Donnerstag, 19. Juli, 2018
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FRH Schorsch- eine einmalige Karriere und eine spannende Geschichte * Teil 8

Julia Mestern und FRH Schorsch waren jahrelang fester Bestandteil des Bundeskaders. Zahlreiche Starts in Nationenpreisen, die zum Greifen nahe Platzierungen bei den Europameisterschaften in Luhmühlen 2011 und zwei Siege beim Klassiker in Boekelo in Folge (2008 und 2009) gehen auf ihr Konto.

Seine internationale Bilanz

Doch die Geschichte bis hin zu diesen Erfolgen ist eine etwas ungewöhnliche.. heute beginnen wir mit Teil 1 dieser einmaligen Erfolgsgeschichte des Hannoveraners, dessen Karriere ursprünglich im Dressurviereck liegen sollte. Seine Ausbilderin und Entdeckerin Julia Mestern erzählt uns den Werdegang aus ihrer Sicht..
der erste Teil
der zweite Teil
der dritte Teil
der vierte Teil
der fünfte Teil
der sechste Teil
der siebte Teil

 

Titelbild: Julia Rauweiter geht’s mit Teil 8…

„Es war einfach ein wundervoller Erfolg.
Soviel Glückwünsche, Anerkennung, Presse das machte den Anfang der Saison vergessen.
Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich es nicht ungerecht finden würde, nicht mit nach Kentucky zur WM zu fliegen. Schließlich hätte ich ja den gesamten Olympia Kader hinter mir gelassen.
Ich muss immer ziemlich blöd geguckt haben. Nach dem Saisonstart wären wir sicherlich nicht in der Lage gewesen, eine WM mit zu bestreiten.
Ich war wirklich froh, dass Schorschi Schenefeld als deutsche Meisterschaft und Weltcup Prüfung gesund überstanden hatte. Nun hieß es weiter Erfahrung sammeln.
Im nächsten Jahr würde ein Megaevent auf dem Programm stehen, Europameisterschaften, davon wusste ich jetzt allerdings noch nichts. Das Jahr 2010 hatte mich gelehrt- in meinem Leben lohnt es sich nicht zu planen, es kommt erstens immer anders und zweitens als man denkt.
Europameisterschaft in Luhmühlen- wir durften dabei sein.. wow ich konnte es nicht fassen. Klein Schorschi und ich … klaro, nur weil im eigenen Land das doppelte Kontingent starten darf, aber eben unser Glück.
Das Problem ist, es liegt eine Art Schleier oder Unterwasseraufnahme über meinen Erinnerungen zu unserer EM. Es war nicht der Sport, der anders war, es waren Menschen. Gefühlt so viele Menschen die etwas von mir wollten. Total positive Dinge, aber es hat meine Turnierroutine geändert. Am liebsten gibt es auf einem Turnier nur die Pferde und mich, Menschen die Fragen stellen, etwas von mir wollen, mich aus meiner Konzentration bringen …Schrecklich. Meine Mitmenschen, besonders Schorschis Eigentümer mussten das oft genug ertragen. Sorry dafür im Nachhinein und Voraus.
An viele Dinge kann ich mich wiederum so erinnern als wäre es vor 2sec. passiert, z.B als Schorschis Hinterbeine auf dem Waldweg hoch zum ersten Wasser so wegrutschten, dass ich mich schon auf der Seite liegen sah oder das Gewitter, bei dem selbst Schorschi panisch in der Box wurde, das Wasser, das 30cm hoch in der Stallgasse steht.
Aber beginnen wir von Anfang an.
Es beginnt mit einem tollen Vorbreitungslehrgang in Warendorf. Die Aufgabe wird bis ins letzte Detail perfektioniert, Chris gab alles, um über meinen kleinen Hirsch hinweg zugucken. Genick war eben immer höchster Punkt. Wir konzentrieren uns auf perfektes Halten, gerade das letzte Halten ging eigentlich immer schief (im wahrsten Sinne des Wortes).
Die Geländeaufgaben meisterten wir easy und eigentlich war alles perfekt.

Wir kamen gesund und munter in Luhmühlen an. Es wurde eine deutsche LKW Burg gebaut. Es war beeindruckend, eine große deutsche Gemeinschaft mit Reitern, Trainern, Grooms, Familie, Physiotherapeuten für Mensch und Pferd, Psychologin und und und.
Jeder von uns bekam von Gabi und Ina einen Motivationsstein, einen Deutschland Euro Stuhl.
