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Medikations-Affäre: Sporthilfe ausgesetzt

Vielseitigkeitsreiter sollen am längsten warten

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Als unmittelbare Folge der demonstrativen Kaderauflösung wegen des Medikations- und Dopingskandals bei den Springreitern sind nun auch die Vielseitigkeitsreiter die Leidtragenden: Die Deutsche Sporthilfe hat ihre Zahlungen ausgesetzt – und ausgerechnet die unbeteiligten Buschreiter müssen aller Voraussicht nach am längsten warten, bevor sie wieder Geld von der Sporthilfe bekommen.

Aktivensprecher Andreas Dibowski bestätigte auf Anfrage von buschreiter.de, dass auch die Kadermitglieder aus dem Vielseitigkeitsbereich erst einmal keine DSH-Zahlungen mehr bekommen, obwohl den Betroffenen in Warendorf zunächst zugesichert worden war: Die Kaderauflösung soll sich nicht nachteilig auf die Reiter auswirken.

Befragung erst im August?

Die Wiederaufnahme in einen Reitsport-Kader soll ja von einer Einvernahme der Aktiven durch eine Prüfkommission abhängig gemacht werden. Nach den ursprünglichen Planungen sollten ausgerechnet die gar nicht betroffenen Vielseitigkeitsreiter zu allerletzt, nämlich erst im August befragt werden. Vorher wäre keine erneute Kaderaufnahme und die daran geknüpften Zahlungen der deutschen Sporthilfe möglich.

Verhandlungen in Luhmühlen

Dibowski berichtete, man wolle nun erreichen, dass die Buschreiter zumindest früher befragt werden, um so die Wiederaufnahme der Unterstützungsleistungen zu erreichen. Dazu soll es am Rande des CCI**** in Luhmühlen Gespräche mit Offiziellen der FN geben. Der Aktivensprecher konnte nicht sagen, wer aus dem Kaderlager tatsächlich Sporthilfe bezogen hat. Die Leistungen sind daran geknüpft, dass der Antragsteller seine Einkommensverhältnisse offenlegt. Dibowski selbst ist betroffen: Er hat Sporthilfe bekommen und muss vorerst auf die Zahlungen verzichten.

Förderung "angehalten"

Mit einem Schreiben vom 4. Juni an alle geförderten A- und B-Kader-Mitglieder der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (DOKR) hatte die Stiftung Deutsche Sporthilfe mitgeteilt, dass sie mit sofortiger Wirkung die Förderung für die betroffenen Athleten des DOKR bis auf weiteres anhält. "Wie uns das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei schriftlich mitteilte, wurden mit sofortiger Wirkung die A-, B- und B2-Kader der Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit aufgelöst, um alle Mitglieder dieser Nationalkader zunächst einer Prüfung der DOSB-Kommission zu unterziehen", beginnt der gemeinsam von Dr. Michael Ilgner, geschäftsführender Vorstand, und Gerd Klein, Beauftragter des Vorstands, unterzeichnete Sporthilfe-Brief an die 24 betroffenen Athleten.

Vorgaben und Richtlinien

Die Sporthilfe halte sich dabei strikt an ihre Satzungsvorgaben und Förderrichtlinien. "Förderleistungen durch die Deutsche Sporthilfe setzen eine Kaderzugehörigkeit voraus, zudem unterstützt die Sporthilfe ausdrücklich den eindeutigen Weg des DOKR. Der Beschluss Ihres Verbandes hat daher auch ein Aussetzen der derzeitigen Sporthilfe-Förderung zur Folge, diese ruht somit mit sofortiger Wirkung", heißt es in dem Brief wörtlich.

Soziale Härten?

Um mögliche Härtefälle zu vermeiden, bietet die Sporthilfe den geförderten Athleten an, sich an sie zu wenden. "Eine erneute Berufung in den Kader ist nach der Überprüfung durch die DOSB-Kommission wieder möglich. Sobald diese Überprüfung für Sie eine erneute Kaderbenennung ergibt, werden die Förderleistungen rückwirkend ausbezahlt. Es würde sich in diesem Fall für Sie eine Verschiebung der Auszahlungen, jedoch insgesamt kein finanzieller Nachteil ergeben. Falls für Sie durch das Aussetzen der Förderung soziale Härten entstehen, lassen Sie uns dies bitte wissen."

"...bald ein positives Gespräch"

Die Sporthilfe bittet gleichzeitig die Athleten um Verständnis für diese Maßnahme und hofft, "dass Sie bald ein positives Gespräch mit der Kommission führen können, eine erneute Aufnahme in den Kader folgen wird und die Sporthilfe-Förderung wie gewohnt fortgesetzt werden kann."

Viele Springreiter bekommen nichts

Ausgelöst wurde der Fall durch eine Äußerung des vierfachen Olympiasiegers im Springreiten, Ludger Beerbaum, der sich seit 1991 nicht mehr in der Sporthilfe-Förderung befindet, wie die meisten Springreiter übrigens. Betroffen von der Sperre der Sporthilfe-Fördergelder sind insbesondere Dressurreiter und Vielseitigkeitsreiter, die stärker in das Sporthilfe-Fördersystem verankert sind. Die Mitglieder aller Kader, die nicht aufgelöst wurden, insbesondere der C-Kader, werden von den Maßnahmen nicht berührt.

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Lesermeinung

Mit randvollem Konto auf Konfrontation

Es war eigentlich fast abzusehen, dass wieder einmal diejenigen am meisten leiden, die nicht für diese Krise verantwortlich sind.

Wie hätten wohl die Spring- und Dressurreiter reagiert, wenn ihr Kader aufgrund von Aussagen der Vielseitigkeitsreiter aufgelöst worden wäre ?

Ist das Konto durch Pferdehandel und Werbeverträge erst einmal randvoll, kann man schon einmal auf Konfrontationskurs mit Medien und FN gehen?

Haben die verantwortlichen Reiter in den letzten Interviews auch daran gedacht, welchen immensen Schaden sie ihren Berufskollegen und dem öffentlichen Ansehen des Reitsports damit zufügen ?

Welcher Außenstehende vermag zwischen verbotener Medikation und leistungssteigerndem Doping unterscheiden? Dem Laien am Bildschirm ist der bedeutende Unterschied nicht bewusst.

Natürlich ist die Null-Lösung für unseren Sport, in Zeiten der immer weiter verfeinerten Analysemöglichkeiten, unhaltbar geworden, aber dieses Thema kann man in einem 2-Minuten Interview nicht erklären und zugleich beklagen. Das gehört in die Fachgremien und nicht in das sonntägliche Fernsehprogramm.

Die Reaktionen von FN und der Deutschen Sporthilfe sind nachvollziehbar, wirken aber im Gießkannensystem leider auch auf genau diejenigen Reiter, welche sich stets um Horsemanship und Aufklärung bemüht haben (z.B. das Gros unserer Buschreiter).

Vermutlich fällt es schwer sich vorzustellen, dass "Berufskollegen" tatsächlich von der Sporthilfe abhängig sind, wenn man mit Werbeverträgen überhäuft wird und Pferde im 7stelligen Bereich verkauft. Etwas mehr Umsicht, Solidarität und Gespür für die richtigen Worte im rechten Moment hätten uns vor diesem Desaster bewahren können.

Mathias Raschat

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