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Ich will Spaß: Mit dem einflussreichen Discovery Valley in Burghley 2009 spielten Twinkle Bee und Anna Warnecke (Foto Nico Morgan) |
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Anna Warnecke/Saison 2010 "Ohne Wenn und Aber in die WM-Mannschaft" VON WOLF-DIETRICH NAHR Anna Warnecke, im Championatsaufgebot für die Weltreiterspiele in Kentucky, hat gegenüber buschreiter.de ihren Anspruch auf eine WM-Teilnahme und einen Platz im Team mit Twinkle Bee angemeldet – ein ungewöhnlicher Schritt einer Eventerin vor Beginn der Saison 2010. Hintergrund ist wohl der Umstand, dass die Amazone mit ihrem Pferd sicher zu den weltweit besten und sichersten Paaren im Vier-Sterne-Gelände gehört, aber wegen der durchschnittlichen Dressurleistungen bei der gegenwärtigen Leistungsdichte im deutschen championatstauglichen Lager nur eine mäßige Chance hat, nominiert zu werden. So waren Warnecke und ihr genialer Gelände-Fex Twinkle Bee weder in Hongkong noch in Fontainebleau dabei gewesen. "Wenn das WM-Gelände schwer wird..." Auf Anfrage von buschreiter.de stellt die Amazone nun vor Beginn des WM-Jahres ganz offensiv die Qualitäten ihres Pferdes heraus, die dieses ganz besonders für die Weltreiterspiele qualifizieren. In einer schriftlichen Stellungnahme, die buschreiter.de erreicht hat, heißt es wörtlich: "Wenn das WM-Gelände schwer wird, gehört Twinkle Bee ohne Wenn und Aber in die Mannschaft. Und es gibt international genügend einflußreiche Funktionäre, die nicht unbedingt darüber nachdenken, wie Deutschland die Dressurergebnisse unbeschadet nach Hause trägt." "Individuell verständlich" Der lange Aufenthalt im englischen Eventing-Zirkus hat die Perspektive von Anna Warnecke deutlich verändert. Gegenüber buschreiter.de geht sie ausdrücklich auf Distanz zur Kritik an den Geländeanforderungen in Bezug auf den CCI**** in Luhmühlen und hinsichtlich der EM in Fontainebleau. In ihrem Statement für buschreiter.de schreibt die Reiterin: "Dibos Kritik am Parcoursbau in Luhmühlen und Fontainebleau? Individuell verständlich, mit Twinkle Bee zu Beginn seiner Laufbahn habe ich auch so gedacht. Der Reiter sieht das natürlich mit den Augen seines Pferdes. Aber allgemeingültig? Nicola Wilson aus der englischen Mannschaft beispielsweise auf Opposition Buzz, der in seinem Potential Twinkle Bee sehr ähnlich ist, sieht das sicher ganz anders. Ich heutzutage auch." Wie ein Hochbegabter Die Reiterin beschreibt auch, warum sie sich unbefangener auf die ganz harten Nüsse im Cross einlassen kann. Weil sie einen Überflieger unter dem Sattel hat, der bereits acht Vier-Sterne-Prüfungen absolviert hat: "Er verhält sich im Gelände wie ein Hochbegabter in der Schule. Er braucht diesen 'Hoppla-das wird aber schwer-Reflex'. Sonst ist ihm langweilig und er schafft sich sein eigenes Vier-Sterne-Niveau, indem er Galoppsprünge auslässt. Dann ist er nicht einfach zu handhaben. Wenn es dann schwer genug wird, kenne ich kein Pferd auf der Welt, auf dem ich lieber säße. Er weiß immer schon im Voraus, was auf ihn zukommt. Es gibt ein Foto, das zeigt ihn über Discovery Valley, der einflußreichsten Kombination in Burghley 2009. Man sieht uns beiden ja an, daß wir unseren Spaß haben." M-Niveau nicht mehr sinnvoll Anna Warnecke konzentriert sich trotz ihrer eindeutigen WM-Ansprüche auch in 2010 erst einmal auf die Klassiker Badminton und Burghley. "Eine Saisonplanung mit Badminton und Burghley im Blick bedeutet, dass die weiteren Turniere nur unter dem Vorbereitungsaspekt