Weltreiterspiele 2010: So gibt es Startplätze
Viele Wege führen nach Kentucky
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Welche Pferde und welche Reiter dürfen in den USA bei den Weltreiterspielen den Titel des Mannschaftsweltmeisters für Deutschland verteidigen? Personalien, Sichtungswege, Kriterien und Optionen hat buschreiter.de zusammengestellt – ein sicher unvollständiger Überblick. Fortsetzung folgt.
Da ist erst einmal der Championatskader für die WM in Lexington/Kentucky. Ihm gehören an: Andreas Dibowski (Egestorf/HAN) mit Euroridings Butts Leon und FRH Fantasia, Michael Jung (Horb/BAW) mit La Biothetique Sam FBW, Ingrid Klimke (Münster/WEF) mit FRH Butts Abraxxas, Kai-Steffen Meier (Waldbröl-Niederhausen/RHL) mit TSF Karascada M, Frank Ostholt (Warendorf/WEF) mit Little Paint und Mr. Medicott, Hinrich Romeike (Nübbel/SHO) mit Marius Voigt-Logistik, Kai Rüder (Blieschendorf/SHO) mit Leprince des Bois und Horstfeldes Libero, Dirk Schrade (Sprockhövel/WEF) mit Gadget de la Cere und King Artus, Peter Thomsen (Lindewitt/SHO) mit The Ghost of Hamish und Parko sowie Anna Warnecke (Osnabrück/HAN) mit Twinkle Bee.
Sechs fahren nach Kentucky
Der DOKR-Vielseitigkeits-Ausschuss habe im Herbst die zehn Reiter "nach klassischen Kriterien", also ausschließlich nach den Erfolgen bei Drei- und Vier-Sterne-Prüfungen berufen, sagte der Vorsitzende Holger Heigel im buschreiter-Interview. Sechs Paare würden schließlich die Reise zu den Weltreiterspielen in die USA antreten. Der Ausschussvorsitzende betonte, dass alle WM-Teilnehmer einen "erfolgreichen Abschluss im Vier-Sterne-Bereich" vorweisen müssten.
Individuelle Vorbereitung
Und das ist jetzt schon Tradition: "Die Vorbereitungswege verlaufen so individuell wie möglich, die letzte Sichtung für alle WM-nominierten Reiter findet im Rahmen der DM/CIC3*-W Schenefeld statt", teilte Heigel vor Weihnachten in einer Stellungnahme mit. Für die WM kommen laut Holger Heigel grundsätzlich nur 4-Sterne-erfahrene Pferde infrage. Einige Pferde müssten deshalb noch einen CCI4* erfolgreich absolvieren, um für die WM nominiert werden zu können. Heigel: "Hierfür sind neben dem CCI4* Luhmühlen auch das CCI4* in Badminton vorgesehen."
"Zwei Eisen im Feuer"
Für Profi Andreas Dibowski beispielsweise steht in der bevorstehenden Saison erklärtermaßen alles unter dem Motto: "WM-Kentucky". Dibo: "Mit Euroridings Butts Leon und FRH Fantasia habe ich für 2010 zwei Eisen im Feuer, und die Planung der Pferde wird auf dieses Ziel ausgerichtet sein."
Berechenbare Leistung
Mit Leon befinde er sich in der denkbar günstigsten Position. Mit seinen zwei 2. Plätzen in CCI**** aus 2009 sei er nicht nur qualifiziert, sondern er habe den Trainern auch seine Berechenbarkeit in punkto Leistungserwartung demonstriert. Dibowski: "Trotzdem möchte ich ihn gern, wenn der Winter das Training zulässt, für den CCI**** in Badminton vorbereiten. Sollte dies nicht optimal möglich sein, werde ich voraussichtlich Leon nur über Kurzprüfungen für eine eventuelle WM-Nominierung vorbereiten."
Ebenbürdiges Championatspferd
In FRH Fantasia sieht Dibo aufgrund ihrer Erfahrungen und der mehrfach bestätigten Leistungen ein ebenwürdiges Championatspferd. Durch die Verletztung von Boekelo sei für sie allerdings ein Start und ein gutes Ergebnis im CCI**** von Luhmühlen Pflicht. Dibo zur Alternative: "Badminton kommt aufgrund des nötigen intensiveren Trainings für die Stute in diesem Jahr noch nicht in Frage."
