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Freitag, 22. November, 2019
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Martin Prignitz vom Gestüt Kollmoor im Interview

Das Gestüt Kollmoor konnte im Jahr 2018 sowohl sportlich als auch züchterisch stolz auf ein Erfolgsjahr zurückblicken. Wir  konnten Martin Prignitz ein paar Fragen stellen, was so im Jahr 2019 auf dem Plan steht.

Herr Prignitz, wir freuen uns mit Ihnen über das erfolgreiche vergangene Jahr. Erzählen Sie uns, welches für Sie die Highlights waren.

„Grundsätzlich spreche ich als Züchter schon mal von einem Erfolg, wenn alle Stuten und Fohlen die Geburt gut überstanden haben und gesund und munter sind. Pferdezucht erzieht eben zu Demut. Besonders hat das Jahr natürlich das Abschneiden unseres Hengstes Cesandro beim Bundeschampionat der 6 jährigen Vielseitigkeitspferde, sowie die Teilnahme und ein 7. Platz unseres jüngsten Fohlens (Cascadello I x Heraldik xx) beim Fohlenlandeschampionat in Holstein gemacht.“

 

Ein Sieg im kleinen Finale ist für den Besitzer immer etwas ganz Besonderes. Cesandro ist noch dazu ein Hengst, der auch den Züchtern zur Verfügung steht. Was macht den Hengst so besonders?

„Der Plan war auf das Treppchen im großen Finale zu kommen, insofern ist der Sieg im kleinen Finale ein wenig an mir vorbeigegangen, der Fokus lag eindeutig auf dem großen Finale. Leider hat der Umweg über das kleine Finale den Hengst ein bisschen Kraft gekostet, so dass wir das Treppchen im großen Finale am Ende recht knapp verfehlt haben. Aber natürlich ist das trotzdem ein schöner Erfolg und die finale Geländerunde war ein Genuss für Reiter, Pferd und Zuschauer. Ich glaube auch, dass dieser Ritt der schönste Moment des Bundeschampionates für mich war.“

Ich neige ja dazu, meine Pferde besonders streng zu beurteilen. Ich habe oft Bedenken, zu sehr durch die rosarote Brille auf meine Zucht zu blicken – frei nach dem Motto: „man liebt seine eigene Kinder sehr, auch wenn sie schlechte Noten in der Schule produzieren“. Aber bei Cesandro komme selbst ich ins Schwärmen. Ein nahezu komplettes Pferd, eben die „eierlegende Wollmilchsau“, so wie man es sich für den Busch wünscht, aber fast nie antrifft. Hinzu kommt noch seine Fähigkeit sich sehr gut selbst zu regenerieren. Der weiß genau, wann er Leistung abzuliefern hat, ansonsten vergeudet er nicht sinnlos seine Energie, er ruht in sich selbst, strahlt eine Souveränität aus.“

Cesandro- Stephan Dubsky / BuCha 2018 / Bild: Thomas Thiesen

Cesandro ist in diesem Jahr 7-jährig. Was steht für ihn 2019 auf dem Plan? Ein weiteres Pferd, das sogar aus Ihrer Zucht stammt und in der Vielseitigkeit regelrecht durchstartete, ist Ceda, die von der Niederländerin Merel Blom geritten wird. Erzählen Sie ein wenig über die besondere Stute.

 

Das Ziel 2019 für Cesandro ist die erfolgreiche Teilnahme an der WM der jungen Vielseitigkeitspferde in Le Lion d’Angers. Ebenso für meinen im letzten Jahre erworbenen Vollbluthengst Plinius xx. Der ist 6-jährig und ich habe ihn letztes Jahr Anfang März in einer Hauruckaktion von der Rennbahn in München gekauft. Zur Besichtigung nach München hin und zurück, also 1600 km an einem Tag. Plinius xx soll dann gerne im Jahre 2020 gekört werden und dann neben seiner Sportkarriere in der Warmblutzucht wirken.

