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Dirk Schrade (mit Be my Guest in Kreuth) ist Sieger der Jeep Big Four Trophy 2007, Seacookie TSF (mit Ingrid Klimke in Marbach) gewann den Derby Dynamic Cup (Fotos Julia Rau, Wolf-Dietrich Nahr)

Jeep Big Four Trophy/Derby Dynamic Cup 2007/CDV-Cup

Diverse Verwirrspiele um Turnierserien

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Zwei Cup-Serien haben beim Herbstturnier im bayerischen Kreuth ihren Abschluss gefunden – eine dagegen auch wieder nicht. Die Jeep Trophy hat einen Gesamtsieger – Dirk Schrade. Doch das ultimative Finale findet erst noch statt: in Luhmühlen 2008.

Wem der Vorspann erst einmal Rätsel aufgibt, der ist in guter Gesellschaft: Offenbar tun sich viele aus der Vielseitigkeitsszene im Moment schwer, das Wirrwarr um die von dem Geländewagen-Hersteller gesponsorte Turnierserie zu verstehen. Tatsache ist, dass in diesem und im nächsten Jahr Preisgelder in Höhe von jeweils 10000 Euro für hocherfolgreiche Top-Eventer aus dem In- und Ausland bei deutschen Spitzen-Buschprüfungen ausgelobt werden. Dazu muss man verstehen, dass es eine Trophy 2007 und kurioserweise eine Trophy 2007/2008 gibt.

"Bedeutung stärker hervorheben"

Hintergrund ist offenbar die Überlegung des Sponsors, dass er sich von dem Finalort Kreuth im bayerischen "Outback" nicht genug Werbewirkung für die schicken Kleinlaster für Gutbetuchte verspricht und stattdessen auf mehr Publicity in Luhmühlen hofft. Ergo: Das Finale wurde kurzerhand vor die Tore Hamburgs verlegt. Doch so hart wie buschreiter formuliert es Matthias Möhler, Leiter Marketing-Kommunikation von Chrysler Deutschland, natürlich nicht: "Mit der Verlegung des Finales wollen wir die Bedeutung der Serie noch stärker hervorheben und größerem Publikum näher bringen. Luhmühlen ist als Vier-Sterne-Turnier nicht nur das international bedeutendste Event in Deutschland, sondern zugleich auch eine wichtige Sichtung im Hinblick auf die Olympischen Spiele."

Kreuth zählt zwei Mal

Der geänderte Modus führt zu der kursiosen Situation, dass Kreuth – nach Marbach, Bonn und Luhmühlen – auf der einen Seite die letzte Wertungsprüfung der Trophy 2007 war. Gleichzeitig zählen die Punkte für die Trophy 2007/2008. Sicher ist jedenfalls, dass Dirk Schrade in Kreuth die Trophäe tatsächlich hin Händen hielt und 5000 Euro bekommt: Der Warendorfer Berufsreiter hatte als einziger Eventer Punkte bei drei Wertungsturnieren gesammelt, und zwar mit Gadget de la Cere und Be my Guest in Marbach, Luhmühlen und in Kreuth. Mit 96 Punkten und großen Abstand auf Andrew Hoy (42) gewann er die Trophy 2007 – und er hat folgerichtig fette 32 Punkte aus Kreuth für die nächste Jeep-Runde schon jetzt auf dem Konto.

Deitermanns dickes Polster

Die Engländerin Ruth Edge bekommt als 3. der Jeep Trophy nachträglich 2000 zusätzliche Euro Preisgeld für den Luhmühlen-Sieg im Sattel von Two Thyme. Der Drei-Sterne-Sieg in Kreuth mit Free Easy brachte Simone Deitermann die Ehre des 4. Platzes in der Jeep-Trophy ein – und 35 Punkte für 2008. Dann folgen auf den Plätzen 5, 6 und 7 Georgie Davies aus Großbritannien, Frank Ostholt und Harald Ambros. Jo May (Großbritannien) und Beeke Kaack sicherten sich Rang 8 und 9. Der Marbach-Sieg von Seacookie TSF bescherte Ingrid Klimke den 10. Platz in der Jeep Big Four Trophy 2007. Endergebnis

Seacookie und Katmandu punktgleich

Apropos Klimke und Seacookie: Sie sind die Sieger im Derby-Dynamic-Cup 2007. Obwohl beim Finale in Kreuth nicht am Start, reichte es für die dreifache Deutsche Meisterin und ihr Nachwuchspferd zum Sieg vor Kai Rüder (Blieschendorf) und Katmandu. Zwar kommen diese ebenfalls auf 95 Punkte. Da Klimke ihre Zähler jedoch in einer höherwertigen Prüfung erritten hatte, gebührt ihr laut Reglement der Sieg. Auf Platz drei landete eine junge Reiterin: Marie-Louisa Meyer (Ibbenbüren), ehemalige Europameisterin der Jungen Reiter, unterstrich in Kreuth mit einem sechsten Platz im CCI*** mit I'm no Angel ihren Anspruch auf eine vordere Platzierung in dieser Serie, die sich an junge Reiter (bis 25 Jahre) und Pferde (bis neun Jahre) richtet, um ihnen den Weg in den gehobenen Vielseitigkeitssport zu ebnen. Endergebnis

"Big Three?"

