Donnerstag, 19. Juli, 2018
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FRH Schorsch- eine einmalige Karriere und eine spannende Geschichte * Teil 9

Julia Mestern und FRH Schorsch waren jahrelang fester Bestandteil des Bundeskaders. Zahlreiche Starts in Nationenpreisen, die zum Greifen nahe Platzierungen bei den Europameisterschaften in Luhmühlen 2011 und zwei Siege beim Klassiker in Boekelo in Folge (2008 und 2009) gehen auf ihr Konto.

Seine internationale Bilanz

Doch die Geschichte bis hin zu diesen Erfolgen ist eine etwas ungewöhnliche.. heute beginnen wir mit Teil 1 dieser einmaligen Erfolgsgeschichte des Hannoveraners, dessen Karriere ursprünglich im Dressurviereck liegen sollte. Seine Ausbilderin und Entdeckerin Julia Mestern erzählt uns den Werdegang aus ihrer Sicht..
der erste Teil
der zweite Teil
der dritte Teil
der vierte Teil
der fünfte Teil
der sechste Teil
der siebte Teil
der achte Teil
Titelbild: Julia Rauweiter geht’s mit Teil 9…“Es gab noch ein Turnier, bei dem ich mich etwas spät entschloss mit reiten zu wollen. Schorschi fühlte sich fit an und so fragte ich 3Wochen vorher in Luhmühlen an, leider waren schon alle Startplätze vergeben und mir wurden wenig Hoffnung gemacht auf einen Startplatz, Platz 13 auf der Warteliste.
Schade, aber ok dann soll es wohl so sein. Was dann? Ich hielt Schorschi fit und wartete auf eine Idee.
Am Montag morgen erreichte mich Julia von der Meldestelle Luhmühlen :“ Du kannst starten, wenn Du möchtest nur am Donnerstag ist Dressur.“
Ja super, toll … das ist in 2Tagen … oh Hilfe nichts ist organisiert, von Bayern aus ca. 12h Anfahrt.
Schnell wurden improvisiert, Grooms zu Reitern umfunktioniert, Futter- und Trainingsplänen geschrieben. Wer übernimmt die Verantwortung?
Glücklicherweise hatten wir ein gutes Team, nur vor Mittwoch auf Donnerstag Nacht würden wir nicht loskommen.
Ich dachte die anderen Termine wären nicht zu verlegen und Schorschi ist erfahren genug. Luhmühlen kannte er ja nun wirklich gut.
Die Fahrt verlief ruhig wie gewohnt. Schorschi hatte 6Heunetze und nach 6h luden wir ihn an einem Autohof ab und ich lief 1/2h mit ihm. LKW fahren war immer anstrengend für ihn, er balancierte sich scheinbar schlecht aus und konnte einfach nicht entspannt fahren. Morgens um 8Uhr kamen wir an. Schorschi begrüßte alle lauthals und freute sich sichtlich über den Heideboden. Alles Waschen war umsonst gewesen, schon lag er in der dunklen Erde.
Ich hoffe noch einmal mit ihm ums Viereck reiten zu dürfen, aber leider keine Chance. Na gut, gucken tut er ja eigentlich nicht. Wir waren Nachmittags dran, so viel wie möglich Schritt führen, grasen, Paddock. Man merkte Schorschi den langen Transport an.
Ich ärgerte mich, warum waren wir nicht schon am Dienstag gefahren?
Wieder etwas was ich lernen musste, wenn ich mich entschließe ein Turnier zu reiten, dann ist das wichtig und geht vor oder es ist nicht wichtig, dann reite ich aber auch nicht. Der Aufwand für Pferd und Menschen ist einfach zu groß.
Unsere Startzeit war 15:30Uhr und die Zeit bis dahin flog. Schorschi glänzte wie eine Speckschwarte, bekam die schönsten Zöpfe, aufgereiht wie eine Perlenschnur. Seinen dicken Schweif hatten wir zu Hause zu 3 Zöpfen geflochten nun war er doppelt so dick und konnte mit jedem Kaltblüter konkurrieren. Sehr hübsch. Noch schnell die Schweifrübe so fein es ging eingeflochten und schon hieß es für Philipp Schritt führen. Ich zog meine Glücksreithose, -Bluse und meine Stiefel an. Die waren auf Hochglanz poliert ich hatte ja 12h Fahrzeit Zeit gehabt.
Gut die Schönsten waren wir schon mal.
Beim Abreiten ließ ich mir Zeit und Schorschi wurde lockerer, sich jetzt aufzuregen über ein steifes Pferd war aufgrund von eigener Dummheit nicht möglich. Schade so musste ich mich weiter über mich selber ärgern.
