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Porträt Alex Hua Tian

Wunderknabe als Geheimtipp für Olympia

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Dieser junge Reiter scheint weit mehr zu sein als eine exotische Personalie im Vorfeld des Wettbewerbs unter den fünf Ringen wie es sie bei allen Olympischen Spielen gibt. Der erst 18 Jahre alte Alex Hua Tian wird aller Voraussicht nach der jüngste Teilnehmer bei olympischen Reiterspielen und der erste und vorerst einzige Chinese im Sattel bei Olympia sein. Unabhängig von der asiatischen Herkunft gilt der in England lebende und reitende Alex Hua Tian als eine Art Vielseitigkeits-Wunderknabe, dem Experten ein enormes Talent bescheinigen – längst kein Geheimtipp mehr für olympisches Edelmetall in Hongkong?

Erst in diesen Tagen machte der Sohn eines chinesischen Vaters und einer englischen Mutter mit einem 4. Platz beim CIC*** im portugisischen Barocca d'Alva Schlagzeilen auch bei buschreiter.de. Der tolle Drei-Sterne-Erfolg gelang dem jungen Eventer mit dem in der deutschen Szene nicht unbekannten Schimmel FBW Chico: Das Pferd war früher von Jürgen Allgöwer aus Baden-Württemberg geritten worden.

Englische Wurzeln...

Doch die Traum-Karriere der jungen Olympia-Hoffnung ist nicht ganz zufällig: Alex' englischer Großvater war ein passionierter Jagdreiter und Teilnehmer von Hindernisrennen. Mutter Sarah Noble war ebenfalls dem Reitsport schon in jungen Jahren zugetan. Alex Hua Tian war von seinen Eltern wie viele Tausende von Kinder auf ein Pony gesetzt worden, und zwar schon in einem Alter, als der Kleine gerade laufen konnte. Die ersten Reitstunden gab es dann im zarten Alter von vier Jahren.

Erste Adresse

Der Junge entwickelte nicht nur eine enorme Leidenschaft für den Sport mit Pferden, sondern schnell stellte sich heraus, dass der kleine Mann ein ungeahntes Talent mitbrachte – und er hatte die Chance, mit Unterstützung seiner Mutter an eine der ersten Adressen im internationalen Vielseitigkeitssport zu kommen: Im Alter von zehn Jahren besuchte er zum ersten Mal Rosegarth im südenglischen Wiltshire, wo das australische Top-Eventer-Paar Lucinda und Clayton Fredericks beheimatet ist. Und seine Trainer waren schlicht begeistert von den fast unglaublichen Fähigkeiten und der natürlichen Horsemanship, die die Jugendliche an den Tag legte. Kaum kam der Kleine mit den Füßen über das Sattelblatt, da war er ohne Mühe in der Lage, die bekannten Pferde zu reiten, die die Fredericks zu WM-Metall und Badminton-Erfolg führten.

"Geduld und Hingebung"

Alex beschrieb in einem Interview mit "China Daily" sein Verhältnis zum Ehepaar Fredericks: "Ich trainiere bei ihnen, seit ich 10 bin, sie sind meine Idole, und sie sind für mich Freunde und Eltern zugleich. Mein Wissen und meine Fähigkeiten habe ich ihnen zu verdanken." Der 18-Jährige zu seiner Einstellung zum Sport: "ich glaube, die wichtigsten Charaktereigenschaften für einen Vielseitigkeitsreiter sind Geduld und Hingebung. Ich glaube, ich habe beides."

Stattliches Pferde-Reservoir

2005 gewann Alex mit seinem Pony Club Team die nationale englische Meisterschaft im Springreiten. 2006 dann stellten sich in der Vielseitigkeit die ersten Erfolge mit dem vormaligen Rennpferd Chance Bid ein, mit dem Alex ein Jahr später unter anderem beim Drei-Sterne-Event im niederländischen Ede an den Start ging. Der junge Buschreiter verfügt neben FBW Chico über weitere Pferde mit bemerkenswertem Potential. Koyuna Sun-Glo ist ein erfahrenes Pferd mit Vier-Sterne-Platzierung. Alex reitet außerdem den Wallach Castlebanny Prince, den Mark Ford, ein vormaliger working pupil des Teams Fredericks, bis zum Drei-Sterne-Level ausgebildet hat. Schließlich gehört WP In Limbo zum Pferdepool des jungen Chinesen. Das Pferd hatte unter Clayton Fredericks ausgezeichnete Leistungen im Vier-Sterne-Bereich gezeigt.

Bei Eaton beurlaubt

Der junge Mann ist für seine Olympia-Vorbereitung vom vornehmen Eaton College beurlaubt. Die Schul-Adresse signalisiert, dass der Reiter einen entsprechenden Hintergrund hat. Vater Hua Shan ist Geschäftsmann in der Luftfahrtindustrie. Sponsor des Olympia-Aspiranten ist der reiche Geschäftsmann Jiang Fengcai. Er bringt nicht nur das Geld für den Hongkong-Traum mit, sondern er erfüllt als Pferdeeigentümer auch die Qualifikations-Voraussetzung, dass Olympia-Reiter und -Pferde-Eigentümer die gleiche Nationalität haben müssen.

Stattlicher Fanclub

Alex Hua Tian ist im Begriff eine Art Jung-Star der Szene zu werden: Die internationalen Medien entdecken ihn als Reitsport-Idol; er schart inzwischen einen stattliche Fanclub um sich, der jeden Turniereinsatz mit großer Spannung und Begeisterung verfolgt. Außerdem hat der asiatische Vielseitigkeitsreiter durch reine ruhige und ernsthafte Art die Sympathien vieler Reiterkollegen und Offiziellen gewonnen.

Alex Hua Tians Website ist leider im Moment nicht online. Hier der Link auf einen TV-Beitrag, der bei YouTube zu sehen ist.

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