ausgewählt werden. Es ist auch nicht mehr sinnvoll, Twinkle Bee auf M-Niveau zu reiten." FEI-Reglement geändert Auch hier unterscheidet sich die Wahl-Engländern von heimischen Positionen: Die deutsche FN hat jetzt erst wie ein Löwe gekämpft und bei der FEI durchgesetzt, dass Vier-Sterne-Pferde auch bei Zwei-Sterne-Prüfungen starten dürfen. Pausen zwischen den Turnieren Notorischen Vielstartern dürfte es zu denken geben, welche Saisondramaturgie Anna Warnecke anstrebt: "Winterpause, ausreichende Pausen zwischen den Turnieren, Fitness genau in der wichtigsten Woche, nicht die ganze Saison über - es gibt genügend Beispiele auch aus Twinkle Bees Zuchtlinie, wo mentale oder orthopädische Überforderung die Laufbahn schnell beendet haben." Dieses Einmaleins des hochkarätigen Pferdemanagements sei ihr in jungen Jahren von Tuffy Tilley ("nicht immer ohne Widerworte") eingebleut worden, und das werde durch Twinkle Bee bestätigt. Anna Warnecke: "Er ist kerngesund, hat Beine wie ein Achtjähriger und ist übermütig wie ein Sechsjähriger." Alles Qualitäten und Eigenschaften, die den Bundestrainern sicher zu denken geben. Abstimmung mit den Bundestrainern Vor Badminton werde Twinkle Bee nur das S-Turnier in Witton Castle und die Drei-Sterne-Prüfungen in Burnham Market und Belton gehen. "Dann folgt eine Turnierpause von 6 Wochen und ab Mitte Juni die Abstimmung mit den Bundestrainern." "Brilliante Geländerunden" Im vergangen Jahr hatte Twinkle Bee bei allen drei Starts auf Top-Niveau "stilistisch brilliante Geländerunden" in Badminton (Bestzeit, 14.Platz), bei den British Open in Gatcombe Park und in Burghley (0,8 Zeitfehler, 8.Platz nach dem Gelände). Und eine Handvoll schöner Plazierungen auf S- und Dreisterne-Level im Rahmen der Vorbereitung. Die Reiterin: "Wenn der Wermutstropfen nicht gewesen wäre, dass er wegen einer Stollenverletzung am Bein in Burghley zum abschließenden Springen nicht mehr antreten konnte, wäre es eine perfekte Saison gewesen. Nun ja, Vier-Sterne-Niveau bedeutet eben auch, dass es meistens anders kommt, als man plant. Deswegen genieße ich erstmal die Saisonvorbereitung, wo man den Träumen noch ungestört nachhängen kann." Bei all dem auch noch ein Medizinstudium Und dann gibt es für Anna Warnecke noch etwas anderes als die Vielseitigkeitsreiterei: Die Medizinstudentin ist im letzten klinischen Semsester an der Medizinischen Hochschule Hannover und peilt das abschließende Praktische Jahr als angehende Ärztin an. Anna Warnecke: "Wenn die kommende Saison dann so läuft wie die vorige - das wäre eigentlich schon prima..." Lesermeinung Statistischer Anspruch besteht Durch ihre Jahre langen Trainingsvorbereitungen in England hat Anna Warnecke sicherlich einen etwas anderen Blickwinkel bekommen. Die bisherigen Erfolge geben ihr aber in vielen Punkten letztlich Recht. Rein statistisch gesehen gehört sie schon in den engeren Kreis der Mannschaftsreiter. Bemisst man die bisherigen Championatseinsätze der jetzigen Championatskadereiter mit messbaren Ergebnissen, die zu einer Medaille geführt haben, gibt dieses folgendes Bild (erste Zahl = Championatseinsatz; zweite Zahl = Beitrag zu einer Medaille). ROMEIKE 6 4 OSTHOLT 7 2 KLIMKE 9 2 JUNG 1 1 WARNECKE 1 1 DIBOWSKI 9 1 MEIER 1 0 RÜDER 2 0 SCHRADE 3 0 THOMSEN 7 0 Selbstverständlich müssen, wie vor jedem Championat, die Qualifikationsergebnisse, der Gesundheitszustand der Pferde usw. von den Selektoren berücksichtigt werden. Da kann man nur gespannt abwarten. Horst Müller Richtigstellung Wie Statistiken