Olympia-Splitter

Dr. Annette Wyrwoll
, als einzige deutsche Einzelreiterin in Sydney in der Wertung, hat am Rande der Olympiade in Australien das Ende ihrer internationalen Karriere bekannt gegeben. Die 44 Jahre alte Tierärztin aus Duggendorf im Landkreis Regensburg ist seit über 25 Jahren im Vielseitigkeitssattel erfolgreich. Die erste internationale Platzierung erritt sie 1978 bei einem Event in Hooge Mierde. Seit 1995 brachten konstant gute Leistungen bei bedeutenden Turnieren auch international einen ausgezeichneten Ruf ein. In jenem Jahr beendete sie die Europameisterschaften im italienischen Pratoni del Vivaro auf dem 19. Platz und wurde 1996 Deutsche Mannschaftsmeisterin. Dann reihte sich die in Neuwied am Rhein geborene Eventerin in den kleinen Kreis deutscher Vielseitigkeitsreiter ein, die ein englisches Vier-Sterne-Turnier beendet haben. In Burghley sah sie unter widrigen Umständen das Ziel, weil sie nach einem Unfall eines anderen Paares über eine Stunde auf die Fortsetzung ihres Rittes warten musste. Im vergangenen Jahr war sie bei der EM in Luhmühlen beste deutsche Einzelreiterin auf dem 25. Platz. Bei der Deutschen Meisterschaft in Achselschwang ritt sie ihren 15-jährigen irischen Blüter Equitop Bantry Bay auf den 6. Platz und legte den Grundstein für ihre Olympia-Teilnahme in Sydney. Dort gab es ein Happy End zum Karriereende, weil sie mit einer Spitzen-Dressur, einem Vier-Sterne-Cross in der Wertung und einer Null-Runde im Parcours ihre hervorragenden Qualitäten als Vielseitigkeitsreiterin nachdrücklich unter Beweis stellen konnte. Getrübt war der Championatseinsatz durch die Unstimmigkeiten, die sich aus der unerwarteten Nicht-Berufung in die Mannschaft ergaben. Zu den sportlichen Erfolgen von Dr. Annette Wyrwoll zählt es, das Weltpferd Sleep Late, Ingrid Klimkes zweimaliger Deutscher Meister und erste Wahl für Olympia, in England entdeckt und ausgebildet zu haben. "Ich denke, ich habe ihm eine gute Grundausbildung gegeben, die für andere nachzureiten ist und ich habe mich bei dem Dreijährigen nicht verguckt", sagte Dr. Annette Wyrwoll im Herbst 1999 in einem Interview für das Jahrbuch Vielseitigkeit Bayern 1999/2000 (Foto: Nahr). Jahrbuch Bayern+++++++++

Bettina Overesch, ehemalige Europameisterin (Foto: FN) und künftige Ehefrau des australischen Olympiasiegers Andrew Hoy, scheiterte bekanntlich knapp mit Unsung Hero an den deutschen Sichtungskriterien und hatte deshalb Zeit, ihren Partner und das Aussi-Team bei der Olympiade zu betreuen. "So hatte ich zum ersten Mal Einblick in ein anderes Team. Da habe ich gesehen, wie professionelle Vorbereitung aussieht", erklärte Bettina Overesch in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Die Amazone kann es beurteilen, da sie ja beispielsweise in Atlanta dem deutschen Olympia-Team angehört hat. Sollte die Bemerkung als Kritik an dem deutschen Trainergespann zu werten sein?
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Peter Wagner, Vorsitzender des DOKR-Vielseitigkeitsausschusses, wird ein vollmundiges Zitat zugeschrieben, das sich auf das Schicksal von Bundestrainer Martin Plewa bezieht. Im Hinblick auf Konsequenzen wegen des unbefriedigenden Abschneidens der Deutschen in Sydney wird er in einem Agenturbericht so zitiert: "Die Zeit der Abrechnung ist gekommen."
