Sonntag, 24. Juni, 2018
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FRH Schorsch- eine einmalige Karriere und eine spannende Geschichte * Teil 7

Julia Mestern und FRH Schorsch waren jahrelang fester Bestandteil des Bundeskaders. Zahlreiche Starts in Nationenpreisen, die zum Greifen nahe Platzierungen bei den Europameisterschaften in Luhmühlen 2011 und zwei Siege beim Klassiker in Boekelo in Folge (2008 und 2009) gehen auf ihr Konto.

Seine internationale Bilanz

Doch die Geschichte bis hin zu diesen Erfolgen ist eine etwas ungewöhnliche.. heute beginnen wir mit Teil 1 dieser einmaligen Erfolgsgeschichte des Hannoveraners, dessen Karriere ursprünglich im Dressurviereck liegen sollte. Seine Ausbilderin und Entdeckerin Julia Mestern erzählt uns den Werdegang aus ihrer Sicht..
der erste Teil
der zweite Teil
der dritte Teil
der vierte Teil
der fünfte Teil
der sechste TeilTitelbild: Julia Rau

weiter geht’s mit Teil 7…

„Ich möchte zu meinen Geschichten sagen, ohne meine super Familie, Partner, Besitzer, Grooms, Freunde, Kunden, Trainer wäre keine dieser Geschichten so möglich gewesen und passiert. Ich möchte hier einfach bei Allen bedanken. Niemand soll böse sein das ich nur den direkten Bezug mit Schorschi erzähle. Alleine schafft man nichts. Danke Euch.

Manni sagte etwas von 3Monaten?????? Waaaas? Quatsch nicht ich, ich bin in 5Wochen wieder fit.
Sie operierten, fädelten alle Knochen auf je einen Draht auf, die Drähte guckten dann oben ganz hübsch aus meinem Fuß heraus.
Das Wetter war umgeschlagen ähnlich kalt wie jetzt und selbst Unterricht geben war eine Qual. Mein Körper wollte die Drähte nicht akzeptieren und entschloss sich mein Bein einfach nicht mehr zu versorgen. Es war ständig eiskalt und merkwürdig hässlich dunkel gefärbt. Ich versuchte wenigstens bei den Toppferden und natürlich Schorschi beim Training zu helfen. Glücklicherweise half meine liebste Schwester und andere Feen aus. Ich war wirklich am verzweifeln dieser blöde Fuß warum? Waaaaarum?
Die Zeit lief unendlich langsam nichts heilte, mein Körper weigerte sich
Was war bloß los? Normal habe ich den super #mirgehtesgut Körper.
Ok, die Drähte mussten wieder raus es half nichts. Und jetzt nicht belasten und hoffen das Alles hält. Irgendwie waren nur noch 2Wochen über bis zum Saisonstart ich hatte brav genannt, war mir so sicher, ich würde starten.
3 Monate so ein Quatsch
…. “3 Monate wenn es gut verläuft habe ich gesagt “: hörte ich Manni sagen.
!!! Nein ich gab die Hoffnung nicht auf. Nach dem die Drähte raus waren war mein Bein wenigstens wieder durchblutet ein erster Vortschritt
Schonen, lasern, Akupunktur, keine Ahnung alles was mir einfiel.
Es half nichts alle Turniere umsonst genannt.
Völlig resigniert ritt ich am Donnerstag morgen um 8:50Uhr als Guinea Pig 3* Dressur mit meinem Hirsch in Luhmühlen 3,5 Monate später ohne die Hilfe meiner Familie, Freunden, Kunden und Dr. Giehnsch wäre auch das wohl nicht möglich gewesen.
An meinem Fuß hing so ein Fersengehschuh ohne den ich immer noch nicht laufen konnte. Jeder Trabtritt schmerzte und Schorschi gab mit dem Krüppel im Rücken sein Bestes.
3 Wochen später die erste Vielseitigkeit 2* in Hünxe es war unzumutbar heiß der Boden knüppel hart. Katastrophe für Schorschi aber irgendwie mussten wir wieder anfangen. Abgehen war eigentlich nicht möglich ohne Krücken konnte ich nicht laufen. Schorschi gab sein Bestes ein toller zweiter Platz.
3 Wochen später in Sahrendorf fühlte ich mich besser war wieder ohne Krücken unterwegs. Wir führten nach der Dressur und ich war mir zu sicher. Statt sicherheits Hoppelgalopp segelten wir in die Wasseraufgabe es wurde zu eng im Wasser und Schorschi rutschte vorbei am B Element. ich Trottel absolut mein Fehler. Ich bekam eine Menge Schelte und recht so.
Keine gute Vorbereitung auf unseren Saisonhöhepunkt. Deutsche Meisterschaft in Schenefeld. Bis zum Vorjahr war Schenefeld immer mein Lieblingsturnier dann war da aber diese Geschichte mit Hamlett.

