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Fotos: Fotoagentur Dill, Julia Rau

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Kreuth-Nachlese: Porträt Stephanie Wyrwoll

"Ich habe einfach geheult"

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Als einzige Juniorin hat sich Stephanie Wyrwoll bei den Cross-Country-Tagen erstmals am Zwei-Sterne-Niveau versucht – und das mit Erfolg: Mit dem 14-jährigen irischen Wallach Midnight Blue ließ die junge Newcomerin in dem starken Feld mit 76 Paaren in der Wertung an Platz 19, Null im Cross und nur vier Sekunden über der Bestzeit einige Senioren-Championatsreiter hinter sich. Stephanie Wyrwoll steht für etliche Nachwuchs-Eventer, die in der jungen Saison den Aufstieg gewagt haben. Ein Porträt.

"Im Ziel habe ich einfach angefangen zu heulen, ich habe es erst nicht wirklich realisiert", berichtet die Amazone eine gute Stunde nach dem CIC** in Kreuth. "Ich bin sehr, sehr stolz", sagte die Trainerin, Managerin und Mutter, die FEI-Veterinärin und Olympia-Reiterin von Sydney, Dr. Annette Wyrwoll, im buschreiter-Interview. Tochter Stephanie genießt dann doch mehr und mehr das "tolle Gefühl", eine große Herausforderung in einem hochkarätigen Teilnehmerfeld mit Andreas Dibowski, Ingrid Klimke, Dirk Schrade, Frank Ostholt und anderen Größen gemeistert zu haben. "Man kann es ja vorher nur schwer einschätzen, was einen wirklich erwartet, Null und vier Sekunden über der Zeit, das ist auf jeden Fall mehr als ich erwartet hatte." Und Stephanie Wyrwoll bekennt auch, dass sie in der Startbox ihrer ersten Zwei-Sterne-Prüfung "ziemlich nervös" war. "Ein komisches Gefühl und dann der sauhohe Blutdruck, aber wenn ich losreite, dann ist es vorbei, und in der Prüfung merke ich nichts mehr." Vermutlich war dann die Mutter am Rande der Strecke viel aufgeregter als die Reiterin selbst. "Ich bin ja nicht der nervöse Typ, aber außen zu stehen ist schon anders, man kann dann ja wenig beeinflussen", bekannte Annette Wyrwoll. Mit ihrem weißen Tierklinik-Transporter sauste sie während der Prüfung über die Kreuther Wiesen, um den Ritt der Tochter in allen Einzelheiten live erleben zu können.

"Das Pferd ist Wahnsinn"

Den Junioren-Erfolg auf M-Niveau hat natürlich Midnight Blue möglich gemacht, der 14-jährige irische Wallach. "Er ist eine Lebensversicherung im Gelände, das Pferd ist Wahnsinn", äußerte sich Stephanie hinterher begeistert. In einer Situation war sie für die große Übersicht ihres Vierbeiners überaus dankbar: An der Waldecke vor dem zweiten Wasserkomplex, aus dem Schatten ins Licht, hatte das Paar viel zu viel Schwung. Dann wurde die Distanz zu groß. Doch der Ire behielt die Nerven und sprang sicher. Stephanie Wyrwoll profitiert von der Turniererfahrung von Midnight Blue: Vorbesitzerin Regina Sanders (Regensburg) hatte das Pferd bereits mehrmals auf Zwei-Sterne-Niveau platziert, bevor Stephanie vor eineinhalb Jahren die Chance bekam, das erfahrene Vielseitigkeitspferd zu reiten. Im Herbst 2006 konnte die Familie Wyrwoll dann Midnight Blue erwerben.

Die junge Aufsteigerin legte den Grundstein für den Erfolg im vergangenen Jahr mit drei ordentlichen Ein-Sterne-Prüfungen: Platz 11 in Kreuth, Platz 12 bei der Deutschen Junioren-Meisterschaft im Rahmen eines CCI* in Bonn-Rodderberg und ein Start in Bad Segeberg. Nebenbei wurde sie im Rahmen einer nationalen L Bayerische Juniorenmeisterin. "Wenn ich nominiert werde", schränkt Stephanie Wyrwoll ein und gibt zu, dass sie sich wieder über eine Startmöglichkeit bei der Deutschen Meisterschaft in ihrem letzten Junioren-Jahr freuen würde. Über die Teilnahme an einem internationalen Championat denkt die 18-jährige Gymnasiastin und Tochter der Olympiareiterin nicht nach: "Es wäre natürlich sehr schön, aber es gibt genug andere Paare." Ohnehin lässt die junge Amazone ihren Ehrgeiz zugunsten des Pferdes nicht überschäumen: "Ich möchte ihn gezielt einsetzen und nicht mit aller Gewalt Kilometer auf den Tacho reiten, mir ist vor allem wichtig, dass er fit bleibt."

"Das ist die kleine Wyrwoll?"

Springen und Gelände trainiert Stephanie Wyrwoll mit ihrer Mutter. Midnight Blue ist nicht der geborene Viereck-Artist. Deshalb fährt Stephanie Wyrwoll regelmäßig mit ihrem Pferd in den Nachbarort, um sich bei Hans-Jörg Kaltenböck gut auf die Dressur einstellen zu lassen. Als Vorbereitung auf die Saison legte das Paar viel Lehrgangs-Fleiß an den Tag: Je zwei Mal trainierten Stephanie und Midnight Blue bei Kursen mit Andreas Dibowski und Dirk Schrade – und sie hatten die Gelegenheit, an einem Bundestrainer-Lehrgang mit Hans Melzer und Christopher Bartle teilzunehmen. Der bekannte Vielseitigkeitsname – ein Handicap oder ein Vorzug? "Jetzt ist es keine Belastung mehr, das kommt mir eher zugute", bekennt Stephanie Wyrwoll, die vor allem in der jugendlichen Ponyzeit unter einem gewissen Druck stand. "Was, das ist die kleine Wyrwoll ... da waren die Erwartungen schon groß." Doch nun profitiert die Juniorin eher von dem Namen: "Es ist toll, man wird mehr mitgenommen, kriegt mehr Hilfe."

Wie verarbeitet eine Nachwuchsreiterin den sportlichen Erfolg? Ist er produktiv, motiviert zu gut fundierten, konstanten Leistungen? Oder steigt eine schnell errittene Schleife auf M-Niveau zu Kopfe? Die Mutter: "Ich glaube nicht, denn sie hat ja damals bei mir gesehen, wie schnell es gerade in diesem Sport rauf und runter gehen kann."

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