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Die CCI3*: Tradition bewährt sich, deutsche Interessen gering.

von Dr. Hans G. Stürmann

Für 2014 verzeichnet der FEI-Kalender auf Drei-Sterne-Level weltweit 20 CCI3*, davon zehn in Europa, und 71 CIC3*, davon 32 in Europa, sowie weitere neun europäische CICO3* in der Nationenpreis-Serie.

Falsch wäre es, nun die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die kürzeren CIC3* die herkömmlichen CCI3* aus der Vielseitigkeitsszene verdrängt haben. Richtig ist, dass die CIC während der letzten 15 Jahre die Szene zunehmend bereichern, sich die Zahl der jährlichen CCI3* aber kaum verändert hat. So wurden 1994, als vor 20 Jahren als es noch keine CIC gab, weltweit 15 CCI3* ausgetragen, davon acht in Europa. Von diesen europäischen CCI3* haben Boekelo (ab 1971), Saumur (ab 1986), Bramham (ab 198o) und Blenheim (ab 1990) die Zeiten verlässlich überdauert. Weggefallen sind dagegen das traditionsreiche irische Punchestown sowie die beiden über viele Jahre vertraut gewordenen deutschen CCI3*:
Luhmühlen, das seit 2005 zu den Viersternern aufgestiegen ist, und das bayerische Achselschwang, in den Jahren zwischen 1974 und 2000 in der Szene überaus beliebt.
Nachdem dann das rheinische Bonn-Rodderberg (1998 bis 2001) sowie das ostbayerische Kreuth (2oo5 bis 2008) die langen CCI3* wieder aufgegeben haben, ist seit 2009 in Deutschland kein CCI3* mehr ausgeschrieben worden. Für Bundestrainer Hans Melzer ist das letztlich kein Verlust: „Die Szene ist gut abgedeckt und wir täten in Deutschland keinem Veranstalter einen Gefallen, wenn wir ihn zu einem CCI3* drängen würden“.

Sprungbrett zu CCI4* und Championaten

Wichtig sind für Hans Melzer die CCI3* vornehmlich zur Qualifikation für die Vier-Sterne-Klasse und für Championate. Während eine Reiter/Pferd-Kombination in CCI4* nur startberechtigt ist, wenn sie sich zuvor in einem CCI3* sowie zwei CIC3* qualifiziert hat, werden für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro nur ein CCI4* oder ein CCI3* und ein CIC3* verlangt. Dabei müssen, ebenso wie auch für die CCI4*-Qualifikation, stets Mindestvoraussetzungen (MER = Minimum Eligibility Requirement) erreicht werden:
Nicht mehr als 75 Strafpunkte in der Dressur, im Gelände kein Fehler an den Hindernissen und nicht mehr als 90 Sekunden bzw. 120 in CCI4* über der Bestzeit, sowie nicht mehr als 16 Strafpunkte im Springen.
Da die olympischen Voraussetzungen zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 19. Juni 2016 erreicht werden müssen, dürften die CCI3* bereits 2015 vermehrt Zulauf bekommen, um möglichst rechtzeitig eine Olympia-Qualifikation sicherzustellen. Danach macht es für diese Kombinationen, so Andreas Dibowski, „keinen Sinn mehr, über die lange Distanz im Drei-Sterne-Bereich zu gehen. Hier liegt die Herausforderung dann bei den Championaten oder den CCI4*, wobei die CIC3* wertvolle Aufbauprüfungen bleiben“. Für engagierte Reiterinnen und Reiter, deren Pferde das Vier-Sterne-Niveau nicht erreichen, bleiben die CCI3* indessen „schöne Höhepunkte der Saison“.

2014: Zehn CCI3* in Europa

Im Mittelpunkt der europäischen CCI3*-Szene standen weiterhin die langjährlich bewährten CCI3* Saumur (72 Starter), Bramham (65), wo zugleich ein weiterer CCI3* für junge Reiter unter 25 Jahren (22) ausgeschrieben wird, Blenheim (79) sowie das als letzte Station der Nationenpreis-Serie zu einem CCIO3* aufgewertete Boekelo (89). Hinzugekommen ist seit 2003 das schottische Blair Castle (31), wo 2015 die nächste EM ausgetragen wird.
Weniger international ging es bei den beiden irischen CCI3* Tattersalls (34) und Ballindenisk (19) zu, wo sich die Teilnahme fast vollständig auf irische und britische Starter sowie einige in England residierende Australier und Neuseeländer beschränkte. Dabei konnten in Ballindenisk z.B. von den 15 in der Wertung verbliebenen Startern nur neun den MER erfüllen. Nahezu unbeachtet blieb das seit Jahren auf dem FEI-Kalender stehende CCI3 Moskau , an dem dieses Jahr nur neun Starter teilnahmen, drei in der Wertung bleiben und zwei den MER erfüllten.

