Weltreiterspiele 2010/Die Vorschau
Deutsche Eventer weiter auf der Straße des Erfolgs?
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Alle Vielseitigkeitsfans zählen die Tage bis zum Beginn der Weltreiterspiele im US-amerikanischen Kentucky, wo die deutsche Mannschaft ihren Teamtitel verteidigen und außerdem Einzelmedaillen anstreben wird. Die Anhänger setzen große Hoffnungen in die Doppelolympiasieger von Hongkong 2008.
Die Vielseitigkeitswettbewerbe im Kentucky Horse Park dauern vom Donnerstag, 30. September, bis zum Sonntag, 3. Oktober. Die WM ist praktische ein klassischer "Four-Day-Event" – mit den Dressurtagen am Donnerstag und Freitag sowie dem Gelände am Samstag und dem Abschlusspringen am Sonntag.
Die TV-Übertragungtermine: Der Geländeritt wird am Samstag, 2. Oktober, von 15 bis 22 Uhr im ZDF-Infokanal und von 17 bis 21.45 Uhr bei Eurosport übertragen. Das medaillenentscheidende Springen wird am Sonntag, 3. Oktober, von 20.15 Uhr bis 22.15 Uhr bei Eurosport gezeigt.
Die deutschen Teilnehmer sind: Andreas Dibowski und Euroridings Butts Leon, Ingrid Klimke und FRH Butts Abraxxas, Michael Jung und La Biosthetique Sam, Dirk Schrade und Gadget de la Cere, Frank Ostholt und Mr. Medicott sowie Simone Deitermann und Free Easy NRW, wobei letztere Amazone nach Aussagen von Bundestrainer Hans Melzer bei ihrem ersten Championat als Einzelreiterin am Start sein wird. Welches Paar außerdem als Individualisten antreten, wird sich unmittelbar vor Beginn der WM entscheiden. Dem Vernehmen nach wird die Einzelrolle entweder Dirk Schrade oder Frank Ostholt zukommen.
Weltklassepaare im Aufgebot
Dibo reitet wohl eines der besten und konstantesten Buschpferde im internationalen Event-Zirkus, vielleicht das beste Pferd, das der Profi bisher unter dem Sattel hatte. Ingrid Klimke ist nach der Babypause erwartungsgemäß in kurzer Zeit mit Top-Leistungen rechtzeitig zum "großen" Championat zurückgekehrt. Michael Jung reitet das Pferd seines Lebens – und das Tauziehen um die künftigen Besitzverhältnisse von Sam hinter den Kulissen haben den nervenstarken Jung-Profi im Leistungshoch der letzten Monate nicht beirrt. Diese drei Paare waren spätestens seit Aachen praktisch "gesetzt".
Das unwahrscheinlichste Szenario
Dirk Schrade hatte das Luxusproblem, letztlich eines seiner Top-Pferde auf die WM einzuschwören. Gegen seine eigene Erwartung war es nicht King Artus, sondern Gadget de la Cere, der in der "Form seines Lebens" (Hans Melzer) sich dringend für die Weltreiterspiele empfahl. Dirk Schrade im buschreiter-Interview: "Sie hätten mir alle Szenarien vorlegen können, aber das hätte ich für am unwahrscheinlichsten gehalten."
Einzelmedaille gut möglich
Simone Deitermann kann bei ihrem ersten internationalen Championat im Seniorenlager frei "aufspielen", weil sie als Individualistin mit Free Easy nicht an der kurzen Leine der Mannschaftsorder hängt, sondern jederzeit Augenblicksentscheidungen treffen kann: Ein sicherer Ankommerplatz mit weniger Risiko oder einen vorderen Rang mit etwas mehr Wagemut? Spätestens seit dem fabelhaften Badminton-Ritt weiß man, dass dieses Paar für eine Einzelmedaille gut ist, denn die WM wird erfahrungsgemäß nicht auf dem Dressurviereck, sondern im angemessen schweren Vier-Sterne-Cross entschieden. Frank Ostholt tritt die Reise mit seinem Mannschaftsolympiasieger Mr. Medicott an. Im Sichtungsjahr ist zwar nicht alles so gelaufen, wie es sich der Reiter vorgenommen hat, aber bei den Offiziellen gibt es keine Zweifel, dass dieses Paar ins WM-Aufgebot gehört.
