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Der FEI Nations Cup: Erfolgreich für Deutschland und ausbaufähig.

von Dr. Hans G. Stürmann

Die 2014 zum dritten Mal auf Drei-Sterne-Level ausgetragene Nationenpreis-Serie hat in der Vielseitigkeit bisher noch nicht die Aufmerksamkeit gefunden, die ihr im Interesse des Sports zu wünschen ist, brachte Deutschland aber bereits den zweiten Seriensieg.

Anders als bei Championaten oder der hochdotierten Classics-Serie der Viersterner, denen die Elite der Vielseitigkeitsreiter stets sicher ist, erweist sich die Nationenpreis-Serie mit derzeit neun europäischen Events auch in diesem Jahr noch zu unausgeglichen bei der internationalen Beteiligung und den Preisgeldern.

Es bleibt zu hoffen, dass diese neue Serie nicht einen ähnlichen Verlauf nimmt, wie der zwischen 2002/2003 und 2012 ausgetragene Eventing World Cup, den die FEI als „Schaufenster des Eventing-Sports der Zukunft“ angekündigt hatte, um „die Werte der Vielseitigkeit für Öffentlichkeit und Sponsoren“ zu fördern. Dieser World Cup auf Drei-Sterne-Level begann im ersten Jahr mit 18 Qualifiern und einem im südfranzösischen Pau mit 80.000 Euro ausgeschriebenen Finale. Neben acht europäischen CIC3*, darunter in Bonn-Rodderberg und Cavertitz sowie in Malmö und Strzegom, beteiligten sich auch Veranstalter in Australien (2), den USA (2) und Brasilien(1). Nach insgesamt 788 Startern im Einführungsjahr sank die Beteiligung danach stetig, wozu auch häufige Regeländerungen, ungünstige Termine und ein sinkendes Interesse der Reiterelite beitrugen. So wurde ab 2010 das Finale gestrichen und die Serie Ende 2012 eingestellt, nachdem nur noch 151 Starter an den vier verbliebenen europäischen CIC3* in Strzegom, Minsk, Malmö und Haras du Pin teilgenommen hatten. Im Übrigen gewann Michael Jung als einziger Deutscher den World Cup zweimal: 2009 und 2010. Nachdem die Weltcup-Serie trotz ihres stetigen Niedergangs beträchtlich zur Verbreitung des kurzen Format der Vielseitigkeit beigetragen hat, bleibt zu wünschen, dass die Nationenpreis-Serie die früher angekündigten Erwartungen der FEI überzeugender erfüllt!

Zuversicht für die Zukunft

Bundestrainer Hans Melzer sieht die Zukunft der neuen Serie zuversichtlich: „Nationenpreise sind interessanter als reine Weltcup-Prüfungen. Sie geben den Reitern die Chance, in einer Mannschaft zu starten. Das macht sie ehrgeiziger und bringt ihnen, eingebunden in das Team, wertvolle Erfahrungen für mögliche spätere Championate“. Darum setzt Hans Melzer in den Nationenpreisen häufig neben erfahrenen Championatsreitern, die hier auch Nachwuchspferde für kommende Aufgaben vorbereiten, auf jüngere Paare und Mitglieder aus dem B- oder B2-Kader wie Claas Hermann Romeike, Julia Krajewski, Anna-Marie Rieke, Josefa Sommer oder Freya Füllgraebe. Die Briten, die das Einführungsjahr 2012 noch nicht so richtig ernst nahmen, gehen einen anderen Weg. Sie nominierten 2014 für die Nationenpreise achtzehn Reiterinnen und Reiter aus dem zweiten Glied, von denen aber elf unter den Top Hundert der Weltrangliste rangieren.

2012 begann die Nationenpreis-Serie mit den CIC3* Fontainebleau, Houghton Hall in England, Strzegom, Aachen, Montelibretti in Italien sowie dem CCI3* Boekelo. Als weitere CIC3* kamen 2013 das belgische Waregem und 2014 Ballindenisk in Irland sowie Malmö hinzu.