Das Wetter war gut. Die Stimmung auch … nur ich hatte das Gefühl es war alles zu viel. Es war zu wenig Zeit für Schorschi, gut dass Philipp da war und ihn bespaßte.
Die erste Verfassung klappte gut. Nun hieß es Dressurreiten, ich gleich schon 16. Starter.
Ich saß früh genug auf Schorschi und galoppierte meine Runden —- nur wusste ich auf einmal nicht mehr wie es ging. Wie musste ich ihn noch abreiten? Bin ich nur galoppiert? Wie lange? Er wurde nicht locker- oh bitte er zieht überhaupt nicht. Hatten wir zu viel Dressur geübt? Seitengänge vielleicht geht das … er wurde immer fester.
Was mache ich hier eigentlich? Ich wusste, wirklich helfen könnte mir jetzt niemand- dafür war unser Abreiten zu speziell.
Ok Julia nun hör mal zu und reiß Dich am Riemen- wenn es nicht klappt geht das Leben ja auch weiter. Ich gab mir einen Ruck. Schließlich ist Dressur ja meine Disziplin, da fühle ich mich doch wohl. Nun reiß dich mal zusammen.
“Kopf hoch Julia” hörte ich Hans. Ich hatte das Gefühl das war mein kleinstes Problem- ich war das Problem. Ich stand so neben mir, war negativ und fühlte mich überfordert. Warum bloß? Ich hatte doch nichts zu verlieren. Während ich so grübelte, hatte ich mich wohl einigermaßen entspannt und Schorschi schnaubte kopfschüttelnd ab. Ich musste lachen, er hatte ja recht. Wir hatten jetzt nicht mehr viel Zeit, aber die Aufgabe konnten wir. Also einfach das Beste da raus machen. Letztes Vorbereitungsviereck, noch mal Einreiten üben :“ Kopf hoch Julia“- sorry ja geht klar. Schorschi spitzte die Ohren und schon ging es los. Auf dem Weg reihte sich ein Steward an den Nächsten, das man nur ja zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Ich hatte mein Selbstbewusstsein wieder bekommen und war stolz hier reiten zu dürfen. Es war gigantisch in das Stadion einzureiten, der Grasplatz war einem riesigen Allwettersandboden gewichen. Rollrasen, Pferdeskulpturen aus Buchsbaum zierten das Viereck.
Schorschi war noch etwas steif aber fehlerlos und vor allem ließ er sich von der Atmosphäre nicht beeindrucken, ich war einigermaßen zufrieden, der englische Richter mochte mein Wagenpferd wohl eher nicht, aber mit 40,60 waren wir gut dabei.
Ingrid und Braxxi zauberten eine 30,00 generell waren alle deutschen Paare super gut und wow die ersten 4 Plätze waren in deutscher Hand.
Da ich bereits am Donnerstag dran war, blieb mir der Freitag zum mehrfachen Abgehen.
Hier habe ich wieder etwas über mich gelernt, etwas was ich schon wusste und etwas Neues über mich.
Wir gingen eigentlich immer gemeinsam ab. Mal mit der ganzen Mannschaft, mal nur zu zweit oder dritt. Das Problem ist, ich quatsche dann immer und gehe das Gelände nicht so bewusst ab, wie wenn ich alleine abgehe und ich ließ mich beeinflussen, ich hatte an der Kombi 23 mit Schorschi meine Hoppelgalopptaktik vorgesehen. Es war ein dicker Tisch, dann über eine Rechtswendung zu einem schmalen Trapez, es war so halbrund vorgebaut und am Absprung sehr schmal. Es machte mir Sorgen. Schorschi würde es erst sehr spät sehen und das war nicht gut, gar nicht gut . Meine Idee: weit rechts den Tisch reiten, etwas über den Wendepunkt hinweg, Hoppelgalopp und dann mit einem mehr zum Trapez. Dummerweise sagte ich das laut in die Gruppe. „Das ist nicht möglich… auf keinen Fall kannst Du das so reiten.“ ich ließ mich verunsichern. Das Problem war, ich ging mit meinen Schorschi Augen ab und konnte die Linie direkt auf zwei Galoppsprünge einfach nicht sehen (wahrscheinlich weil ich wusste, dass sie für uns nicht möglich ist). Was sollte ich tun? Alleine darüber nachzudenken war ja schon bescheuert, aber ich tat es und wurde mir immer sicherer das meine Idee falsch war … wenn alle Erfahrenen das anders sehen.

