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Sicherheit im Vielseitigkeitssport: Ausbildung und Qualifikation von Richtern und Reitern

Mängel bei der Schulung werden zum Risiko

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Im deutschen Vielseitigkeitssport gibt es strukturelle Ausbildungsdefizite, die Experten mit möglichen Sicherheitsrisiken in Zusammenhang bringen. Innovative und moderne Ansätze bei der Ausbildung von Reitern und Pferden werden teilweise von Richtern mit überholten Vorstellungen vom Reiten im Gelände unterlaufen.

Das ist ein Fazit der Fachleute-Diskussion "Sicherheit im deutschen Vielseitigkeitssport" im Rahmenprogramm des CDV-Ball in Göttingen. Mehrere Experten äußerten die Überzeugung, dass in Deutschland qualifizierte Vielseitigkeitsausbilder fehlen. Friedrich Otto-Erley, Leiter der FN-Abteilung Turniersport, sprach sich für einen "Knowhow-Transfer" aus anderen Ländern aus, um hier die Zahl der zertifizierten Ausbilder fürs Reiten im Gelände zu steigern. Bundestrainer Hans Melzer bedauerte, dass es bei uns anders als in England keine lizenzierten Geländeausbilder gibt.

Tür in Warendorf offen

Dr. Norbert Kriegisch, Aktiver und Turnierveranstalter aus Bayern, erinnerte daran, dass neben einigen Spitzenausbildern für den Buschsport die meisten Reitlehrer eine fundierte Ausbildung nur in den Disziplinen Dressur und/oder Springen hätten. Kriegisch forderte, dass die Ausbildung an der Basis verbessert werde. In Sachen Ausbildung tue sich beispielsweise in Bayern "gar nichts". Es gebe nie die Möglichkeit, als Vielseitigkeitstrainer an Fortbildungsveranstaltungen und Lehrgängen in Warendorf teilzunehmen, beklagte Dr. Kriegisch. Damit löste er eine klare Reaktion von Frank Ostholt in seiner Eigenschaft als Leiter des DOKR-Ausbildungszentrum in Warendorf aus: Ausbilder seien beispielsweise bei den Landestrainerseminaren willkommen. Ostholt versicherte: "Die Tür ist offen."

"Falsch gelehrt"

Andreas Dibowski legte in der Diskussion nicht nur den Mangel, sondern auch Missstände offen: "Auf höchster Ebene" werde in renommierten Ausbildungsställen "falsch gelehrt", kritisierte Dibowski. Dabei habe der Vielseitigkeitssport einschneidende Veränderungen erfahren. "Dibo" beispielsweise wirbt in seinen Kursen dafür, anstelle des permanenten leichten Sitzes je nach Situation die "Sitzpositionen voll auszuschöpfen" und an bestimmten Hindernistypen auch einzusitzen und den Oberkörper aufzurichten. Gleichzeitig müsse er aber feststellen, dass die Beurteilung von Stilgeländeritten durch die Richter in vielen Fällen nicht diesen neuen Erkenntnissen des Reitens im Cross folge. Dibowski: "Und geübt wird, was beurteilt wird."

"Im Sport nicht genug zu Hause"

Die Kritik des Profis fand bei den Warendorfer Offiziellen teils erbitterte Bestätigung. Bundestrainer Melzer klagte, es gebe da bei den Richtern einige "Alteingesessene", die Vorstellungen wie vor 50 Jahren folgten. Auch Richter Jürgen Mönkemeyer kam bei der Podiumsdiskussion um Kollegenschelte nicht herum: "Es gibt leider welche, die nicht genug in dem Sport zu Hause sind." Otto-Erley verwies darauf, dass Richtlinien teils schon überarbeitet seien, "doch offensichtlich haben einige unserer Richter Leseschwierigkeiten". Die Fortbildung der Vielseitigkeitsrichter führe ein "absolutes Stiefkinddasein". Weil es Landesverbände gebe, die "nichts tun", seien manche Richter am Werk, an denen "die moderne Entwicklung vorbeigegangen ist".

"Diktieren funktioniert nicht"

Der Turniersportchef aus der Bundeshauptstadt der Reiterei musste aber auch bekennen, dass es einen schweren Mangel an Professionalisierung auf dieser Ebene gibt: Eine "verpflichtende Fortbildung für Richter" sei wegen des "ehrenamtlichen Elements" nicht umsetzbar, beklagte Friedrich Otto-Erley. Die Reaktion sei dann, dass die Betroffenen ganz wegbleiben. Otto-Erley: "Von oben diktieren – das funktioniert in diesem System nicht."

Aktive abgeblockt

Mehrfach gab es auch von Warendorf aus den Versuch, aus dem Kreis der ehemaligen Top-Reiter ausgewählte Personen anzusprechen und ihnen den Weg in eine verkürzte Richterausbildung zu ebnen. Dr. Norbert Kriegisch berichtete in Göttingen von seinen eigenen Bemühungen, sich so weiterzuqualifizieren. Er erhob schwere Vorwürfe gegen die Landeskommission in Bayern. Er sei im Freistaat von den Offiziellen abgeblockt worden. buschreiter.de berichtete ausführlich über den Fall: Hier klicken!

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