Beteiligung und Preisgelder noch sehr unterschiedlich

Die Zahl der an den Nationenpreisen beteiligten Mannschaften variiert erheblich. Die Unterschiede klaffen 2014 von zwei Teams in Montelibretti und drei in Ballindenisk bis zu zehn in Boekelo und acht in Aachen, wo die Teilnahme auf die Nationen mit den besten sieben (2013) oder acht (2014) Rängen bei den Olympischen Spielen 2012 beschränkt wurde. Große Unterschiede zeigte sich auch bei den Preisgeldern, die gemäß FEI-Reglement 2014 mindestens 1.800 Euro insgesamt für die drei besten Teams betragen müssen. Während Aachen für den Nationenpreis 50.000 Euro sowie weitere 100.000 Euro für die Einzelwertung und Boekelo 10.200 Euro für die Teamwertung sowie 37.800 Euro individuell ausgeschrieben haben, liegen Ballindenisk mit 1.800 Euro für die Teams und 3.800 Euro individuell sowie Houghton Hall mit 2.000 Euro für die Teamwertung und weitere 3.800 Euro in der Einzelwertung am enttäuschenden unteren Ende der Preisgeldliste.

Damit sind Aachen und Boekelo die beiden Zugpferde der Nationenpreis-Serie, wobei der CICO3* Aachen nicht nur für die Deutschen zumeist die letzte  Championatssichtung ist und in dem nun zum 44. Mal ausgetragenen CCI3* Boekelo häufig jüngere Nachwuchspferde eingesetzt werden, um sie für den Vier-Sterne-Level im kommenden Jahr zu qualifizieren.

Bisher 12 deutsche Siege in Nationenpreisen

Für deutsche Aufgebote, die an 18 der bisher ausgetragenen 21 Nationenpreisen teilgenommen haben, erwiesen sich die Serien mit 12 Siegen bisher als sehr erfolgreich: Dreimal in Folge in Aachen, 2012 und 2013 in Fontainebleau, wo 2014 keine deutsche Mannschaft teilnahm, sowie in Boekelo, wo es 2014 durch den unglücklichen Ausfall von zwei Teampferden nur zum achten Platz reichte, 2012 und 2014 in Strzegom sowie 2014 zudem in Malmö, Waregem und Montelibretti.
2012 und 2014 gewannen deutsche Teams zudem auch die Serie, obwohl, so Bundestrainer Hans Melzer, „wir keine erste Priorität darauf hatten“. Die galt „absolut den Championaten“.

Gewonnen wurde die Serie 2012 mit großem Vorsprung vor den Niederlanden und Frankreich, 2014 vor Großbritannien und Frankreich. 2013 lagen die Briten mit einem Punkt vor Deutschland, während Frankreich abgeschlagen auf den dritten Rang kam. Dabei waren, dem FEI-Reglement für 2013 entsprechend, von den sechs Nationenpreisen (Strzegom musste witterungsbedingt nach der Dressur abgesagt werden) nur die fünf besten Ergebnisse gewertet worden. Wären alle sechs Ergebnisse gewertet worden, hätte Deutschland auch diese Serie mit einem Punkt vor Großbritannien gewonnen.

2014 lieferte Montelibretti eine letztlich für den deutschen Seriensieg entscheidende Kuriosität, die den FEI-Vielseitigkeitsausschuss sicherlich für 2015 auch hier zu einer sinnvollen Regeländerung veranlassen wird: Von den zwei beteiligten Mannschaften kamen aus dem süddeutschen Viererteam nur der Einzelsieger Jörg Kurbel sowie Dieter Eckl und aus dem italienischen Dreierteam lediglich ein Reiter in die Wertung. Nach früherem Reglement wären damit beide Teams ausgeschieden und keine Serienpunkte vergeben worden. Seit einigen Jahren erhalten ausgeschiedene Teamreiter nun aber 1.000 Strafpunkte und bleiben für die Mannschaft in der Wertung, womit Deutschland elf Serienpunkte auf sein Konto bekam, mithin ebenso viele wie in dem international hochkarätig besetzten CICO3*Aachen mit acht Mannschaften! So siegte das deutsche Team in Montelibretti mit 1.179 Minuspunkten vor Italien mit 2.097,2 Minuspunkten, während in Aachen der deutsche Mannschaftssieg mit 129 Minuspunkten gefeiert werden konnte.