Start / Kolumne / Eine Liebeserklärung an den Busch

Eine Liebeserklärung an den Busch

[spacer style=“2″]

Buschreiten – das klingt nach wilder Steppe oder tiefem Dschungel, nach Abenteuer, Adrenalin und Freiheit, aber auch nach Gefahr, Anstrengung und Ungewissheit. Und, verdammt, ja! Genauso ist es auch. Nicht, dass hinter jedem Busch und Baum ein wildes Tier oder reißender Fluss lauert, aber das gewisse Kribbeln bleibt dennoch. Dagegen klingt der förmliche Ausdruck Geländeritt als Teil der Vielseitigkeitsprüfung nach Romantikausritt in der Marlboro Werbung. Bei Natursprüngen wahnsinniger Höhen und Breiten, Wassergräben, so tief wie Loch Ness, Brücken und anderen teilweise gruseligen, undefinierbaren  Hindernissen, würde jedem Cowboy die Kippe aus dem Mundwinkel fallen. Es sei denn, man heißt John Wayne. Nein, das Buschreiten, als eine der schwersten Disziplinen im Reitsport, verlangt von Pferd und Reiter alles ab – gibt aber auch so viel zurück. Kraft, Vertrauen, Stärke, Hochgefühl und Herzklopfen sind nur eine der wenigen Dinge, die den zwei- und vierbeinigen Kämpfern zu einer in sich verschmelzenden Einheit machen. Der tosende Applaus ist sozusagen nur das i-Tüpfelchen, das Reiter und Pferd antreibt und beide über sich hinauswachsen lässt. Die Muskeln sind angespannt und der Kopf erhoben.  Buschreiter haben nicht nur ein „wildes“, eigenständiges und sensibles Tier bezwungen; sie haben es sich zum Freund gemacht und letztendlich ihre eigenen Ängste überwunden. Und bitte sagt mir jetzt nicht, dass keiner, nicht mal auch nur für wenige Sekunden, ein mulmiges Gefühl im Magen hatte!

Woher ich das alles weiß? Jaa, auch ich hatte schon meine ganz persönliche Buscherfahrung. Und zwar als meine äußerst aufgekratzte Vollblutstute bei unserer ersten Schleppjagd in einen Dornenbusch gehüpft ist und sich gefühlte zwei Stunden nicht auch nur einen Schritt weiterbewegen wollte. Ungefährlich war das nicht, die Dornen in meinem Hintern hätten sich entzünden können! Nichtsdestotrotz haben wir die Jagd erfolgreich beendet, ohne körperliche und seelische Schäden, dafür mit einem drei Tage anhaltenden Glücksgefühl. Wir hätten glatt ne‘ Rolle in Braveheart verdient ;-). Aber gut, das ist eine andere Geschichte. In Grunde geht es doch um eine Liebeserklärung an unsere Pferde und das, was wir mit ihnen erleben dürfen – vor allem im Busch. (sls)