Zurück zur Jeep-Trophy der Periode 2007/2008: Aus den "Big Four" ist anscheinend eine "Big Three" geworden. Denn als Wertungsprüfung ist in der Ausschreibung neben Kreuth 2007 und Marbach und Luhmühlen 2008 als Sonderwertung die Drei-Sterne-Prüfung 2007 in Schenefeld angegeben. Doch die ist aus tragischen Gründen ja nicht Wirklichkeit geworden. Und Bonn soll ja erst wieder 2009 in die Serie einbezogen werden. Also müsste folgerichtig ein zusätzliches Turnier benannt werden.

Alles klar?

Ziemlich unübersichtlich ist auch der Ausgang des CDV-Cups 2007. Die Veranstalter in Kreuth waren offensichtlich der festen Meinung, dass das Finale der Turnierserie des Clubs Deutscher Vielseitigkeitsreiter wieder im ostbayerischen Turniersportzentrum stattfinden würde. Nix da: Die Abschlussprüfung findet überraschenderweise ganz woanders und dann nochmal an anderer Stelle statt. Das ist in einer CDV-Pressemitteilung zu lesen: Das in Gotha-Boxberg geplante CDV-Cup-Finale ist nach Ströhen (Niedersachsen) verlegt worden. Grund für den Wechsel: In Gotha findet doch „nur“ eine VL statt. Diese Prüfung wird somit eine weitere CDV-Cup-Qualifikation werden. Spontan hat sich Ströhen bereit erklärt, das Finale (CIC*) auf dem Turnier am 6./7. Oktober auszutragen.

Absage fünf Tage vorher

Da wundert sich der Kreuther Turniermacher Bruno Six im buschreiter-Interview schon etwas: Während der CDV offensichtlich sein Finale längst an anderer Stelle geplant hat, wussten die Bayern nach eigenen Angaben nichts, obwohl das CDV-Finale sogar Teil der offiziellen Ausschreibung gewesen ist: Fünf Tage vor dem Kreuther Turnier sei die Nachricht eingegangen, berichtet Six und spricht seinen Unmut offen aus: "Der CDV hat sich als Partner als nicht sehr zuverlässig erwiesen."

"Kreuth war nie Finalort"

Nach der Veröffentlichung des obenstehenden Beitrages hat CDV-Vorstandssprecherin Inken Johannsen darauf hingewiesen, dass Kreuth im Jahr 2007 nie als Austragungsort des Cup-Finales vorgesehen gewesen sei. Sie möchte aber keinesfalls dem Kreuther Veranstalter den Schwarzen Peter für das Missverständnis zuschieben, betonte die CDV-Chefin im buschreiter-Interview. Nachdem das ostbayerische Reitsportzentrum zwei Mal in Folge Schauplatz der letzten Cup-Prüfung gewesen sei, hätten die Organisatoren dies wie selbstverständlich auch für 2007 angenommen. Allerdings habe der CDV bereits 2006 zunächst entschieden, das Finale nach Gotha zu vergeben. Es sei der vielfache Wunsch geäußert worden, mehr Qualifikationsprüfungen und auch das Finale im Norden Deutschlands auszutragen. Außerdem wolle der CDV auch verschiedene Veranstalter unterstützen. Inken Johannsen wies darauf hin, dass in Bayern gleich zwei Qualifikationsprüfungen stattgefunden haben: In Steinbach/Geroldsgrün in Nordbayern und in Giesenbach in Südbayern. Kreuth sei als einfache Qualifikationsprüfung nicht in Frage gekommen, weil für diese nur nationale VL in Frage kommen, während das Finale traditionell eine Ein-Sterne-Prüfung sei.

Falsche Ausschreibung lange unbemerkt

Inken Johannsen bedauerte im buschreiter-Gespräch, dass die unzutreffende CDV-Final-Ausschreibung von Kreuth trotz der Veröffentlichung so lange – bis etwa zwei Wochen vor dem Event – unbemerkt geblieben sei. Vor allem sei Kreuth ein "Super-Platz", um den sich der CDV sicher wieder bemühen wolle, wenn es darum gehe, "ländlichen Reitern eine besondere Prüfung zu bieten". Die CDV-Vorstandssprecherin lobte Marie-Louisa Meyer und Anna Redlbacher für die organisatorische Abwicklung des CDV-Cups.

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