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FEI-Weltrangliste 2014

von Dr. Hans G. Stürmann

Die FEI-Weltrangliste wird 2014 zum fünften Mal von dem 46jährigen britischen WM-Dritten William Fox-Pitt (568 Punkte) angeführt. Auf dem zweiten Rang folgt die seit 2005 in England lebende 34jährige WM-Vierte Jonelle Price (480 ) aus Neuseeland. Der 32jährige WM-Zweite Michael Jung (445 ), im Vorjahr Vierter, liegt wie bereits 2012 auf dem dritten Rang. Ingrid Klimke (36o) als Zehnte platziert sich ebenso wie in den beiden Vorjahren ebenfalls wieder unter den Top Ten. Mit insgesamt sechs Reiterinnen und Reitern unter den dreißig Weltbesten weist Deutschland gleichauf mit Großbritannien 2014 die meisten Ränge in dieser Spitzengruppe vor den USA (5) und Australien (4) auf.

Kompliziertes Punktesystem

Seit 1992 dokumentiert die FEI-Weltrangliste den Leistungsstand und zugleich auch die wachsende Bedeutung des internationalen Vielseitigkeitssports. In ihrem ersten Jahr umfasste die Weltrangliste, an deren Einführung Mark Phillips wesentlichen Anteil hat, insgesamt 327 Namen. 2014 werden nun insgesamt 3.592 Ränge aufgeführt.
Gewertet werden die sechs besten internationalen Ergebnisse des Reiters nach einem recht komplizierten Punktesystem, bei dem es abgestuft nach dem Level des Events und der jeweiligen Platzierung Punkte gibt. So zählt der Sieg in einem Championat auf Vier-Sterne-Level 161 Punkte, einem CCI4* 111 Punkte, einem CCI3* 71 Punkte, einem CIC3*/CCI2* 41 Punkte und einem CIC1* am untersten Ende 11 Punkte.
Um eine Unausgewogenheit der Punktevergabe bei Events mit wenigen und vielen Startern einigermaßen zu vermeiden, gilt ab 2009, dass nur 25 Prozent der Starter die abgestufte volle Punktezahl erhalten. Alle in der Wertung gebliebenen weiteren Starter müssen sich, dem Level des Events entsprechend, mit fünf Punkten (CCI4*) bis hinunter zu einem Punkt (CCI1*, CIC1*) begnügen. So erhielt z.B. der 20. im CCI4* Badminton noch 34 Punkte, die Fünfte des mit 14 Teilnehmern besetzten CCI4* Adelaide aber lediglich 4 Punkte, während die Viertplatzierte noch 98 Punkte sammeln konnte. Dennoch bieten entlegene Events mit geringer Beteiligung weiterhin Vorteile. So kassierte der Australier Stuart Tinney (20. der Weltrangliste) im CCI3* Goulburn als einziger Starter und CCI-Sieger recht mühelos 71 Punkte. Voraussetzung für den Erhalt von Ranglistenpunkten ist allerdings, dass die von der FEI vorgegebenen Mindestvoraussetzungen (MER) erfüllt werden: Nicht mehr als 75 Strafpunkte in der Dressur, im Gelände kein Fehler an den Hindernissen und nicht mehr als 90 (3*/1*) bzw. 120 Sekunden (4*) über der Bestzeit, sowie nicht mehr als 16 Strafpunkte im Parcoursspringen. Diese Voraussetzungen erfüllten z.B. im CCI3* Sydney nur sechs von 18 Startern und im CCI3* Moskau lediglich zwei von sieben Teilnehmern.

Reiter mit mehreren Spitzenpferden im Vorteil

Vorteile im Ranking haben Reiterinnen und Reiter, die mit mehreren Drei- oder Vier-Sterne-Pferden öfter auf hohem Level reiten und punkten können. Neben der WM konnte z.B. William Fox-Pitt in fünf CCI auf Vier- oder Drei-Sterne-Level mit drei weiteren Pferden punkten. Jonelle Price gelang das in vier weiteren Events auf diesem Level ebenfalls mit drei anderen Pferden, und Oliver Townend als Ranglistenvierter, der bei der WM im Gelände
aufgab, punktete mit drei Spitzenpferden in drei CCI4* und zwei CCI3*. Demgegenüber konnte Michael Jung auf diesem Level lediglich mit zweiten Rängen bei der WM und im CCI4* Luhmühlen mit fischerRocana punkten. Seine weiteren Punkte sammelte er mit Siegen im CICO3* Strzegom auf seinem danach vorübergehend mit Hufproblemen ausgefallenen Olympiapferd Sam und im CIC3* Wiesbaden mit der siebenjährigen Nachwuchsstute
fischerRicona sowie mit dem Angloaraber fischerTakinou als Vierter bei den Siebenjährigen und dem Hannoveraner Star Connection als Sieger bei den Sechsjährigen der WM der jungen Vielseitigkeitspferde. Ingrid Klimke punktete ebenfalls nur mit zwei Toppferden. Mit Hale Bob als Siegerin im CCI4*Pau sowie mit der Stute Escada JS in der WM sowie zweiten Rängen im CICO3* Aachen und im CIC3* Luhmühlen und einem Sieg im CIC3* Marbach.
Zudem holte auch sie sich Weltranglistenpunkte bei der WM der siebenjährigen Vielseitigkeitspferde mit der Holsteiner Stute Lilia.
Bei der gegenüber etlichen Spitzenreitern aus Großbritannien, Neuseeland, Australien und den USA geringeren Zahl an Vier-Sterne-Pferden musste Bundestrainer Hans Melzer 2014 mit einem durchdachten Konzept wieder Prioritäten setzen. Bei den gezielten internationalen Einsätzen seiner Spitzenpaare hatten Championatssiege und deren Vorbereitung absoluten Vorrang vor Einsätzen in CCI4* und CCI3* zum Sammeln von Weltranglistenpunkten . Ein Konzept, zu dem der Einfluss anderer Nationaltrainer wohl nicht reichte.

