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Ein Junge-Pferde-Weltmeister startet durch: Horstfeldes Libero und Janet Wiesner (Fotos: Julia Rau, Startseite: Wolf-Dietrich Nahr)

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Exklusives Buschreiter-Porträt: Janet Wiesner

"Libero kann

einfach alles"

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Szenebeobachter kennen die sächsische Amazone Janet Wiesner als einfühlsame und hoch erfolgreiche Ausbilderin junger Vielseitigkeitspferde mit internationalen Erfolgen. Mit dem gereiften Top-Talent Horstfeldes Libero gelang der Reiterin in der Saison 2007 der Einstieg in die Drei-Sterne-Liga – und das nicht unter "ferner liefen": Bundestrainer Hans Melzer hat schon einmal ein Auge auf das große Talent Janet Wiesner geworfen.

Der Coach zählt die 29-Jährige – neben Marie-Louisa Meyer, Julia Mestern und Kai-Steffen Meier – zu den jungen Eventern, "die sich bei entsprechender Weiterentwicklung Hoffnungen auf einen späteren Championatseinsatz – beispielsweise in Fontainebleau/Frankreich (EM 2009) oder Kentucky/USA (WM 2010) – machen können". Hans Melzer sagte dies in einem bereits veröffentlichten Interview mit Uta Helkenberg (FN-Pressestelle).

Nationenpreis in Tschechien

Alle vier haben in der zurückliegenden Saison erstmals erfolgreich an Drei-Sterne-Prüfungen teilgenommen. Der Sprung auf die internationale S-Bühne gelang Janet Wiesner mit dem nun 9-jährigen Horstfeldes Libero. Man erinnert sich: Der Wallach vom Gestüt Horstfelde südlich von Berlin war 6-jährig in Le Lion Weltmeister der jungen Vielseitigkeitspferde geworden. Und in 2007 startete das Pferd mit einem westfälischen Brand mit Janet Wiesner im Sattel durch: Nationenpreis beim CIC*** im tschechischen Pardubice, Platzierungen bei Drei-Sterne-Kurzprüfungen in Ede und im polnischen Bialy Bor und schließlich der 8. Platz beim CCI*** in Kreuth.

"Sehr kooperativer Partnern"

"Libero traue ich sehr viel zu, der kann alles", sagte Janet Wiesner im exklusiven buschreiter-Interview. Sie schätzt an dem Wallach von Lauries Crusador xx und aus einer Pit-I-Mutter unter anderem das überdurchschnittliche Springvermögen. "Ein sehr kooperativer Partner, der noch keine schlechte Erfahrung gemacht hat." Die lobende Erwähnung durch Bundestrainer Hans Melzer am Ende der Saison steigt Janet Wiesner keinesfalls zu Kopf: "Man muss abwarten, wie sich das Pferd weiter entwickelt", sagt die Reiterin zurückhaltend. Dass Libero – wie einige hoch talentierte Nachwuchsvierbeiner auch – für Olympia 2008 nicht in Frage kommen wird, das haben bekanntlich die Bundestrainer bereits früh kommuniziert. Aber ein Championatseinsatz in den Jahren danach? "Schön wär's schon, wir arbeiten dran", so die Reiterin und alleinige Besitzerin von Libero. Bei aller Bescheidenheit kennt Janet Wiesner das euphorische Gefühl, das scheinbar Unerreichbare im Vielseitigkeitssport doch geschafft zu haben: "Ich hätte nie gedacht, dass ich mit Libero Le Lion gewinnen würde."

"Jedesmal stark gefordert"

Die Premiere auf Drei-Sterne-Niveau, ein immenser Kraftakt? Für Janet Wiesner war dies zweifellos ein "Riesenschritt" – wie zuvor schon vom ländlichen L-Niveau in den Ein-Sterne-Zirkus und von da auf das internationale M-Level. "Wir waren jedesmal in der nächst höheren Klasse stark gefordert, aber wir haben die neuen Aufgaben immer gemeinsam ganz gut gelöst."

Ponys als Lehrmeister

Woran sich andere Eventer manchmal die Zähne ausbeißen, geht Janet Wiesner anscheinend problemlos und erfolgreich von der Hand. Ihre Vita liefert Erklärungen: "Ich konnte wahrscheinlich früher reiten als laufen." Die Eltern sind früher beide aktiv im Sport geritten, der Vater bis S-Springen. Auf dem elterlichen Ponyhof waren die Shetys "meine ersten vierbeinigen Lehrmeister". Bereits im Alter von zwölf Jahren startete sie zum ersten Mal mit erfahrenen Turnierpferden der Eltern. Mutter und Vater prägten die heute erfolgreiche Vielseitigkeitsreiterin: "Sie haben viel Wert auf eine umfassende Ausbildung von Reiter und Pferd gelegt. Von Anfang an bin ich bei Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsprüfungen gestartet. Die größten Erfolge habe ich in der Vielseitigkeit erreicht, die für mich auch zweifellos die Krönung des Zusammenspiels zwischen Reiter und Pferd darstellt."

Schlechtere Rahmenbedingungen

Dabei hat die Championats-Hoffnung von morgen gleich in mehrfacher Hinsicht sicher weit schlechtere Rahmenbedingungen als viele andere Vielseitigkeitsreiter.

