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Abschied von Herbert Blöcker

trauerfeier

Mit einer bewegenden Trauerfeier in der alten Elmshorner Reithalle haben gestern die Familie und eine große Trauergemeinde Abschied von Herbert Blöcker genommen. Nachstehend Auszüge aus den Trauerreden:

Breido Graf zu Rantzau – Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und Vorstandsmitglied des Holsteiner Verbandes
Mein lieber Herbert,
heute hat sich hier eine große Gemeinschaft in der Halle versammelt, in der Du ungezählte Stunden verbracht hast, um Dir noch einmal ganz nah zu sein.
Für jeden von uns bist Du viel zu früh gegangen, und trösten kann uns nur die Hoffnung, dass Du es nun besser hast, als in der beschwerlichen Zeit Deiner Krankheit.
Herbert, Du hast uns aller Leben mit unseren Pferden begleitet. Du bist ein ganz großer in der deutschen Vielseitigkeitsszene gewesen, und FN und DOKR danken Dir für Deine große Einsatzbereitschaft über Jahrzehnte. Die Erinnerung an Dich wird ihren festen Platz in Warendorf haben.
Doch Dein langjähriger Arbeitsplatz war hier. Als Du Mitte Februar 1969 eingestellt wurdest, warst Du gerade 26 Jahre alt geworden. 37 Jahre warst Du dann in einem festen Arbeitsverhältnis und anschließend noch als der „Mann für besondere Aufgaben“ bei uns und mit uns beschäftigt. Und Herbert, Du warst eigentlich immer an entscheidender, für alle sichtbarer Stelle tätig. Dein großes Pferdeverständnis gepaart mit der riesigen Erfahrung wurde von allen Züchtern, Besitzern und Reitern akzeptiert und vor allem auch genutzt, wenn es darum ging, einen Rat zu erhalten.
Neben Deinen Vielseitigkeitspferden waren die Hengste jeden Alters in Deinem Aufgabenbereich und Du hast immer wieder Dein besonderes Händchen bewiesen.
Wenn Du das durch Dich legendär gewordene Freispringen der Junghengste in Neumünster geleitet hast, hattest Du Dir meist schon ein Bild gemacht über diejenigen, die Du nach der Körung unter Deine Fittiche nehmen solltest. Wenn Du diese Hengste dann im Februar unter dem Sattel präsentiert hast, war es für alle ein Hochgenuss, die jungen Pferde locker und ohne Spannung, geschweige denn Widersetzlichkeiten zu beobachten. Keine Spur von der heute so oft gescholtenen Reiterei junger Pferde. Vorbereitung auf HLP, Stutentests, Auktionspferde aussuchen und vorbereiten, überall warst Du gefragt, und dann das Vorstellen der Hengste auf den Turnieren: Es war eine Pracht.
Und Du warst ein Arbeiter, ein Wühler, der sich dabei nicht stören oder beeinflussen ließ, sein Ziel zu erreichen. Deine Mitarbeiter mussten mitziehen.
Es war ein bisschen Dein Problem, dass die Jüngeren, die neuen Generationen von Reitern und Pflegern, häufig ein bisschen lässiger waren, zwar auch Ziele hatten, diese aber nicht so intensiv verfolgten wie Du. Mit denen hast Du kurzen Prozess gemacht, oder sie waren „untauglich“.
Deine besonderen Vertrauten in den vielen Jahren waren sicherlich Hans Thiede, Bruno, Eckhard, Harald und Gerard, alles Urgesteine beim Verband wie Du es warst.
Wenn es darum ging, bei Schauabenden oder auf der Equitana halsbrecherische Vorführungen zu machen, warst Du Feuer und Flamme. Du warst der Erste, der mit Landgraf über andere Hengste sprang, und es machte Dir eine Riesenfreude mit Raimondo über ein Auto zu springen, in dem vier dicke Zuchtleiter saßen, die sich vorher tüchtig Mut antrinken mussten.
Herbert, Du konntest die Zuschauer faszinieren, und am besten war es, wenn sie auf den Stühlen standen vor Begeisterung. Dein trockener Spruch hinterher war: „Häst dat sehn?“
Das alles, mein lieber Herbert, und noch vieles mehr, wird uns nun fehlen. Du kannst aber ganz sicher sein, dass Dein Name für alle Zeiten so mit dem Verband in Elmshorn verbunden bleibt wie der von Fritz Thiedemann.
Du warst von Bescheidenheit, Gradlinigkeit und Willensstärke geprägt und somit wirst Du immer Vorbild für uns Holsteiner Züchter sein.


