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Die Classics-Serie der CCI4* Fakten und Zahlen

von Dr. Hans G. Stürmann

Während Deutsche seit mehreren Jahren die Einzeltitel bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften gewinnen, dominieren Briten die 2008 eingeführte Classics-Serie der CCI4* mit sechs Serien-Champions.

Der 45jährige Brite William Fox-Pitt gewann die Serie 2014 zum vierten Mal nach 2008, 2010 sowie 2012 und weist insgesamt neun CCI4*-Siege auf. 2009 wurde sein Landsmann Oliver Townend Champion und 2011 war es Mary King, die im CCI4* Lexington siegte und vier weitere Platzierungen unter den jeweils zehn Bestplatzierten erreichte. Hinter ihr musste sich William Fox-Pitt, der in Pau und Burghley gewann, insgesamt aber nur zu vier Platzierungen kam, knapp geschlagen mit dem zweiten Rang zufrieden geben. Zweiter wurde William Fox-Pitt zudem 2013, dem Glücksjahr des seit vielen Jahren in England residierenden 53jährigen Neuseeländers Andrew Nicholson. Mit Siegen in Pau, Lexington, Luhmühlen und Burghley sowie einem dritten Rang in Badminton summierten sich für ihn 70 Serienpunkte und dabei mit großem Vorsprung die höchste bisher erreichte Punktzahl.

Mit den Preisgeldern der CCI4* und 150.000 US-Dollar für den Seriensieg erzielte Andrew Nicholson in den Classics 2013 den Betrag von umgerechnet knapp einer halben Million Euro. Keinem der bisherigen sieben Serien-Champions gelang es bisher indessen, den Titel bei einem Championat zu gewinnen.

Die deutsche Classics-Bilanz

Während William Fox-Pitt in der Classics-Serie 2014 fünf und Andrew Nicholson 2013 sogar sieben bewährte Vier-Sterne-Pferde einsetzen konnte, sieht es im deutschen Lager hinsichtlich der Zahl qualifizierter Vier-Sterne-Pferde bescheidener aus. Darum geht die Strategie von Bundestrainer Hans Melzer dahin, die möglichen Championatspferde individuell durch gezielte Einsätze, wozu nicht immer die CCI4* gehören, zu ihrer optimalen Leistungsstärke bei den jährlichen Championaten aufzubauen. So sieht die deutsche Leistungsbilanz in der Classics-Serie 2014 karg aus, da Serienpunkte mit Nachwuchspferden nur im CCI4* Luhmühlen gewonnen werden konnten. So kam Michael Jung, mit der neunjährigen Stute fischerRocana Zweiter in Luhmühlen, als bester Deutscher nur auf den elften Rang der Serie. Danach gewann Michael Jung mit der Stute WM-Einzelsilber in der Normandie, wo William Fox-Pitt auf dem 14jährigen Wallach Chilli Morning, den er in der Classics-Serie nicht eingesetzt hatte, zu Einzelbronze kam.

Während Michael Jung in den Classics 2013 (2. Badminton, 3. Pau) und 2012 (1. Luhmühlen) jeweils auf den vierten Serienrang kam, erwies sich Andreas Dibowski als bisher bester deutscher Reiter in den bisherigen sieben Serien. Er belegte 2010 (1. Pau, 2. Badminton, 3. Luhmühlen) den zweiten Rang, nachdem er 2009 hinter Dirk Schrade (1. Pau, 3. Luhmühlen) mit zweiten Plätzen in Pau und Luhmühlen auf den dritten Rang gekommen war. Zudem kam Dibowski 2011 auf den siebten und 2012 auf den zwölften Rang der Classics-Serie.

Schon im ersten Jahr der Serie hatte es 2008 ebenfalls zwei Deutsche auf den Geldrängen gegeben: Frank Ostholt (3. Pau, 2. Luhmühlen) auf dem dritten und Bettina Hoy (1. Pau) auf dem fünften Rang.

Zu den Großen Fünf kommt Adelaide hinzu

Von 2008 bis 2011 gehörten die CCI4* Badminton, Lexington/Kentucky, Luhmühlen, Burghley und Pau in Südfrankreich zu der jährlichen Classics-Serie. 2012 kam das südaustralische Adelaide hinzu, wo seit 1999 CCI4* in den städtischen Parkanlagen ausgetragen werden, und die Serie beginnt seither mit Pau sowie Adelaide bereits im Herbst des Vorjahres und endet im laufenden Jahr in Burghley.

