Mark Todd/Olympia 2008
Comeback-Versuch der Vielseitigkeitslegende
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Das ist das Comeback des Jahrzehnts im Vielseitigkeitssport: Wer hätte je gedacht, Mark Todd, den besten Buschreiter des vergangenen Jahrhunderts, noch einmal bei einem Three-Day-Event zu sehen. Und nun fehlt dem Neuseeländer nur noch eine Qualifikationswertung in einer langen Drei-Sterne-Prüfung, um seinen Traum wahr zu machen: die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Hongkong 2008.
Am Wochenende 14. bis 16. März 2008 hat er beim heimischen CIC*** in Puhinui den Grundstein dafür gelegt: Im Sattel des 10-jährigen Schimmels NZB Gandalf zeigte es Mark Todd der internationalen Busch-Community, dass er es acht Jahre nach seinem Abschied von der großen Vielseitigkeitsbühne noch immer nicht verlernt hat: nach der Dressur zu führen (mit 48.9), über einen Drei-Sterne-Kurs eine Nullrunde mit ein paar Zeitfehlern hinzulegen und dann beim Springen ein motiviertes Pferd vorzustellen, das den Event mit nur einem Fehler im Parcours beendet.
"Setze mich nicht unter Druck"
Ende Januar hatte Todd – er feierte am 1. März seinen 52. Geburtstag – angekündigt, dass er es noch einmal wissen will. Er kaufte den Drei-Sterne-Sieger Gandalf und erklärte zu seinen Olympia-Pläne: "Ich sehe es als Herausforderung an und auch als Spaß. Ich setzte mich da überhaupt nicht unter Druck, wenn es passiert, dann passiert es halt, so gehe ich das Thema an." Und weiter: "Im Kopf habe ich alles noch drauf. Aber ob der Körper auch mitspielt – ich weiß es nicht."
Weg führt über die Rangliste
Rein formal benötigt Todd bis zum 30. Juni 2008 noch eine CCI**** oder CCI***-Wertung. Aber das allein sichert ihm noch nicht das Olympia-Ticket. Alles ist einigermaßen kompliziert, weil Neuseeland als Nation nicht für Olympia qualifiziert ist. Aber es besteht die Möglichkeit, dass fünf Kiwis als Einzelreiter in Hongkong an den Start gehen können. Das hängt von den Reiter-Ranglistenpunkten ab. Abgerechnet wird am 1. Mai. Die fünf Eventer, die für Neuseeland die Startplätze sichern, müssen aber nicht automatisch die Jockeys sein, die zu den Olympischen Spielen fahren dürfen. Das bestimmen die nationalen Selektoren. "Es ist sicher nicht so, dass ich eine Freifahrkarte habe, ich muss mindestens genauso gut sein wie die anderen Teammitglieder", sagte Todd und fügte hinzu: "Das ist noch eine lange Reise in kurzer Zeit."
Populär wie kein Zweiter
Der Doppel-Olympiasieger von 1984 und 1988 und Teamweltmeister von 1990 und 1998 hatte seine Karriere zunächst mit der Einzel-Bronzemedaille in Sydney beendet. Das geschah allerdings damals nicht ganz skandalfrei, wie sich buschreiter-Leser erinnern: Mark Todd war in einer englischen Boulevardzeitung des Kokain-Konsums im Rotlicht-Milieu bezichtigt worden. Der Reiter hatte öffentlich diesem Bericht nie widersprochen. Allerdings gab es vor der Olympia-Nominierung einen Drogentest bei Todd, der negativ verlaufen ist. Er ist und bleibt eine Legende des Vielseitigkeitssports. Als er in den vergangenen Jahren beispielsweise unvermutet in Badminton als Coach von neuseeländischen Teilnehmern auftauchte und in der sprichwörtlichen blauen Steppweste über den Rasen schlenderte, brandete durchs Stadion tosender Applaus.
Mark Todd hat nun angekündigt, dass er mit dem Schimmel Mitte April nach Europa fliegen wird, um weiter den olympischen Traum zu verfolgen.
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