Es war Freitag Abend, die Stimmung war gut. Alle deutschen Paare waren super Dressuren gegangen und das Team lag in Führung.
Dabei fällt mir ein, ich habe vergessen Euch von unserem Länderabend zu erzählen. Das war wirklich eine Wucht. Länderabend kennen vielleicht einige von Euch, es ist der Abend, an dem jedes Land sich vorstellt und möglichst positiv zu blamieren versucht.
Wir hatten ein super lustiges Thema „die Glocken von Rom“ (gerne mal googeln). Wirklich das Beste war das Training dazu. Wenn Hans, Chris, Michi, Peter, Dibo, Dirk, Frank, Kai und Benjamin , nur in einen langen Bade- oder Lodenmantel gehüllt, darunter eine Boxershorts, zwischen den Knien einen Kochlöffel, vor den Glocken einen Kochtopf.
Gingen sie nun in die Knie schlug der Löffel auf den Kochtopf zumindest theoretisch. Bis das geklappt hat … ich bin fast gestorben vor lachen.
Ingrid, Sandra, Julia und ich waren Nonnen und mussten nur ein bisschen nett gucken und hopsen.
Wir kamen wirklich gut an, aber auch die Franzosen, die Schneewittchen mit einer Infusion und Rektalhandschuh wiederbelebten. Nur der lebende Hahn, den sie dabei hatten, tat mir etwas leid. Die Schweden waren super, bei der Striptease Show der Engländer hatte William nicht wirklich Lust mit zu machen.
Dagegen hat sich die russische Dame sehr deutlich ausgezogen und einen sehr gekonnten Table dance vorgeführt. Es war wirklich toll, mit wieviel Kreativität und Engagement alle Nationen sich eingebracht haben.
Zurück zum Freitag, es war über den Tag super schwül und 30C heiß.
Am Abend dann, ein Gewitter zog auf. Es blitzte und donnerte gewaltig und es begann zu regnen nicht ein bisschen sondern wie ein Unwetter.
Wir liefen hin zu den Stallzelten, das Deutsche war das Letzte ganz unten- Sturzflüsse alle in Richtung unterstes Zelt.
Schorschi wieherte herzzerreißend. Wir versuchten die Pferde zu beruhigen, die Zeltwand flog hoch die Pferde schossen in die andere Ecke der Box, das Wasser stand uns bis über die Knöchel. Die Pferde taten mir so leid, aber was sollten wir tun? Mehr als von außen zu beruhigen war zu gefährlich.
Schließlich zog das Gewitter endlich weiter. Der Regen ließ erst später nach. Abflußkanäle graben, wir versuchten alles das Wasser aus dem Stallzelt zu bekommen. Die Pferde standen im Wasser.
Oh man und das in der Nacht vor so einem schweren Gelände.

Wir schaufelten noch bis spät in die Nacht, Wasser aus dem Stallzelt, Abflußgräben, Schutzwälle usw.
Als das Gewitter und der Wind vorbei waren spiegelten sich auf der glatten Wasseroberfläche unsere Taschenlampen.
Ein total unwirklicher Anblick in einer Stallgasse, es beruhigte irgendwie und es hatte was. (Also vom Angucken her, sonst eher weniger). Elli (unsere Jackihündin ) hatte sich auf einen Späneballen gerettet dort saß sie nun mit hängenden Ohren. „Betti?“ ihr fragender Blick.
Fast hätte ich lachen müssen. Flutopfer in der Stallgasse. Oh man … es war nicht witzig, morgen sollten wir topfit ins Gelände.
Glücklicherweise ging es erst um 10:30Uhr los. Während Philipp Schorschi liebevoll durchkrauelte ging ich noch ein letztes Mal ab.
Ich kam zu besagtem Hindernis 23 und probierte immer wieder die korrekte Linie abzugehen. Also nicht meine Hoppelgaloppline, sondern so wie es geritten werden sollte. Ich muss sagen, das war dämlich (dass ich mir nicht vertraute) richtig doll.
Ich fand die Linie nie beim ersten Mal, ich fand auch keinen Punkt auf den ich reiten konnte. Ich ging 10x hin und bildete mir ein … jetzt jetzt weiß ich wie es geht, jetzt habe ich sie.
Ok weiter die kniffelige Aufgabe Riesengraben mit noch größerer Hecke dahinter, auf eine massive Holzecke fast im rechten Winkel dazu weiter auf ein super schmales Trapez, so schmal, das war eigentlich schon nicht mehr zu sehen so schmal.