Es war das erste Mal deutsche Meisterschaft für Schorschi, Hamlett und mich.
Ich war super aufgeregt, nicht sicher ob wir schon so weit waren… für so eine deutsche Meisterschaft.
Hamlett war zu erst dran. Seine Dressur war etwas durchwachsen er konnte sich über Dressur schrecklich aufregen.
Sehr schade, da er sich super bewegen konnte. Meistens ging es noch bis zur Galopptour und dann bis zum ersten Wechsel. Der war dann wie so ein Kickdown Hamlett setze hinten unter stemmte mit aller Macht den Unterhals heraus kurze Zeit später befänden wir uns Kilometer entfernt von dem Punkt des Wechsels. Sehr schade nun gut es war so und ich hatte die perfekte Lösung noch nicht gefunden.
Schorschis Dressur verlief klasse, er fühlte sich wohl, er ging fehlerfrei und lag gut mit dabei. Das Gelände war sehr schwer, das erste Wasser, die Wellenbahn auf die Ecke, aber vor allem die letzte Kombination ein Aufsprung dann mit einem Galoppsprung weiter zu einem dicken Tisch, machten mir Angst. Besonders mit Schorschi, denn die letzte Kombi ließ keinen Hoppelgalopp zu- ich wusste ich musste den Aufsprung optimal treffen. Gut das ich erst mit Hamlett dran war, er sprang immer und bis auf dass er recht stark werden konnte- unterwegs gab er mir immer Sicherheit. Es waren nicht viele Starter und zwischen Hamlett und Schorschis Start lagen 1h. Nicht viel, aber es sollte passen. Die Helfer waren auf ihren Plätzen. Trensen wollte ich Schorschi später selber.
Hamlett flog durch die Prüfung, er spielte mit den Höhen und Abmessungen.
Vor dem Wasser musste ich einmal deutlich durchkommen das war selbst mir zu schnell von der Wellenbahn zur Ecke waren es 4-5 Galoppsprünge
https://m.youtube.com/watch?v=TpcUgSSSD8o
Naja oder eben 3 ‍♀️ er war ein Megapferd.
In der Zeit im Ziel ich war so glücklich, parierte durch trabte ihn aus klopfte, lobte, küsste ihn. Er schnaubte ab und dabei passierte es- ein kleines Gefäß in der Nüster platzte und durch die Anstrengung … es war fürchterlich alles war voll Blut Hami verschluckte sich bekam kaum Luft atmete immer Blut ein und er wurde panisch –
schrecklich es war so schrecklich.
Dr Blobel war im Ziel er kümmerte sich sofort, wir kühlten Hamlett wischten die Nüstern aus und versuchten ihn zu beruhigen er versicherte mir das es nicht schlimm wäre, andere Reiter, Pfleger jeder half und sagte mir es ist nicht so schlimm. Aber es sah schlimm aus und ich machte mir schreckliche Vorwürfe, hatte ich ihn überfordert etwas falsch gemacht. Alle um mich herum sagten: “Nein das passiert.“ Auf einmal sagte jemand :“ Julia du musst zu Schorsch nur noch 30min bis zum Start.“ ich konnte nicht denken, war total benommen. Hamlett hatte sich beruhigt. Dr Blobel und alle Umstehenden versicherten mir, es geht ihm ok, er wird leben wenn Du wieder kommst.
Ich rannte zu Schorsch er war ca. 500m entfernt noch Trense drauf- Schritt war er wenigstens schon gegangen nur noch 22min. Ich trabte zum Abreiteplatz, aus der Entfernung sah ich das Hamlett ruhig Schritt ging meine Hose, alles war voll Blut. Wie sollte ich jetzt Abreiten? Mir fehlten mindestens 20min. Ich galoppierte, Schorschi fühlte sich steif an. Ging es Hamlett wirklich gut? War es ok weg zu gehen? Sollte ich schon Abspringen? Wie spät ist es? Soll ich reiten?
Ich traf nicht einen Sprung beim Abreiten, Schorschi bemühte sich es war nicht er der fest war, sondern ich. Unkonzentriert mit meinen Gedanken völlig durcheinander. Schorschi wurde nervös so kannte er mich nicht. Was macht er falsch? Ich weiß, er versuchte für mich da zu sein aber ich konnte es nicht fühlen. Kurzum ich hätte nicht reiten sollen und ich kann dankbar sein, dass Schorschi die Notbremse gezogen hat. Keine Platzierung ist es wert, in so einem Zustand Gelände zu reiten. Danke Schorschi, ich kam bis ins Ziel aber den letzten Tisch, nach dem Aufsprung bin ich nicht mehr angeritten.
Dieser Sport lehrt uns so viel über uns selber, zeigt Möglichkeiten und Grenzen auf.
Hamlett graste schon wieder und blutete auch nicht mehr. Das Turnier war zu Ende. Hamlett sollte so nicht mehr springen und Schorschi ausgeschieden. Ich um eine Erfahrung reicher, sie war schrecklich aber auch scheinbar notwendig um zu verstehen, dass auch eine deutsche Meisterschaft im nächsten Jahr wieder statt findet. Und das hat sie und Schorschi und ich waren wieder dabei..

