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Mehr Sicherheit durch High Tech: Andreas Ostholt testet eine neue Schutzweste mit Air-Bag-Funktion. Foto: FN/Kaup

Sicherheit im Vielseitigkeitssport

Stürze ohne Verletzungsfolgen kann man trainieren

Die Sicherheit von Reiter und Pferd ist eines der zentralen Themen, das den Vielseitigkeitssport in diesem Jahr bewegt hat. Spektakulärer Neuansatz: Aktive trainierten in Warendorf, wie man verletzungsfrei Stürze übersteht. Ihre Meinung zum Thema

Unmittelbar vor seiner Herbstsitzung in Warendorf traf sich der Ausschuss Vielseitigkeit des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) mit Experten aus Sport und Medizin, um sich über die jüngsten Entwicklungen auf dem Ausrüstungsmarkt und die Chancen eines gezielten Falltrainings zu informieren. „Wir dürfen nichts unversucht lassen, unseren Sport sicherer zu machen“, so der Ausschuss-Vorsitzende Michael Spethmann. Aus den Ergebnissen der Untersuchung sollen noch vor Beginn der grünen Saison Handlungs-Empfehlungen für die Aktiven entstehen mit dem Ziel, künftig schwere Unfälle zu vermeiden oder zumindest in ihren Auswirkungen zu verringern.

Abrollen aus 1,30 Metern Höhe...

Auftakt des „Sicherheits-Treffens“ in Warendorf machte ein aus dem Judo abgeleitetes Falltraining, das Kadervoltigierer und EM-Teilnehmer Dennis Peiler (Hamm) systematisch mit den Perspektivgruppenmitgliedern Sandra Auffarth, Anna Junkmann und Julia Krajewski, sowie Markus Koeppel und Andreas Ostholt erarbeitete. In nur zwei Stunden lernten die Reiter das kleine Einmaleins des Fallens – von der einfachen Rolle vorwärts und das Abrollen über die Schulter bis hin zum Fallrollen aus dem aufrechten Stand und von einem 1,30 Meter hohen Seitpferd auf Turnmatten.

Angst verringert

„Durch gezieltes Falltraining wird nicht nur das Verletzungsrisiko minimiert, sondern auch den Aktiven die Angst vor dem Fallen genommen. Geschult werden sollen vor allem die koordinativen Fähigkeiten bezogen auf das richtige Abrollen im Falle eines Sturzes“, so der Sportwissenschaftler Dennis Peiler über die guten Erfahrungen, die im Voltigieren gemacht wurden.

Schutzweste mit Airbag

In einem zweiten Schritt wurden verschiedene, im Vielseitigkeitssport neue Ausrüstungsgegenstände im Falltraining getestet, darunter einige speziell für den Motorradsport entwickelte Nackenschutzvarianten, eine Airbag-Schutzweste sowie für den Ski- und Motocrosssport entwickelte Rückenprotektoren. In erster Linie ging es dabei darum herauszufinden, inwiefern diese den Reiter bei einem Sturz schützen beziehungsweise das „richtige“ Fallen unterstützen oder eventuell sogar behindern.

Es gibt Forschungsbedarf

So stellte sich beispielsweise heraus, dass die vorgestellten Nackenschutz-Varianten so wie sie derzeit im Motocross zum Einsatz kommen, in der Vielseitigkeit bislang nicht zu verwenden sind. „Hieran besteht noch Forschungsbedarf“, so der erste Eindruck der Ausschussmitglieder sowie der beiden beobachtenden Hamburger Ärzte, Professor Norbert Meenen und Mannschaftsarzt Dr. Manfred Giensch. Beide gehören zur neu gegründeten Arbeitsgruppe „Reitunfälle“ des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, die sich die wissenschaftliche Untersuchung des Hergangs, des Ausmaßes und der Folgen von Reitunfällen zur Aufgabe gemacht hat und dem Ausschuss ihre Mitwirkung bei Sicherheitsfragen angeboten hat.

Training in Kadern und an der Basis

Uneingeschränkte Zustimmung bei allen fand das Falltraining. „Videoanalysen verschiedener Stürze haben gezeigt, dass richtiges Fallen und Abrollen meist zu geringeren Verletzungen geführt hätten“, so Bundestrainer Hans Melzer (Putensen). Die Anwesenden waren sich einig, dass ein entsprechendes Training so bald wie möglich in alle Kaderlehrgänge, möglichst auch in den Landesverbänden, integriert werden sollte.

Informationen für Aktive

Mitte Januar befasst sich auch der Weltreiterverband (FEI) in Kopenhagen mit dem Thema „Sicherheit im Vielseitigkeitssport“. Die Erkenntnisse aus diesem Safety-Forum sollen ebenso wie die Resultate der Ausrüstungsstudie und des Falltrainings in die geplanten Handlungs-Empfehlungen des DOKR-Ausschusses einfließen. Diese sollen dann im Frühjahr den Trainern und Aktiven vorgestellt werden. Ihre Meinung zum Thema

Uta Helkenberg (fn-press)

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Lesermeinungen

Dr. Klaus Möller schreibt: Mit Applaus begrüße ich die Aktion Stürze ohne Verletzungsfolgen kann man trainieren. Ich gehe davon aus, dass viele Verletzungen, auch die tödlichen, hätten verhindert werden können, wenn der Reiter eine entsprechend Fitness gehabt hätte. Viele der VS-Reiter besonders in den unteren Klassen sind untrainiert und bergen dadurch ein großes Potential an Verletzungsrisiko. Ich glaube auch, dass die tödlichen Verletzungen durch Genickbruch eine Folge zu wenig körperlicher Fitness waren. Als Beispiel möchte ich den Skisport nennen. Die Rennläufer überstehen Stürze teilweise unverletzt. Aber auch nur, weil sie gut trainiert sind.

Rebekka Wölbert schreibt: Ich finde es sehr gut, dass kontrolliertes, bewußtes Fallen gelehrt und studiert wird. Wenn man es beherrscht, wird es die Verletzungen minimieren. Auch der Aspekt mit dem Nackenschutz ist sehr interessant. Hoffe, es wird weiter mit den Aktiven geforscht und probiert.

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Aller Anfang ist schwer. Sich fallen lassen kostet Überwindung. Perspektivgruppenmitglied Julia Krajewski lauscht den Anweisungen von Kadervoltigierer und Sportwissenschaftler Dennis Peiler. Alle Fotos: FN/Kaup

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Motocross-Nackenschutz für Vielseitigkeitsreiter? Prof. Meenen von der Uni Hamburg begutachtet die Sicherheitskonstruktion. Rechts: Airbag als Unfallschutz im Busch? Andreas Ostholt fungierte als Versuchskaninchen.

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Spannende Videoanalyse: die Bundestrainer Chris Bartle und Hans Melzer, der DOKR-Ausschuss-Vorsitzende Michael Spethmann, VS-Mannschaftsarzt Dr. Manfred Giensch, Kaderreiter Andreas Dibowski und FN-Ausbildungsleiter Christoph Hess.