Polnische CCI3* stark im Kommen

Deutlich an Gewicht gewinnen seit einigen Jahren polnische Vielseitigkeitsplätze. So fanden 2014 in Strzegom auf halbem Wege zwischen Görlitz und Breslau sowie in Sopot nördlich
von Danzig jeweils zwei internationale Events mit Prüfungen auf mehreren Levels statt. Dabei standen nicht so sehr die CCI3* im Mittelpunkt, sondern die Breite der Prüfungsangebote bei erstklassigen sportlichen Bedingungen mit wetterfesten Dressur- und Springplätzen.
Zur Bedeutung von Strzegom, das früher zur Weltcup-Serie und nun zur Nationenpreis-Serie gehört und wo 2017 die übernächste EM stattfinden soll, mein Andreas Dibowski: „Die Prüfungen dort haben sich über die Jahre fantastisch entwickelt und die Bedingungen werden immer besser“. Das mag hingegen nicht für alle westeuropäischen Plätze zutreffen, wobei an Boekelo an nassen Oktobertagen zu denken ist, und es bleibt offen, wie lange der Gewöhnungseffekt der Reiter für diese traditionellen Plätze noch dauern mag. Entscheidend dabei dürften auch die Preisgelder sein. die im Westen derzeit noch höher liegen, ohne allerdings für den Drei-Sterne-Level besonders attraktiv zu sein: Boekelo 37.800 Euro, Blenheim ca. 33000 Euro, Saumur 29.998 Euro sowie Strzegom 7.000 Euro, Sopot 2.300 Euro.
Angemerkt sei hier, dass die sportliche Bedeutung von Strzegom besonders von Deutschen sehr geschätzt wird. So nahmen dort Ende Juni 2014 insgesamt 20 deutsche Reiterinnen und Reiter mit 39 Pferden an fünf der sechs ausgeschriebenen Prüfungen teil und belegten elf der 15 vorderen drei Ränge. Michael Jung gewann den CIC1*, den CIC2* sowie den CICO3* und Dirk Schrade siegte im CCI1*. Im CCI3* gab Andreas Ostholt nach zwei Verweigerung von Pennsylvania im Cross auf und der CCI2* blieb ohne deutsche Beteiligung.

2014 blieb ohne deutschen CCI3*-Sieg

Die deutsche Beteiligung an den zehn europäischen CCI3* blieb gering, da die WM-Vorbereitung von Hans Melzer andere Prioritäten setzte.
Die besten Ergebnisse erzielten mit zweiten Rängen Andreas Dibowski/It’s Me xx im CCI3* Sopot und der 19jährigen Niklas Bschorer/Tom Tom aus dem nationalen B-Kader im CCI3* u25 Bramham. Im CCI3* Blenheim kam Niklas Bschorer/Lord Shostakovich zudem auf den 13. Rang. Bettina Hoy/Designer wurde hier 18. Als weiterer Nachwuchsreiter kam der 21jährige Claas Hermann Romeike, Sohn des Olympiasiegers Hinrich Romeike und ebenfalls im B-Kader, im CCI3* Blair Castle mit einer Verweigerung im Cross auf den 21. Platz. Im CCIO3* Boekelo erfüllte von den vornehmlich mit Nachwuchspferden angetretenen zwölf deutschen Startern nur Andreas Dibowski auf dem neunten Rang mit dem achtjährigen Oldenburger Hans Dampf, auf dem er zuvor den CICO3* Malmö gewonnen hatte und im CICO3* Waregem Zweiter geworden war, die Erwartungen.
Für die Statistik gilt es daher zu vermelden, dass der letzte deutsche CCI3*-Sieg Anfang Oktober 2013 von Andreas Ostholt/So is et im polnischen Bialy Bor südöstlich von Kaszalin (früher Köslin) gefeiert werden konnte.

Zehn CCI3* in Übersee

Die Situation in Übersee mit ihren Schwerpunkten in Nordamerika, Australien und Neuseeland gleicht der in Europa, wobei wegen der weiten Entfernungen neben dem CCI3* stets weitere CCI- und/oder CIC-Prüfungen auf Ein- und Zwei-Sterne-Level ausgetragen werden, die in aller Regel wesentlich besser besetzt sind. Einen guten Namen haben dabei in den USA die CCI3* Allentown/New Jersey (24 Starter), Elkton/Maryland (53) und Temecula/Kalifornien (19) sowie Bromont (25) in Kanada. Dagegen nahm an dem argentinischen CCI3* Campo de Mayo nur ein Starter teil. Wohl ein Grund dafür, dass die beiden brasilianischen CCI3* abgesagt wurden. In Australien haben sich die CCI3* Sydney (18) und Melbourne (20) bewährt, während im relativ neuen Goulburn mit Stuart Tinney nur ein Starter antrat. In Neuseeland sind zwei CCI3* seit langem beliebt: Taupo (11) auf der Nordinsel sowie Puhinui auf der Südinsel, das erst im Dezember ansteht.