Vor dieser Aufgabe das Coffin, mit der richtig schrägen Hecke hintenraus die war auch nicht zu vergessen.
Da Schorschi langes Abreiten liebte konnte ich mir keine Reiter angucken, nur das was man vom Abreiteplatz aus sehen konnte. Schorschi war total cool. Philipp hatte ihn total cool gemacht.
Luhmühlen kannte er der Abreiteplatz ist riesig und dadurch kommt kein Stress auf.
Es fing für die deutschen Reiter durchwachsen los. Dibo hatte einen Sturz an 22. Benjamin hingegen ritt eine blitzsaubere Nullrunde, dann sah ich Julia und Buddy auf der Strecke, die Trasse lief am Abreiteplatz vorbei. Sie waren super unterwegs, Buddy galoppierte raumgreifend und positiv plötzlich strauchelte er und trat mit dem einen Vorderbein nicht mehr auf. Julia parierte sofort durch und sprang von seinem Rücken. Oh Gott was war da passiert? Es sah nicht gut aus.
Wie immer war es Herr Schorsch, der mich auf uns aufmerksam machte und ich beschloss mich lieber auf uns zu konzentrieren. Das Abreiten machte Spaß Schorsch war putzmunter, buckelte und jeder Sprung saß ich fühlte das kann gut werden. Sporen wurden kontrolliert ähhhh was? Wo sind die denn? Ich Trottel ich kann doch nicht ohne. Wow bin ich dumm. Philipp-das-Wiesel jagte los, 17min bis zum Start, in 5min konnte ich auf den letzten Vorbereitungsplatz an der Startbox. Völlig ausser Atem kam er zurück geflogen. Oh man sorry nochmal dafür. Der Steward lachte und winkte mich durch, alles wieder gut Puls auf 180. Meine Güte bin ich doof. Irgendwie brauche ich das wahrscheinlich um genügend Adrenalin zu haben ???
Nun waren wir die Nächsten.
Das Publikum war gigantisch, wir wurden so angefeuert. Schorschi gähnte in der Startbox noch 15sec. 10. 5,4,3,2,1 und ab. Er schoß los oder vielleicht flog er auch. Der Boden war tiefer als er sich beim Abgehen anfühlte. Kleine Verwirrung statt nach dem Start links weiter ging es gleich rechts zum Eon Teich. :“bist Du Dir sicher?“ schien Schorsch zu fragen. „Es geht doch immer rechts hier!“
Er zögerte leicht und war irritiert. Er ist so klug.
Dann zog er wieder los. Auf dem Weg hoch in den Wald in einer nicht zu scharfen links Wendung rutschte er mit beiden Hinterbein zur Seite weg. Er muss sich den ganzen Rücken verdreht haben, so eine Gewalt war dahinter. Ich klopfte ihn. Er spitze die Ohren und nun ging es Bergab zum ersten Wasser ich nahm das Tempi raus der eine Ausrutscher reichte mir. Schorschi hoppelte zu Hinderniss 5a ein Vorbereitungssprung Bergab dann über eine natürliche Kante … würde er die Springen? Nein er machte es geschickt und kam eher mit einem kurzen Galopp ins Wasser nun hieß es Vorwärtsreiten über ein weiß rotes Boot im Wasser dann Kante raus, Sprung und weiter zum offenen Oxer. Ich klopfte ihm den Hals wund, was für ein tolles Pferd.
Die Kombi im rechten Winkel genial. Was für eine Stimmung im Stadion, wir wurden durch getragen vom Applaus und schon galoppierten wir wieder raus.
Der Messmerteich war kein Problem ich hatte mich für die Rechte Aufgabe entschieden. Schorschi schien sich überhaupt nicht anzustrengen. Die schmalen Häuser über die Wälle am Jeepteich, die doppleschrägen Fische im Wasser (hatten mir richtig Sorgen gemacht) kein Problem der dicke Tisch auf der Rennbahn ich war glücklich richtig im Flow.

Von der Rennbahn ging es weiter zur Kombi Nr 23 Schorschis Galopp war riesig er meterte ich war deutlich vor den Minutenpunkten.
Ich zweifelte was sollte ich tun? Zweifeln, das ist genau das was uns immer wieder unnötige Fehler gekostet hat. Und wenn ich so ein Mittelding mache?
23a kam immer dichter,
wie sollte ich überhaupt noch reiten?
