Buschreiter.de aktuell: Porträt Anna Topf
"EM war mein größter Traum"
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Noch 2000 kannten Anna und Antonelli nur das A-Niveau im Busch. 2001 startete das Paar gemeinsam erstmals im L-Bereich. Die beiden Newcomer siegten gleich in CIC* und Ein-Sterne-Lang. 2002 fing alles so vielversprechend mit dem Gewinn des CIC* in Marbach und einer L/M-Prüfung in Wiesbaden-Kloppenheim an. Dann ein Kreuzverschlag, der für Antonelli die Saison 2002 vorzeitig beendete. "Ich wollte ihm eine Ruhepause gönnen", so Anna Topf. Im folgenden Jahr sollte dann gleich der Sprung auf das M-Level gelingen (Foto Julia Rau). "Es ging alles von vorne los, nichts hat funktioniert", blickt die Europameisterin zurück. Antonelli sah zwar immer das Ziel, aber am Ende stand nur eine einzige Platzierung. Die Deutsche Meisterschaft vor der Haustür in Kreuth erzeugte erheblichen Druck. Außerdem: "Mein größter Traum war immer, mit dem Bundesadler am Ärmel bei der EM zu reiten."
"Zu sehr reingesteigert"
Der Traum sollte 2003 noch nicht in Erfüllung gehen: Schließlich fehlte eine beendete M-Prüfung als Qualifikationsvoraussetzung für den Meisterschafts-Start in Kreuth. "Zuerst war ich sehr enttäuscht. Ich habe mich zu sehr reingesteigert. Manchmal will man sich selbst zuviel beweisen. Es hat keinen Sinn, für andere Leute oder für ein Championat zu reiten. Ich glaube, ich bin vernünftiger geworden." Deshalb kaprizierte sich Anna Topf 2004 erst gar nicht auf Meisterschafts-Gedanken: Sicher über M ohne Verweigerungen und Zwischenfälle reiten, lautete das Ziel. "Wenn M nicht klappt, dann reite ich halt wieder L", hatte sich die inzwischen 20-jährige Abiturientin vorgenommen. Das Programm brachte die nötige Gelassenheit: Beim CIC** im April in Kreuth war Antonelli gleich platziert, beim Preis der Besten in Warendorf sogar in der Zeit. "Damit war der Knoten geplatzt, das Vertrauen war da, ich wusste, er kann das." Die folgende Erfolgsserie bei den EM-Sichtungen ist bekannt.
Anna Topf und Antonelli waren in Portugal zweifellos die Außenseiter im deutschen Team: Als einzige hatte die Amazone aus Bayern zuvor noch nicht an einer Europameisterschaft teilgenommen. Außerdem scheint ihr Vierbeiner nicht gerade zum Hingucker geboren zu sein: Mancher Begleiter des Championatskaders um die Trainer Rüdiger Schwarz und Hans Melzer hatte wohl Zweifel, dass der kleine Rappe den Anforderungen gewachsen sein würde. Anna Topf konnte deshalb nicht wirklich erwarten, als Mannschaftsreiterin eine Chance zu bekommen. "Aber trotzden habe ich ein bißchen gehofft, dass ich vielleicht den letzten Teamplatz kriege. Ich war nur kurz enttäuscht, dass ich nicht dabei war."
Produktive Grundstimmung
Alles zusammen versetzte die Reiterin in die produktive Grundstimmung für den Gold-Erfolg: "Ich habe mir gesagt, ich kann es in Ruhe angehen. Ich war so was von ohne Erwartungen." Aber nicht ganz ohne Ehrgeiz: Auf dem Rasenviereck von Barroca dAlva bemühte sich Anna Topf um ein reelles Ergebnis. "Ich wollte einfach zeigen, dass ich Dressur reiten kann, nicht dass die Leute denken, was haben wir denn da mitgenommen." 50.6 und Platz 5: Ein Zwischenresultat fast wie eine Medaille. "Für mich war ein kleines Ziel erreicht, ich habe mir gesagt, ich war irgendwann während des Turniers Fünfte."
Die Eigenheiten des 4400 Meter langen Geländes kamen dem Paar sehr entgegen: Nicht eine Serie von leichten Einstimmungs-Sprüngen prägten das Cross am Anfang, sondern eine Reihe von schmalen Elementen auf gebogenen Linien. Während etliche Paare ihre liebe Not hatten, den Rhythmus zu finden, kam Antonelli aufgrund seiner ausgeprägten Rittigkeit mit dem sehr technischen Auftakt ausgezeichnet zurecht. Aber: "Über so etwas Schweres bin ich vorher noch nicht geritten."Hier klicken und schon geht es weiter!!
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