Dass Ceda heute im Sport läuft, ist eher einem Managementfehler meinerseits zu verdanken. Schon früh war zwar ihre außergewöhnliche Persönlichkeit erkennbar, aber eigentlich sollte ihre Mutter verkauft werden. Ceda wollte ich behalten. Da aber ihre Mutter nicht konsequent genug im Sport gefördert wurde, war sie aus meiner Sicht für einen Verkauf nicht mehr attraktiv genug. Also blieb sie als Zuchtstute und Ceda trat die Reise an. Auch ein Zufall, dass sie bei Merel Blom landete, denn eigentlich hat Merel in einem anderen Preissegment gesucht und wollte das Pferd anfänglich nicht sehen. Aber nachdem sie und ihr Trainer ihren Besuch bei mir über Nacht reflektiert hatten, haben sie am nächsten Morgen nachgefragt, ob sie das Pferd doch noch kurzfristig sehen könnten. Evi Bengtsson, die damalige Reiterin von Ceda konnte dann Gott sei dank noch ein kleines Zeitfenster für ein Ausprobieren freimachen. Und was soll ich sagen? Es passte von Anfang an! Ceda ist auch ein ziemlich komplettes Pferd, ausgestattet mit sehr viel Bewegungspotential aber auch sehr viel Springvermögen, der kann man alles in den Weg stellen, sie springt drüber. Manchmal noch etwa guckig in der Dressur. So sah sie auch bei beiden Starts in Le Lion d’Angers am Rande des Dressurvierecks Gespenster, so dass dadurch bessere Plazierungen verhindert wurden. Eventuell sehen wir die Stute dieses Jahr im Juni in Luhmühlen in der CCI4*-S. Ich bin super gespannt auf den weiteren Weg und ob Ceda zur Nr. 1 im Stall Blom aufsteigen kann und wird. Ein weiteres Juwel steht bei mir noch im Stall, nämlich eine vierjährige Vollschwester zu Ceda. Die Heda erwartet dieses Jahr ein Fohlen und soll ab nächstem Jahr dann in den Sport. Ein Pferd von dem ich glaube, dass es mindestens genau so viel Qualität wie die Ceda hat.“

Merel Blom- Ceda / Le Lion d’Angers WM der 7 jährigen VS-Pferde 2017 / Bild: Ingo Wächter

Sie haben immer wieder Zuchtprojekte, in denen viel Herzblut und vor allem Ihr spezielles Anpaarungskonzept mit Vollblutanteilen steckt. Daraus gehen in jedem Jahr tolle Sportpferde hervor. Welche Pläne haben Sie mit den weiteren Sportpferden in der Vielseitigkeit in diesem Jahr?

Im Moment habe ich noch zwei Nachkommen vom Duke of Hearts xx in Beritt, einer 4-jährig, einer 5 -ährig. Beides super ehrliche Pferde, vielleicht die perfekten Umsteiger für Reiter vom Jugend- ins Erwachsenenlager. Dann habe ich noch einen 5-jährigen Wallach von Cormint aus einem Vollblutstamm und einen 4 jährigen Wallach von Larcon aus einer Heraldik xx-Stute. Diese beiden Pferde werden im AZL Luhmühlen unter der Regie von Lia Mazur und Claus Erhorn weiter ausgebildet. Dem 5-jährigen Sohn von Cormint traue ich eine Menge zu, eine Quali für das BuCha ist fast schon ein „Muss“ und der Larcon verspricht auch seiner Abstammung gerecht zu werden. Bei den Vierjährigen bin ich immer sehr offen und ohne festen Saisonziele, das wäre den Pferden nicht fair gegenüber. Sie sollen sich alle in Ruhe entwickeln können.

Vier 3-jährige Pferde werden ebenfalls im Moment im AZL angeritten, gehen dann nach 6-8 Wochen wieder zurück in die Gruppe und auf Weide. Richtig in Arbeit kommen alle meine Pferde erst Anfang vierjährig.

Die vor uns liegende Saison verspricht wieder Spannung und hoffentlich Höhepunkte, das Wichtigste ist jedoch, dass wir am Ende auf eine für Pferde und Reiter verletzungsfreie und gesunde Saison zurückblicken können.“

 

Vielen Dank, Herr Prignitz! Wir wünschen Ihnen eine tolle Saison und weiterhin so viel Freude an Ihren Vielseitigkeitspferden!

Martin Prignitz
mit seiner Stute Noble Lady, hier mit einem Fohlen von Adagio da Talma bei Fuss
Bild: Michael Ruff