2014 erlitt die Serie eine fühlbare finanzielle Einbuße. Wurden in den ersten sechs Jahren dank der britischen Großbank HSBC jährlich insgesamt 333.000 US-Dollar (ca. 245.000 Euro) abgestuft an die fünf Bestplatzierten der Serie ausgezahlt und dabei für den Seriensieger 150.000 US-Dollar (ca. 110.000 Euro), so sind es ohne diesen Sponsor 2014 nur noch insgesamt 120.000 US-Dollar (ca. 93.000 Euro).

Die Preisgelder variieren erheblich

Attraktiver geworden ist demgegenüber eine gute Platzierung in Badminton. Betrug das Preisgeld hier 2013 insgesamt 288.050 Pfund Sterling (ca. 340.000 Euro), so erhöhten es die Veranstalter 2014 auf insgesamt 327.250 Pfund Sterling (ca. 400.000 Euro). Davon erhielt der australische Sieger Sam Griffiths/Paulank Brockagh 80.000 Pfund, mithin knapp 100.000 Euro und damit soviel, wie Luhmühlen für seinen CCI4* insgesamt ausgeschrieben hat! Derzeit geringer als in Luhmühlen ist das Preisgeld mit rund 83.000 Euro nur bei dem entlegenen australischen CCI4* Adelaide, an dem neben Einheimischen nur wenige Neuseeländer teilnehmen.
Nach Badminton bietet Burghley mit nun 225.000 Pfund Sterling (ca. 280.000 Euro) seit jeher das zweithöchste Preisgeld vor Lexington mit 250.000 US-Dollar (ca. 180.000 Euro) in der Einzelwertung und Pau mit insgesamt 110.000 Euro.

Die beiden britischen B bleiben Leuchttürme der Classics.

Badminton, wo dieses Jahr die 60. Horse Trials seit 1949 ausgetragen wurden und Burghley mit bisher 54 Three Day Events seit 1961 genießen unbestritten den Ruf der ältesten, schwersten und zugleich bedeutendsten Vier-Sterner. Sie können es sich leisten, die Teilnehmerzahl durch die Forderung festgelegter individuelle Erfolge zu beschränken und Wartelisten zu führen. Bezogen auf den Durchschnitt der sieben Classics-Serien liegen die jährlichen Starterzahlen in Badminton mit 82 und in Burghley mit 74 Teilnehmern dennoch deutlich höher als in dem zunehmend attraktiver werdenden Pau mit durchschnittlich 55 und zuletzt 75 Startern, Lexington mit 55, Luhmühlen mit 42 (zuletzt 52) und Adelaide mit durchschnittlich 23 Startern.

Die Ausfallquote, durch ungünstige Witterungsbedingungen und Ausreißer der Parcoursdesigner gelegentlich beeinflusst, liegt bei den hohen Starterzahlen in Badminton und Burghley zahlenmäßig höher als bei den anderen CCI4*, liegt aber prozentual auf die sieben Classics-Serien bezogen mit durchschnittlich 37 Prozent in Badminton und 39 Prozent in Burghley nahezu gleich mit Lexington und Luhmühlen mit jeweils 38 Prozent sowie Pau mit 35 Prozent.

Die fünf Bestplatzierten der Classics-Serie 2014:

1. William Fox-Pitt, GBR 38 Punkte 1. Pau und Lexington, 4. Burghley,
2. Sam Griffiths, AUS 25 Punkte 1. Badminton, 2. Burghley,
3. Oliver Townend , GBR 23 Punkte 2. Badminton, 4. Luhmühlen, 8. Burghley,
4. Andrew Nicholson, NZL 21 Punkte 1. Burghley, 5. Pau,
5. Tim Price, NZL 17 Punkte 1. Luhmühlen, 9.Badminton.
11. Michael Jung, GER 12 Punkte 2. Luhmühlen,
28. Andreas Ostholt, GER 5 Punkte 6. Luhmühlen,
36. Bettina Hoy, GER 3 Punkte 8. Luhmühlen.

Unter die zehn Bestplatzierten der sechs CCI4*, die für die Serie zwischen 15 Punkten und einem Punkt erhalten, kamen 2014 insgesamt 42 Reiterinnen und Reiter aus elf Nationen.

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Liegt in diesem Jahr an der Spitze. William Fox-Pitt (Foto: Nadine Kaiser)