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Prof. Dr. Erich Kluge, Prof. Dr. Udo Steiner und Dr. Heinz Faßbender bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse der Steiner-Kommission (von links, Foto Julia Rau)

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Reiter-Hearing

Statt Inquisition freundschaftliche Informations-gespräche

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Die Vielseitigkeits-Spitzenreiter und die Disziplin sind erwartungsgemäß bisher unbeschadet aus der umstrittenen Kader-Auflösung und der folgenden Anhörung hervorgegangen. Nach Aussagen von Kommissionsmitgliedern ist die Vielseitigkeit die Reitsport-Disziplin, die am allerwenigsten mit Dopingpraktiken in Verbindung gebracht wird.

Aktivensprecher Andreas Dibowski erklärte auf Anfrage von buschreiter.de, dass die bisher erfolgten Befragungen in einer sehr harmonischen und freundschaftlichen Atmosphäre verlaufen seien. Von einem zuvor befürchteten "Verhör" der Reiter sei es nach seinen Informationen und auch in seinem eigenen Fall nicht gekommen. Die Kommission habe in den Gesprächen mehr über die Perspektive der Aktiven und die Probleme der Reiter mit den geltenden Medikations- und Dopingbestimmungen in Erfahrung bringen wollen.

Sporthilfe hat Zahlungen eingestellt

Dibowski erwartet nun, dass möglichst schnell entsprechende Kaderberufungen erfolgen. Dies hat ganz konkret auf die Zahlungen der Deutschen Sporthilfe an die Spitzenaktiven Auswirkungen. Wegen der Kaderauflösung hatte die Sporthilfe in den vergangenen zwei Monaten kein Geld an die Leistungsbezieher überwiesen.

Ende Mai hatte die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) ihre Spitzenkader (A-, B-, B2-Kader) in den Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit aufgelöst. Auslöser waren die aktuellen Diskussionen über Manipulationen im Pferdesport. Die FN hat daraufhin eine unabhängige Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) beauftragt, Reiter und Funktionäre hinsichtlich ihrer Einstellung und ihres Verhaltens zu befragen und die Situation im Spitzensport zu analysieren. Am Mittwoch (22. Juli 2009) ging der zweite von drei Befragungsblöcken zu Ende.

Ehrenerklärung unterschrieben

Im Anschluss verkündete die DOSB-Kommission Reiten folgende Zwischenergebnisse: „Die DOSB-Kommission Reiten hat in der Zeit vom 13. bis 15. Juli und vom 20. bis 22. Juli 2009 in Warendorf 53 Reiterinnen und Reiter sowie 13 Amtsträger und Funktionäre der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zur Manipulation im Pferdeleistungssport befragt. Alle Reiterinnen und Reiter haben nach Abschluss der Befragung folgende Ehren- und Verpflichtungserklärung unterschrieben:

‚Ich bekenne mich uneingeschränkt und entschieden zu den Grundsätzen der Fairness und Integrität im Pferdesport. Ich versichere, mit dem Pferd zu dessen Wohl und Gesundheit einen reiterlichen Umgang zu pflegen und auf jede Form der Manipulation zu verzichten. Insbesondere werde ich innerhalb und außerhalb des Wettbewerbes keine gemäß den geltenden Regelwerken und Richtlinien verbotenen Methoden anwenden und keine verbotenen Substanzen (Dopingsubstanzen und sonstige verbotene Substanzen) in einer Weise anwenden, die einen Verstoß gegen das geltende Regelwerk darstellt. Ich bin bereit, im Zusammenhang mit allen von der Reiterlichen Vereinigung verbindlich beschlossenen und noch zu beschließenden Maßnahmen zur Bekämpfung von Manipulation im Pferdesport vertrauensvoll zu kooperieren.’

Empfehlungen zur Medikation angekündigt

Der wesentliche Inhalt der Anhörung wurde protokolliert. Weitere Reiterinnen und Reiter werden nach dem gegenwärtigen Stand in der Zeit vom 11. bis 13. August angehört. Nach Abschluss der Befragung wird die Kommission einen Bericht erstellen, der auch Empfehlungen an die Deutsche Reiterliche Vereinigung zum künftigen Umgang mit Fragen zu Doping und Medikation im Pferdeleistungssport einschließt.

Aufgrund der bisher erfolgten Anhörungen empfiehlt die Kommission der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in drei Fällen – Ludger Beerbaum (Riesenbeck), Marco Kutscher (Riesenbeck) und Daniel Deußer (Valkenswaard/NED) – die Aufnahme der angehörten Personen in einen Kader mit Vorbehalt, in allen anderen Fällen ohne Einschränkung. In den drei Vorbehaltsfällen empfiehlt die Kommission die Aufnahme in einen Kader mit der Auflage, dass die betreffenden Reiter jede medizinisch indizierte Maßnahme der Behandlung eines Kaderpferdes oder Grand Prix-Pferdes mit dem zuständigen Mannschaftstierarzt und dem Bundestrainer im Zeitraum bis zum 31. Dezember 2011 offen und vertrauensvoll abstimmen. Der Mehraufwand, der aufgrund dieser Abstimmung der FN entsteht, geht zu Lasten der Reiter. Die Aufnahme in den Kader kann widerrufen werden, wenn gegen die Auflage verstoßen wird.“

FN hält sich zurück

Zu den Zwischenergebnissen der DOSB-Kommission Reiten äußerte sich der FN-Generalsekretär, Soenke Lauterbach, wie folgt: „Die Kommission hat die Arbeit noch nicht beendet. Diese Arbeit respektieren wir und wollen sie nicht beeinflussen. Daher geben wir zum jetzigen Zeitpunkt keinen wertenden Kommentar zu den Zwischenergebnissen ab. Wir haben vorab mehrfach betont, dass wir die Empfehlungen der Kommission berücksichtigen werden. Die Ausschüsse des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) werden die Empfehlungen in die Entscheidung bei der Kaderberufung einbeziehen.“

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