Gute deutsche Ranglistenplätze

Unter den gegebenen Umständen sind die Platzierungen deutscher Reiterinnen und Reiter in der Weltrangliste während der letzten Jahre hoch anzuerkennen.
In den ersten 13 Jahren zwischen 1992 und 2004 platzierten sich nur zwei Deutsche unter den Top Ten: Marina Köhncke, damals noch Loheit, 1993 als Vierte und Andreas Dibowski 2000 als Zweiter. Zunächst war der für den PZRV Luhmühlen reitende Andreas Dibowski 2000 als Erster gefeiert worden. Dann aber stellte die FEI fest, dass die Ergebnisse der 2000 in Sydney getrennt ausgetragenen olympischen Mannschaftsprüfung nicht gewertet worden waren. So zog der US-Reiter David O’Connor als Olympiasieger sowie Sechster im Mannschafts- wettbewerb auf den Spitzenrang vor.
Seit 2005 rangiert nun mindestens ein Deutscher unter den Top Ten und seit 2009 sind es stets zwei: Michael Jung fünfmal, Andreas Dibowski viermal, Ingrid Klimke und Frank Ostholt je dreimal, Dirk Schrade zweimal und Bettina Hoy einmal.

Neuseeländer und Briten dominieren

In den 23 Jahren seit Einführung der FEI-Weltrangliste konnten sich insgesamt elf Reiterinnen und Reiter aus vier Nationen auf dem Spitzenrang platzieren. Dabei führen die Neuseeländer mit neun Spitzenrängen vor den Briten (7), den US-Reitern (5) und den Australiern (2).
In den ersten zehn Jahren dominierten die Neuseeländer die Weltrangliste vor den USA mit fünf ersten Rängen von Blyth Tait (1992, 1994, 1996, 1997, 1998), dem Olympiasieger von 1996 und Weltmeister von 1990 und 1998, sowie einen Spitzenrang von Mark Todd (1999), dem Olympiasieger der vorausgegangenen Jahre 1984 und 1988. 1996 und 1998 kam das neuseeländische Top-Trio Blyth Tait, Mark Todd und Andrew Nicholson sogar auf die
drei vorderen Ränge. Mithalten konnten in diesen Jahren nur die US-Reiter, die mit Bruce Davidson sen. (1993, 1995), dem Weltmeister von 1974 und 1978, sowie David O’Connor (2000, 2001), dem Olympiasieger von 2000, sich jeweils zweimal an die Spitze setzen konnten.
2002 ritt der Brite William Fox-Pitt dann zum ersten Mal an die Weltspitze und 2007 gelang dieser Sprung erstmals auch dem Neuseeländer Andrew Nicholson. Diese beiden stets mit Spitzenpferden gut ausgestatteten Elitereiter überließen zwischen 2007 und 2014 dann mit Ausnahme des Jahres 2011, als die Britin Mary King vor Fox-Pitt und Nicholson Erste wurde, keinem anderen die Weltrangspitze: Fox-Pitt lag 2008, 2009, 2010 und 2014 vorne, Nicholson 2007, 2012 und 2013.
Beide gewannen indessen nie den Einzeltitel eines Championats, sind aber zweifellos neben Michael Jung, dem Olympiasieger, Weltmeister und doppelten Europameister, die herausragendsten Reiterpersönlichkeiten der letzten 15 Jahre. Fox-Pitt, der für Großbritannien an 18 Championaten teilnahm, platzierte sich seit 2002 bis auf das Jahr 2007, als er Fünfter wurde, stets auf den beiden vordersten Rängen: Fünfmal als Erster und siebenmal als Zweiter. Der 53jährige Neuseeländer Nicholson lebt seit 1980 in England und ritt seit 1090 zwölfmal in neuseeländischen Olympia- und WM-Aufgeboten. Er platzierte sich bis auf das Jahr 2006 (20.) 22mal unter den Top Ten der Weltrangliste, dabei 13mal unter den drei Besten.

Elitereiter punkten auch bei der WM der Nachwuchspferde

Die besondere Bedeutung der jährlich im französischen Le Lion d’Angers ausgetragenen Weltmeisterschaften der sechs- und siebenjährigen Vielseitigkeitspferde zeigt sich auch darin, dass fünf von den Top Ten der Weltrangliste (Jonelle Price, Michael Jung, Oliver Townend, Andrew Nicholson und Ingrid Klimke) hier Punkte für ihre Platzierung gewannen. Der CH-M-YH-CCI1* für Sechsjährige sowie der CH-M-YH-CCI2* für Siebenjährige sind dabei, ihrer Bedeutung entsprechend, bei der Punktevergabe einem CCI2*/CIC3* bzw. einem CCI3* gleichgestellt.