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Der Fall Amy Tryon

Ritt mit verletzten Pferd war keine Absicht

VON WOLF-DIETRICH NAHR

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Amy Tryon und Sparky Sekunden vor der fatalen Verletzung des Pferdes im Cross von Lexington (Foto: Veranstalter/Bill Brymer)

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Die US-amerikanische Top-Reiterin Amy Tryon ist von der FEI mit einer zweimonatigen Sperre und einer Geldstrafe belegt worden. Das Sportgericht ahndete das Verhalten der Reiterin beim Vier-Sterne-CCI im April 2007 in Lexington. Sie hatte den später eingeschläferten Wallach Le Samurai trotz einer schweren Beinverletzung ins Ziel der Geländeteilprüfung geritten. Ihre Meinung zu dem Fall?+++ Lesermeinungen

Amy Tryon ist vom 20. Juli bis 19. September 2007 von der Teilnahme an Events ausgeschlossen. Außerdem muss sie 1000 Schweizer Franken Strafe und 1500 Schweizer Franken Verfahrenskosten bezahlen. Die Reiterin hat die Sanktion inzwischen offiziell akzeptiert und auf Rechtsmittel verzichtet.

Die Bilder von dem Vorfall gingen um die Welt: "Eurosport" hatte Amy Tryons Ritt auf Le Samurai, den Holsteiner Halbblüter, in Lexington ausgestrahlt und damit eine Welle der Empörung über die vermeintliche Rücksichtsloigkeit der Reiterin, aber auch zahlreiche Solidaritätsbekundungen mit der betroffenen Amazone ausgelöst. Laut Mitteilung des Veranstalters war "Sparky" vor dem letzten Hindernis des Lexington-Cross ins Straucheln geraten, dann aber "spielend" gesprungen. Danach galoppierte das Pferd offensichtlich schwer verletzt ins Ziel, wo Amy Tyron Le Samurai durchparierte. Das Paar hatte nach Dressur an 1. Stelle des Vier-Sterne-CCI gelegen. Die Turniertierärztin Dr. Catharine W. Kohn V.M.D. stellte bei einer ersten Untersuchung fest, dass das Pferd einen Abriss des Unterstützungsbandes ("he lost the supporting ligaments") am linken Vorderfuß erlitten hatte. Le Samurai wurde natürlich sofort umfassend medizinisch betreut und in eine Pferdeklinik gebracht. Am Tag nach dem Cross veröffentlichte Amy Tryon eine Stellungnahme und bekundete, dass sie "völlig niedergeschlagen" sei angesichts der Verletzung von Samurai. "Ich würde alles dafür geben, wenn ich das ungeschehen machen könnte. Ich liebe dieses Pferd. Le Samurai ist etwas ganz besonderes für mich und uns verbindet viel mehr als nur der gemeinsame Turniereinsatz. Obwohl wir sicher nicht mehr zusammen starten werden, wird er immer mein Partner bleiben."

Behandlung keine Aussicht auf Erfolg

Wenige Tage später, am 4. Mai, gaben die Eigentümer, Jerome und Rebecca Broussard, bekannt, dass Le Samurai nach intensiver medizinischer Betreuung auf Anraten der Tierärzte eingeschläfert worden sei. Sie waren zusammen mit der Familie Broussard zu der traurigen Einsicht gelangt, dass eine erfolgreiche Behandlung der Verletzung nicht zu erwarten sei.

"In loving memory of Le Samurai 1995-2007" ist der Nachruf auf der Internetseite von Amy Tryon überschrieben. Nach dem Tod des Pferdes schrieb sie: "I am heartbroken at the passing of Le Samurai. Sparky was a wonderful horse and a gallant partner who meant the world to me. His loss has left me indescribably sad. I want to join the Broussards in thanking the veterinarians who tried so hard to save him." Gleichzeitig richtete sie eine nachhaltige Entschuldigung an das FEI-Tribunal, die amerikanische FN, die Eigentümer-Familie und an die gesamte Reiterszene "für den Fehler, den ich gemacht habe". Sie habe damals die Situation nicht erkannt und nicht korrekt reagiert. "Hätte ich gewusst, dass Le Samurai irgendwie verletzt ist, hätte ich sofort gestoppt." Im Vielseitigkeitssport müsse das Wohl des Pferdes zu jeder Zeit überragende Bedeutung haben. "Ich glaube an diesen Grundsatz, und falls mein Verhalten dem nicht entsprochen hat, will ich mein großes Bedauern zum Ausdruck bringen."

In schweren Fällen lebenslange Sperre

Das FEI-Tribunal hat vor der Verurteilung von Amy Tryon eine Anhörung zahlreichen erfahrener Zeugen des Vorfalls durchgeführt. Das Sportgericht kam zu dem Schluss, dass es sich bei dem Vorfall tatsächlich um einen "Missbrauch" (abuse) des Pferdes gehandelt habe. Die Reiterin habe den Ritt ganz offensichtlich trotz der Lahmheit und Verletzung des Pferdes fortgesetzt. Sie habe demzufolge den Ritt nicht eingestellt und so dem Tier Schmerzen zugefügt. Damit sei eine der grundlegendsten Regeln des Reitsports verletzt worden. Gleichzeitig brachte das Tribunal zum Ausdruck, dass im Fall einer Absicht des Reiters durchaus eine lebenslange Sperre angebracht wäre.

Gleichzeitig stellt das Sportgericht aber fest, dass es zwischen dem tatsächliche Geschehen und dem Eindruck der Reiterin eine deutliche Lücke gegeben habe. Amy Tryon habe die Verletzung des Pferdes erst nach dem Durchparieren im Ziel wahrgenommen und keinesfalls absichtlich den Ritt mit dem verletzten Pferd fortgesetzt. Sie sei am Ende der Geländestrecke müde und konzentriert auf das Erreichen des Ziels gewesen. Gleichzeitig sei aber erkennbar gewesen, dass die Reiterin eine Reihe von ungleichen Galoppsprüngen habe spüren müssen, aber sie habe den Grund und die Schwere der Ursache nicht erkennen können. Das Paar hätte viel früher vor dem Ziel gestoppt werden müssen, um der Reiterin die Situation klar zu machen, kritisiert das Sportgericht den Veranstalter.

Le Samurai ("Sparky") war ein dunkelbrauner Wallach mit Vollblut/Holsteiner-Abstammung. Ausgebildet und geritten bis zum Drei-Sterne-Niveau wurde das Pferd von dem US-Amerikaner Robyn Fisher. Sparky kam 2005 zum Team Tryon. Das Paar hatte 2006 in Blenheim Platz 5 belegt. Neben Rebecca und Jerome Broussard war Amy Tryon selbst Mitbesitzern des Pferdes gewesen.

Ihre Meinung zu dem Fall?

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