Die Konkurrenz des deutschen Team-Titelverteidigers ist natürlich hochkarätig. Das US-amerikanische Team besteht aus Buck Davidson/BallyNoe Castle RM, Philipp Dutton/Woodburn, Boyd Martin/Neville Bardos und Kim Severson/Tipperary Liadhnan. US-Einzelreiter sind Becky Holder/Courageous Comet und Karen O'Connor/Mandiba.
Großbritannien tritt in der Besetzung an: Tina Cook/Miner’s Frolic, William Fox-Pitt/Cool Mountain,
Piggy French/Jakata, Pippa Funnell/Redesigned, Mary King/Imperial Cavalier und Nicola Wilson/Opposition Buzz.
Neuseeland setzt auf alte Hasen im Sattel und auf junge, talentierte Vierbeiner. Das 5er-Team der Kiwis sieht so aus: Mark Todd/NZB Grass Valley, Andrew Nicholson/Nereo, Caroline Powell/Mac Macdonald, Jonathan Paget/Cifton Promise und Clarke Johnstone/Orient Express.
Die Grand Nation Frankreich bietet in Kentucky auf: Arnaud Boiteau & Expo du Moulin, Lionel Guyon & Métisse de Lalou, Karim Florent Laghouag & Havenir d'Azac, Pascal Leroy & Minos de Pétra, Donatien Schauly & Séculaire, Stanislas de Zuchowicz & Quirinal de la Bastide.
Kanada ist bei der WM dabei mit: Hawley Bennett-Awad/Gin & Juice, Kyle Carter/Madison Park, Rebecca Howard/Riddle Master, Selena O’Hanlon/ Colombo, Jessica Phoenix/Exponential und Stephanie Rhodes-Bosch, Port Authority.
Das Aufgebot Irlands sieht so aus: Capt. Geoff Curran/The Jump Jet, Mark Kyle/Step in Time, Liz Power/Kilpatrick River, Patricia Ryan/Fernhill Clover Mist, Camilla Speirs/Portersize Just a Jiff und Sam Watson/Horseware Bushman.
Belgiens WM-Team setzt sich so zusammen: Lara De Liedekerke/Nooney Blue, Karin Donckers/ Gazelle de la Brasserie, Sarah Van Hasselt/Artic Fox Too und Constantin Van Rijckevorsel/Our vintage. Aus Belgien wird berichtet, dass sich Karin Donckers einen Armbruch zugezogen hat. Wird dies ihren WM-Einsatz verhindern?
Die Schweden liefern das hippologische Superlativ: Linda Algotsson wird aller Voraussicht nach in Kentucky das älteste Pferd der Weltreiterspiele an den Start bringen. Stand By Me steht zu seiner Reiterin und ist inzwischen 20. Bei der EM 2009 in Fontainebleau war das Paar 11. gewesen. Und nur zur Erinnerung: Genau zehn Jahre zuvor gewann die Amazone mit dem Unverwüstlichen 1999 in Luhmühlen Einzelsilber. Und diese Paare bieten die Schweden sonst noch auf: Katrin Norling/Pandora Emm, Niklas Lindbäck/Mister Pooh, Niklas Jonsson/First Lady, die in Deutschland stationierte Malin Larsson/Piccadilly Z und als sechste Paarung entweder Viktoria Carlerbäck/Ballys Geronimo oder Dag Albert/Tubber Rebel.
Die Australier haben bei der Anreise mit einem Pferd ein Desaster erlebt: Kirby Park Irish Jester vertrug die lange Flugreise von Down Under nach Kentucky ausgesprochen schlecht. Das Pferd von Megan Jones musste erst einmal bei einer Zwischenlandung in Los Angeles zurückbleiben. An eine WM-Teilnahme ist wohl nicht zu denken. Das Paar wird durch Peter Atkins/Henry Jota Hampton ersetzt. Vier weitere Paare vertreten in den USA die australischen Farben: Christopher Burton/Holstein Park Leilani, Sam Griffiths/Happy Times, Paul Tapner mit dem Badminton-Sieger Innonothing und Stuart Tinney/Vettori oder Panamera.
Für die Alpenrepublik Österreich wird der Dauer-Championatsreiter Harald Ambros Quick an den WM-Start bringen. Der Dreiviertelblüter O'Feltiz ist Ersatzpferd.
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