White Girl lebt nicht mehr
Ehrgeizige Lady war bei Olympia und der WM
Das ehemalige Championatspferd von Peter Thomsen, White Girl, ist im Alter von 27 Jahren an Herzversagen gestorben.
Diese Nachricht hat Eigentümer Horst Müller am Morgen des Donnerstags aus dem Gestüt Sachsen erhalten, wo White Girl ihren Ruhestand verbracht hat.
Die Trakehner-Schimmelstute von Bajar/Marengo ist 1983 in Medelby bei Familie Lorenzen im nördlichen Schleswig-Holstein geboren. Nachdem White Girl 1989 in den Besitz von Peter Thomsen und Horst Müller übergegangen war, absolvierte sie ihre erste internationale Prüfung im belgischen Waregem 1991 anlässlich eines CCI**, damals noch als klassische lange Prüfung mit Rennbahn, und belegt dort auf Anhieb den zweiten Platz.
Zwei Europameisterschaften
Es folgte eine weiteres 2-Sterne-CCI in Achselschwang, bis White Girl ihr Drei-Sterne-Debüt im Europameisterschaftsjahr 1993 in Luhmühlen gab, wo sie einen 14. Platz belegte. Bei der folgenden Europameisterschaft im bayrischen Achselschwang belegte White Girl einen hervorragenden fünften Platz und war somit bestes deutsches Pferd.
"Kampfeswille unvergessen"
Horst Müller erinnert sich heute: "Unvergessen ist ihr Kampfeswillen bei strömendem Regen durch die hügelige Geländestrecke." Die Leser der Reiter Revue wählten White Girl in diesem Jahr auch zum Pferde des Jahres. Ein zwischenzeitlich eingestiegener Sponsor wollte dann aufgrund lukrativer Angebote aussteigen, für diesen konnte das Gestüt Sachsen motiviert werden, das den Anteil von White Girl übernahm und sich die Option zusichern ließen, sie nach ihrer Sportkarriere für die Zucht zu behalten.
Beim CCI*** in Luhmühlen belegte sie einen guten fünften Platz, womit sie sich für die Weltmeisterschaft in Den Haag ins Gespräch brachte. Mit einem frühen Sturz im Gelände verspielte sie ihre Chance auf eine Einzelplatzierung in Den Haag, wurde aber mit der Mannschaft noch Dritte und bekam die Bronzemedaille.
Badminton beendet
Weitere Einsätze folgten im Jahr 1995 beim 3-Sterne-CCI in Saumur und 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta. Nach einer nicht ganz taktreinen Dressur entschied sich das Team, White Girl nicht mehr im Gelände starten zu lassen. Den 4-Sterne-Klassiker im englischen Badminton beendete White Girl 1997 mit einer Verweigerung. Auch bei der Europameisterschaft in Burghley konnten White Girl und Peter Thomsen nicht mehr an ihre Form von 1993 anknüpfen.
Horst Müller erinnert sich heute an die "unverwüstliche und vom Ehrgeiz besessene Vielseitigkeitslady". Die Charaktereigenschaften zeigten sich schon in jungen Jahren: Schon als Fohlen fühlte sie sich nicht unbedingt zur Mutter hingezogen. Ausnahme: Zur Nahrungsaufnahme. Aber sonst lief sie schon als kleines Fohlen selbstbewusst zu den anderen Weidegenossen und knüpfte selbstbewusst Verbindungen.
Zu Männern auf Distanz
Ein alter Züchter erkannte schon damals ihre Durchsetzungseigenschaften und prophezeite eine Sportkarriere. Für die Enkeltochter des Züchters wurde White Girl einfach zu stark, so dass sie sich von ihr mit der Option trennte, sie weiterhin betreuen zu dürfen. So kam Janette Lorenzen noch jahrelang in den Stall, um „ihr“ Pferd zu putzen, vorzubereiten und auch auszureiten. Oftmals war dieses auch absolut notwendig, da White Girl sich nicht so gern von Männerhand die Stollen in die Eisen drehen lassen wollte.
Nachkommen von Lehnbach
Die Zuchtlaufbahn von White Girl begann dann 1998 im Gestüt Sachsen bei der Familie Steinle. Aus der Bedeckung im Jahre 1999 mit dem Hengst Lehnbach, einem im Gestüt Sachsen tätigen Holsteinerhengst vom Landgraf I, fiel am 21. März 2000 ein Hengstfohlen. Ein weiteres Hengstfohlen folgte auch von Lehnbach am 19.5.01. Im Jahre 2003 und 2005 folgten jeweils ein Stutfohlen vom Lehnbach.
Senioren-Idylle
Das letztgeborene Stutfohlen befindet sich nach Aussage der Gestütsleitung in Ausbildung und verspricht ein gutes Vielseitigkeitspferd zu werden. White Girl wurde im Jahre 2005 aus der Zucht genommen. Da das mittlerweile alt gewordene Mädchen auf den Gestütsweiden nicht mehr von den jüngeren Stuten gejagt werden wollte, entschloss sich das Gestüt Sachsen sie an einen Pferdebegeisterten älteren Herrn mit seiner 30-jährigen Stute zu geben, der seine beiden Omis täglich liebevoll umsorgte.
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