Das Dressurviereck war wieder super schön gestaltet und hatte absolut Championats Atmosphäre. Ich freute mich auf die Dressur. So richtig durchlässig wurde unser Abreiten nicht aber ich hoffte auf Schorschis tollen Charakter und unser jahrelanges Teamwork.
Es war Schorschis letzte Dressur, das hatte ich ihm nach meinem verplanten Zeitmanagement geschworen.
Noch einmal standen wir vor dem Einritt zum Stadion, hörten den Stadionsprecher unsere Erfolge aufzählen während wir um das Viereck trabten. Das ist einfach Gänsehaut pur. Schorschi war nicht locker er guckte und hielt sich fest. Ich glaube es war das erste Mal das er guckte. Aber das war egal vielleicht würde ich solche tollen Events nicht mehr reiten können?!? Einen weiteren Schorsch würde ich mir erst wieder backen müssen und dabei würde ich viel positives und negatives Lehrgeld bezahlen.
Es klingelte. Mein kleiner Hirsch, ich musste lachen so hatten wir mal begonnen. Wie ein Hirsch ums Viereck und ab der Mittellinie den Kopf in Dressurhaltung. Ab da konnte ich mich entspannen Schorschi war wieder im Turniermodus und uns gelang eine feine fast fehlerfreie Dressur.
Ab ging es, lange Seite starker Galopp mit vollem Risiko (da gab es auch eine 9) „brrrrrrrrr“ versammeln und jetzt auf die Mittellinie. Einatmen, ausatmen und Halten. Schorschi stand und gerade, juhhhuuuu
…allerdings nur kurz, so wollte er seine letzte Dressur nicht beenden, Mann muss sich schließlich treu bleiben. Bevor ich grüßen konnte verlagerte er das Gewicht und uppss „sorry sonst wäre ich umgefallen!!“ stand er schief und schonte hinten links. Nicht sein ernst.
Wir übten dieses dumme letzte Halten über Jahre, und ich sage Euch er stand auf jedem Abreitesplatz, in jedem Training wie eine Eins.
Unabhängig vom letzten Halten hatte der englische Richter den Hirsch ums Viereck nicht vergessen und konnte sich mit unserer Darbietung nicht so anfreunden, aber in der Vielseitigkeit rechnen wir ja bekanntlich am Ende ab.

Am Freitag hatten wir einen „Day off“ und es waren die 24h die er brauchte um nach dem Transport wieder top fit und munter zu sein. Ich konnte mir gleich selber noch eine Ohrfeige geben. Nun gut so war er topfit fürs Gelände am Samstag.
Beim ersten Abgehen fragte ich mich warum ich nicht die 4* Prüfung reite. Die Hindernisse waren die ersten 2min die Selben und auch sonst war außer der Länge der Strecke nicht viel Unterschied zu erkennen. Besonders die Aufgabe im Stadion forderte von den Pferden bedingungslosen Gehorsam ich entschied mich sofort trotz unserer Erfahrung hier und an einem weiteren Mauer-Ecken-Komplex die Alternative zu wählen. Mir ging es um Spaß und nicht mehr um Hochleistung. Es war eine kluge Entscheidung sollte sich später herausstellen. Ich lief wie gewohnt 3,5x durch das Gelände immer mit einem anderen Blickwinkel und Ansatz.
Das erste Mal ist wie Pfadfinden, erstmal einen Eindruck bekommen und ein Gefühl.
Wenn ich reiten werde, ist es für mein Pferd ähnlich wie es mir jetzt geht.
Wie fühle ich mich? Ist es schön gebaut? Technisch? Hoch/Dick? Pferde freundlichen? Oder sind Hindernis spät und schwer einsehbar? Klaro ich kenne den Weg und die Hindernisse aber Schorschi sieht sie das erste Mal und nicht gerade im Schritt. Das Thema dieses Kurses war Hoch/Dick, Ecken und möglichst spät für Reiter und Pferd zu sehen.
Beim zweiten Abgehen gehe ich gerne mit Trainern oder Reitkollegen um deren Ideen und Erfahrungen mit in meine Ideen einzubauen ohne mein Pferd und mich zu vergessen (Euro im Hinterkopf).
Es werden Vorbereitungspunkte, Anreitewege, Linien, Kombinationen und Distanzen besprochen.
Bei diesem Abgehen kommt das Meßrad mit und dann haben wir gleich die Minutenpunke. Philipp hat für Schorschi und mich immer die optimalen Punkte abgefahren.
