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Deutsche Vielseitigkeitsszene nimmt Abschied von Alfred Bierlein

Zahlreiche Aktive und Funktionsträger aus der nationalen und vor allem auch aus der bayerischen Buschreiterei haben am Mittwoch gemeinsam mit der Familie in Kalchreuth bei Nürnberg Abschied von Alfred Bierlein genommen, der am 18. Februar völlig unerwartet im Alter von erst 52 Jahren an den Folgen einer akuten Herzerkrankung gestorben ist.

„So sahen meine Helden aus.“ Doppelolympiasieger Hinrich Romeike erinnerte sich an ein Turnier in Luhmühlen Anfang der 80er Jahre. Romeike begann gerade, Vielseitigkeit zu reiten – während der damals ebenfalls noch sehr junge Alfred Bierlein in der Heide gegen Weltklassereiter als Zweiplatzierter die Heimreise antrat. Und Hinrich Romeike ist das typische Outfit seines Vorbildes Alfred Bierlein in Erinnerung geblieben, die Schiebermütze und eine Tweedjacke.

Sichtlich bewegt erinnerte Romeike für die Aktiven und für den DOKR-Vielseitigkeitsausschuss an die überaus „ausgleichende und ordnende Art“, die Alfred Bierlein als Aktivensprecher seit 2005 an den Tag gelegt habe. Mit seinem sympathischen und ehrlichen Auftreten habe er mit dafür gesorgt, dass in Deutschland inzwischen eine „professionelle Buschreiterszene lebensfähig ist“. Durch seine Inspiration, seinen guten Geist und seinen freundschaftlichen Umgang habe er sich den großen Respekt der Aktiven erworben.

Gleichzeitig hob Romeike die reiterliche Lebensleistung Alfred Bierleins hervor: Als Vollamateur habe er neben seinem Beruf als Unternehmer mit 70 Mitarbeitern in den 35 Jahren im Turniersport zehn Pferde bis zur schweren Klasse ausgebildet und erfolgreich unter anderem bei Nationenpreisen und etlichen Deutschen Meisterschaften vorgestellt. Der Doppelolympiasieger erinnerte unter anderem an Airfear, Torcida und Glendale. Der Träger des Goldenen Reiterabzeichens habe erfolgreich als Parcoursbauer fungiert und sei Kandidat für das internationale Richteramt gewesen.

Mit den Eltern von Alfred Bierlein, seiner Lebensgefährtin Simone Kretschmer, seiner früheren Ehefrau Carola Bierlein und Tochter Ann-Kathrin trauerten zahlreiche Reiterfreunde, Schüler und Funktionsträger des Vielseitigkeitssports aus ganz Deutschland um den Verstorbenen. Unter den Trauergästen waren unter anderem der DOKR-Ausschussvorsitzende Holger Heigel und seine Vorgänger Michael Spethmann und Peter Wagner. Zur Beerdigung waren außer Bundestrainer Hans Melzer unter anderem auch die Reiter Dirk Schrade, Andreas Dibowski, Peter Thomsen, Kai Rüder und Benjamin Winter gekommen – wegen der unübersehbaren Trauergemeinde eine unvollständige Aufzählung.

„Er lebte seinen Traum“, sagte Bruno Six als Sprecher der bayerischen Vielseitigkeitsszene. Alfred Bierlein habe sein Leben „zu 100 Prozent dem Pferd gewidmet“. Als Ausbilder gleichermaßen von Pferden und von Reitern habe er sich einen hervorragenden Ruf verschafft. Der „Mutmacher für die Reiterjugend“ sei vielen Schülern als Trainer gleichzeitig „Freund, Berater und Manager“ gewesen. Bruno Six: „Alfred Bierlein war ein Gentleman, an den man sich lange erinnern wird.“

Wolf-Dietrich Nahr