Sicherheit im Vielseitigkeitssport: Reglement
Chaoten im Cross droht die Sperre
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Risiko-Kandidaten könnte es demnächst drohen, dass sie nach wiederholten Auffälligkeiten bei Turnieren mit Sperren belegt werden. Offenbar gibt es Diskussionen bei FEI und FN, wechselseitig Informationen über "Vorfälle" auszutauschen mit der möglichen Wirkung: Reitern könnte der Start auf einem bestimmten Prüfungsniveau untersagt werden.
Auf diese Debatte über mögliche Reglementänderungen hat Friedrich Otto-Erley bei der Sicherheitsdiskussion in Göttingen hingeweisen. Er appellierte gleichzeitig an die Reiter, bei Nennungen nicht nach der formalen Qualifikation von Pferd und Reiter zu entscheiden, sondern nach der "Performance der letzten Woche". Das System der gelben und roten Flagge im Cross (Verwarnung, Ausschluss) ist auf internationaler Ebene eingeführt, doch nach Ansicht von Otto-Erley habe sich Gelb als "eher kontraproduktiv" erwiesen. Das Signal verunsichere die Reiter und führe meistens nicht zu einer Verbesserung des Reitstils. Der FN-Experte: "Wenn es gefährlich wird, muss im Zweifel zur roten Flagge gegriffen werden, um Schlimmeres zu verhüten." Er kündigte die Produktion einer DVD mit Beispielen für gefährliches Reiten an.
Ausschluss beim ersten Sturz?
Die jüngste Sicherheitsdebatte in Kopenhagen mit 80 Teilnehmern aus 25 FN sei auch um die Frage gekreist, ob schon der erste Sturz des Reiters zum Ausschluss führen soll. Während vor Jahren ein "Nein" die überwiegende Antwort gewesen sei, seien die Sportexperten nun in zwei etwa gleich große Lager geteilt gewesen, berichtete Otto-Erley.
Reicht die Empfehlung?
Die neue LPO "empfiehlt", bei Hindernissen mit weniger als drei Meter Breite, abknickende Flaggen zu verwenden. Hintergrund ist die schwere Verletzung eines Pferdes in Badminton, die durch das Bruchstück einer Flagge am Vigarage Vee entstanden ist und letztlich zum Tod des Tieres geführt hat. Andreas Dibowski stellte die Frage, ob hier eine Empfehlung ausreicht. Und er erhielt eine unmittelbare Antwort aus berufenem FN-Mund: Philine Ganders-Meyer versicherte, man werde darauf drängen, dass dies verpflichtend vorgeschreiben wird. WM-Course Designer Rüdiger Schwarz sagte, worauf es bei den Flaggen ankommt: Das Material dürfe nicht brechen und splittern und die Flaggen müssen bei Berührung weichen.
Zu wenige Sicherheitsbeauftragten
Was mit Reglement-Empfehlungen passiert, lässt sich am Beispiel des FN-Sicherheitsbeauftragten demonstrieren. 2001 ist dieses Institut eingeführt worden. Demnach soll bereits in der Ausschreibung eines solcher Beauftragter benannt werden. Dies kann ein Richter, LK-Beauftragter, nicht am Turnier beteiligter Parcourschef oder Trainer sein. Er hat die Aufgabe, Geländeaufbau und Streckenführung kritisch unter die Lupe zu nehmen, die Qualifikation der Reiter zu überprüfen, die Teilnehmer in der Dressur und im Springen zu beobachten, bevor sie ins Gelände starten, sie notfalls dergestalt zu "beraten", dass er ihnen einen Verzicht auf das Cross nahelegt – und beim Querfeldeinritt unter Umständen auch auf die Disqualifikation eines Paares hinzuwirken, bevor es zu Unfällen kommt.
Nur: "Das hat sich flächendeckend noch nicht durchgesetzt", sagte Philine Ganders-Meyer. Und: "Wir möchten das noch intensiver wahrgenommen wissen."
Eine bereits ab 2008 geltende Regelementänderung besagt übrigens, dass ein Paar nach dem fünften Abwurf im Parcours nicht ins Gelände starten darf. Dies gilt für nationale Prüfungen. Auf internationaler Ebene führt der 5. Klotz zwar nicht zum Ausschluss, aber ein Qualifikationsergebnis wird dadurch vereitelt.
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