Es war dieses verrückte Jahr mit dem gebrochenen Mittelfußknochen. Ich wollte es noch mal wagen. Mit Schorschi in Schenefeld deutsche Meisterschaft. Die Vorbereitung war eher schlecht, nur zwei 2* Prüfungen davon eine mit Vorbeiläufer.
Es regnete seit Tagen und es regnete auch das Wochenende. Es regnete so doll das man zum Abreiten für die Dressur in die Halle ging… und das als Buschreiter. Es war der gesamte Olympiakader mit allen top Pferden am Start. Letzte Sichtung für und vor WM Kentucky. Naja und dann waren da Schorschi und ich klaro wir waren im B Kader und wirklich stolz darauf. Die Dressur lief gut, der Grasboden ließ weder verreiten noch in die Ecken reiten zu der Pfad war vorgegeben. Schorschi liebte den Schlamm und ackerte mit feinster Anlehnung durch den Regen.
Ganz vorne da waren Ingrit mit Abraxxas 34,8, Michi mit River, Simone mit Freeeasy, Kai Rüder. Michi mit Sam und Schorschi und ich hatten jeweils genau 39,0 Punkte. Ziemlich cool mit so einem Megapaar lagen wir auf Position 6. das Gelände war wieder dick zumindest fand ich das. Wenigstens dieser hässliche letzte Tisch nach dem Aufsprung war nicht mehr da . Mein Fuß zwickte noch, aber hier hieß es 100% genau abgehen.
Super konzentrieren und auf Alles vorbereitet sein.
Auch wenn das Gelände im letzten Jahr nicht geklappt hatte ich wusste viel besser damit umzugehen. Es war schon als Kind so hatte der Salto vom 1m Brett schmerzhaft nicht geklappt bin ich wieder raufgekrabbelt und wusste wie es geht. Der Tiefsprung ins Wasser hatte es in sich, auch der schmale Brunnen dahinter oder die Kombination über den Hügel. Aufgaben waren genug da und die Zeit war eng. Es kam extra ein Hubschrauber, der durch seinen Tiefflug über eine besonders nasse Wiese das Wasser zur Seite drücken sollte. Am Geländetag regnete es nicht. Ich pieselte mir fast ins Höschen so aufgeregt war ich. Der Startplatz im letzten Drittel war gut zum zu schauen aber Absprung- und Landestellen wurden nicht besser. Der Veranstalter tat hierfür Alles mögliche um beste Bedingungen zu schaffen.
Ich machte Schorschi selber fertig, diese Zweisamkeit war wie ein Ritual. 1h vorher saß ich auf, wir gingen schön 20min Schritt und ich ließ mir beim Abreiten Zeit. Auf einmal kam es zu einer Reihe von Stürzen (nichts schlimmes) es kam Unruhe auf. Etwas stimmte mit der Landestelle beim Wassertiefsprung nicht. Wir wurden informiert wie wir am Besten reiten sollten. Jetzt war keine Zeit mehr noch mal zu gucken. Ich behielt meinen Plan für dieses Hindernis bei. https://m.youtube.com/watch?v=RIJ30im2l50
wie ihr seht auch Schorschi strauchelt aber mit seinem langen Hals und genügend langem Zügel kann er sich ausbalancieren. Alle Linien klappten vom Feinsten.
Es war der Hammer wir kamen Null und in der Zeit ins Ziel. Ich freute mich so das könnt ihr Euch nicht vorstellen. Zu dieser Zeit wusste ich nicht was das bedeuten sollte.