Brrrr Schorschi. Seine Ohren gingen vor und zurück er merkte ich war unsicher LINIE BITTE LINIE wo bist Du?
Tempo welches Tempo brauche ich für die Linie? Egal erstmal den Tisch es muss gehen bitte das ist nicht fair Schorschi flog los viel zu weit ich versuchte ihn auf zwei zum schmalen Trapez zu bringen nach 1,5 Galoppsprüngen stand ein völlig verwirrter Schorsch vor Element b keine Chance er hatte keine es war auch völlig gegen unsere Abmachung. Es ist wie ein kalter Eimer Wasser, du bist in diesem Gefühl des Fliegens, Du bist eins mit Deinem Pferd und Du bist Glücklich entspannt angespannt und dann kommt der kalte Wassereimer und trifft Dich im Genick, weckt Dich auf bringt Dich zurück in die Realität.
Ich tätschelte Schorschis Hals seine Augen waren groß seine Nüstern bebten, wir drehten nach rechts und ich nahm die Alternative.
Warum hatte ich das nicht einfach gemacht? ich ärgerte mich über mich selber ärgerte mich das ich Schorschi so bloß gestellt hatte, das ich so dumm war. Niemand interessiert doch welche Linie ich reite wenn ich Null reite.
Es ist meine Verantwortung, mein Ritt mein Glück.
Den Rest des Kurses brachten wir ohne Probleme nach Hause um nicht dumm aufzufallen (mit Stopp in der Zeit) bremste ich Schorschi nach dem letzten Sprung ab und kam mit 2 Zeitfehlern ins Ziel. 20,8 Punkte on top. Ich bin so ein Trottel, das war wirklich nicht nötig gewesen.
Ich war ziemlich kleinlaut, mochte kaum hoch gucken, vielleicht sieht mich niemand wenn ich niemanden sehe? Ich hatte Alles kaputt gemacht.
Doch Schorschi er war mein Held er hatte so gekämpft. Ich klopfte ihn, sprang von seinem Rücken, klopfte und entschuldige mich.
Philipp meine Mutti, das Team, Trainer, Besitzer, alle kamen angerannt, alle waren super lieb, gratulierten mir erste Euro und heil im Ziel, bei so einem schwierigen Kurs, was ist da schon ein Vorbeiläufer.
Stimmt, ich dachte an Buddy wie es ihm wohl geht?
Nicht gut es ging ihm nicht gut und auch Julia nicht. Ich versuchte Julia zu trösten und schämte mich, DAS war schlimm.
Schorschi bekam seine Kühlgamaschen, Wellnessprogram, Schrittlaufen, Paddock Zeit, Äpfel, Möhren Alles was er liebte.
Morgen früh stand die Verfassung an. Unsere EM war noch nicht zu Ende.

Am Sonntag morgen hieß es früh raus, Schorschi musste gecheckt werden war er fit? Ging es ihm gut?
Am Abend nach dem Gelände wurde in allen Stallzelten, und in den Behandlungsboxen fleißig gekühlt, geführt, geknetet.
Die Pferde bekammen Flüssigkeit per Infusion, auch Schorschi, er mochte das überhaupt nicht. Selten das ich gesehen habe das Schorschi so genervt war. Aber es hatte ihm gut getan. Er kam am Sonntag Morgen bei strahlendem Sonnenschein topfit aus der Box. So als wäre er nicht gerade 10:30min in einem Tempo von 570m/min durch das Gelände galoppiert und hätte dabei 43 Sprünge überwunden.
Philipp massierte ihn durch, wir putzten ihn auf Hochglanz schnell noch Mähne und Schweif eingeflochten, hoffentlich benimmt er sich in der Verfassung, nicht das noch etwas schief läuft.
Ich wollte jetzt meine erste Euro beenden, der Druck war raus und ab jetzt hieß es genießen und Erfahrungen sammeln.
Oh man jetzt aber husch husch ich musste mich in unser deutschland Outfit stecken, die Haare, was machen wir damit? Offen? Hoch? Offen … vielleicht lenkt das mehr auf mich??? So lange blonde Haare???? ok gemacht. Schuhe? Alle hatten hochhackige Mist ich hatte nichts dabei.
Julia hat mir ihre geliehen.
So nun sahen wir beide hübsch aus. Sandra richtete noch mein Halstuch.
