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EM-Reservist Peter Thomsen

Mit dem Mut zum Risiko zu EM-Medaillen

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Der EM-Reservist Peter Thomsen zeigt sehr viel Verständnis für die Nominierungsentscheidungen der Bundestrainer und des Vielseitigkeitsausschusses – obwohl er selbst zunächst nicht zum Zuge kommt. Die Selektoren seien gewohnt "erfolgsorientiert". Der Ausschuss und die Trainer wollten offensichtlich mit einem gewissen Mut zum Risiko bei der Europameisterschaft Mannschaftsgold und weitere Einzelmedaillen schaffen, sagte Thomsen im buschreiter-Interview.

Peter Thomsen hatte die letzte EM-Sichtung in Schenefeld mit beiden Pferden (The Ghost of Hamish, Parko) hindernisfehlerfrei im Cross in den Platzierungsrängen beendet – und war dennoch nicht über den Reservistenstatus hinausgekommen. Dirk Schrade ist mit Gadget de la Cere und King Artus nominiert, obwohl er mit Gadget in Schenefeld einen Sturz hatte und mit King Artus beim Weltcupfinale in Strzegom einen Steher wegstecken musste.

"Zehn Punkte hintan"

Peter Thomsen räumte im buschreiter-Interview ein, dass Schrades EM-Pferde die besseren Dressuren abliefern. "The Ghost of Hamish ist meistens zehn Punkte hintan", räumte Thomsen ein. Deshalb sei es für ihn "nachvollziehbar", obwohl er mit beiden Pferden eine sehr gute Saison hinter sich gebracht habe. "Ich habe versucht, dabei zu sein, damit kann und muss ich jetzt leben."

"Ohne Druck"

Der vielfache Championatsreiter zeigte Verständnis dafür, dass die Offiziellen nun nach langer Zeit EM-Mannschaftsgold und weitere Medaillen ins Auge gefasst hätten. Mit einem gewissen "höheren Risiko" sollten nun junge Leute in Frankreich "ohne Druck" eines "großen" Championates Erfahrungen sammeln. Thomsen: "Beim Championat kann man viel gewinnen, aber auch viel verlieren. Ich drücke dem Team alle erdenkliche Daumen, dass sie richtig absahnen."

"Das wünsche ich keinem"

Der Reservist hat dennoch gedanklich die EM überhaupt noch nicht abgehakt. In jedem zweiten Jahr habe es kurz vor der Meisterschaft noch verletzungsbedingte Änderungen gegeben. Thomsen: "Warten wir ab, was passiert, obwohl ich das natürlich keinem wünsche."

Peter Thomsen blickt schon über das Jahr 2009 hinaus und setzt seine Hoffnungen darauf, dass er bei den Weltreiterspielen im kommenden Jahr in Kentucky zum Zug kommt – anders als die EM ein Championat im Vier-Sterne-Bereich. Und da rechnet sich Thomsen mit seinen Pferden größere Chancen aus. Aber auch die EM 2011 in Luhmühlen und schließlich Olympia 2012 in London sind für der Mannschaftsolympiasieger ein Thema.

Parko in Pau

Für The Ghost of Hamish kommt nach Schenefeld allenfalls die EM in Frage – und danach soll er gesund in die Winterpause gehen. "Dass er beim CCI**** in Pau noch eine weitere Platzierung auf Vier-Sterne-Niveau erreicht, ist nicht entscheidend." Parko dagegen soll bei dem französischen Top-Event seine Vier-Sterne-Tauglichkeit unter Beweis stellen.

Ansonsten sieht Peter Thomsen den deutschen Vielseitigkeits-Spitzensport auch im internationalen Vergleich ausgezeichnet positioniert: "Es ist im Moment die Leistungsdichte, die uns stark macht, auch im Vier-Sterne-Bereich. Je mehr Schwierigkeiten bei der Nominierung auftreten, desto besser ist die Mannschaft."

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Peter Thomsen ist ein wirklich "großer" Sportler und exzellenter Vielseitigkeitsreiter. Leider konnte er in den vergangenen Jahren seine eher mittelmäßigen Dressuren nicht wirklich steigern. Warum er über diesen "Schatten" nicht springen kann, weiß ich nicht, aber die Zeiten der "wilden" Geländeritte und schwachen Dressuren sind lange vorbei. 
 

Mit Frau Hoy und mit Ingrid Klimke haben Sportler die Vielseitigkeit erobert, die immer über Top-Dressuren kommen und damit dem alten Busch-Image einen ganz neues, modernes Flair gegeben haben. Ich wünsche dem großen Kämpfer und verdienstvollen Vielseitigkeitsreiter Peter Thomsen, dass er die "Dressurschwäche" irgendwann überwinden kann - er war im Busch immer eine "Bank" für Deutschland.
 

J. Lindner

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Hat Peter Thomsen doch noch eine EM-Chance? Hier mit Parko bei der Deutschen Meisterschaft 2009 in Schenefeld (Foto Wolf-Dietrich Nahr)

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