Montag, 17. Dezember, 2018
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FRH Schorsch- eine einmalige Karriere und eine spannende Geschichte * Teil 5

Julia Mestern und FRH Schorsch waren jahrelang fester Bestandteil des Bundeskaders. Zahlreiche Starts in Nationenpreisen, die zum Greifen nahe Platzierungen bei den Europameisterschaften in Luhmühlen 2011 und zwei Siege beim Klassiker in Boekelo in Folge (2008 und 2009) gehen auf ihr Konto.

Seine internationale Bilanz

Doch die Geschichte bis hin zu diesen Erfolgen ist eine etwas ungewöhnliche.. heute beginnen wir mit Teil 1 dieser einmaligen Erfolgsgeschichte des Hannoveraners, dessen Karriere ursprünglich im Dressurviereck liegen sollte. Seine Ausbilderin und Entdeckerin Julia Mestern erzählt uns den Werdegang aus ihrer Sicht..
der erste Teil
der zweite Teil

der dritte Teil

der vierte Teil

Julia Mestern und FRH Schorsch
Bild: Julia Rau

weiter geht’s mit Teil 5…

„Unsere erste 3* Saison lief gut wir konnten uns gleich in Marbach platzieren. Trotz dessen, dass ich vor lauter Einflechten meine Dressur Startzeit fast verpasst hätte. (wenn nicht die Besten, dann wenigstens die Schönsten ‍♀️) Schorschi war dann noch etwas im Hirschmodus ‍♀️ doch durch ein schnelles Gelände und ein fehlerfreies Springen reichte es doch noch.
Mal nebenbei, was ich besonders gut finde im Vielseitigkeitssport ist, dass man immer wieder einen Schritt zurück geht um die Pferde zu motivieren. So kam nach einer 3* Prüfung immer wieder eine 2* Prüfung ohne das ein Problem da gewesen wäre. (Das würde auch so manches Dressur-/Springpferden wieder motivieren).
Es kam ein besonderer Brief
Nominiert für die ländlichen Europameisterschaft der Vielseitigkeitsreiter.
Ich hatte keinen Plan was es bedeutete sich dafür zu qualifizieren, nur das es in Övedskloster in Schweden statt finden sollte.
Im Jahr zuvor war Övedskloster Schorschis und mein erstes wirkliches Übernachtungsturnier sonst bin ich immer hin und her gefahren, gerade Schorschi brauchte ja viel Bewegung, Paddock, Führanlage usw.
Wir kamen in Övedskloster an, Zeltboxen 3x3m, nur das Pferd gegenüber konnte Schorschi sehen, genau das was er hasste. Ich war im Stress, das Gelände war schwer ich musste viel Abgehen. Auf einem neuen Turnier brauche ich immer bis ich mich orientieren kann. Besonders im Gelände. Es blieb wenig Zeit mit Schorschi zu gehen oder grasen zu lassen. Er lief eine tolle Dressur und lag in Führung. Normal ritt ich für das Springen nicht lange ab, normal bewegte er sich aber auch viel. Schon auf dem Abreiteplatz merkte ich wie steif er war, er sprang richtig schlecht, es ging ihm nicht gut sein Körper war fest. Es half nichts wir waren als nächstes dran. Schorschi hat die Runde dann recht schnell beendet … :„SO NICHT!!!“ “nicht mit mir.”
Da bringt das beste Abgehen nichts wenn das Management fürs Pferd nicht stimmt. Nur ich könnte ja nicht immer hin und her fahren??? Es würden also immer wieder Übernachtungsturniere kommen Was also tun? Von diesem Moment an hatte Schorschi überall sein kleines Außengehege dabei (außer in England war es auch nie ein Problem.) es wusste ja keiner das hinter dem 1m hohen, stromlosen Zaun ein Hengst stand. Schorschi war von da ab glücklich und benahm sich vorbildlich er nutze es nicht einmal aus. Ach so die Geschichte mit der ländlichen Euro …

