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Die Richterausbildung als Baustein zum fairen Reitsport

Fairness – im Reitsport einer der Hauptfaktoren für den schönen, Spaß machenden Sport.

Wer kennt das nicht? Man reitet aus der Dressurprüfung oder dem Stilspringen und fragt sich, was die Richter denn da wohl gesehen haben. Man selber hatte ein tolles Gefühl, das Pferd lief doch viel besser als bei den letzten Prüfungen- aber trotzdem bekam man keine dem Gefühl entsprechende Wertnote.

Ich möchte mich dabei nicht ausschließen, auch ich kenne das Gefühl. Dennoch möchte ich einmal aufzeigen, wie der Weg zum Richterdasein aussieht, um aufzuzeigen, dass da keiner am Richtertisch sitzt, der nicht weiß, dass das Knie des Pferdes am Hinterbein sitzt.
Jeder von uns Reitern hat in seiner sportlichen Laufbahn, egal auf welchem Niveau, mal bessere und mal schlechtere Wertnoten für einen Ritt erhalten.

Die Grundlage dieser Beurteilung ist aber dieselbe: Richter sind keine Unmenschen, die sich darüber freuen, schlechte Wertnoten zu verteilen. Ganz im Gegenteil- es ist eine Freude eine 8 geben zu können! Und was dabei ganz bedeutsam ist: die Wertnote und das dazugehörige Protokoll spiegeln ausschließlich die hier und heute gezeigte Prüfung wider! (Es kann also auch sein, dass eine Pferd/Reiter- Kombination nach einer 4,5 in der L Dressur in einer zweiten, ähnlichen Prüfung eine Stunde später startet, sich dort mit deutlich verbesserter Losgelassenheit präsentiert und gewinnt- ohne dass eine Bestechung der Richter vorliegt!)

Der Weg zum Richtertisch:
Als fachliche Voraussetzung (neben weiteren formellen Voraussetzungen) für den Richteranwärter (die Eingangsprüfung, um Richter werden zu können) gelten (im Rheinland) die folgenden Bedingungen:
1. Trainer C (Leistungssport) und Reitabzeichen Klasse 2 oder
2. Platzierungen bis mind. Kl. L in Dressur und Springen oder Vielseitigkeit oder
3. Platzierungen einer Disziplin bis Kl. M oder
4. Bestandene Prüfung zum Pferdewirt- Klassische Reitausbildung oder Trainer A- Leistungssport.
(Quelle: www.psvr.de)

Diese Voraussetzungen sind in der APO festgelegt, der Landesverband kann noch zusätzliche Anforderungen erheben. Wie schon hier zu erkennen ist, es wird dadurch niemand Richter, der nicht selber zumindest bis zur Klasse L geritten ist.
Nach einer Reihe an Testaten (die Mindestvorgaben stellt der jeweilige Landesverband) kann sich der Richteranwärter dann zur Grundrichterprüfung anmelden. (Zur Info: Im Rheinland sind dies derzeit 45 Prüfungen auf dem Turnier, 5 komplette Turniere als Assistenz beim Parcourschef und 1 Gutachten. Die bestandene Grundrichterprüfung befähigt dazu, Dressur bis L, Springen bis L, Reitpferdeprüfungen und Wettbewerbe nach der WBO eigenverantwortlich zu richten). Für jede Höherqualifizierungsprüfung, sei es in den Disziplinen Dressur und Springen, oder aber für die Vielseitigkeit müssen wiederum weitere Testate abgelegt werden, um das Handwerkzeug für diese Prüfungen zu verbessern bzw. zu erlernen.
Es ist wohl zu erkennen, welch langen und aufwendigen Ausbildungsweg die Richter aufgenommen haben, die jedes Wochenende am Tisch um Fairness bemüht sind,- und am Ende dem besten Pferd-Reiter-Paar die gelbe Schleife an die Trense stecken möchten.

Und so fair macht der Sport doch wirklich Spaß!
Wiebke Struck