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Carlos Paro
, in der internationalen Vielseitigkeitsszene weitgehend unbekannter Olympia-Teilnehmer aus Brasilien, fiel beim abschließenden Springen des Einzelwettbewerbs mit einer negativen Leistung auf. Im Sattel von Feline hatte der Eventing-Exote nicht weniger als neunmal einen "um", was selbst bei ländlichen Turnieren von Championaten gar nicht zu reden selten vorkommt.+++++++++
Roberto Macedo, ein weiterer Eventer aus Brasilien, zog sich im Cross einen Knochenbruch zu, als sein Pferd Fricote beim Überwinden eines Hindernisses hängenblieb und dann direkt auf den "abgestiegenen" Reiter fiel. Beobachter der Szene berichteten, Macedo habe bei dem Sturz Glück gehabt. Im Krankenhaus stellten die Ärzte dann zur Erleichterung aller fest, dass der Unglückliche außer dem Knochenbruch keine weiteren inneren Verletzungen erlitten hatte und nicht operiert werden muss. Der Däne Nils Haagensen brach sich beim Sturz von und mit Discovery II die Schulter.+++++++++
Bermuda´s Gold, die 15-jährige amerikanische Vollblutstute der für Bermuda startenden Mary Jane Tumbridge, prallte gleich zu Beginn der Geländestrecke so massiv gegen ein Hinderniselement, dass sie sich einen Beinbruch zuzog. In der Tierklinik stellten die Veterinäre fest, dass die Verletzung inoperabel war. Das Pferd, das die Dressur an Platz 21 beendet hatte, musste getötet werden.
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Mark Todd, Vielseitigkeits-Legende aus Neuseeland, beendete seine Karriere in Sydney mit einer Bronzemedaille und einem Happy End, nachdem die neuseeländische Mannschaft leider geplatzt war. Ganz stressfrei war der Ausstieg bei Olympia für den 44-Jährigen allerdings nicht, der im Vorfeld von Boulevardmedien wegen seines angeblichen Kokainkonsums und anderer privater Gerüchte ins Gerede gebracht worden war. Auf diese Dinge wollte Todd während der Spiele nicht angesprochen werden, hieß es schon in den Wochen vorher. Bei einer Pressekonferenz zu Beginn der Spiele hielt sich ein Journalist nicht daran und wollte Details der Drogenvorwürfe wissen. Mark Todds distanzierte Reaktion: "Ich glaube, diese Frage fällt nicht unter die relevanten Kategorien."
Hintergrund+++++++++
Andrew Hoy, frischgebackener und dreifacher Goldmedaillen-Gewinner, sammelte öffentlich Gründe für seinen Sydney-Erfolg mit dem Traum-Schimmel Darian Powers und schrieb ein Gutteil seiner künftigen Ehefrau Bettina Overesch zu. Noch vor Atlanta hätten ihm die Selektoren erklärt, er komme nur in die Mannschaft, wenn er sein Dressur-Level unter 60 bringe. In Sydney stellte Hoy mit 30.6 eine persönliche Bestleistung auf. Bettina habe maßgeblichen Anteil an der mächtigen Verbesserung seiner Dressurleistung, sagte Hoy.
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Andrew Nicholson hat bei der ersten Verfassung für den Einzelwettbewerb sein Pferd Dawdle zurückgezogen wie die Spanierin Natalia Valdes ihren Cousin Jim. Insgesamt 42 Pferde wurden im Horsley Park bei der ersten Horse Inspection vorgestellt.
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Imtiaz Anees ist der erste indische Eventer, der an einer Olympiade teilnimmt. Das Pferd Spring Invader genoss das Privileg, nicht in die Quarantäne zu müssen, weil es in Australien stationiert ist.
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Ingrid Klimke schilderte nach dem fabulösen Ritt auf ihrem englischen Vollblüter Sleep Late durchs Cross in einem FAZ-Interview ihre spontanen Eindrücke: "Als ich dreißig Hindernisse hinter mir hatte, dachte ich, nur noch zwei Sprünge, schade, schade." Dass sie in der inoffiziellen Einzelwertung der Mannschaftsreiter schließlich an zweiter Stelle lag, lässt den messerscharfen Schluss zu: Als Einzelreiterin hätte die Deutsche Meisterin in Sydney durchaus eine Medaillenchance gehabt nicht mit der Mannschaft. Ingrid Klimke sah das alles positiv: "Aber ich bin stolz darauf, dass die Mannschaft mich gebraucht hat."
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Marina Köhncke litt vor ihrem Geländeritt mit Sir Toby an den Folgen einer argen Grippe und ließ sich von Mannschaftsarzt Georg Huber eine ordentliche Dosis von Medikamenten mit doping-unverfänglichen Inhaltsstoffen verabreichen. "Heute morgen dachte ich noch, ich wäre tot."
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Constantin van Rijckevorsel, belgischer Mannschaftsreiter, hat etwas gravierendere gesundheitliche Probleme: Im Cross brach er sich bei einem Sturz den Fußknöchel und musste die Pläne für einen Individualisten-Start mit seinem Zweitpferd begraben. Der Ausfall begünstigte schließlich die Entscheidung, dem deutschen Team einen dritten Einzelstartplatz einzuräumen. Indirekt profitiert Dr. Annette Wyrwoll, deren Startberechtigung im Einzelwettbewerb bis zuletzt auf des Messers Schneide stand.
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