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FRH Schorsch- eine einmalige Karriere und eine spannende Geschichte

Julia Mestern und FRH Schorsch waren jahrelang fester Bestandteil des Bundeskaders. Zahlreiche Starts in Nationenpreisen, die zum Greifen nahe Platzierungen bei den Europameisterschaften in Luhmühlen 2011 und zwei Siege beim Klassiker in Boekelo in Folge (2008 und 2009) gehen auf ihr Konto.

Seine internationale Bilanz

Bild: Julia Rau

Doch die Geschichte bis hin zu diesen Erfolgen ist eine etwas ungewöhnliche.. heute beginnen wir mit Teil 1 dieser einmaligen Erfolgsgeschichte des Hannoveraners, dessen Karriere ursprünglich im Dressurviereck liegen sollte. Seine Ausbilderin und Entdeckerin Julia Mestern erzählt uns den Werdegang aus ihrer Sicht..

„19 Jahre lebe ich mit FRH Schorsch. Er hat mein Leben verändert, meine Sichtweise und Kreativität gefordert und er hat es belohnt. Wieviele Pferde gibt es, die einfach „nicht gut genug“ sind. Schorschi war so ein Pferd. Er sollte ein Dressurpferd werden, bei der Abstammung: Scherlock Holmes x Weltmeyer ja auch naheliegend. Er bewegte sich auch ganz nett, dass er hinten 10cm höher war, da hofften wir vor 19 Jahren, „der wächst sich noch zurecht“. (Hat er nicht ) beim Anreiten war er super brav, generell war er super brav. Besonders werde ich nie vergessen- er wohnte neben Witchwife eine sehr hübsche schwarze dauerrossigen Stute. Er war doch so brav, aber manchmal wieherte er und machte sich groß … “der ist wohl noch ein bisschen hengstig.“ Naja das kann ja mal sein. Anne fand dann zwei schöne ausgeprägte Hoden. Er war noch Hengst, nur wir wussten das nicht und er hat es 10Tage verheimlicht. Da er immer so brav war, ist er heute noch Hengst mit 17 wurde er aufgrund seiner Leistung für Hannover gekört und anerkannt.

Bild: Julia Rau

Nun gut, er war brav, überbaut und hatte einen unendlich langen Hals. Er ließ sich zu dieser Zeit sehr schön brav reiten und war nun 4 Jahre alt. Glücklicherweise durften bei meinem Ausbilder Frank Agné alle Pferde einmal die Woche Freispringen und auch einmal wöchentlich unter dem Sattel springen (wenn sie sich nicht völlig im Mikado spielen vergaßen). Anne und ich hatten zumindest eine Menge Spaß (es gab keinen Springsattel ). Schorschi hatte an diesen Tagen immer seinen Wochenhöhepunkt und überwältigte uns, wie schön es ist, über und nicht auf die Stange zu springen. Er ging gemeinsam mit Kumpel Ludwig kleine Reitpferdeprüfungen- in seiner Ersten wurde er dritter und Eignungsprüfungen, da war er auch immer platziert. Dann gab es 1/2Jahr, da hatte ich nicht mehr so viel mit ihm zu tun und er wurde nicht von mir geritten oder betreut. In dieser Zeit ist etwas passiert mit ihm (heute würde ich das ganz anders analysieren). Er war in einer Dressurpferde A genannt und ich sollte ihn wieder reiten. Glücklicherweise hatte unser Start sich um 1h nach hinten verschoben. Ich merkte beim Abreiten da stimmt etwas nicht. Ich versuchte ihn zu lösen aber er ging wie ein Hirsch. Das war mir super peinlich.. ich ritt und ritt aber es wurde nicht wirklich besser. Der ist stur!!! Ich verstand das nicht, war er zuvor doch das Pferd mit der leichtesten Anlehnung gewesen, super easy. Nix mehr, er war ein Hirsch. Es war zum verzweifeln. Ich bin tatsächlich in diese Dressurpferde A geritten und habe mir die 5,2 für Hirsch abgeholt- die Hoffnung stirbt zuletzt. Zu Hause versuchte ich alles, was mir einfiel- aber er blieb ein Hirsch. Immerhin nix Rollkur- Genick war immer höchster Punkt ok was tun? Ach ja, Schorschi springt ganz ok, also springen. Er war generell 1sec schneller als alle anderen und hat 6 bis 7jährig 30 L Springen gewonnen. M habe ich versucht,- aber da ich keine Ahnung hatte und schnell nicht alles ist, klappte es nicht immer. Es gab eine Zeit da hielt Schorschi immer plötzlich an, ich wusste nie wann und warum bis ich eine Regelmäßigkeit entdeckte.

Dieses Anhalten hatte irgendwie System, es war als wollte er nicht landen. Ich schob es auf den Boden, ok Schorsch mochte generell weichen Boden lieber als harten, aber er stoppte auch da manchmal. Hier muss ich kurz einschieben, dass Schorschi und ich immer nur L Springen auch blöd fanden und uns erinnerten das die liebe Despina uns mal mit zum Geländetraining nach Süsel geschleppt hatte und hey das war lustig und Schorsch machte eigentlich alles. Im Nachbardorf Fischbeck bei der lieben Cathrin Kirchner-Salzmann war die Kreismeisterschaft für Stormarn ausgeschrieben (habe ich natürlich erst später gemerkt). Meine Dressurpferde hatten an dem WE nix zu tun und so … Aber das hieß ja wieder Dressur reiten. Egal genannt ist, geritten wird. Hirsch hin oder her. Ich galoppierte vor der Dressur mit Schorschi als Hirsch freudig herum und ließ ihn so wie er halt war – eben deutlich vor der Senkrechten. Er entspannte sich, buckelte ein bisschen- alles wie beim Springen. Ich saß nicht aus, ritt keine Lektionen, galoppierte einfach nur rum. Mir fiel nix ein- Hirsch ist Hirsch. Ums Viereck trabte ich leicht. Holte tief Luft in der Hoffnung die Trabtour mit Luft anhalten und über dem Sattel klemmen irgendwie hinter mich zu bekommen. Er war immerhin ein entspannter Hirsch ich ritt auf die Mittellinie und bitte nicht lachen, aber Schorsch nahm den Kopf runter und ging mit durchhängenden Zügeln in einer Haltung, die uns 8,2 brachte- ich war fassungslos wat is denn nu los? Wir sausten dann 1min unter die Zeit (war Standard auch später noch) durch das Gelände, null und schnell durch das Springen und wurden Kreismeister . Das war ja lustig voll einfach dieses Buschreiten … dachte ich so….“

…Fortsetzung folgt

Bild: Julia Rau