Und jetzt führen was das Zeug hielt. Ich war natürlich neugierig und wollte gerne dicht dran und gucken wie diese as bei den anderen Nationen so klappt, am Abend waren viele Pferde müde und nicht so fit. Aber auch da hatte die Nacht Wunder bewirkt. Da ich etwas abseits lief sah ich auch ein paar Vorbereitungen, die mich schaudern ließen aber naja…
Schorschi stupste von hinten, er war gut drauf nun lag es an mir keinen schlurf-einschlaf-Schorsch vorzustellen.
Ina trainierte noch mal das korrekte antraben mit mir. “Winkel Deine Beine nach vorne hoch an – im Gleichtakt – er zu erst lass ihn erst antraben.”
Beste voll Betreuung eben.
Dann ging es los Nationen weise. Die Tribune war voll und die Menschen applaudierten und feuerten jedes Pferd an. Ihr könnt es Euch nicht vorstellen aber mein Herz schlug bis zum Hals, wir waren letzte Nation und Schorschi nach Braxxi zweites Pferd, die Menschen tobten schon auf den Rängen als Braxxi auf der Vortrabestrecke stand und klatschten im tackt als er vortrabte.
So etwas hatten Schorschi und ich noch nicht erlebt ich konnte Schorschis Herz spüren.
“Los jetzt ihr seit dran” der Letzte von gefühlten 20 Stewards, die für den reibungslosen Ablauf zuständig waren, schob mich in Position.
Ok Lächeln, Kopf hoch, Augenkontakt, Schorschi los jetzt streng Dich an wehe Du wirkst müde. Los“
Von wegen müde, das war Schorschis Welt er nahm Ingrids und Braxxis Applaus für seinen Eigenen und stellte sich perfekt hin Kopf hoch, Ohren vor.
Mir ging schnell noch durch den Kopf … das ist ja schlimmer als Grand Prix reiten, an was man Alles denken muss.
Wir gingen los 5m Schritt jetzt antraben erst Schorsch, hoch das Bein nicht so einfach mit den Absätzen. Schorsch stratzte los gleich mal Mitteltrab, „ho Schorsch nicht zu schnell, das wollen die auch nicht sehen.“ das Publikum Klatschte im Takt das war genial, Schorsch passte seine Tritte an ich flog einfach mit. Die Wendemarke brrrrrr parieren,
jetzt gerade antraben und bitte nicht stolpern, 39 war doch etwas groß.
Alles gut, kein Problem die Leute klatschten als wären wir in der Siegerehrung, auf der Hälfte der zweiten Strecke hatten wir mindestens den großen Preis gewonnen ich konnte lachen und Schorschi schmiss die Beine “PASSED” das wäre geschafft.

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#19Jahrefrhschorsch
von den 75 Paaren der Dressur waren nach Dressur, Gelände und Verfassung noch 52 Paare übrig geblieben. Ingrid und Braxxi lagen in Führung vor Michi, Sarah und Sandra.
Das deutsche Team hatte sich vom Feinsten geschlagen und lag haushoch in Vorne.
Schorschi und ich waren trotz Stopp nicht so schlecht wie ich dachte. Position 22 immerhin noch in den Platzierungsrängen.
Wie immer stand ein langes Abreiten mit guter Lösungsphase auf unserem Programm.
Als 30stes Starterpaar konnte ich mir noch die ersten Paare angucken, Philipp lief mit Schorschi schon Schritt.
Das Gelände hatte mir wieder gezeigt, Schorschi und ich waren speziell und beim Springen war das ja nicht anders. Allerdings bin da eher ich das Problem.
Das Abgehen, das machte ich wieder bis zur letzten Sekunde immer und immer wieder jede Distanz sollte passen. Und nun das Problem, als Dressurreiter kann ich 15 Einer zählen nur eine Distanz mit 6 Galoppsprüngen irgendwie nicht. Ich bin nicht in der Lage vom ersten Galoppsprung an zu zählen, viel zu konzentriert auf das was da kommt.
Also ist es für mich eher entscheidend wie steht die Distanz, weit oder eng?
Ich reagiere dann aus dem Gefühl heraus.
Für einen Springreiter bestimmt zum Schütteln. Sorry
Nun aber Abreiten schnell zurück zu Schorsch, die ersten 15min merkte ich Schorschi den tiefen Boden an.
Er hielt sich fest und war steif doch ich hatte ja keinen Stress war voll entspannt und ließ ihm die Zeit die er brachte. Das dankte er mir und schon schüttelte er den Kopf drehte lustig seinen Hals und buckelte los. Upps, viel mehr als ich es erwartet hatte , juhhuuu, brrrrr fast wäre ich in Wohnungsnot gekommen.
