicherheit generell allerdings „nicht gut und ausgiebig genug diskutiert, getestet und erforscht werden“ könne, bezieht Sandra Auffarth deutlicher Stellung: „Die neuen Sicherheitssysteme sind in aller Munde. Ich denke, es macht Sinn, hier weiter zu entwickeln und zu forschen. Bei Rennbahnsprüngen und anderen fehlerverzeihenden Hindernissen brauche ich persönlich keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen. Bei technisch anspruchsvollen Komplexen, zum Beispiel einem Coffin oder Wasserkomplex, wäre es toll, wenn zukünftig ein funktionierendes System dafür sorgen könnte, dass ein Hindernis deformierbar ist. Ich denke nicht, dass der Respekt verloren ginge, da unkonzentriertes oder zu schnelles Reiten ja letztendlich auch durch einen Abwurf bestraft würde. Dass ein Gelände allerdings nur aus fallenden Elementen besteht, kann ich mir persönlich nicht vorstellen. Hans Melzer teilt die Ansichten von Sandra Auffarth: „Ich finde es gut, dass wir bei bestimmten Aufgaben auf
diese Systeme zurückgreifen können, gerade an guckigen Elementen oder zum Beispiel auch Steilsprüngen. Ich persönlich halte das MIM System für besonders praktikabel, weil es unkompliziert ist. Nachdem es ausgelöst wurde, kann es einfach ohne großen Zeitaufwand zurückgeklappt werden, ohne dass der Kurs angehalten werden muss. Bei kniffligen Aufgaben halte ich zudem viel von dem Einsatz von Hecken.“

Grundsätzlich ist Kommunikation für die Sicherheit im Vielseitigkeitssport wichtig. In Zeiten von Entwicklungen und Veränderungen – und darunter fällt der vermehrte Einsatz von Sicherheitssystemen sicherlich – ist es umso entscheidender, im Dialog zu bleiben und einzelne Positionen zu diskutieren. Captain Mark Phillips konstatiert, dass die Kommunikation zwischen Reitern, Funktionären, Trainern und Course Designern heute so offen ist, wie nie
zuvor: „Ansichten und Meinungen werden nie einfach verworfen sondern grundsätzlich immer als relevanter Aspekt eingestuft und im Detail betrachtet. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Reiter des besten Pferdes und Reiter des schwächsten Pferdes unterschiedliche Ansichten im Hinblick auf ein Hindernis haben können. Deshalb ist es wichtig, konstruktive Meinungen aller Beteiligten zu erhalten.“ Während Ingrid Klimke sich wünschen würde, dass die allgemeine Verständigung im Vielseitigkeitssport weiter verbessert wird, sieht Sandra Auffarth in der Kommunikation zwischen Reitern, Funktionären und Course Designern keine Probleme oder Lücken: „Sicher ist es wichtig, an diesem Thema weiter
dranzubleiben. Wenn mir etwas Kopfzerbrechen bereitet, kann ich mich jedoch jederzeit an meinen Trainer oder den Aktivensprecher wenden und habe grundsätzlich das Gefühl, dass Themen sensibel angenommen und gut überdacht
werden.“

Veränderungen im Luhmühlener Gelände

Neben dem weiteren Ausbau der bereits eingesetzten Sicherheitssysteme plant Mark Phillips unter anderem einen Richtungswechsel. Auch wenn Luhmühlen 2015 noch in weiter Ferne scheint, laufen die Vorbereitungen der Geländestrecke
schon auf Hochtouren. Bei den ersten Entwürfen werden viele Aspekte in die Planung mit einbezogen: „Der Bereich, der uns für die Geländestrecke zur Verfügung steht, ist begrenzt. Dementsprechend verläuft der Kurs in einigen Bögen und es gibt ein paar Stellen, an denen die Strecke sich kreuzt. Wir müssen also sicherstellen, dass die Reiter nicht aufeinandertreffen – weder in Vier-Minuten-Intervallen, noch in Drei-Minuten-Intervallen. Außerdem liegt ein Augenmerk auf der Ausgewogenheit der Strecke. Auch Gesichtspunkte wie Fernsehübertragbarkeit fließen in die Planung mit ein. Um das Budget nicht unverhältnismäßig zu belasten, macht es außerdem Sinn, bereits bestehende Hindernisse mit einzubeziehen. Die Bodenarbeiten sind abgeschlossen. Wir haben die Trasse im Wald und natürlich den Boden rund um den Meßmer Teich weiter verbessert. Über den Winter werden David Evans und sein Team in der Werkstatt neue Sprünge bauen, bis das Frühjahr uns erlaubt, wieder draußen zu arbeiten“, erklärt Phillips. Neben der Richtungsänderung ist der Umbau des Meßmer Wassers eine weitere große Veränderung: „Das Meßmer Wasser hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum verändert, im Prinzip seit ich in den 1970er und 1980er Jahren in Luhmühlen als Reiter an den Start ging. Der neue Look wird den Zuschauern eine viel bessere Sicht bieten und mir viel mehr Möglichkeiten, dieses Herzstück der Strecke zu gestalten“, so der Course Designer.

„Alle diese Ereignisse und Gespräche lassen uns positiv nach vorne blicken und wir freuen uns auf die Ausrichtung der beiden Prüfungen im Zusammenhang mit den FEI Classics und der Deutschen Meisterschaft“, resümiert Julia Otto.

PM