Martin Plewa -Bundestrainer der deutschen Vielseitigkeitsreiter von 1985 – 2000
„Bescheidenheit, Gradlinigkeit, Willensstärke, Leistungsbereitschaft, Achtung vor der Kreatur prägten sein Leben“.
Mit diesen Worten beschreiben die Angehörigen von Herbert Blöcker wesentliche Züge seines Charakters und seiner Lebenseinstellung.
Wir, seine Freunde aus der Vielseitigkeitsreiterei, können nur bestätigen, dass sich diese Wesensmerkmale durch seine ganze reiterliche Laufbahn bemerkbar gemacht haben. Sie haben „Herbie“, wie er genannt wurde, zu einem der beliebtesten und angesehensten Pferdesportler im In- und Ausland gemacht….
…..Herbert war einer der erfolgreichsten Vielseitigkeitsreiter seiner Zeit. ……. Die in der Anzeige genannten Charakterzüge möchte ich, stellvertretend für die Vielseitigkeitsreiter, mit Erfahrungen aus unserer gemeinsamen sportlichen Zeit untermauern.
Kaum jemand hat so oft an Olympischen Spielen, Welt-, Europa- und Deutschen Meisterschaften teilgenommen wie er und dabei so viele Medaillen gewonnen. Obwohl dieser Ausnahmereiter zur Weltspitze gehörte, hat er niemals seine Bodenständigkeit und die erwähnte Bescheidenheit verloren. Erfolge und Ehrungen sind ihm nie zu Kopfe gestiegen, er hat nie abgehoben. Nicht erreichte Ziele hingegen waren ein neuer Ansporn für ihn.
Gradlinigkeit war auch ein Zeichen seiner charakterlichen Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit und Redlichkeit. Herbert wird gelegentlich als Holsteiner „mit Ecken und Kanten“ beschrieben, aber er hat seine Meinungen, auch wenn sie kritisch waren, stets offen, fair und konstruktiv vorgetragen. Er war souverän genug, auch in für ihn ungünstigen Situationen stets mit Wertschätzung und nie verletzend auf sein Gegenüber zu reagieren. Enttäuschungen hat er
weggesteckt, persönliche Anfeindungen seinerseits haben wir bei ihm nie erlebt.
Seine Willensstärke zeigte sich unter anderem darin, dass er sehr zielbewusst und mit unerschütterlicher Einstellung mit jedem seiner ihm anvertrauten Pferde das Beste zu erreichen versuchte. Dabei hat Herbert nicht nur besonders talentierte Pferde zu reiten gehabt. Aber er hat eben mit Willensstärke an der maximalen Förderung seiner Pferde gearbeitet und sie damit auch zu einem Niveau gebracht, das man ihnen vor Beginn der Ausbildung nie zugetraut hätte. ….. Seine Willensstärke war auch eine wesentliche Grundlage seiner Leistungsbereitschaft. Herbert hat im sportlichen Bereich stets „alles“ gegeben und meist mehr geleistet, als wir erwarten konnten. Er war ein Kämpfertyp, der beispielhafte Typ des Militaryreiters schlechthin. Er hat mit seinem Einsatz Mannschaftsmedaillen gerettet, wie z.B. mit seinem unvergesslichen Ritt bei den Olympischen Spielen in Montreal, den er über weite Strecken mit nur einem Bügel reitend aushielt. Herbert war nach meiner Erinnerung der einzige Reiter, den mein damaliger Trainerkollege Horst Karsten in Teambesprechungen vor den Championatsritten nicht besonders zu Siegeswillen und Kampfgeist motivieren musste……………. Kaum jemand war wie er in der Lage, verlässlich eine Mannschaftsorder umzusetzen. Dabei konnte er auch alles auf eine Karte setzen, wenn es nötig oder sinnvoll war, ohne dabei unvertretbare Risiken einzugehen; sein Ritt bei der EM in Punchestown und besonders der bei den Olympischen Spielen in Barcelona kommen uns dabei wieder lebhaft ins Gedächtnis………