Es war einfach so gekommen auf einmal standen wir ganz vorne- Overnight leader. Es war schrecklich aufregend und ich regte mich schrecklich auf, immer noch rege ich mich schrecklich auf.
Irgendwie ist für mich verteidigen schwieriger, als angreifen. Es fällt so auf wenn es nicht klappt.
Aber bis dahin gab es erst einmal Schorschi zu versorgen Schritt, Schritt, Schritt er brauchte Unmengen an Schrittbewegung. Das Gute war wenn es doch vorkommen sollte das wir mal uns ausruhen oder etwas essen (was ist das?) wollten lief er auf seinem Paddock brav weiter wie in der Führanlage 3Runden rechts, drei Links usw. er lieb es sich zu bewegen. Wie immer fuhren wir ihn nach Hause um am nächsten morgen pünktlich um 8:00Uhr zur Verfassung wieder vor Ort zu sein. 1,5h Fahrzeit, 1h Führanlage hieß früh raus und es ging wieder nur mit einem super Team jeder half rannte, putzte und packte.
Die Verfassung lief gut auch wenn Schorschi dieses Mal wirklich etwas müde war.
Es war ja auch verständlich.
Nur zwei Vorbereitungsprüfungen und mein länger Ausfall, der tiefe Boden, nicht gerade optimal.
Zudem waren wir lange nicht so routiniert im Springen und über 3* schon überhaupt nicht. Das sind Momente in denen ich mir wünschte Alles schon hinter mir zu haben, zu wissen das Schorschi nicht überfordert wurde, das er Alles gut verkraftet hat und es wäre auch schön wenn es positiv ausgeht.
War es aber nicht das Springen lag vor uns es hatte die Nacht über wieder geregnet und regnete auch jetzt. Der Boden war tief, die Prüfungen der Springreiter wurden abgesagt. Wir waren letzter Starter 39,0 Punkte vor uns gingen Michi/River mit 39,2 und Ingrit/Braxxi mit 39,6 Punkten an den Start. Es durfte sich keiner einen Fehler erlauben. Michi blieb null Ingrit nicht ganz. Aber wisst ihr wenn ich so aufgeregt bin kann ich überhaupt nicht denken ich versuche dann Alles auf die Prüfung zu fokussieren. Schorschis Beine fühlten sich schwer an ich wusste er musste sich lange aufwärmen und entschied mich nur wenige Sprünge auf dem Abreiteplatz zu machen. Es war ein Risiko aber was soll es Schorschi hatte so gekämpft wenn es nicht sein soll dann eben nicht. Der Pacoursbauer hatte auf den Boden reagiert und nicht aufs letzte hoch gezogen. Ich war ihm sehr dankbar. Jetzt standen wir vor der Schranke Michi war bereits mit Leopin und Sam Null gegangen und auf den Plätzen 1 und 2 inklusive des Springens. Dahinter Ingrit. Er ist einfach ein Genie und Perfektionist und brachte auch River Null ins Ziel. Wäre es nur schon vorbei. Ich galoppierte an. Schorschi schüttelte seinen Kopf seine lustigen Ohren schielten zu mir :“ was jetzt???? Willst Du gewinnen oder wie ein Sack meinen Rücken blockieren.“ der Boden war weich, tief der Schlamm flog. Er sprang den ersten Sprung und ich weiß nicht wo dieser kleine Hengst diesen Ehrgeiz und die Power hernahm. Ich lächelte, dieses Gefühl ist unbeschreiblich wenn Du weißt das Dein Pferd genau das machen möchte was Dir wichtig ist. Er hat einfach einen unglaublichen Charakter. Trotzdem hieß es wachbleiben, ich konnte mir ja auch keinen Zeitfehler leisten und das war gut so ich ritt wir im Stechen, wichtig war nicht zu denken, nichts zu ändern so nach Hause zu reiten. Fliegen war nicht möglich in dem Boden aber es reichte auch so.
Wisst ihr wenn ihr durch das Ziel reitet und Euch freuen wollt, aber es eine Ewigkeit dauert bis endlich das Ergebnis kommt. Hatte ich etwas vergessen? Ziellinie? Bin ich durch? Gab es noch einen Sprung? Was habe ich falsch gemacht? LOS JETZT !!! Bitte sag es..
Dann kam der Sprecher:“null und in der Zeit.“ ICH LIEBE DIESES PFERD!“