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Traum von Mannschaftsmedaille ausgeträumt

In der Nacht zum Montag erlebte die deutsche Vielseitigkeitsmannschaft ein Desaster: Nele Hagener kam bei ihrem Ritt mit Little McMuffin ebenso zu Fall wie Andreas Dibowski im Sattel von Leonas Dancer. Das Team kann nun wohl alle Medaillenträume begraben.

Dabei hatte am späten Vormittag australischer Ortszeit alles so gut begonnen: Marina Köhncke steuerte Sir Toby ohne Hindernisfehler und nur fünf Sekunden über der Optimum Time von 13 Minuten und fünf Sekunden über den olympischen Kurs und fügte so ihrem Dressurergebnis von 52.4 nur zwei Strafpunkte hinzu. Doch die dann folgende 24-jährige Studentin Nele Hagener hatte wahrlich einen "schlechten Tag erwischt", wie sie später im Interview erklärte. Bereits an Sprung 7 lief Little McMuffin das erste Mal vorbei und wiederholte das Spiel an Hindernis 13. "Er hatte noch nie einen Geländefehler und springt sonst aus allen Lebenslagen", erklärte die Mannschaftsreiterin danach. Am Einsprung des Sunken-Road-Komplexes passierte es dann: Nach einem Rumpler flog die Amazone aus dem Sattel; Little McMuffin zog sich an einem Vorderbein eine Schramme zu. Nach einem schnellen Vet Check und einigen Diskussionen mit einem Hindernisrichter konnte das Paar (Fotos) schließlich den Ritt fortsetzen. "Ich bin dann den Kurs nur noch nach Hause geritten, es tut mir leid, dass es nicht geklappt hat, aber so ist der Sport", entschuldigte sich die Teamreiterin. Zu den 100 Punkten für zwei Verweigerungen und den Sturz mussten schließlich 88.8 Zeitfehler hinzugerechnet werden, so dass Nele Hagener und Little McMuffin am Ende 354.6 Punkte auf dem Konto hatten.

Um 4.32 Uhr deutscher Zeit nahm dann mit dem Start von Andreas Dibowski (Foto) und Leonas Dancer das Unglück der deutschen Mannschaftsreiter weiter seinen Lauf. Bei der Direktübertragung war von Dibowskis Ritt praktisch nichts live zu sehen, weil parallel Olympiasieger Blyth Tait und Ready Teddy die australische Bildregie in den Bann geschlagen hatte. Bei einer Zeitlupeneinspielung des deutschen Paares stockte den Fans der Atem: Am Hindernis 17 ging Andreas Dibowski nach einem Rumpler im hohen Bogen aus dem Sattel. Der Profi ritt dann allerdings beherzt weiter und brachte das Kunststück fertig, lediglich 20 Sekunden über der Zeit im Ziel anzukommen. Doch 103.2 Punkte des Paares belasteten die Teamrechnung erheblich. Durch die beiden Ritte rutschte das deutsche Team zeitweise auf den 9. , später auf den 7. Platz ab, nachdem es die Dressur an 6. Stelle absolviert hatte. Sodann landeten die Deutschen mit 22.8 Punkten auf Platz 5.
Ein wahrer Lichtblick des deutschen Mannschafts-Auftritts: Die amtierende Deutsche Meisterin Ingrid Klimke bewies im Cross mit ihrem englischen Vollblüter Sleep Late ihr Weltklasse-Format. Als eine der wenigen Eventer ritt sie ihr Spitzen-Dressur-Ergebnis von 36.2 (sechster Platz) ohne Zeit- und Hindernisfehler nach Hause. Der Schimmel war übrigens von Klimkes Teamkollegin Dr. Annette Wyrwoll entdeckt und ausgebildet worden.
Die Mannschaftswertung führt weiter Australien (114.2) an, gefolgt von den Briten (127.0), Neuseeland (151.29 und den USA (160.8). Durch Aufgabe im Cross sind folgende Mannschaften bereits geplatzt: Frankreich, Japan, Belgien und Italien.

Nach wie vor ist offen, ob das deutsche Team einen dritten Einzelstartplatz bekommen wird und wer schließlich antritt. Nicht in die Mannschaft kamen Kai Rüder mit Butscher und Dr. Annette Wyrwoll/Bantry Bay. Zudem ist Marina Köhncke mit ihrem Zweitpferd Longchamps vertreten. Über den Einsatz der Einzelreiter werden die Bundestrainer Martin Plewa und Horst Karsten erst am Dienstag abend Ortszeit, also unmittelbar vor dem Start des Einzelwettbewerbs am Mittwoch entscheiden.

Bericht: Wolf-Dietrich Nahr

Fotos: Julia Rau, Nahr

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