Zu Herberts Leistungsbereitschaft gehörten auch sein unermüdlicher Trainingsfleiß und sein bis zum Ende seiner Karriere andauerndes Bemühen, sich stets weiter zu verbessern und Fortschritte in seiner reiterlichen Entwicklung zu erzielen. Er hat von jedem Trainer versucht, etwas mitzunehmen, auch wenn er selbst manchmal erfahrener war als der Trainer. Herbert war ein Sportsmann durch und durch, athletisch und „kernig“, wie wir ihn zu bezeichnen pflegten. Seine Sportlichkeit hat es ihm ermöglicht, auch gegen Ende seiner Laufbahn mit deutlich jüngeren Mitstreitern im Sattel erfolgreich mitzuhalten.
Die Achtung vor der Kreatur zeigte sich in der Art und Weise, wie er mit seinen Pferden umging, sie versorgte und auch darin, wie er sie nach klassischen Grundsätzen ausbildete. Sein generelles Verständnis für die Pferde, seine von Jugend an entwickelten und lebenslang vorgelebten Einstellungen zum Pferd waren sicher die Schlüsseleigenschaften dafür, dass er mit so vielen verschiedenen Pferden so erfolgreich war. Sie waren sicher auch Grundlage für seine so wertvollen Tätigkeiten im Holsteiner Verband.
Herberts reiterliche Leistungen können nicht genug gewürdigt werden; doch verbinden sich unsere kameradschaftlichen Erinnerungen vor allem auch mit persönlichen, menschlichen Eigenschaften, die jeder gleich mit dem Namen Herbert Blöcker verknüpft: Ehrlichkeit, Redlichkeit, Verlässlichkeit und viele anderen mehr; insbesondere auch Herzlichkeit und Fröhlichkeit, wobei er genauso über sich lachen konnte wie über die Scherze anderer……..
Liebe Rita, vom Beginn Deines Zusammenseins mit Herbert bis zum traurigen Ende hast Du für ihn, so ist unser Eindruck, eine ganz wesentliche Rolle gespielt. Du hast ihn in jeder Hinsicht so vorbehaltlos unterstützt, wie er sich Dir vorbehaltlos anvertraut hat; Herbert konnte sich ganz sicher fühlen mit Dir und in Deiner Gegenwart. Seine persönliche Entwicklung wäre ohne Deine liebevolle Fürsorge, für die er auch nach außen hin erkennbar dankbar war, kaum denkbar gewesen. …….
Unser Freund Dr. Bernd Springorum, der leider heute nur in Gedanken bei uns sein kann, hat mir am Tag nach Herberts Tod geschrieben: „Ich denke, sein Leben ist schon deswegen so früh vollendet, weil er der Geradeste, der Ehrlichste und damit wohl auch der Beste von uns Freunden war“.
Wir sind dankbar, dass wir so viele Jahre mit Herbert verbringen durften – mit einem Menschen, der schon zu Lebzeiten als „Reiterlegende“ berühmt geworden ist. Legenden sterben nicht, sie bleiben bei uns, wo immer wir zusammen sind; ganz im Sinne eines deutschen Sprichwortes: „Mit dem Tod eines geliebten Menschen verliert man Vieles, niemals aber die gemeinsam verbrachte Zeit“.
……Lieber Herbert: Wir hätten auch so gerne noch mit Dir gelebt. Wir können es heute nicht versprechen, nicht traurig zu sein, wenn wir an Dich denken. Aber wir haben sicher den Mut, von Dir zu erzählen, hoffentlich bald auch den Mut, zu lachen; und wir versprechen Dir, einen Platz zwischen uns zu lassen für Dich, so wie Du ihn im Leben hattest.
Herbie, Du bleibst uns unvergessen.