Sollte jemand von Euch keine Idee haben was Minutenpunke sind. Kurze Erklärung: je nach Schwierigkeitsklasse erhöht sich auch die Geschwindigkeit im Gelände. In einer CIC* Prüfung müssen wir 520m/min zurücklegen in einer 3* Prüfungen 50m mehr. Also 570m/min inklusive der Hindernisse. Dafür gingen wir in Luhmühlen mit dem Meßrad 570m und merkten uns dort einen markanten Punkt.
Bei diesem Abgehen besprechen wir auch schnelle (wenige Hindernisse flaches gutes Geläuf) oder langsame (Wasserkomplexe, kniffelige Kombinationen) Minuten.
In einer schellen Minuten heißt es Zeit für eine langsame herauszuarbeiten.
Luhmühlen war für Schorschi immer ein schnelles Pflaster, auch mit 2x „Chicken-way“ wäre es möglich gewesen in die Zeit zu reiten. Aber nicht mehr das Ziel.
Das dritte Abgehen nutze ich um wirklich einmal konzentriert und alleine den gesamten Kurs mit allen Vorbereitungs-, Minutenpunken, Linien und anzuvisierenden Punkten abzugehen.
11:18Uhr war meine Startzeit, so hatte ich noch Zeit mir ein paar Reiter anzugucken so konnte ich mein letztes Abgehen starten. Die besonderen Aufgaben interessierten mich das Stadion mit den Buschmauern und Ecken. Michi flog die direkte Linie vorbei so easy es sah so easy aus. Wie macht er das bloß.
Ich blieb bei meiner Chicken-way Idee, behielt aber das easy-going Gefühl von Michi in meinem Kopf. Wenn es bei den anderen Reitern gut klappt wirkt das Hindernis leichter und motiviert mich.
Am Eon-Teich hörte ich genügend Fehler der anderen Reiter im Stadion auch Braxxi hatte es erwischt. Der Kurs war schwer und es passierten einige Stopps. Ich versuchte immer einen Reiter zu sehen der ohne Probleme die Aufgabe löste. Langsam hieß es nun zurück zu Schorschi eigentlich war ich jetzt schon durchgeschwitzt vom Abrennen in voller Montur.
Philipp hatte Schorschi gut durchmassiert und er sah super aus. Ohren vorne, glänzend – happy er sah richtig glücklich aus. Ich freute mich, Philipp hob mich auf Schorschis Rücken.

Es würde das letzte Mal sein, unser letztes gemeinsames Gelände. Außer mir und ich denke Schorschi wusste das niemand ich spürte einfach „es ist genug“ die Transporte, das Training, die Turniere es reichte für Schorsch. Jetzt war er fit und wollte. Wenn es am Schönsten ist soll man ja bekanntlich aufhören. … noch einmal hieß es sich auf das hier und jetzt zu konzentrieren.
Zumindest erinnerte mich mein Partner gerade deutlich daran, er schüttelte den Kopf und meinte ruhiger Trab wäre zu langsam, nicht schlafen da oben. „Juhhhuuuu“ Schon buckelte er los. Da freute sich einer richtig. Ich glaube er war immer besonders glücklich wenn er sich auskannte auf den Turnieren. Er erzählte mir dann die ganze Zeit das er schon weiß wo es längs geht und was zu tun ist – Teamwork eben.
Ich ließ ihn in einen lockeren Canter übergehen und er drehte den Hals freudig nach unten und buckelte nur so lustig in der Schulter nach oben. „Spaßvogel kleiner Scherzkeks du.“ ich überlegte, ob ich jetzt traurig bin oder sein müsste? Aber es war als fiel eine riesen Last von mir ab, die Last zu entscheiden was richtig ist, wann es richtig ist aufzuhöhen. Den Absprung zu schaffen bevor Schorschi nicht mehr fit oder gar verletzt wäre. Wir machten eine Schrittpause. Die Erleichterung kroch durch meinen ganzen Körper falls das einer beobachtet hat wie ich blöd grinsend auf dem Pferd saß … nun wisst ihr warum. Keine Ausrede verrückt bin ich natürlich trotzdem.
Ich freute mich und mir war klar das werden wir genießen, nur wir zwei was geht geht und was nicht eben nicht. 2x Chicken-way war abgemacht und auf jedenfall bloß nicht in die Zeit reiten. Alle Kritiker ausschalten, die nicht sehen wie und warum Schorsch immer der Schnellste war, die nur auf die Zeit gucken. Ich kam und komme mir schon schlecht vor wenn ich in die Zeit reite, obwohl das nicht unbedingt mit Kamikaze zu tun hat sondern auch genug mit Durchlässigkeit und Teamwork. 1sec. Verlust am Sprung x 30 oder mehr Sprünge, easy zu rechnen wieviel schneller oder langsamer ein durchlässiges Pferd ist. Und was ist schon 1sec. ?!? Nicht zu viele Sprünge auf dem Abreiteplatz, dafür lieber an genau dieser Durchlässigkeit arbeiten. Zulegen / Abfangen, noch mal die Hecke schräg und den schmalen Pömpel. Dann ging es los. Sporenkontrolle, dieses Mal waren sie dabei, auch die Medikalkard erstaunlicherweise nicht vergessen. Hey cool ich lerne es noch.
