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Die Selektionen für Rio 2016 laufen an: High Performance Squads werden benannt.

von Dr. Hans G. Stürmann

Ebenso wie das DOKR trainieren, sichten und fördern auch andere führende Vielseitigkeitsnationen ihre Leistungsträger für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 sowie die 2015 anstehenden regionalen Championate, in denen für die USA, Neuseeland und möglicherweise auch Frankreich noch die direkte Qualifikation ihrer Teams für Olympia anstehen.

Die High Performance Quads

…in den USA:

Die United States Equestrian Federation (USEF) hat in ihre beiden „2015 Eventing High Performance Training Lists“ Vielseitigkeitsreiterinnen und –reiter berufen, von denen Erfolge bei den Panamerikanischen Spielen 2015 und den Olympischen Spielen 2016 erwartet werden.
In der „World Class List“ mit „Athleten, die gegenwärtig die Fähigkeit besitzen, überall in der Welt konkurrenzfähig zu sein“, gehören neben den fünf WM-Teilnehmern Buck Davidson, Phillip Dutton, Sinead Halpin, Boyd Martin und Lynn Symansky auch die international erfahrenen Will Faudree, Lauren Kieffer und Kim Severson.

Zu der „National List“ gehören weitere acht Reiterinnen und Reiter, die gegenwärtig in den USA international erfolgreich sind und von denen das USEF Selection Committee erwartet, dass sie „das zukünftige Potential haben, überall in der Welt konkurrenzfähig zu sein“.
Alle diese Nominierten planen nun ihr Training und ihrer Einsätze mit dem US Eventing

Team Coach David O’Connor, dem Einzelsieger der Olympischen Spiele 2000 in Sydney und Mannschaftsweltmeister 2002 in Jerez.

…in Australien

Australien hat bereits die Kriterien für eine „2016 Rio Squad“ mit Mindestbedingungen festgelegt, zu der möglichst Pferde im Alter zwischen sechs und 12 Jahren gehören sollen und deren Mitglieder alle sechs Monate auf ihre Leistungsstärke überprüft werden.
Derzeit gehören dieser Rio Squad 13 Reiterinnen und Reiter mit 16 Nachwuchspferden an. Darunter sind Paul Tapner mit zwei und Sam Griffiths mit drei Pferden sowie Shane Rose, Sonja Johnson und Stuart Tinney.

Dahinter folgen drei „State Squads“: Die „State Elite Squad“, der zur Zeit nur die in CCI4*
und CCI3* erfolgreiche Emma Dougall/Belcam Bear angehört, sowie die „State Future Squad“ mit insgesamt 19 Reiter/Pferd-Kombinationen, zu denen auch Shane Rose, Stuart Tinney, Andrew Hoy, Sam Griffiths mit weiteren Nachwuchspferden zählen, sowie eine „Development Squad“, in die 16 Kombinationen mit Reitern zwischen 18 und 25 Jahren berufen sind.

…in Neuseeland

Auch die Equestrian Sports New Zealand (ESNZ) überprüft die Zusammensetzung ihrer High Performance Squad alle sechs Monate mit dem Blick auf Rio 2016. Derzeit gehören zu dieser Squad die WM-Vierte Jonelle Price mit drei Pferden, Jonathan Paget, Mark Todd, der für die Panamerikanischen Spiele 2015 das brasilianische Team coached, und Tim Price mit jeweils zwei Pferden, Lucy Jackson, Caroline Powell sowie Clarke Johnstone an, der sich 2014 mit Sieger in den CCI3* Taupo und Puhinui bei den Selektoren zurückmeldete.

Nicht zu der Squad gehört derzeit Neuseelands beständigster Championatsreiter Andrew Nicholson, dem dadurch erhebliche Beträge aus den gut bestückten nationalen Fonds entgehen. Im Oktober 2014 hatte sich Nicholson aus dem Selektionsprozess zurückgezogen, nachdem es während der WM mit den Teamveterinären eine Auseinandersetzung gegeben hatte, weil sich diese nach Nicholsons Meinung nicht genügend um sein WM-Pferd Nereo gekümmert hatten. Seiner Bitte um Wiederaufnahme in die Squad hat das neuseeländische Selektorenkomitee bisher nicht entsprochen. „Ich habe gesagt, dass ich wieder verfügbar bin, aber offenbar wollen sie mich nicht. Darüber bin ich sehr enttäuscht. Ich gehe mit Volldampf in die Saison 2015 und hoffe, so erfolgreich wie möglich zu sein“ erklärte Nicholson dazu dem englischen Magazin Eventing.