Er hatte mich in so einer Atmosphäre wohl noch nie so entspannt erlebt. Klasse das war ein Spaß wir buckelten eine Weile lustig zwischen den anderen Pferden, bis mich die verwirrten Blicke trafen
und Kai aussprach was wohl alle dachten :“ und welches Pferd hast Du gestern geritten?“
ich musste lachen, das war wirklich frech von uns.
Ok der Pacours war dick und wir sind bei einer Euro, jetzt hieß es sich wieder zu konzentrieren und das Alles nicht zu leicht zu nehmen. Das Abspringen klappte ganz gut ich wollte nicht zu viel vorher springen, lieber länger an der Losgelassenheit von Kopf und Muskulatur arbeiten.
Ok letzter Vorbereitungsplatz jetzt klopfte mein Herz, die Stimmung im Stadion war gigantisch. War ich mir sicher das ich da rein wollte? Oh man. „Komm hier nochmal über den Oxer“ „ ok gut so, nicht mehr Druck machen. Laß ihn kommen, ihr macht das schon.“: der Bundeshans half jedem von uns. Er konnte (kann) einfach so positiv motivieren noch zwei Pferde. Hatte ich vielleicht doch zu wenig gesprungen?
Nein egal, es wird wie es wird und es wird hoffentlich gut.
Wann klingeln sie? Früh? Hatte ich noch Zeit einmal rum zu reiten? Philipp rannte los … „kein Problem Du hast genug Zeit.“ so toll alle halfen was für ein tolles Team. Wir ritten ein, es war eine so tolle Stimmung. Ich wollte es genießen, naja aber mal ehrlich ab dem Einreiten habe ich dann nicht wirklich mehr viel mitbekommen. Ab da hieß es, so gut es ging noch so viele Aufgaben wie möglich abzureiten. Sicher wäre es auch ohne gegangen aber es war unser Ritual und beruhigte mich.
Es klingelte,
ich galoppierte an, ok Startline treffen, nicht verreiten, nicht runterfallen.
Erster Sprung Schorschi hatte eine gute Spannung, ich spürte wieder er geht null, er macht keine Fehler … wenn, wenn ich Alles richtig mache.
Konzentrieren, konzentrieren aber bloß nicht denken, nichts ändern, Spannung halten, vorwärts die Distanz war weit, super klopfen, oh nein Schorschi komm einen mehr, …Hilfe ich versuchte mit meinem Körper zu helfen, mache mich klein. Puhhh gerade noch mal gut gegangen.
Jetzt ist der Rhythmus wieder da. Ich hatte übersehen das der Platz doch ein größeres Gefälle hat so kam der Steil ganz schön schnell Schorschi grunzte „sorry Kleiner, Danke.“
Letzte lange Seite vom Ausgang weg Kombination dann auf einen dicken Oxer, die Distanz hatte schon so manchen Fehler verursacht, es war mucksmäuschenstill …puh letzte Wendung bloß die Kombi treffen meine Güte war das dick armer Schorsch … nicht denken weiter reiten. Ich verdrehte mich, versuchte zu helfen wo ich konnte. Schorschi war sicher erstaunt, warum er nun noch als Voltipferd herhalten musste, so wie ich da oben herum ackerte.
Aber er schaffte es, trotz und mit mir im Rücken. Er ging null, die Zuschauer machten eine Stimmung als hätten wir gewonnen. Ich riss den Arm hoch, zeigte auf Schorsch er hatte das gemacht. Es war so ein Glücksgefühl, so eine Zweisamkeit, geteilt mit so vielen glücklichen Menschen, die mitgefiebert hatten und uns belohnten. Es war so ein riesiges Glücksgefühl gepaart mit so viel Dankbarkeit für dieses tolle Pferd.

Wir hatten eine Europameisterschaft beendet, das kleine Wagenpferd (so hieß Schorschi bei William Fox-Pitt) und die Dressurreiterin, wir waren platziert, die extra gerittenen zwei Zeitfehler kosteten mich 400€ und einen Platz. ‍♀️ ich Trottel.
Was ich wirklich bedauert habe war das nur die ersten vier eine Schleife erhielten, ich hätte sie in Ehren gehalten. (Ohne den dummen Stopp wäre es Platz 4 geworden) ich weiß hätte und wäre gibt es nicht, nur diese Möglichkeit, das sie da war so weit vorne mitzureiten, der Hirsch und ich wir waren einfach ein super Team, sicherlich keiner von uns durfte Fehler machen aber das macht den Sport ja aus.