Letzter Vorbereitungsplatz in Luhmühlen nicht mein Lieblingsort, er ist direkt zwischen dem Start und Zieleinlauf. Sensible Pferde wie Hamlett z.B. konnten sich da schrecklich aufregen. Aber mein kleiner Professor, der genoß sichtlich das Adrenalin, das bei der Anfeuerung der starteten Pferde und dem Applaus der Pferde im Finish in jeden von uns einschoß. Nächstes Pferd noch 2min. Ich habe immer ein bisschen Sorge das etwas schief läuft und bin lieber zu früh an der Startbox also bewegten wir uns langsam dort hin … wie immer wurden 2min auf einmal unendlich lang aber dieses Mal ließ ich keine Zweifel aufkommen, Schorschi war fit und ja wir waren genug abgeritten, ich kannte den Kurs in und auswendig. Die Uhr war dabei bloß nicht zu schnell reiten.
Noch 30sec. Gänsehaut unser letztes Mal auf einmal schossen doch Tränen in meine Augen, was hatte dieser kleine Hengst mir Alles ermöglicht… 10sec. Konzentrieren 5sec 4,3,2,1, „viel Glück“ rief der Starter.

Ich brauchte nichts zu tun Schorschi flog einfach los aus der vollen Ruhe, er kannte seinen Job.
Der erste Sprung, schon von weitem sahen wir die Distanz und ich brauchte ihn nicht aufzunehmen, nicht eine sec. verloren, wir flogen einfach weiter. Oh ist das ein tolles Gefühl so viel Teamwork, Vertrauen. Weiter ging es nach rechts Richtung Eon Teich. Schorschi schien den Berg nicht zu spüren ich war mir sicher er berührte den Boden nicht mehr und flog wirklich. In diesem Moment war es mir egal, egal was jemand über uns dachte oder sagen wird egal wie unsere Zeit am Ende ist einfach weiter fliegen und glücklich sein. Über das Boot ins Wasser Hand vor Zügel langer Hals, geradeaus weiter über diese Insel 2 Galoppsprünge hoch über das Haus, puuhhh kein Problem weiter geht es.
Der offene Oxer ganz neu mit Mim System bloß nicht da gegen kommen, nicht das es auslöst. Wie konnte ich nur darüber nachdenken Schorschi würde eh nie einen Sprung berühren. Weiter über die Brücke, die über dem breiten Graben hing. Vorbereitungssprung für die erste richtige Aufgabe zwei dicke Häuser, die im rechten Winkel standen. 2 Galoppsprünge und ab durch die Mitte. Super Schorschi weiter zur Hecke es läuft juhhhuuuu oh man kommt die schnell, „brrrrrrrr Schorschi hohhh, das ist keine Rennbahnhecke, danach steht gleich rechts ein Haus, das kannst Du nicht sehen. „ brrrrrrrr wow es kommt schnell -Mist – jetzt bloß nicht kämpfen Zusammenarbeit, Schorschis Ohren arbeiteten, vor zurück vor rechts links – sofort er, „oh Danke“ er reagierte sofort, ich klopfte ihn vorbereiten Hoppelgalopp und … Nullproblem „Danke du bist der Beste“ ich rief das laut mir war es egal, die Hindernisse Richer guckten, ab und weiter jetzt ins Stadion. Ok wo war das blaue Plakat an der lange Seite, der direkte Weg würde über eine super schräge Hecke und dann weiter über diese gemeine rechtwinklige Ecke gehen. Nein das war mir zu kniffelig, ich ließ Schorschi die Hecke gerade zurück springen es war nicht mehr A/B (zu viele Proteste) und so konnte ich meine Linie kreuzen. Die Ecke war so auch nicht so frech und kein Problem. Keine Zeit Luft zu holen das ganze auf der anderen Seite zurück nun erst die Ecke, dann konnte ich einen kleinen Bogen reiten und die Hecke direkt nehmen. Geschafft klopfen, loben, den Applaus genießen und weiter fliegen “super Schorschi Du bist der Beste!!!”

raus aus dem Stadion vorbei am Haus über die gigantische Rennbahnhecke, wow hatte ich beim Abgehen geguckt sie war hoch und dicht ausgestopft bestimmt auf 140cm und das wo Schorschi doch nicht durchwischte.