Der Standort-Nachteil: In Sachsen tanzt nach Einschätzung von Janet Wiesner nicht unbedingt der Vielseitigkeitsbär. Die Amazone und ihr Freund Mirko Meyer (Hufschmied, Trakehner-Züchter und Eventer auch bis drei Sterne) müssen weite Wege auf sich nehmen, wenn sie auf geeigneten Geländestrecken trainieren wollen. Vom sächsischen Mühlbach aus (zwischen Dresden und Chemnitz) haben die beiden Vielseitigkeitsreiter nach Warendorf rund 500 Kilometer einfach vor sich. "Das ist jedesmal ein großer Aufwand", so Janet Wiesner. Deshalb konzentriert sich das Cross-Training meist auf den Frühjahrskurs in Luhmühlen. Die Reiterin: "Es gibt wesentlich bessere Gegenden in Deutschland, um Reitsport zu betreiben."

"Aus eigenen Fehlern gelernt"

Das Erfolgsrezept für gutes Reiten im Gelände: "Das haben wir uns mehr oder weniger selbst beigebracht und aus den eigenen Fehlern gelernt." Ein systematisches und effektives Geländetraining habe sie erst bei Kursen unter der Leitung von Andreas Dibowski und später bei Bundestrainer Hans Melzer erfahren. Dressur und Springen übt die Amazone beim sächsische Landestrainer Volker Tonn.

Dibo das bewunderte Vorbild

Apropos Dibowski: Den bewundert Janet Wiesner sehr. "Die Art, wie er seine Pferde ausbildet, Fehler und Entwicklungen sowohl bei den Pferden als auch im Sport generell analytisch betrachtet und konstruktiv Kritik und Selbstkritik übt – das finde ich sehr beeindruckend."

Das Infrastruktur-Handicap: Janet Wiesner hat ihre Pferde in Mühlbach "am Haus" stehen – in den Nebengebäuden eines aufgegebenen Bauernhofes. Eine Halle gibt es dort nicht. Die sechs Pferde werden auf einem kleinen Reitplatz gearbeitet. Der milde Winter 2006/2007 war für die Saisonvorbereitung sehr vorteilhaft, weil die Pferde regelmäßig draußen geritten werden konnten. Das Gelände des alten Gehöfts ist in kommunaler Hand, und nun droht auch noch die Erschließung des Areals als Wohngebiet, so dass Janet Wiesner voraussichtlich den Privatstall auflösen muss. Die Suche nach Stallkapazitäten und einer möglichen Hallennutzung ist schwierig.

Das Berufs-Handicap: Janet Wiesner (und Mirko Meyer) gehen neben der Reiterei einem Brotberuf nach. Die 29-jährige Betriebswirtin arbeitet in einer GmbH mit, die sich mit Börsenhandel und mit der Entwicklung von Börsenhandelssystemen beschäftigt. Janet Wiesner erledigt am Morgen die Stallarbeit, fährt dann ins Büro und reitet ihre Pferde "abends, an Wochenenden und auf dem Turnier", die während des Tages Koppelgang und eine offene Stallhaltung genießen. Einerseits ist Janet Wiesner klar, dass sich Vielseitigkeits-Spitzensport und Vollzeit-Berufstätigkeit eigentlich nur schwer vereinbaren lassen. "Wenn ich mehr Zeit zum Trainieren hätte, dann würden die Ergebnisse wahrscheinlich etwas anders aussehen."

Suche nach neuem Sponsor

Andererseits scheitert der konsequente Wechsel zum Profi-Status daran, dass die Reiterin und ihr Partner mit ihrer Berufstätigkeit den Reitsport finanzieren müssen. "Leider fehlt es an der Sponsorengrundlage." Janet Wiesner hatte mehrere Jahre lang die Unterstützung eines Unternehmers, der ihr bei der Anschaffung der Pferde und bei den Turnierkosten unter die Arme gegriffen hat. Aber der Sponsor musste sich aus privaten Gründen zurückziehen. Deshalb ist Janet Wiesner nun auf der Suche nach einem neuen Förderer, der sich durch das Talent der Amazone und ihres Pferdebestandes beeindrucken lässt.

International mit Piccolo

Die Fans kennen neben Horstfeldes Libero den inzwischen 14 Jahre alten Piccolo, der zur Hälfte Janet Wiesners Schwester Heike gehört. Das in Sachsen gezogene Pferd stammt von Pierot II und aus einer Zigeunersohn xx-Tochter. Mit Piccolo hat die Reiterin ihre ersten internationalen Prüfungen bestritten. Er hat Platzierungen bei Ein- und Zwei-Sterne-Prüfungen vorzuweisen.

Der 7-jährige Thüringer Golden Joy ist "einer meiner Hoffnungsträger", sagt Janet Wiesner. Das junge Pferd sorgte mit 3. Plätzen beim CIC** in Pardubice und beim CIC* in Bialy Bor für Aufsehen. Das große Finale des Bundeschampionates in Warendorf beendete Golden Joy (V: Gino de Grande, MV: Paquirri) auf dem 11. Platz.

"Der könnte gut werden"

Zwei Nullrunden ebenfalls beim Bundeschampionat hat der 6-jährige Lupo aus brandenburgischer Zucht hingelegt. Das Pferd hat Janet Wiesner erst mitten in der Saison übernommen und bei Junge-Pferde-Prüfungen in Dressur, Springen und Gelände mit Erfolg vorgestellt. Lupo (V: Lafitte, MV: Good Dream) soll 2008 seine erste internationale Prüfung gehen. "Der könnte gut werden", meint Janet Wiesner.

Golden Joy und Lupo könnten dann spätestens im Herbst 2008 Schlagzeilen bei buschreiter.de machen. "Ich hoffe, dass ich beide Pferde für die Weltmeisterschaft der jungen Vielseitigkeitspferde qualifizieren kann."

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Gereifte Championatshoffnung: Horstfeldes Libero (Foto Julia Rau)