Sicherheit im Vielseitigkeitssport
Fitness der Jockeys wird zum Schlüsselthema
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Der tödliche Unfall von Tina Richter-Vietor im vergangenen Jahr und weitere Unglücksfälle weltweit haben eine bisher bespiellose Diskussion über die Verbesserung der Sicherheit im Vielseitigkeitssport ausgelöst. Die auf vielen Ebenen geführte Debatte lässt deutlich werden, dass es eine ganze Reihe von Feldern des Buschsports gibt, auf denen noch immer einschneidende Verbesserungen möglich und offenbar dringend erforderlich sind. Dies wurde zuletzt bei den Seminaren und Diskussionen im Rahmenprogramm des CDV-Balls der Vielseitigkeit 2008 in Göttingen überaus deutlich. Ein Aspekt tritt stark in den Vordergrund: Die Fitness und sportliche Leistungsfähigkeit der Reiter ist ein zentrales Element, die Folgen von Stürzen mit dem Pferd zu minimieren.
Die kleine deutsche Abordnung brachte vom FEI-Safety-Forum in Kopenhagen eine Reihe von wichtigen Basisinformationen mit. Nach Angaben von Friedrich Otto-Erley ist seit 2002 die Zahl der internationalen Vielseitigkeitsturniere sehr stark von 148 auf 394 angestiegen. Zwangsläufig nahm auch die Zahl der Unfälle zu. Otto-Erley nannte folgende, bei der FEI dokumentierte Werte: Vier Sterne: 6 Unfälle; drei Sterne: 76; zwei Sterne: 147; ein Stern: 165. Auffällig sei, dass die Quote in den langen CCI-Prüfungen auffällig höher sei als in den CIC-Kurzprüfungen. Wider Erwarten sind die Top-Prüfungen im Verhältnis zur Zahl der Starter weltweit keinesfalls sicherer: Die größte Zahl von Stürzen werde im 4-Sterne-Bereich dokumentiert, referierte Otto-Erley die FEI-Auswertung: "Ab einem gewissen Hindernismaß steigt das Risiko, dass es zu einem Sturz kommt."
Riskante Hindernistypen
Gleichzeitig seien nur bei einem oder zwei Prozent aller Stürze wirklich ernsthafte Verletzungen zu beklagen. Der FN-Turnierexperte nannte auch Typen von Hindernissen im Gelände, die besonders risikoreich sind: Ecken, Palisaden, Trakehner und "Rounds" (runde Hindernisse). Bei der FEI-Tagung in Kopenhagen sei auch deutlich geworden, dass angeblich eine Reihe von sehr schweren Unfällen bei nationalen Prüfungen vorgekommen sei. Friedrich Otto-Erley: "Die FEI weiß nicht, was sich in nationalen Prüfungen wirklich abgespielt hat." Und offenbar weiß es auch die FN nicht genau, denn eine genaue Dokumentation durch die Deutsche Reiterliche Vereinigung ist bisher am mangelnden Berichtsrücklauf der Veranstaltert gescheitert.
Dennoch haben die bisherigen Diskussionen offengelegt, dass auf diesen Feldern noch viel für die Sicherheit des Sports getan werden kann:
Ausrüstung von Reiter und Pferd
Sportliche Vorbereitung und Fitness der Reiter
Reglement
Geländeaufbau
Ärztliche Versorgung beim Turnier
Ausbildung und Qualifikation von Trainern und Reitern
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