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Sicherheit im Vielseitigkeitssport: Fitness der Reiter Strafpunkte für schlappe Jockeys? VON WOLF-DIETRICH NAHR Die Vorbereitung auf Olympia im subtropischen Hongkong hat die konditionelle Vorbereitung der Reiter vor allem auf den Geländeritt stark in den Mittelpunkt gerückt (buschreiter berichtete ausführlich). Dieser Aspekt gewinnt aber nun bei der Diskussion über das Unfallrisiko einen ganz neuen Stellenwert. Tenor: Nur ein gut durchtrainierter Jockey mit einem optimalen Konditionstraining ist körperlich in der Lage, durch die richtige Reaktion Unfälle und deren Folgen zu minimieren. Auf dem Gebiet des Reflex-, Fitness- und Falltrainings gibt es ja bereits bei der FN und im Wissenschaftsbereich konkrete Ansätze (siehe hier). Bei der Diskussion in Göttingen war auch deutliche Kritik an der Verfassung der Reiter zu hören: Friedrich Otto-Erley sprach provozierend von "Bewegungslegasthenikern" im Sattel, Reiter, die ein hohes Maß von Unbeweglichkeit und Unsportlichkeit zeigen und dennoch im Turniersport auftreten. Bei den Kaderreitern allerdings ist die formalisierte Fitness-Untersuchung längst zum Standard geworden. Ein Diskussionsteilnehmer analysierte den konditionellen Zustand der Jungen Reiter und Junioren im Spitzensport und befand: "Die meisten sind nicht sehr fit, das müsste verbessert werden." "Nur beim Reiten gibt es das nicht" Andreas Dibowski, nicht nur einer der erfolgreichsten deutschen Spitzenreiter, sondern auch der Top-Ausbilder im Vielseitigkeitssport, äußerte Fundamentalkritik, die jedem Reitlehrer zu denken geben muss: In allen anderen Leistungssportarten gebe es Aufbauprogramme, detaillierte Dehnungsübungen und Aufwärmtraining – "nur im Reiten gibt es das nicht". Die Eltern und Reitschüler seien sehr selten bereit, sich wirklich auf diese Vorbereitung aufs Reiten wirklich einzulassen. "Da müsste ganz unten angesetzt werden, bevor man mit neuen Regeln kommt", sagte Andreas Dibowski. 25 Strafpunkte drohen Denn offenbar läuft nach Angaben der FN im Moment eine interne Diskussion, konditionelle Mängel von Reitern mit Strafpunkten zu ahnden. Im internationalen Reglement gibt es ja bereits die Möglichkeit, "gefährliches Reiten" im Cross mit 25 Zählern zu belegen. Diese "Packung" könnte es künftig auch geben, wenn ein erkennbar ausgepumpter und "schlapper" Reiter im Ziel ankommt. Laut Philine Ganders-Meyer gibt es sogar Erwägungen, eine "Verfassungsprüfung für Reiter" einzuführen, um so den Druck auf eine angemessene Vorbereitung zu erhöhen. Doch dies ist offenbar nicht unumstritten: Hans-Friedrich Nagel (Bielefeld, ehemaliger Deutscher Meister) fragt sich dabei, wie dann eine Entscheidung über eine Bestrafung konditionell mangelhafter Reiter erfolgen soll und ob so etwas für Zuschauer und Sponsoren noch "nachvollziehbar" sei. "Verantwortung des Reiters" Als "Defizit" ist das Fitness-Problem bei Reiter nach Einschätzung von Micheal Spethmann, Vorsitzender des DOKR-Vielseitigkeitsausschusses und selbst aktiver Reiter, inzwischen erkannt. Auch er deutete an, dass dies mit dem Regelwerk allein nicht beantwortet werden kann: "Das ist die Verantwortung des Reiters, die man ihm nicht abnehmen kann." Lesermeinungen Heiner Beifuss aus Dielheim schreibt: Toller Ansatz, es ist dringend notwendig, über solche Maßnahmen nachzudenken und auch entsprechende Lösungen zu finden. Man kann nicht von den Pferden Höchstleistungen erwarten und selbst absolut untrainiert ans Werk gehen. Großes Lob, vor allem an die Meinung von Herrn Dibowski, gerade in der Jugendarbeit sollte hier angesetzt werden und vor allem auch eine gewisse Disziplin der Reiter gefordert werden. In anderen Sportarten ist das selbstverständlich!!! |
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