Trotz des Misserfolgs bei der WM 2014. wo von der neuseeländischen Mannschaft lediglich Andrew Nicholson mit Nereo als Neunter in der Wertung blieb, erklärte kürzlich eine Vertreterin der NSNZ: „Wir glauben, jede benannte Kombination hat die Fähigkeit, unter die besten Fünf in der Einzelwertung der Olympischen Spiele 2016 zu kommen“. Das Ziel seien zwei Medaillen in Rio, „aber mit einer solchen starken Squad würden auch mehr keine Überraschung sein“.

…Frankreich

Das nächste Ziel für die französische Vielseitigkeit ist zunächst die EM 2015 im schottischen Blair Castle, für die eine „Liste des Sportifs de Haut Niveau 2015“ mit 13 Namen aufgestellt
worden ist. Neben den vier WM-Teilnehmern Pascal Leroy (35. Einzelwertung), Maxime Livio (5.), Rodolphe Scherer (20.) und Jean Teulere (24.) gehören dazu die bekannten Namen Arnaud Boiteau, Thomas Carlitle, Didier Dhennin, Francois Lemiere, Astier Nicolas, Donatien Schauly, Nicolas Touzaint, Thibaut Vallette und Eric Vigeanel.

Probleme macht den Franzosen derzeit Maxim Livio. Während das Doping-Verfahren seines
in der Vielseitigkeits-WM auf dem fünften Rang platzierten Pferdes Qalao des Mers noch
läuft, ist er seit dem 16. Februar 2015 wegen Doping seines Springpferdes Bingo S mit dem verbotenen Testosteron im thailändischen CSI1*W Pattaya Ende November 2014 vorläufig suspendiert worden. Sollte eine Disqualifikation wegen Dopings während der WM erfolgen, wäre damit zugleich das gesamte französische WM-Team disqualifiziert und damit auch die
direkte Olympia-Qualifikation einer französischen Mannschaft gestrichen. Einen entsprechenden Vorgang gab es bereits anlässlich der WM 1998 in Pratoni bei Rom. Wegen der Disqualifikation eines gedopten britischen Teampferdes verlor nachträglich die britische Mannschaft ihre WM-Bronzemedaille und auch die direkte Olympiaqualifikation für 2000.

Festgelegt hat die französische Föderation (FFE) bereits die Prämien für Erfolge bei der EM. Für die möglichen drei Medaillen in der Einzelwertung sind 15.000, 7.5000 bzw. 3.700 Euro ausgeschrieben. In der Mannschaftswertung winken jedem Reiter bei einem Medaillengewinn
7.500, 3.700 bzw. 1.900 Euro Prämie. Gedacht ist auch an die Pferdebesitzer. Hier würde der
Einzeltitel dem Besitzer 15.000 Euro bringen, während ein Mannschaftssieg für jeden Besitzer 7.500 Euro wert ist. Wie die Reiter erhalten auch die Besitzer für Silber und Bronze ähnliche Prämien.
Darüber hinaus gibt es für die Pferdebesitzer auch bei Siegen und Platzierungen in Drei- und Vier-Sterne Prüfungen von der FFE Prämien. So erhält ein Pferdebesitzer bei einem CCI4*-Sieg 20.000 Euro, während es für den zweiten Rang 16.000 Euro und für den Dritten 12.000 Euro gibt. Weitere Beträge fallen abgestuft für alle Pferde im vorderen Viertel der Starter an.

…Großbritannien

In Großbritannien treffen die Selektoren ihre ersten Entscheidungen traditionsgemäß erst nach dem CCI4* Badminton Anfang Mai.

Rechtzeitig gesorgt wird in Großbritannien für den Vielseitigkeitsnachwuchs. Seit 1998 wird, vornehmlich aus Lottomitteln, ein „World Class Development Programme“ für junge Talente
durchgeführt. 2015 gehören dazu auch 17 jüngere Vielseitigkeitsreiter, darunter auch WM-Teilnehmer Harry Meade, von denen 2014 bereits sieben zu der britischen Nations-Cup-Squad gehörten. Sie erhalten weitreichende Unterstützung beim Training und Turniercoaching. 2015 neu eingeführt wird zudem eine Stufe tiefer ein „Talent Programme“ für junge Reiterinnen und Reiter zwischen 16 und 24 Jahren mit jungen Pferden bis zu sieben Jahren, die talentiert genug erscheinen, erfolgreich in CIC und CCI zu starten Auch sie werden auf ihrem weiteren Weg von Sponsoren der British Equestrian Federation (BEF) unterstützt.