Peter G. Rathmann – Partner- und Wirtschaftskreis „Holsteiner Masters“

Der Partner- und Wirtschaftskreis „Holsteiner Masters“ vergibt seit 2008 den Meteor Preis für herausragende Dienste um den Pferdesport.
Als das Präsidium im Herbst vergangenen Jahres einmütig über die Vergabe des Meteor Preises 2014 entschieden hatte, war uns nicht bewusst, dass Herbert Blöcker ein so baldiges Ende seines irdischen Daseins vorbestimmt war.
Bei der Holsteiner Körung Anfang November letzten Jahres stand er wie immer zwischen Steilsprung und Oxer, engagiert für die optimale Präsentation der Junghengste. Allenfalls unzufrieden war Herbert mit dem rutschenden Headset – einer Neuerung, von deren Sinnhaftigkeit er nicht unbedingt überzeugt war!
Es war wie in den Jahrzehnten zuvor auch, in denen er als Reiter und Ausbilder Pferdesportgeschichte weit über die Grenzen Holsteins hinaus schrieb und zu der herausragenden Persönlichkeit wurde, der wir den Meteor Preis zugedachten.
Als wir Herbert von der Entscheidung der Vergabe des Meteor Preises über seine liebe Frau Rita unterrichteten, war er gerührt und glücklich. Wie wir von der Familie wissen, war ihm die Nominierung wertvoll, sie hat ihn gefreut und stolz gemacht. Die Geschichte seines Lebens hat nicht vorgesehen, dass er die Übergabe zu Lebzeiten erleben darf.
So verleiht der Partner- und Wirtschaftskreis „Holsteiner Masters“ den Meteor Preis 2014 für herausragende Verdienste um den Pferdesport heute Posthum an Herbert Blöcker, einen unvergesslichen Horseman, vor dem wir uns in Respekt und Ehrfurcht verneigen.
Gesche Röttger (1. Vors. vom Reit-und Fahrverein Elmshorn u.U.e.V)
…….Herbert ist seit 1966 Mitglied und seit vielen Jahren auch Ehrenmitglied unseres Vereins gewesen……
…. Von Beginn an hat er mit seinem Wissen und seinem Können dem Verein immer zur Seite gestanden und so manchem Nachwuchsreiter unseres Vereins sozusagen auf bzw. über die Sprünge geholfen.
Von Beginn an lag ihm die Förderung sowohl der gestandenen aber insbesondere der jüngeren Reiter sehr am Herzen und er stand uns dafür stets selbstlos zur Stelle.
Und das nicht nur in seinen Anfangsjahren, sondern auch während und nach seinen großen internationalen Erfolgen hat er mit Geduld und seinem enormen Wissen seit Jahrzehnten mit seinen Förderlehrgängen unsere Mitglieder unterstützt, sowohl im Leistungs- als auch im Breitensportbereich.
Hoch angerechnet haben wir Herbert immer, dass er – auch als er schon als Olympiateilnehmer im Sport unterwegs war- noch in unseren Vereinsmannschaften ritt und bei den Mannschaftswettkämpfen für uns …..Wir haben immer sehr an Herbert geschätzt, dass er trotz seiner weltweit großen Erfolge bei Olympia und Weltmeisterschaften immer er selbst geblieben ist, er dabei seinen Reitverein nie vergessen hat und wir immer auf seine Unterstützung zählen konnten……..
Trotz all der Erfolge – wir kennen sie alle – ist Herbert immer ein ruhiger bodenständiger Mensch geblieben – ein Teamplayer wie seine Mannschaftskollegen ihn nennen. Das galt auch für ihn in unserem Verein. Wir alle konnten erleben mit welch Überzeugung er seinen Unterricht gab – und dass dabei das Geländereiten mit all seiner Achtung zum Pferd nach wie vor sein Herzstück war.
Mit Herbert verlieren wir einen einzigartigen Menschen, der uns immer präsent bleiben wird und in der Vereinsgeschichte einen großen Rahmen einnimmt – ein echter Sportsmann und Vereinsmensch – dem wir sehr zu Dank verpflichtet sind und dessen Andenken wir besonders in Ehren halten werden………Für uns ist Herbert nicht wirklich fort, denn wir denken an ihn – er hat in seinem Leben so viele Spuren hinterlassen, die bleiben werden – auch wenn wir ihm jetzt sagen : – Tschüss Herbert – Danke für alles –

Quelle: Holsteiner Verband