Vom Aufnehmen hielt er nicht viel, war ihm doch egal, diese Hecke. Fliegen ist nicht schöner.
Den offenen Birkenoxer und schon flogen wir die lange Galoppstrecke am Abreiteplatz entlang zum Meßmer -Teich.
Für die 3* ging es auf der rechten Seite unter den Bäumen über den Tisch, auf gebogener Linie bergab ins kleine Wasser, über den schmalen Baumstamm im Wasser, wieder Bergauf auf die Insel und nun allen Mut voraus werfen, konzentrieren … Tiefsprung ins Wasser. Einer von diesen fiesen, die zwischen Boden und Baumstamm noch freie Sicht auf das nächste Wasser gaben. Einfach auch so hoch und wenn er rutscht, stoppt, nicht das er einfädelt.
Einfach Hand vor Zügel durchrutschen lassen und Oberkörper weit nach, Füße zur Schulter. Schorschi nahm Anlauf zog mir den Zügel aus der Hand und sprang 180cm tief, landete er sicher im Wasser. Nun aber schnell, mit einer Hand den Zügel wieder nachgefasst, gerade aus – Kante hoch „spring Schorschi“ er würde jetzt viel Kraft brauchen, es ging in-out weiter über die dicke Teetasse.
Puhhhh geschafft aber noch nicht verschnaufen 5 Galoppsprünge nochmal volle Kraft rechts oder links über den Trakehner? Er war in der Mitte höher ausgestopft als an den Seiten. Ich guckte rechts rechts passt besser 1,2,3 juppppiiiii konnte mein Pferdechen springen.
Wow er beeindruckte mich immer wieder. Die lange Galoppstrecke durch den Wald Schorschi galoppierte so gleichmäßig vollkommen eins mit seiner Atmung. Es fühlte sich so langsam an, so als könnte ich ein Käffchen trinken ohne es zu verschütten.
Den Hügel hinauf über den dicken Buschoxer, wieder bergab und nun kam sie, unsere Revanche zur Euro.
Der massive Tisch auf dieses hässliche schmale Trapez, halbrund vorgebaut Betrug die Grundlinie vorne nur 20cm. Zudem vor dem Eintritt zurück in den Wald also ins Dunkel.
Bloß nicht nach unten auf den schmalen Fuß gucken, guck auf die Bürste oben, ermahnte ich mich.
Erstmal den Tisch. Brrrrrrrrrrrrr Schorschi, seine Ohren spielten. Was will sie schien er zu fragen. Ok du brauchst jetzt viel Kraft für den dicken Tisch, dann musst Du gleich zurück kommen, in Deinen fleißigen kurzen Galopp, rechts wenden, dann über das schmale Element.
Wir segelten weit über den Tisch, ein bisschen zu weit … nur die Ruhe bewahren, wir können das „brrrrrrrr“ Schorschi reagierte prompt ging in die rechts Wendung … nur Mist so passt es nicht mehr.
Wir müssen reagieren, Schorschi wir können das.
Ein bisschen Panik, komm jetzt keinen Stopp nicht heute nicht jetzt.
Ich möchte nicht aufwachen aus diesem Traum mit der kalten Dusche so soll es nicht zu Ende gehen.
Ok,etwas darüber hinaus reiten und dann zurückwenden. Hör mir zu.
Er hörte vom Feinsten als hätte er keine 5min und 18 Hindernisse gesprungen mit seinen 17Jahren.
Der Sprung lag schon rechts von uns in seinem kleinsten Galopp wendete ich ihn auf dem Teller und wir sprangen das blöde Ding fast diagonal.
So du blödes Teil jetzt haben wir es Dir gezeigt.
Ich klopfte Schorschi naja irgendwie war es fast schon ein klatschen. Ich war so froh (warum wir den Pferden dann immer wie wild auf dem Hals rum hämmern? )„Super Schorschi Danke.“
Nun ließen wir uns Zeit, ganz entspannt wieder zurück zum Geländegalopp, bis zum Coffin war genügend Zeit.
Er sprang es flüssig. Die beiden dicken Steinmauern mit Hecke als Kombination gestellt kosteten noch mal Kraft und daraus 3 Galoppsprünge zu einer weiteren rechtwinkligen Ecke. Uns konnte jetzt nichts mehr schocken.
Na gut die nächste Aufgabe hatte schon viele Stopps verursacht und der breite Graben zurück in Richtung Ziel war wirklich gruselig.
Ich dachte zurück an unseren Sturz in Schwaiganger..

es war nur so ein kleines Training nach dem Turnier dort. Einfach eine Form überprüfen da ich durch die weite Anreise von Bayern nur selten an Trainings teilnehmen konnte.