Erst einmal ging es zum Vorbereitungslehrgang in den Stall zu Familie Böckmann. Wir wurden da super herzlich aufgenommen. Danke nochmal dafür . Ich kann Euch sagen mein kleiner Hirsch war noch nie so locker wie in diesem Training. Ich wusste ja nichts, aber am allerwenigsten das wir eine Mannschaftsabteilungsdressur reiten sollten und das wir dafür von Diedrich Fick zwei Stunden am Tag vorbereitet (gequält) wurden. Schorschi durfte an die Täte, ich war mir nicht bewusst wie korrekt man „X“ treffen muss und wie oft man das üben muss Die perfekten Abstände zerstören leider meine Stiefel, da im letzten Halten der Nachbar Sporen sich ins Leder grub. Schade um den Stiefeln. ‍♀️ Bisschen Verlust ist immer. Nach einer anstrengenden Woche intensiv Abteilungstraining hatten Schorschi und ich es in die Abteilung geschafft. gemeinsam mit Marie-Louisa Meyer, Anna Siemer, Michaela Messerschmidt, Melanie Einsidel und Dr Kirsten Thomsen durften wir Deutschland bei der ländlichen Europameisterschaft vertreten. ganz schön spannend. Im Convoy ging es nach Schweden, eine Lkw Burg wurde gebaut und die Stimmung war gut. Klaro ging es auch um die Einzelmedaillen und der ein oder andere Zicken Krieg blieb nicht aus. Für die Mannschaftsdressur hatte ich alle 6 Pferde eingeflochten, wir sahen schon mal schön gleichmäßig aus. Was nicht jeder Groom leiden mochte aber ich fand mein frühes Aufstehen und 4h einflechten hatten sich gelohnt. Schorschi war immer noch schön locker vom Abteilungstraining und nahm die Sache wirklich ernst. Er hatte den strengen Tonfall von Diden im Ohr und parierte auf die kleinste Hilfe. Wir trafen die Line E-X-B perfekt Schorschi kannte die Aufgabe auswendig ich denke er wäre sie auch ohne mich gegangen. Hinter mir passierte wohl so das Ein oder Andere aber das sah ich dann erst später auf dem Video. Die Belgier gingen in Führung… so ein Mist.
Der Zickenkrieg hat sich gleich mal angefeuert. Puh menschliche weibliche Wesen sind so anstrengend ‍♀️
Wir waren wohl alle etwas im Stress.
Die Belgier (reine Männermannschaft) zumindest feierten, wir waren Alle eingeladen, typisch deutsch wie wir sind und wohl auch aus Respekt unserem Mannschaftsführer gegenüber blieben wir nicht zu lange. Belgien feierte die gesamte Nacht mit ordentlich Alkohol
… unser Glück denn so ging das mit dem Dressur Reiten nicht mehr so gut und wir konnten den Spieß umdrehen. Anna setzte sich mit Cancun an die Spitze, Marie war mit dem Teufelchen zweite und Schorschi und ich lagen auf Rang drei. Prost Belgien
Das Gelände war nicht so beeindruckend wie im Jahr zuvor und Schorschi hatte ja sein Paddock. Ein kleiner psychischer Zusammenbruch am Abend vor dem Gelände erinnerte mich dran das man auch mal etwas essen muss (bin ich schlecht gelaunt gebt mir etwas zu essen … ist heute noch so) die Duschwagen standen knöcheltief unter Wasser und sonstigem die Nacht war ruhig …
nun ging es in die Startbox und Schorschi galoppierte so positiv motiviert (kein Abteilungsreiten juhhhhuuuu ) die Zeit war schwer zu holen … zumindest wenn man nicht auf Schorsch saß. Für uns war sie wie immer kein Problem er flog über die Hindernisse und schwups auf einmal lagen wir ganz Vorne nicht nur mit der Mannschaft auch im Einzel.
An den Springpacours hatte ich vom Jahr zuvor keine gute Erinnerungen aber ich spürte Schorschi war gut drauf. Sicher ist man sich ja nie. Ein Springfehler und Marie gewinnt sie hatte auch mit Anna getauscht. Aber nein Schorschi hatte etwas gut zu machen ich hätte mich unter den Bauch hängen können dann wäre er eben etwas höher gesprungen. Keine Chance egal wie aufgeregt ich war und wie schlecht ich ritt er blieb null. Wir konnten mit 40 Punkten Vorsprung den Mannschaftswettbewerb gewinnen. Platz zwei ging nach Belgien. Und im Einzel Gold Schorschi, Silber Teufelchen, Bronze Cancun Wow Mega Wochenende.