Leistungen einseitig darstellen können, sollte mit meiner Lesermeinung nicht erreicht werden. Mit der Statistik wird man sicherlich nicht den Reiterinnen und Reitern gerecht, die zum einen nicht für die Mannschaft nominiert wurden, aber ein gutes Einzelresultat erzielt haben, und zum anderen nicht denjenigen, deren gute Platzierungen durch Ausfall der Mannschaft nicht berücksichtigt wurden. Horst Müller Dressur auf dem Niveau des Selbstbewusstseins Wenn Anna Warnecke zukünftig die Dressur auf das Niveau ihres Selbstbewusstseins bringt, gehört sie unbedingt in den A - Kader! Ich zweifele allerdings an dieser Entwicklung, da konnte ich in den letzten Jahren nicht die notwenige Vorwärtsentwicklung wie bei anderen deutschen A - Anwärtern erkennen. Wenn ich die Worte von Anna Warnecke lese, habe ich den Eindruck, ein 10 Jahre altes Interview zu lesen - bekommt Anna denn in England wirklich nicht die Entwicklung mit, die da heißt: Dressur und Springen sind nicht mehr nur "Nebenprodukt" der Vielseitigkeit?! Ich denke die verantwortlichen Trainer werden ihr das unmissverständlich sagen, hoffentlich! J. Lindner
Sie gehört auf jeden Fall in eine WM-Mannschaft Herr Lindner scheint nicht zu verstehen, was Anna Warnecke für ein Pferd hat. Es gibt Pferde, die können sich ab einem gewissen Punkt nicht weiterentwickeln, und Twinkle Bee gehört dazu. Er geht doch konstant seine 50 bis 55 Punkte in der Dressur oder auch mal eine 49, und das ist im 4*-Bereich ausreichend für die Leistungen im Gelände und Springen, weil das Ergebniss nach Hause gebracht wird. Bei einer WM würde das trotzdem noch für einen 3. oder 4. Platz reichen. Und in eine WM-Mannschaft gehört sie auf jeden Fall, da sie ihr Ergebnis nach Hause bringt und erstmal das erste Mannschaftsergebnis sichert. Bei einer WM braucht man nicht vier Dressurreiter in einer Mannschaft, man braucht erstmal jemanden mit einer ordentlichen Dressur und einer guten Geländerunde wie Nicola Wilson bei der EM 2009. J. Gottschall
Anna Warnecke gehört dazu Mir ist die Mannschaft schon wieder zu männerlastig. Kaum sind Blumentöpfe in einer Sparte zu gewinnen und ordentlich Geld im Pferdehandel zu verdienen, werden die üblichen Mechanismen wirksam. Ich finde, Anna Warnecke gehört dazu. Auch bei anderen ist die Dressur übrigens nicht die grosse Stärke.Trotzdem werden sie nicht in Frage gestellt. Ausserdem finde ich es keine gute Entwicklung, wenn in Dressur und Springen die Veilseitigkeit entschieden wird, weil die Prüfungen so angelegt sind. Ich möchte schöne, flüssige, sichere Ritte im Gelände mir ansehen und nicht so viel Abgehacktes wie zum Beispiel auch 2009 in Badminton. Ich habe das Video in der Festhalle über Stunden laufen sehen. Da fällt das dann richtig auf. Irene van Heemstra
Chapeau für das Rückgrat Zu meiner Zeit zählte das Gesamtergebnis, also Dressur, Gelände und Springen. Ich selbst hatte leider keine begnadeten Dressurpferde unterm Sattel, dafür aber Top-Geländepferde, wovon zumindest zwei ohne Probleme auf heutigem 4-Sterne-Niveau gehen würden, und die aufgrund ihrer Geländestärke für Top-Platzierungen gesorgt haben. Ich kenne die Querelen mit den Offiziellen nur zu gut und kann Frau Warnecke nur raten, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Solche Aussagen wecken Begehrlichkeiten und Neid. Und wenn's dann mal nicht so klappt wie gewünscht, gibt's Stress. Trotzdem: Chapeau für das gezeigte Rückgrat und toi, toi toi für die gesteckten Ziele! Frank Schiwek |
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