Zu dieser Zeit wohnten Schorschi und seine/meine Pferdefamilie im Haupt-und Landgestüt. Ein besonderer Abschnitt in unserem Leben, indem ich viel gelernt habe über Menschen.
Ein letztes Training vor Aachen mit dem #bundeshans.
Wir hatten ein paar kleine warmup Sprünge gemacht und ich sollte dann einmal zum Konditionstraining eine längere Strecke galoppieren und dabei vorgegebene Hindernisse springe.
Alles auf 1* Niveau also nicht gerade ein Problem. Den Hügel nochmal richtig hoch cantern, darum ging es.
Zusätzlich probierte ich einen neuen Sattel aus. Zu der Zeit noch ein leidiges Thema (Danke @seabisreitsport und Klaus Müller das dieses Thema endlich der Vergangenheit angehört)
Ich startete im Wald, normaler Galopp, keine Spannung, warum auch der kleine Trakehner den sie nun als Heckengraben umgebaut haben, war ja eh nur 1* und der Graben wirklich easy schmal gerade mal 1m. Schorschi kannte ihn als Trakehner. Easy die Hecke.
Ich dachte nicht daran wie vorsichtig Schorsch ist und das er eine bestimmte Spannung brauchte. War ja nur klein.
Die Distanz wurde etwas groß, zu groß, oh man viel zu groß.
Schorschi wartete was würde ich tun? Ich? Ich tat nichts nichts, ich reagierte überhaupt nicht kein Druck nach vorne, kein Halten, nichts. Völlig behindert, erstarrt von meiner Arroganz, war ja nur klein.
Er wollte noch einen kurzen Galoppsprung einbauen, sah viel zu spät den Graben, stoppte, rutschte durch den lehmigen Boden, strauchelte, versuchte sich abzufangen, der Graben, er versuchte vorne hoch zusteigen, die Hinterbeine rutschten einfach weiter, kein Halten.
Oh man nicht stören, Schorschi du schaffst es, verzweifelt klammerte ich mich an ihm fest. Schon saß er mit den Hinterbeinen, auf dem Po rutschte weiter in den Graben, ich kam nicht weg keine Chance.
Langsam kippte er mit mir nach hinten um, er ruderte mit den Beinen.
Da lagen wir, ich mit dem Hintern im Wasser, die Beine rechts und links um Schorsch und er lag auf mir im Graben. Seine Beine hoch wie ein Maikäfer auf dem Rücken.
Ich bekam Panik ich konnte nicht weg, kam nicht raus gefangen unter ihm, er lag auf meinen Beinen, da er breiter war als ich nicht direkt auf meinem Körper.
Ich schrie um Hilfe „HILFE HILFFFFFEEEEEEEE“ panisch.
Was ist wenn er versucht aufzustehen?
Er stöhnte. Schorschi alles gut. „HIIIIIIILLLLLLLLLLLLFFFFFFFFFFFFEEEEEEEEE“
Niemand hörte uns. Wie auch wir waren 500m entfernt lagen rücklings in einem Graben hinter einer Hecke.
Ok ich begriff wir mussten uns alleine retten, bis wir vermisst werden, das würde dauern.
Ist ja nur ein kleiner Graben, da kann ja nichts passieren. Ich Dussel.
Ok Schorschi wir schaffen das.
Ich versuchte meine Beine unter ihm heraus zu ziehen. Schorschi lag ganz ruhig, aber er stöhnte die ganze Zeit, wie in dem Moment als er gekippt war und so versuchte mich nicht zu verletzen. Ich verstand er würde sich nicht bewegen bis ich unter ihm heraus war. Mein rechtes Bein ich bekam es frei. Ok nun das linke. Oh nein es saß fest. Keine Chance der Stiefel hing hinter dem Sattel. Ich fluchte. Ok eine Chance gibt es. Ich muss aus dem Stiefel kommen ich zog mit aller Kraft und gegen alle Schmerzen mein Knie steckte irgendwo richtig fiese fest egal ich musste raus. Langsam löste sich mein Fuß aus dem Stiefel. Schei… tat das weh. Weiter zieh. Dann gab der Stiefel nach ich kletterte morastig, schwarz, naß mit meiner bis dahin noch weißen Reithose, unter ihm hervor mit einem Stiefel einer halb ausgezogen Socke und überall Blut. Schorschi bewegte sich nicht. Ich öffnete den Sattelgurt, das Vorderzeug. „Komm Schorschi bitte steh auf.“ er bewegte sich nicht. „Bitte Schorschi komm hoch“ wieder diese Panik. Er stöhnte nur. „HIIIIIIILLLLLLLFFFFFFFFEEEEEEE“ bitte kann uns nicht mal jemand vermissen? Wir brauchen Hilfe.