Nach der Euro bekam Schorschi eine Pause, nicht so einfach mit einem Hengst, der sein Leben lang gearbeitet hat und dabei glücklich ist, der unglücklich ist und steif wird wenn er sich nicht bewegt.
Klaro kam er immer auf seine Wiese und wir machten lange Schrittausritte.
Ich wollte ihn schonen…
aber was hatte ich vor?
Was wollte ich jetzt noch mit ihm machen? 4* Probieren?
Noch mehr von ihm verlangen?
Er hat immer Alles gegeben, wie weit sollte der Egoismus gehen?
Das kleine Wagenpferd, mein Hirsch, schneller als jeder Blüter im Cross.
Jetzt wo wir endlich Alles konnten, wo es easy war, jetzt fühlte ich das meine Motivation sank, die Motivation Schorschi am Limit zu arbeiten.
Er brauchte immer viel Arbeit 1h Abreiten für die Dressur, 1h für das Gelände, 1h fürs Springen.
Für weitere Championate würden wir nicht in Frage kommen.
Und nein für 4* wollten wir Schorschi nicht mehr zumuten.
Aber einfach so aufhören?
Nächste Saison wurde Schorschi 17Jahre, mir kam die Idee, ein paar der Turniere, die für uns etwas besonderes bedeuteten noch einmal zu reiten, eine Art Abschiedstournee nur für Schorschi unsere engsten Mitmenschen und mich. Wir starteten in Marbach, dort wo wir 2010 Berufsreiterchampion vor Michi und Sam wurden.
Es war nicht das Ziel zu gewinnen, es war das Ziel zu genießen, keinen Stress mehr aber natürlich auch nicht blamieren oder ein Risiko eingehen, durch Nachlässigkeit.
Es schien als würde Schorsch das verstehen, er war relaxed, er kannte seinen Job, lief auch ohne langes Abreiten eine anständige Dressur, nur eben nicht ganz nach Vorne.
Und dann … es war so wunderschön durch das Gelände zu fliegen, ohne Angst vor Fehlern, ohne Angst etwas beweisen zu müssen. Es war einfach nur für uns und mir kommen die Tränen wenn ich das wieder fühle, diese Zweisamkeit mit diesem einem Pferd.
Der Boden war tief und schwer es regnete die ganze Zeit den letzten Berg wollte Schorschi Gas geben, doch ich klopfte ihn, dieser Berg an dem er jedes Mal easy wieder in die Zeit gelaufen war. Dieses Mal nicht, es war nicht unser Ziel. Gesund und glücklich das war es.
Und nun gab es genau damit ein Problem, zusätzlich dazu das Schorschis Box durch den Regen schwamm, war sie so am Hang das er nach dem hügeligen Gelände keine Entspannung fand. Es gab für ihn keine Möglichkeit gerade zu stehen.
Er tat mir so leid. Immer wieder wechselte er die Beine drehte sich und suchte einen geraden Platz. Draußen konnte er durch den Regen und im Dunkeln auch nicht sein und tauschen wollte natürlich auch niemand.
Am Ende legte er sich flach auf die Seite. Das war einer der traurigsten Momente, ich setzte mich zu ihm und streichelte ihn. Ich musste weinen, wie egoistisch bin ich?
Genau das wollte ich doch nicht. Es sollte ihm gut gehe, ich wollte nicht das er leidet und am Limit ist. Philipp redete so lange auf den Stallmeister ein … und schaffte es wir bekamen eine andere Box. Sofort ging es ihm besser und seine Nase stupste mich durch die Box. Schon besser.
Das er ein scheinbar wirklich schlechten Gleichgewichtssinn hatte war mir schon früher aufgefallen, nach dem er ein paar Mal im Lkw quer zur Fahrtrichtung gestanden hatte konnten wir ihn nicht mehr gerade im Anhänger transportieren, er fiel fast um.
Aber nun schnaubte er in sein Heu und stampfte mit dem Fuß, :“ ist ja gut Schorschi wir lassen Dich jetzt und keiner isst Dir etwas weg!!!“
Am nächsten Morgen war ich nicht sicher, wie würde es ihm gehen?
Aber er wäre nicht Schorschi hätte er nicht seine seine Siegerehrung und Schleife gewollt.
Das mit der Verfassungsprüfung hatten wir jetzt drauf und im Springen ging mein kleiner Held natürlich Null.