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Auf dem Höhepunkt: Sleep Late und Ingrid Klimke in Badminton (Foto Julia Rau)

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Sleep Late verlässt die Bühne

Eine Weltkarriere geht zu Ende

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Sleep Late hätte eigentlich 2008 seine dritten Olympischen Spiele bestreiten sollen, doch für den englischen Vollblüter kommt der Ruhestand früher als geplant: Am ersten Augustwochenende wird eines der eindrucksvollsten Buschpferde der deutschen und internationalen Eventing-Szene im Rahmen der Deutschen Meisterschaft in Schenefeld seinen Abschied von der großen Sportbühne nehmen und sich auf einen gemächlichen Ruhestand vorbereiten.

"Neun Jahre lang hat er mein Leben beeinflusst, mit allen emotionalen Höhen und Tiefen. Ich habe so viele Entwicklungsschritte mit ihm gemacht und so viel von ihm gelernt", sagte Ingrid Klimke bewegt im exklusiven buschreiter-Interview. Die vielfache Championatsreiterin bezeichnete den Vollblut-Schimmel als "absolutes Ausnahmepferd" mit Kämpferherz – und dabei sehr sensibel. "Es hat mir immer viel Freude gemacht, in allen drei Disziplinen nicht zittern zu müssen und toll mitreiten zu können." Ingrid Klimke vergisst dabei nicht, dass all die großen Erfolge mit dem Schimmel ohne die Teamarbeit mit Pflegerin Carmen Thiemann nicht möglich gewesen wären. Ingrid Klimke: "Sie hat ihn regelmäßig geritten und zu dem gemacht, was er geworden ist."

Zwei Mal Deutscher Meister

Der 1991 in England geborene Wallach von Kuwait Beach xx aus der Fast Asleep (von Evening Trial xx) ist definitiv von Dr. Annette Wyrwoll und Dr. Peter Wyrwoll auf der Insel beim Züchter (Mr. und Mrs. Charles Cope) unweit von Oxford entdeckt worden und im Alter von drei Jahren nach Deutschland gekommen. Dr. Annette Wyrwoll hat den Schimmel ausgebildet und bei Junge-Pferde-Prüfungen vorgestellt. Wie relativ Richterbewertungen sein können, dokumentiert folgendes: Bei einer Geländepferdeprüfung im bayerischen Sulzthal fertigte ein sehr prominenter Richter das nachmalige Olympiapferd trotz tadelloser Leistung mit einer 5er-Note ab. Annette Wyrwoll verkaufte dann Sleep Late xx aus persönlichen Gründen an Ingrid Klimke. Den Hinweis auf das vierbeinige Buschtalent gab der Amazone der damalige Bundestrainer Martin Plewa. Auch der verstorbene Dr. Reiner Klimke hat seiner Tochter zugeredet, den Vollblüter zu erwerben. Als die neue Eigentümerin gleich 1999 Deutsche Meisterin mit ihm wurde, erfüllte dies die Vorbesitzerin mit Stolz: "Ich denke, ich habe ihm eine gute Grundausbildung gegeben, die für andere nachzureiten ist - und ich hab mich bei dem Dreijährigen nicht verguckt", sagte sie im Interview mit dem "Jahrbuch Vielseitigkeit Bayern 1999/2000" (Verlag Nahr).