Ich hüpfte herum wedelte die Arme. Niemand kam.
„Ok Schorschi, ich nehme jetzt Deine Zügel, zähle bis 3 und dann drehst Du Dich und stehst auf.“
Laut und energisch rief ich mit aller Bestimmtheit: “1 … 2….. drrrrrreeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiii“ mit aller Kraft zog ich seinen Hals nach rechts er verstand es und ruderte mit den Beinen. “Looooooooooooossss Schorsch koooooommmmm!” Er stöhnte und bemühte sich. Fast er kam rüber, nicht zurück rutschen ich zog an seinem Bein. Er ruderte weiter fast wäre er zurück gefallen, „ neeeeeeiiiin!!!!!“ ich zog seinen Hals zu mir. Dann endlich kam er rum. Er stand benommen schüttelte er sich und stupste mich an. „War doch nicht Deine Schuld“ sagte ich ihm dann brach ich zusammen hing an seinem Hals und weinte.
Als ich mich beruhigt hatte fischte ich Sattel und Stiefel aus dem Wasser und wir machten uns auf den Weg in den Stall.
Schorschi hatte sich nicht verletzt, mein Knie hatte die Größe einer Melone aber wir waren nochmal davon gekommen. So sahen wir wohl auch aus.

da galoppierten wir dem letzten gemeinsamen Graben entgegen, 3m breit, 2m tief gruselig anzugucken eine riesige Buschhürde dahinter.
Die nachfolgende Aufgabe zwei richtig frech gestellte doppelschräge Holzpferde konnte man von dieser Seite nicht wirklich sehen.
Nur wer den Graben leicht schräg an der linken Seite sprang und dann mutig in der Linie auf die beiden schrägen Holzpferde vorwärts ritt hatte eine Chance.
Aber eben erst mal den Graben.
Wir kamen um die Kurve und da lag er vor uns, der Graben, die mächtige Hecke, im unteren Teil nicht ausgestopft lenkte unweigerlich den Blick nach unten.
Ich ermahnte mich: „nicht nach unten gucken.“
Gas, „los Schorschi go“
increase the speed hatte Chris mir immer wieder gesagt, erhöhe die Geschwindigkeit und halte Spannung.
Da flog er los der kleine tapfere Hengst, ohne einen Hauch von Respekt.
Hand vor Julia, ich ermahnte mich die Landestelle lag tiefer und es wurde ein gewaltiger Satz.
Der Boden war tief, die gesamte Strecke vom Regen aufgeweicht.
Ok jetzt nach links, Schorschi reagierte schneller als ich eingeplant hatte,
Mist oh nein, er rutschte weg verlor für einen kurzen Moment die Kontrolle über die Hinterbeine. Ich sah uns schon auf der Erde, nicht jetzt nein.
Schon hatte er sich wieder gefangen, aber die Distanz, der Schwung, die Spannung würde für die Kombination nicht mehr ausreichen.
Was tun?
Die direkte Linie war nicht mehr möglich. In einem Bruchteil einer Sekunde musste ich mich entscheiden. Chicken-way!!!
Nun bloß nicht die Linie kreuzen könnte mir nicht mal jemand helfen? Bitte?
Ok nach rechts dann gerade über das Pferd, zurückwenden über das andere Pferd und dann ab nach Hause.
Ohne Schwung fast aus dem Stand sprang er A ließ sich auf dem Teller wenden, es war als wüsste er jetzt mit dem Boden umzugehen, wendete zu B nun lagen nur noch der Tisch und der Baumstamm im Zieleinlauf vor uns. Wieder musste ich mich bei ihm bedanken.
Ich wollte das genießen, diese letzten zwei Hindernisse nochmal ernst nehmen, perfekt anreiten, mit einem schönen Gefühl durchs Ziel reiten.
Das Luhmühlener Publikum trug uns hinüber, über dem letzten Baum schossen mir die Tränen in die Augen, ich küsste ihn auf den Hals. Zeigte auf ihn jeder sollte sehen wer den Erfolg zu verantworten hatten.
Das war es nun,
das war unser letztes Gelände, Schorschi hatte wieder Alles möglich gemacht mich aus jeder Situation gerettet und … er hat mich wieder heil nach Hause gebracht.
So lieb wie immer jubelte uns jeder zu natürlich Philipp, Christiane, Wolfgang, Moni, auch alle vom Team, ich tat mich schwer zu ihnen zu reiten, irgendwie gehörte dieser Moment Schorschi und mir, doch es war auch albern, er gehörte ausgezogen und abgewaschen, nur ich wusste all diese hilfsbereiten, lieben Menschen, die nichts von meiner Entscheidung wussten würden ihn mir abnehmen, Gamaschen aus, Sattel, Trense, das Vorderzeug mit seinem kleinen Glücksbringer ein kleiner Hund, „I Love you“ sagte wenn man ihn drückt. Abwaschen, Führen.