"Risiko so gering wie möglich halten"
Der Dritte der EM in Fontainebleau, Michael Jung, hat sich für das Rezept der vergangenen Saison entschieden: La Biosthetique Sam muss nach dem Vier-Sterne-Sieg in Luhmühlen wohl nichts mehr beweisen und steigt über den CCI** in Compiegne und den CIC*** in Marbach in die Saison ein. Jung im buschreiter-Interview: "Alles weitere sieht man, eventuell bietet sich noch Strzegom an." Badminton sei zwar in der Überlegung gewesen, aber man habe sich dafür entschieden, den Vier-Sterne-Klassiker wegzulassen. "Priorität hat die Weltmeisterschaft, wir möchten das Risiko so gering wie möglich halten", sagte der Reiter im buschreiter-Interview.
"Qualitätvolle Kurzprüfungen"
Auch Dirk Schrade wählt das Bild und freut sich darüber, dass es im WM-Jahr "zwei Eisen im Feuer" hat. Dabei ist für ihn King Artus die "allererste Wahl" für die Weltreiterspiele. Die Zustimmung der Bundestrainer vorausgesetzt, möchte Schrade King Artus über "qualitätvolle Kurzprüfungen" – eventuell auch mit einem Start in Aachen – auf die WM vorbereiten und dann "in guter Form nach Kentucky fahren", wie er im buschreiter-Interview sagte. Der Profi aus Sprockhövel möchte King Artus für das Championat den Vorzug geben, weil er bei diesem Pferd im Hinblick auf das Spring- und das Galoppiervermögen Vorteile sieht. Eine lange Prüfung hat Schrade mit King Artus erst einmal nicht ins Auge gefasst – also nicht Badminton und nicht Luhmühlen.
Mit Gadget nach Badminton
Allerdings soll mindestens ein Klassiker 2010 sehr wohl in der Saisonplanung vorkommen: Dirk Schrade plant mit Gadget de la Cere einen Start in Badminton. Schrade im buschreiter-Interview: "Ich hoffe, dass das die Trainer gut finden." Badminton ist nicht nur eine sportliche, sondern für die Professionals natürlich auch finanziell eine Herausforderung: Badminton ist bekanntlich ein hervorragend dotierter Event.
Parko ist qualifiziert
Peter Thomsen kann der WM auch relativ entspannt entgegensehen: Ihm steht nicht nur Mannschaftsolympiasieger The Ghost of Hamish, sondern auch Parko zur Verfügung. Letzterer hat mit seiner Platzierung im CCI**** im französischen Pau zum Ende der Saison 2009 noch eine wichtige Formalie erfüllt.
Genug Zeit für die Vorbereitung
Ingrid Klimke hat trotz der Schwangerschaft ebenfalls die Weltereiterspiele in den USA in der Saisonplanung. Es sei immer noch genügend Zeit, um FRH Butts Abraxxas für das Championat in Kentucky in Form zu bringen, hatte sie im Herbst erklärt.
Frank Ostholt ist mit zwei Pferden Mitglied des Championatskaders: Litte Paint und Mr. Medicott. Für eine Stellungnahme zur Saisonplanung war Frank Ostholt zwar trotz mehrerer Versuche nicht zu erreichen, aber einem Video-Interview auf seiner Website ist zu entnehmen, dass Mr. Medicott nach einer Verletzungspause eine Option für die Weltreiterspiele sei: "Ich hoffe sehr, dass wir richtig angreifen können." Es gebe den "Plan", mit Mr. Medicott eine Teilnahme an den Weltreiterspielen anzustreben.
Letztes Trainingslager in Bonn
DOKR-Ausschussvorsitzender Holger Heigel nannte auch noch ein wichtiges Datum für die Ticketaspiranten: "Das Longlist-Training findet sechs Wochen vor der WM vom 9. bis 12.8.2010 in Warendorf statt und ist obligatorisch für alle Longlist-Nominierten." Das letzte Trainingslager sei vom 17. bis 22.9.2010 terminiert und für alle Shortlist- und Reservereiter gemeinsam in Bonn-Rodderberg vorgesehen.
Erstes Training im Februar
Die ersten mehrtägigen Trainingsmaßnahmen finden bereits vom 1. bis 5.2. und 1. bis 5.3. in Warendorf statt. Zusätzlich wird regelmäßiges Parcoursspringen in Luhmühlen und Warendorf angeboten. Heigel: "Die Aktiven werden aufgefordert, sich wegen der individuellen Geländetrainingsmaßnahmen bei den Trainern zu melden, sobald die Wetterverhältnisse entsprechendes Training zulassen."
Der ursprünglich geplante Abflug nach Lexington wurde verschoben und ist nun am 22.September 2010 vorgesehen. Die Vielseitigkeit im Rahmen der Weltreiterspiele findet vom 30. September bis 3. Oktober statt.
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