Verhinderter Medaillengewinner

Tatsächlich hat Sleep Late mit Ingrid Klimke eine Sportbiografie hingelegt, die für drei Pferde reichen würde. Nachdem der Vollblüter 1998 in Le Lion Weltmeister der jungen Pferde geworden war, bescherte er der Reiterin zwei Mal den Deutschen Meistertitel und führte sie 2000 in Sydney bei Olympia in die Weltspitze: Ingrid Klimke und der Schimmel wären beim derzeitigen Modus damals mit der Silbermedaille aus Australien zurückgekehrt, aber die getrennte Einzel- und Mannschaftswertung vereitelte dies. Die tollen Erfolge der Saison bewirkten damals, dass Sleep Late das weltbeste Vielseitigkeitspferd der World Breeding Federation of Sport Horses wurde. Dann folgte Ingrid Klimkes Babypause. Sein Stern ging 2003 mit dem 2.Platz beim Klassiker im französischen Saumur wieder auf. 2004 in Athen war das Paar trotz des legendären Ausrutschers am Wendepunkt des Cross nach einem furiosen Ritt ins Ziel Leistungsträger des Goldteams der Herzen, das dann am Grünen Tisch die Medaille wieder verlor. Doch Reiterin und Pferd blieben konstant Weltspitze: Bei der Europameisterschaft 2005 in Blenheim – gar nicht weit von der Fohlenkoppel von Sleep Late – gab es dann endlich Edelmetall: die Einzelbronzemedaille. Der Höhepunkt in Sleep Lates Karriere war zweifellos das Jahr 2006: Am Anfang der Saison schrieb der Vollblüter mit seiner Reiterin beim Vier-Sterne-Klassiker in Badminton Geschichte – Platz 2. Nie zuvor hat ein deutsches Paar auf dem heiligen Rasen so gut abgeschnitten. Im eigenen Land dann der ganz große Triumph: Mannschaftsweltmeister 2006 in Aachen.

"Wie in alten Zeiten"

Eigentlich sollte für den nun 16-Jährigen die internationale Karriere noch etwas weitergehen: Die EM in Pratoni und Olympia in Hongkong 2008 standen auf dem Plan. Doch es kam anders. Der Vier-Sterne-Event 2007 in Luhmühlen brachte Ingrid Klimke völlig überraschend zu der Einsicht, dass die Zeit reif ist. "Die Entscheidung fiel sehr spontan, ich bin nicht mit dem kleinsten Gedanken nach Luhmühlen gefahren", sagte Ingrid Klimke im buschreiter-Interview. Der Schimmel startete hochmotiviert ins Cross und begeisterte seine Reiterin, wie er "angepackt" hat, "wie in alten Zeiten". Doch am Wassereinsprung dann völlig unerwartet der erste Steher, nachdem das Pferd zuvor alles beherzt gesprungen war. Nach der Korrektur gab es an einem schmalen Häuschen eine zweite Verweigerung. Ingrid Klimke: "Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass er einfach nicht wollte." Nach langen Gesprächen mit Hans Melzer und Christopher Bartle entschied Ingrid Klimke dann noch in der Heide: Sleep Late wird seinen Abschied aus dem Sport nehmen. "Seit er siebenjährig war, ist er jedes Jahr für mich gelaufen. Wir hatten tolle Höhepunkte. Ich habe ihm viel zu verdanken." Ingrid Klimke freut sich darauf, in der turnierarmen Zeit mit ihm Jagden zu reiten. Außerdem werden Tochter, Mutter und Pflegerin mit ihm herrliche Ausritte genießen. "In der Box ist er die Nummer 1 und er bekommt jeden Tag sein Programm."

Doch Ingrid Klimkes internationale Karriere geht weiter: Mit FRH Butts Abraxxas steht sie nun sogar auf der Longlist für die EM in Pratoni. "Ich reite ihn in der dritten Saison und wir sind schon ein eingespieltes Team." Großes hat die Amazone auch mit Jungstar Seacookie TSF vor. Sie bezeichnet den 8-jährigen Trakehner als "überragend". Bei seiner ersten Drei-Sterne-Prüfung hatte er 2007 in Marbach gleich die Goldschleife an der Trense. Ingrid Klimke hofft darauf, dass es ihr gelingt, dem Pferd in Boekelo die Qualifikation für Olympia 2008 zu verschaffen. Und es gibt Vorbilder: "Sleep Late war in Sydney auch erst neun."

buschreiter.de/Wolf-Dietrich Nahr

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