Aber es stand ihnen ja auch zu, jeder wollte helfen, jeder hatte uns so fest die Daumen gedrückt, vor dem Monitor mitgefiebert und uns hinüber getragen. All das was wir geleistet hatten wäre ohne diese Menschen nicht möglich gewesen. Uns Allen gehörte dieser Moment. Ich drückte den kleinen Hund und musste lachen, er konnte es immer noch „I Love you“ quietschte er fröhlich.

Nach dem Gelände und einer Menge Schritt mit uns verbrachte Schorschi den Nachmittag auf seinem Paddock mit wälzen, grasen und er drehte seine Runden.
Den Strom hatte ich nicht an, er war ja immer brav.
Naja je oller desto doller.
Dann passierte es, ich hörte Philipp rufen, also eher schreien.
Der Ton in seiner Stimme ich wusste … nun aber ganz schnell.
Ich rannte zum Paddock, da sah ich weit entfernt im vollen Galopp die Hintereisen von Schorsch blitzen, abgeschlagen dahinter rannte #Philippdaswiesel.
Was war den nun los?
Und dann sah ich es Schorschi hatte wohl beim Wälzen einen der Paddockpfähle umgestoßen und gleich die Gunst der Stunde genutzt.
Er wollte ein paar Pferde auf einer Weide ganz hinten am anderen Ende zu besuchen. Gesellig ist er ja.
Alter Sack … das waren die 2,8 Strafpunkte für Zeitüberschreitung, die hatte er nun wieder gut gemacht so schnell wie er war.
Ich dachte wir hätten ein anspruchsvolles Gelände hinter uns???
Ein bisschen müde war er nun schon und ließ sich ohne Probleme wieder einfangen, Philipp war völlig außer Atem.
„Ich glaube er hat noch nicht genug getan.“ keuchte er.
Wie gut das er auf ihn aufgepasst hat.
Schorschi war mit dem erkennen einer günstigen Situation immer schon ein Schlingel. Er wälzt sich für sein Leben gerne. Überall und immer. Nur es gab ein No-Go was ich nie vergessen durfte Pflegern zu sagen. An durfte nie sein Halfter offen sein. War es offen wälzte er seinen Kopf so geschickt über den Boden, das er frei war um dann freudestrahlend irgendwelche Kumpel besuchen zu gehen. Es war Zeit Schorschi in die Box zu bringen, es war der letzte Abend mit all dieser Aufregung, hatten wir genügend geführt, gekühlt, irgendetwas übersehen? War Schorschi fit? Ging es ihm gut? Hatte sein Ausflug ihm geschadet? Was ist morgen früh.
Wir bestellten uns Pizza in die Stallgasse irgendwie in Luhmühlen schon ein Ritual.
Es schien ihm gut zu gehen. Er frass sein Heu, trank genügend Wasser kein dickes Bein oder andere Wehwehchen zu erkennen.
Alle waren glücklich und ich beschloss es auch zu sein. Also redete ich nicht über meinen Entschluss, denn dann würde ich bemitleidet und in den Arm genommen und niemand wäre mehr glücklich.
Morgenfrüh würde ich ein letztes Mal 40 Zöpfe in seine Mähne flechten seinen dicken Schweif stylen und ein Muster auf die Kruppe in sein immer glänzendes Fell bürsten. Er sollte der Schönste sein. Ich hoffte so doll das er gut durch die Verfassung käme. Vielleicht wären sie nicht so streng wenn Sie wüssten das es sein letztes Springen ist?!? Nein er sollte schon fit sein wenn nicht dann eben nicht.
Ich kam wie abgemacht in letzter Sekunde, er wusste was mein Plan war ich bin mir sicher, er trabte in seinem besten Mitteltrab, war wild und schüttelte den Kopf. Keiner konnte etwas sagen, ich freute mich schon auf dem Rückweg. Wir würden diese Prüfung beenden.
Du trabst dann selbstbewusst an den Richtern vorbei, trotzdem, Dein Herz klopft bis zum Hals und Du wartest, es fühlt sich an wie Minuten, wie waren die Gesuchter der Richter in Deinem Rücken. Ich war mir doch so sicher, er war doch super getrabt. Jetzt kommt schon was soll das?
Es dauerte ich musste anhalten. Hans nickte mir aufmuntern zu, wenn er wüsste.
„PASSED“ mir wären fast die Tränen gekommen. Auf dem Video (Philipp nimmt Alles auf) konnte ich dann sehen es waren nur 5sec., die fühlten sich an wie 5min.