„Verfassungsprüfung das ist ja so ein Thema für sich und mit Schorschi erst recht.
Unsere erste hatten wir in Negernbötel dort fand die Landesmeisterschaft statt. Ich hatte mal wieder keinen Plan. Die Pferde sollten nicht so lange auf dem Transporter stehen also kam ich in letzter Minute also eigentlich waren wir schon zu spät ‍♀️ gut das Schorschi ein Hengst ist so zog die Ausrede, das zu viele Pferde auf dem Vorbereitungsplatz waren.
Das ich ihn und Hamlet gemeinsam führte hat hoffentlich keiner gesehen. Die Schweife waren noch eingeflochten, die Mähne erst zur Hälfte ich sah aus wie mein eigener Pfleger. Null Plan von nix. Das Vortraben war das Beste ich scheuchte Schorsch im Mitteltab über die Straße. Das die Richter auch ja seine Bewegung gut finden. Fanden sie. Wir haben das Turnier gewonnen. Ich glaube die haben sich kaputt gelacht über mich . #Fremdschämen
Nun gut ich verstand dann doch den Sinn einer Verfassung, also es war nicht die Bewegungsqualität sondern der Gesundheitszustand um den es ging. ich bin toll.
Das Problem war auf der einen Seite tat Schorschi mir immer so leid also führte ich ihn nach einem Gelände vor der Verfassung Schritt aber ich machte keinen Dampf, auf der anderen war ich auch super stolz wie brav er als Hengst zwischen den Pferden lief (das sollte noch ein Fehler sein)
Er gewöhnte es sich so an
draußen trabte er super ,
kam er aber auf die Vortrabebahn latschte er als wäre er kurz vor dem Ende. Ich weiß nicht warum es war wie mit dem „Ohren vor“ in der Siegerehrung für die Fotos. Er hatte da kein Bock drauf null Verständnis dafür. Er ließ mich regelrecht auflaufen. Wenn er schon bei der Aufstellung seelenruhig hinten schonte, während ich vorne an ihm rum zog. Das ganze endete dann darin das er sich wie eine Kuh hinstellte. Toll Danke.
Hilfe ich übte es zu Hause. Vom Feinsten. Dann mal wieder auf dem Turnier
‍♀️ Holdingbox.
Ich habe wirklich eine #Verfassungsprüfungspsychose – heute noch. Meistens war dann alles in Ordnung und wir durften springen. Einmal tat es wirklich weh. Wir waren in Blenheim, England, ein Mega Event, ein Park riesig, was für ein tolles Turnier. Ok ich durfte kein Paddock bauen das gibt Abstriche. Habe es trotzdem getan hätte fast zur Disqualifikation geführt aber Schorschi brauchte es nun mal. Schorschi lief eine feine Dressur es reichte nicht nach ganz vorne trotzdem toll, das Gelände war überwältigend man springt ineinander See in dem man gefühlte 100m galoppiert der Graben neben dem Riesenrad machte mir Sorgen aber Schorschi galoppierte als eines von drei Pferden in die Zeit und wir fanden uns auf Platz 4 wieder. Wow dann kam die Verfassung Schorschi trabte anständig draußen.
Schlief nun wie immer beim Aufstellen ein. Erster Fehler.‍♀️ Dann guckte ich nicht auf die Gegebenheit. Die Straße war gekrümmt nach oben in der Mitte was bedeutete als ich in der Mitte trabte trat er mit dem einen Schlurfbein immer tiefer als mit dem anderen ‍♀️ Holdingbox
Oh man. Ok der Tierarzt dort war super nett Schorschi trabte gut und er sagte :“ stell ihn wieder vor, lass ihn aber genau in der Mitte traben so das beide Beine oben sind.“ gesagt getan. Schorschi latschte wieder los gleichmäßig, er konnte es sich nicht verkneifen am Wendepunkt ausgiebig zu gähnen. Ich lief durch und wartete auf „passed“ Es gab eine lange Diskussion, ich sah sofort die Richterin war nicht auf unserer Seite und sie setzte sich durch … aus die Maus.
Ich fragte den Tierarzt : „warum???“. Er sagte die Richterin war mit Schorschis Allgemeinzustand nicht zufrieden. Für einen Hengst hätte er wacher sein müssen sie hätte ihn auch mit den anderen Pferden gesehen. Null Reaktion.
… und ich dachte immer das ist besonders gut. So kann man sich irren. Schublade Hengst = durchgeknallt, wenn nicht krank auf diese Sichtweise war ich noch nicht gekommen. Aber sie ist naheliegend.
Es ließ sich nicht ändern völlig am Boden machten wir uns auf den Heimweg. Fast wären wir nicht nach Hause gekommen, da unser Amtstierazt vergessen hatte den Rückreiseteil auszufüllen. Irgendwie hat der Turniertierarzt es dann doch hinbekommen. Ich schwankte zwischen am Boden zerstört und ich muss jemanden umbringen.
Aber wie immer wäre ich nicht ich wenn mein Leitsatz: alles Schlechte ist für irgendetwas gut‍♀️ mich nicht wieder aufgerichtet hätte.
Also das wird geändert neue Taktik. Von da an führte ich Schorschi irgendwo warm kam in letzter Sekunde so war er schon ein wenig nervös und dann nahm ich eine Gerte mit und siehe da er zündete und konnte seine Füße hoch nehmen